TRAIL OF TEARS: Free Fall Into Fear

Die Norweger präsentieren sich auf ihrem vierten Album so hart wie nie zuvor. Mit dem Abgang von Sängerin Cathrine Paulsen scheinen TRAIL OF TEARS ihre Gothic Wurzeln gekappt zu haben, um mehr in den Death und Dark Metal Gefilden Fuß zu fassen. Ob das gelingt? "Free Fall Into Fear" ist sicherlich ein aggressiv melodischer Longplayer mit viel Potenzial.

Stillstand bedeutet Rückschritt: Deshalb haben TRAIL OF TEARS einen markanten Eingriff an ihrem Stil vorgenommen, der mit dem bloßen Line-Up-Update – anstelle von Cathrine Paulsen unterstützt nun GREEN CARNATION-Frontman Kjetil Nordhus den growlenden Ronny Thorsen mit cleanen Vocals – lediglich seinen Anfang nahm. Viel mehr haben die Norweger an Reife gewonnen, was sich vor allem in einem für den Hörer herausfordernden Songwriting niederschlägt, das den Songs eine verschachtelte Bauweise beschert, die mehr Abwechslung in sich birgt, als das auf den vorherigen drei Alben vorherrschende The Beauty and the Beast-Schemata.

Dies hat allerdings auch zur Folge, dass die Genre-Bezeichnung TRAIL OF TEARS einem Lifting unterzogen werden muss, denn von den Gothic Metal-Wurzeln hat sich das Septett – bis auf die melancholische Grundstimmung – weitestgehend entfernt und kredenzt den musikalisch aufgeschlossenen alten Fans und den sicherlich nun neu hinzukommenden Bewunderern der Band eine interessante Mischung aus düsterem Metal mit Anleihen aus dem Death, Dark und Black Metal-Bereich. Doch trotz dieser aggressiven Kehrtwende bleibt die Melodie fast nie auf der Strecke, wofür vor allem die griffigen Gitarrenriffs verantwortlich zeichnen. Auch der neue Sänger trägt seinen Teil dazu bei, dass die Musik unter die Haut geht – und teilweise weckt sein Gesang sogar mehr Emotionen als anno dazumal seine weiblichen Vorgängerinnen.

Ein weiterer Punkt, den ich noch gerne herausstreichen möchte, ist die prominente Abmischung des Basses, dem endlich wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden kann, als auf vielen anderen Releases der letzten Zeit. Vor allem im kraftvollen Opener Joyless Trance Of Winter dröhnt und surrt der Viersaiter in einer Manier, wie ich es schon lange nicht mehr gehört habe. Doch auch sonst ist die Produktion auf hohem Niveau und ist trotz aller neu gewonnