EIDOLON: Durchhalten und weiter machen!

EIDOLON: Durchhalten und weiter machen!

Ein neues EIDOLON-Album – ein neues Interview bei vampster. Es ist ja fast schon zur Tradition geworden und das schöne daran: nach wie vor brauchen wir dabei mit dem vampster-Prinzip Interviews nur gegen interessantes Album nicht zu brechen. Denn auch das siebte Album bietet richtig geilen Power-Metal mit viel Gefühl und Atmosphäre, der ganz klar aus der Veröffentlichungsflut heraus ragt – trotz den recht knappen Pausen zwischen den einzelnen Werken. Und auch wenn nicht viel Zeit seit dem letzten Gespräch mit Shawn Drover verstrichen ist, hat sich wieder einmal einiges getan und der Schlagzeuger erzählt erneut mit vollem Enthusiasmus, was derzeit im Camp der Kanadier so abgeht.

Wie fühlst du dich heute angesichts der Veröffentlichung des neuen Albums?

Ziemlich cool. Glen macht eigentlich die ganzen Telefoninterviews, aber was ich von den Kommentaren und Reviews her bisher sagen kann bin ich sehr zufrieden. Viele Leute sagen, dass die Vocals jetzt differenzierter sind – auf den bisherigen Alben waren hauptsächlich viele melodische Gesangsparts drauf. Bei diesem Album haben wir einiges ausprobiert und wollten aggressivere Sachen machen, wie zum Beispiel Volcanic Earth, zu dem melodischer Gesang einfach nicht gepasst hätte. Wir wollten also dass Pat verschiedene Dinge versucht und die Kommentare dazu waren bisher sehr gut. Wir wollen nicht ständig dieselbe Platte machen sondern einfach auch mal was anderes ausprobieren.

Wie ich dir bereits per Mail als Kommentar nach den ersten beiden Hördurchläufen geschrieben habe, hatte ich zunächst das Gefühl, dass ich viele Melodielinien von EIDOLON schon einmal gehört habe. Aber gleichzeitig musste ich da natürlich auch feststellen, dass der Gesang sehr unterschiedlich ausgefallen ist. Und wieder einmal hat die Musik sich erst so richtig nach einigen Durchläufen erschlossen.

Das ist auch etwas was wir mit Absicht machen. Du kannst unser Album nicht nur einmal anhören und dann ein Urteil abgeben. Es gibt aber genug Journalisten, die das tun, die nach einem Mal anhören, vielleicht sogar im Hintergrund, urteilen. Man braucht schon einige Durchläufe um wirklich zu erfassen was alles abgeht – mit Absicht. Als ich das erste Mal Operation: Mindcrime gehört habe konnte ich nicht sagen ob das gut oder schlecht ist. Ich hab mir das Album bestimmt fünf Millionen Mal angehört denn es ist eines meiner ewigen Lieblingsalben. Wir wollen keine Musik machen die man sich einmal anhört und dann sofort Bescheid weiß. Es gibt zu viele Bands die das tun und das kann ziemlich langweilig werden. Die Musik wird wachsen und man muss irgendwann das Gefühl bekommen okay, jetzt weiß ich um was es geht!

Gleichzeitig musst du dir aber darüber bewusst sein dass das zum Nachteil deiner Karriere sein kann. Dieses Gespräch hatten wir bereits zum letzten Album und im Nachhinein würde mich einfach interessieren ob du den zufrieden bist mit dm was ihr damit erreicht habt?

Nun, wir verkaufen mit jeder Veröffentlichung mehr Alben aber gleichzeitig verkaufen wir natürlich nicht derart wie NIGHTWISH oder die sonstigen großen europäischen Bands. Wir sind uns darüber aber bewusst, wir haben unseren eigenen Sound und wenn ich viel Geld verdienen wollte würde ich Bands kopieren, die Platten verkaufen. Ich würde genau diese Musik machen, so wie es viele andere tun. Aber ich mach mir keine Gedanken darüber ob wir Geld verdienen könnten, denn das tun wir einfach nicht. Wir arbeiten hart dafür einzigartig zu sein und ich kann nicht verstehen wie man sich damit zufrieden geben kann wie irgend jemand anderer zu klingen. Klar, viele dieser jungen Bands sind einfach mit HELLOWEEN und ähnlichen Sachen aufgewachsen, ich bin aber Ende dreißig und eher mit 70er-Sachen wie RUSH oder BLACK SABBATH groß geworden. Ich habe nicht dieselben Gedanken wie jüngere Bands aber für mich ist es cool, denn ich habe einen Background mit dem ich mir genauso melodischere Sachen anhören kann wie auch düsteres Zeug. Ganz offensichtlich machen wir das alles nicht fürs Geld und auch nicht um besonders populär in Europa zu sein, wir machen es wegen der Musik und wenn das andere auch mögen, dann ist das okay. Das ist die Überschrift: wir wären gerne bekannter aber wenn wir es nicht werden dann bringt mich das nicht um. Wir machen es zuerst für die Musik und bekommen auch mit jedem Album mehr Fans – und auf die Weise machen wir weiter. Wir machen unsere Musik nun seit 1996 und sind immer noch da! Viele andere Bands sind verschwunden, wir machen immer noch weiter. Und mit der Zeit werden das die Leute auch zur Kenntnis nehmen und sagen hey, die gibt es immer noch, vielleicht sollte ich sie mal antesten, vielleicht haben die was, das ich schon immer gesucht habe. Wir versuchen uns an diesem Blick aus der Vogelperspektive festzukrallen und uns auf die Dinge zu konzentrieren was wir für die Band wollen.

Seit eurem letzten Album ist nicht zu viel Zeit vergangen und doch hat sich wieder einiges bei euch getan. Zum einen habt ihr da die Sacred Shrine-CD veröffenlicht…

Das Label, das unsere ersten beiden Alben in Europa vertrieben hat, kam mir der Idee Anfang des Jahres an. Sie fragten was wir davon hielten Sacred Shrine in CD-Form zu veröffentlichen. Wir sagten zu, weil es einige Leute gab, die daran Interesse hatten. Sie haben die CD gepresst und wir haben einige gute Resonanzen darauf erhalten, zum Teil sehr witzige, denn ein paar Leute meinten, dass dies unser bestes Album ist. Wir sehen das natürlich etwas anders. Du kannst die alten Aufnahmen anhören und unsere neuen und ganz klar haben wir uns über die Jahre etwas verändert. Aber ich bin glücklich über die Veröffentlichung und für Leute die auf das alte Zeug stehen ist es natürlich cool, weil sie es nun kriegen können.

Für mich als Fan war es in erster Linie einfach auch eine Sache um die Sammlung zu komplettieren.

Ja, wie ich es im Booklet geschrieben habe sind dies die Anfänge der Band und natürlich ist es keine tolle Produktion und all das, aber für den den es interessiert ist es ein e prima Sache. Ich weiß auch gar nicht wie viele Kopien davon in den 3-5 Monaten verkauft wurden aber ich hoffe schon dass sie läuft.

Auf der limitierten ersten Edition von Apostles of Defiance wird es ja auch eine Wiederveröffentlichung des offiziellen Debütalbums Zero Hour geben.

Ja, das ist richtig. Seitdem wir bei Metal Blade unterschrieben haben, haben wir immer darüber gesprochen ob man nicht Zero Hour wiederveröffentlichen könnte. Metal Blade haben auch stets versprochen dass wenn die Zeit reif ist das Album veröffentlicht wird. Und nun sind sie auf uns zugekommen, ob man Zero Hour nicht für die limitierte Ausgabe als Bonus-CD verwenden könnte und für uns war das großartig. Wir sind sehr glücklich darüber und für mich ist Zero Hour auch unser erstes Album. Sacred Shrine ist mehr ein Demo. Nun, für viele Leute ist es das beste EIDOLON-Album, worin ich zwar nicht zustimmen kann aber jeder hat seine eigene Meinung. Und wer die CD nicht mehr bekommen konnte, der hat nun die Möglichkeit mit dem neuen Album – und das ist klasse.

Wir haben uns ja schon mal darüber unterhalten dass man evtl. Seven Spirits als Bonus-CD veröffentlichen könnte…

Ich weiß, irgendwie seltsam, oder?

Sicher…nun ist es aber Zero Hour geworden. Ist der Gedanke immer noch da, Seven Spirits neu aufzunehmen?

Nun, wir haben schon oft darüber nachgedacht, aber das würde so viel Arbeit bedeuten und ich bin mir nicht sicher, ob es das wert wäre. Viele Leute werden sicher sagen oh mann, ich kenne das Album und jetzt wird es neu aufgenommen, also was solls? Ich weiß nicht ob es das Wert wäre, sich das alles aufzuhalsen und den Prozess noch mal zu durchlaufen um dann von ein paar Leuten zu hören dass es okay wäre und andere sich vielleicht nicht mal drum scheren. Ich denke wir werden das Album so lassen wie es ist und wenn Metal Blade nächstes Jahr mit dem nächsten Album etwas machen wollen wie mit dem neuen dann wäre das für mich cool. Ich denke das kommt auf Metal Blade an, man muss jetzt mal schauen was daraus wird.

Nun, mal wirklich nur als Fan gesprochen: Seven Spirits ist für mich ein ganz spezielles Album und gerade jetzt habe ich das Gefühl, dass EIDOLON an einem Punkt sind, an dem etwas ganz Spezielles folgen sollte. Da würde sich für mich als Fan diese Neuaufnahme anbieten, vielleicht noch mit ein bis zwei Songs mehr um die Geschichte runder zu machen, einigen neuen Ideen eingearbeitet, ein paar kleine Veränderungen….

Nun, ich weiß das sehr zu schätzen, aber mit Seven Spirits ist es dasselbe wie mit den anderen: ein paar Leute lieben das Album und andere mögen es nicht so sehr. Für viele ist es zu deprimierend und düster. Aber damals haben wir das mit Absicht gemacht. Es ist eine sehr depressive Geschichte und es hätte keine Sinn ergeben fröhliche Melodien darüber zu schreiben. Wir wollten es so düster wie möglich haben. Ich mag noch vieles an dem Album, aber manches könnte man anders machen. Damals war es das beste was wir machen konnten und ich denke es ist ein gutes Album.

Was ihr in der Zwischenzeit auch gemacht habt, war der erste EIDOLON-Videoclip zum Song Coma Nation. Ein Video ist sicher kein schlechtes Medium um mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen aber ich schätze dass ihr das ganze im Grunde genommen selbst finanzieren musstet – hat sich das aus deiner Sicht denn überhaupt gelohnt?

Wir hatten da echt Glück denn im Grunde genommen hat das Video gar nichts gekostet. Viele Bands bekommen vom Label überhaupt kein Geld für so etwas, weil es sich einfach nicht lohnt und die Clips eh nicht gespielt werden. Warum sollte man Geld für etwas ausgeben, das niemand bereit ist zu verwenden? Bei uns war es so, dass wir einige Leute kannten, die Videoclips produzierten und alles was du siehst ist tatsächlich von den Leuten zur Verfügung gestellt worden – was grandios ist. Die Produktion war wirklich klasse und wir sind froh dass wir das gemacht haben. Wir hatten da einfach Glück dass wir Leute kannten die uns dabei unterstützen wollten unsere Musik weiter zu verbreiten. Wir haben mit Bands gesprochen, die für Videos tausende von Dollar ausgegeben haben, die dann nie gespielt wurden – wir konnten das ganze im Internet anbieten und konnten es auf eine CD brennen. Wir hatten wortwörtlich nichts zu verlieren und das war natürlich cool.

Gleichzeitig arbeitet ihr derzeit an einem Siedprojekt zusammen mit den Jungs von PAGAN´S MIND. Kannst du mir da noch einige Informationen dazu geben? Du hast mir erzählt, dass du die Jungs zum ersten Mal auf dem Wacken getroffen hast, richtig?

Ja, richtig. Die ganze Sache fing damit an als ein Schreiber von Brave Words & Bloody Nuckles bei uns anrief und meinte, wir müssten uns unbedingt die Band anhören. Mein Bruder hat mich sofort angerufen als er die CD hatte und von diesem Wahnsinns-Sänger geschwärmt. Er fragte mich, ob wir mit ihm und dem Bassisten nicht ein Projekt aufziehen sollten. Glen schrieb ihn an, hat ihm erzählt, dass er mal in einer Band namens KING DIAMOND gespielt hat, blablabla und dabei fand er heraus, dass Nils ein Riesen-KING DIAMOND-Fan ist. Innerhalb weniger Tage hatten wir ein Projekt zusammen, sie sagten sofort zu und auf dem Wacken haben wir sie tatsächlich zum ersten Mal getroffen, wobei wir sofort gute Freunde wurden – sehr nette Jungs.

Was ich mir aber als extrem seltsame Situation vorstelle….

Total strange! Adrian und Pat wussten aber ja, was wir vor hatten, es gab da keine Geheimnisse und jeder ist damit glücklich. In Atlanta beim ProgPower haben wir die Jungs wieder getroffen – sie haben uns auf dem Wacken gesehen, wir wollten nun PAGANS MIND schauen, einfach um auch zu wissen ob das funktionieren könnte. Und Nils ist ein großartiger Sänger und es sind wirklich großartige Jungs. Wir haben derzeit zirka 50 % des Materials fertig und Anfang November wollen wir mit Aufnehmen beginnen. Die Band heißt DIMENSION INFINITE. Wir sind alle große Fans von KING DIAMOND und QUEENSRYCHE und wir wollen etwas machen das etwas düsterer und… (stockt) …ich will nicht traditioneller sagen oder mehr 80er-Jahre-mäßig, weil das auf eine falsche Fährte führen könnte. Wir wollen etwas machen, das die Stimmung von Alben wie Abigail oder The Warning wiedergibt – es soll kein EIDOLON Part II werden. Das wäre totaler Blödsinn, warum sollten wir etwas machen im Sinne von dies ist EIDOLON mit einem anderen Sänger!? Es wäre dämlich. Keyboards werden bei diesem Projekt auf jeden Fall eine größere Rolle spielen und für Glen und mich ist das etwas völlig neues, in einer Band zu spielen, in der Keyboards eines der Hauptinstrumente darstellt. Es wird auf jeden Fall sehr interessant. Es ist noch zu früh um wirklich zu sagen wie das ganze klingen wird und es soll auf keinen Fall so sein, dass es zu sehr nach einer anderen Band klingt.

Das klingt doch sehr vielversprechend. Aber wieder zurück zum aktuellen Album – ich würde gerne auf jedes einzelne Stück eingehen und natürlich mit dem Opener beginnen, der fast als einer der härtesten EIDOLON-Songs durchgehen könnte und bei dem ich die Lyrics überhaupt nicht durchschaue. Du verwendest sehr düstere Bilder in dem Text, um was geht es?

Manchmal ist es wirklich sehr schwer meine Lyrics zu verstehen. Screams from Within handelt im Grunde von einem Kerl der irgendwo aufwacht und vollkommen mit Blut beschmiert ist. Er hat jemanden getötet und fragt sich was zur Hölle ist das, ich kann mich nicht erinnern dass ich das getan habe! Warum passiert das? Er weiß nicht mal ob er es wirklich getan hat. Tagsüber ist er normal, aber nachts ergreift etwas Besitz von seinem Geist und er verwandelt sich in eine totalen Irren. Und nun schreit es aus seinem Innern heraus Warum passiert das, warum tue ich solche Dinge? Er versteht nicht was passiert. Das ist im Grunde das Bild, das ich zeichnen wollte.

Okay und man könnte schon fast von einem typischen Shawn Drover-Text reden, oder?

Haha…ja, sicher, sehr durchgedreht und verworren….

Volcanic Earth ist aus textlicher Sicht um einiges direkter. Für mich ist das ein Song, der sehr an Sachen wie Metal Meltdown von JUDAS PREST erinnert was die Bildwahl angeht und auch sonst habe ich das Gefühl dass auf dem neuen Album dieser Einfluss deutlicher zu spüren ist als auf älteren.

Bis zu einem bestimmten Punkt kann ich dir da zustimmen. Wie sagen nicht bewusst lass uns wie JUDAS PRIEST oder wie TESTAMENT klingen. Wenn man so was raushört dann hab ich kein Problem damit. Ein Vergleich mit JUDAS PRIEST ist für mich ein riesiges Kompliment, es ist meine Lieblingsmetalband. Das lugt sicher mal in der ein oder anderen Melodielinie oder bei einem Riff durch. Der Text von Volcanic Earth ist entstanden als ich eine Fernsehsendung gesehen habe, bei der es um Vulkane in Island unter der Erde ging die von tausenden Tonnen Eis bedeckt sind. Ich hab noch nie davon gehört, dass es so etwas gibt und fand es total faszinierend. Wie kann ein Vulkan, der dich von einem Moment auf den anderen in Asche verwandelt, unter Eis und Schnee begraben sein? Für mich war das eine total coole Idee für einen Song und daraufhin hab ich im Internet Informationen gesucht, die die Sache bestätigten. Darum geht es und ich hab die Sache bis zum Extrem ausgeführt. Für mich war es einfach eine total interessante Sache und ich dachte mir, dass das mal was anderes wäre.

Beim Lesen der Lyrics zu Twisted Morality hatte ich das Gefühl, dass er wie beim letzten Album bei The Pentacle Star von einem Film (From Hell) inspiriert sein könnte…mir ist aber nicht wirklich ein passender eingefallen….

Nein, der Text ist von keinem Film inspiriert. Eigentlich geht es um eine reale Person – eine Frau. Sie ist eine von diesen extrem religiösen Leute die in allem was man tut eine Sünde sieht oder eine Besessenheit von Dämonen und sie meinte ihre Kinder wären nicht rein, sie wären sündig und Satan würde sie holen. Sie hatte fünf kleine Kinder und vier davon ertränkte sie. Das größte Kind rannte davon und sie jagte es, bis sie es bekam und ertränkte es ebenfalls. Ich sah das in einem Special im Fernsehen und als ich es sah machte mich das einfach total wütend. Ich konnte es nicht glauben, denn ich habe selbst Kinder. Es macht mich krank dass die ganzen religiös geprägten Leute die Sache runter spielten und einfach meinten oh, sie ist verrückt geworden und all das. Ich dachte nur oh mann, die Frau hat fünf Kinder umgebracht und im Gericht soll sie jetzt als unzurechnungsfähig erklärt werden? Ich wollte meine ganzen Gedanken einfach in einem Song kanalisieren. Das mach ich ganz gerne, wenn ich etwas im Fernsehen sehe das mich wütend macht, dann schreibe ich das in einem Song nieder. Der Text ist sehr realistisch. Ich habe zwar einige Sachen etwas verändert um es nicht so offensichtlich zu machen, aber die grundsätzliche Idee basiert auf dieser Person.

Auf der musikalischen Seite des Songs finden wir hier den ersten Solobeitrag von Andy LaRocque.

Für mich ist Andy LaRocque – der KING DIAMOND-Freak der ich bin und der ich vor allem war als ich noch jünger war – einer meiner Lieblingsgitarristen. Als Glen bei KING DIAMOND spielte war ich mit auf Tour und Andy´s Gitarrentechniker. Wir wurden gute Freunde und haben ihn einfach gefragt ob er nicht ein paar Soli für unser Album einspielen wolle. Für mich ist das der Wahnsinn – jemandem auf dem Album zu haben den ich immer bewunderte. Das ist fantastisch.

Andy LaRocque scheint ja wirklich auch ein Mensch zu sein, der trotz seines Erfolges nie den Boden verloren hat.

Oh ja. Andy hat kein Ego-Problem und macht keinen auf Rockstar. Er hat seine Band die er liebt, er hat seine Familie, sein Aufnahmestudio in Schweden und ist total auf dem Boden. Ich meine – das ist Andy La Rocque, ein Gitarrengott aber er ist wirklich ein ganz normaler Mensch – sehr ruhig und nett.

Der nächste Song Demoralized ist derjenige den ihr in Wacken gespielt habt, richtig? Wir haben uns ja dort bereits über den Song unterhalten und vor allem live ist mir aufgefallen, dass er von den Vocals her wirklich sehr nach JUDAS PRIEST klingt. Lyrisch hat er meiner Meinung nach auch ein gewisses Painkiller-Feeling, da ist eben diese Kreatur die einfach unzerstörbar ist und alles vernichtet….

Was die JUDAS PRIEST-Sache angeht…ja, als ich den Song anhörte als wir fertig waren sagte ich auch das klingt ein wenig wie Rapid Fire vom British Steel-Album. Es war mir aber egal, denn es war nicht mit Absicht und hat sich einfach so entwickelt – wie schon öfter gesagt. Ich habe nie versucht dass es sich anhört wie Painkiller oder Screaming for Vengeance, es ist einfach so geworden. Auf der lyrischen Seite ist das ganze wirklich sehr direkt, eine Macht, die nicht zerstört werden kann. Kein besonders komplizierter Song was die Lyrics angeht. (überlegt) Es ist wirklich schwer zu erklären….ja…wie du sagtest, es geht um diese Macht und das ist es eigentlich schon, haha….

The Test geht wieder etwas in diese Lunar Mission-Richtung oder aber auch in Richtung von Forgotten City (vom Hallowed Apparition-Album). Es scheint ja auch ein faszinierendes Thema für dich zu sein – ein paar Jungs gehen auf eine Mission in unbekannte Welten und wissen, dass sie vielleicht nie mehr zurückkehren werden.

Ja, das stimmt. es geht um Weltraumforscher die sich auf die Suche nach schwarzen Löchern begeben. Viele haben es vor ihnen bereits versucht sind aber nie mehr zurück gekommen. Niemand weiß, was mit ihnen passiert ist. Ihre Aufgabe ist es diesen Test zu bestehen – eine sehr gefährliche Sache. Sie sagen sich selbst wenn wir getötet werden, wir müssen es versuchen. Natürlich kommen sie dabei um. Ich denke es ist ein interessantes Thema, etwas untypisch für Heavy Metal, es muss nicht immer um Blut und Gedärm gehen. Bei manchen Songs versuche ich einfach ein bisschen was anderes zu machen. Ich mag den Song und denke es ist einer meiner besten Texte.

Und erneut habt ihr auf diesem Song diese sehr melancholischen Melodien die ich so liebe.

Ja, wir lieben das auch, wir wollen keinen fröhlichen Metal machen wie all die HELLOWEEN-Clones. Versteh mich nicht falsch, ich liebe diese Musik….

the Will to remain hat sehr persönlichen Charakter…

Neil Pearl, der Schlagzeuger von Rush hat 1998 bei einem Autounfall seine Tochter verloren und zehn Monate später starb seine Frau und darüber hat er ein Buch geschrieben. Sehr deprimierend, er schreibt darüber dass er nicht mehr leben wollte und nicht wusste wie er weiter machen soll – davon war ich sehr fasziniert. Darum geht es in dem Song, die Kraft zu finden weiter zu machen. Das Buch heißt Ghostwriter und ist eigentlich ein Journal dessen was mit ihm widerfahren ist nachdem seine Frau gestorben ist. Sie starb an Krebs. Er fragte sich wie er mit all dem umgehen soll ohne sich selbst umzubringen. Er saß also auf sein Motorrad und fuhr durch ganz Kanada, Nordamerika und Mexiko. Ich glaube 14 Monate lang. Er fuhr einfach immer weiter, konzentrierte sich auf die Straße und versuchte auf andere Gedanken zu kommen. Für ihn war der beste Weg immer weiter zu fahren – immer weiter gehen. Er musste in Bewegung bleiben um zu überleben.

Daher auch dieses mobility remains…

Ja richtig, mobility remains, the only way now to cope. Es ist meine einzige Möglichkeit mit den schrecklichen Dingen die meiner Familie passiert sind umzugehen, ich habe nun keine Familie mehr. Ich muss weitermachen um zu überleben. Ich habe das Buch zwei mal gelesen und es ist faszinierend, wirklich. Ich musste einfach einen Text dazu schreiben. Ich habe aber wieder versucht das ganze etwas auf meine eigene Weise zu beschreiben. Ich habe nicht geschrieben Neil sprang auf sein Motorrad und fuhr los, ich habe versucht die Situation aus einer Ich-Perspektive zu beschreiben. Aber die Geschichte ist von Neils Buch inspiriert. Wenn du es findest, lies es. Es ist allerdings nicht einfach, den Neil ist ein sehr intelligenter Mensch – aber sehr faszinierend.

Kommen wir zum Titelsong des neuen Albums, meiner Meinung nach der schwerste der CD – sehr heavy Gitarrenriffs usw. und erneut wirken die Jungs von ECLIPSE ETERNAL mit…

ECLIPSE ETERNAL haben ihr erstes Album in Glens Studio aufgenommen und er hat die ganze Studioarbeit für sie gemacht. Er rief mich erneut an, hat mir die Sachen am Telefon vorgespielt und gemeint hör dir diesen Sänger an, er ist fantastisch – extrem böse, ein großartiger Death Metal Sänger. Als wir unser Album aufnahmen war mir klar, dass dieser Teil eine Death Metal-Stimme benötigt, was ich oder Pat hätten machen können. Dieser Kerl macht das aber tausend Mal besser als wir und ich sagte einfach scheiße, warum nehmen wir nicht einfach ihn? Für sie ist es gut um ihren Namen bekannter zu machen, er mochte den Song und deshalb war er auch sofort dabei. Wir sind wirklich glücklich dass wir ihn auf dem Album haben.

…und es passt wieder einmal perfekt zu eurem Sound.

Ja, absolut, wenn du die Texte liest wirst du sehen dass es ein sehr böser Song ist. Wir haben es wieder mit dem EIDOLON-Kerl zu tun, diesem bösen Kettentyp. Die Apostel folgen ihm und darum geht es in dem Song. Es sind die Anhänger des Bösen.

…womit der Chain-Guy weiterhin euer Covermaskottchen bleibt…

Ja genau. Es passt einfach zum Cover.

Pull the Trigger – ich hab den Song nicht wirklich verstanden, zunächst dachte ich es geht um Selbstmord, aber damit liege ich wohl total falsch….

Im Grunde genommen geht es um eine Beziehung zwischen einem Kerl und einem Mädchen. Das Mädchen behandelt den Typen wie Dreck und er ist von dem Schmerz wie erschlagen. Du tötest mich mit Worten, warum bist du so schlecht zu mir? Er dreht den Spieß um und tut ihr böses an. Pull the Trigger bedeutet im Grunde genommen du tötest mich mit Worten. Der Mann bekommt hier die ganze Misshandlung in der Beziehung ab und dreht den Spieß um diese Misshandlung zu stoppen.

Apathy for a Dying World?

In dem Song geht es eigentlich um eine Einstellung die lautet ich weiß dass die Welt immer beschissener wird, aber es ist mir egal. Es geht um einen Typen der erkennt dass die Welt immer schlechter wird aber er lebt wie in seiner eigenen Welt und schottet sich innerlich von all dem was um ihn herum abgeht ab. Was passiert ist – und an dieser Stelle wird das ganze zu einer Fantasy-Story – dass er eine Erscheinung hat und zu ihm sagt wenn du mit mir kommst, wirst du den Schmerz nicht mehr spüren. Er stirbt, schaut zurück und sagt sich es ist mir egal. Ich bin lieber tot als dass ich diese Schmerzen weiter durchleben muss. Das ist im Prinzip schon alles, es geht um einen Typen der einfach genug von dem bösen in der Welt hat.

Okay, und damit wären wir auch wieder am Ende des Interviews angekommen. Was denkst du, wie es mit EIDOLON weiter gehen wird, was sind die nächsten Schritte?

Nun, als erstes werden wir die ganzen Interviews machen – Glen und ich werden uns voll darauf konzentrieren. Gleichzeitig schreibe ich an der DIMENSION INFINITE-Scheibe weiter und wir werden wohl zwei-drei Sachen gleichzeitig machen. Wir brauchen eine kleine Pause von den EIDOLON-Aufnahmen und hoffen dass wir ein paar Shows in Kanada spielen werden können. Was wir auf jeden Fall machen wollen ist nächstes Jahr nach Europa zurück zu kehren und mindestens ein Festival spielen. Wir hoffen dass wir bei Sweden Rock auf das Billing gelangen, darauf konzentrieren wir uns momentan. Hoffentlich klappt das irgendwie. Wir wollen einfach auch bei den Leuten in Europa in Erinnerung bleiben und da wir keine Tour machen können wollen wir Shows spielen, bei denen uns so viel Leute wie möglich sehen können und hoffentlich auch die Musik hören. Ja, Europa ist wirklich wichtig für uns.

Fierce
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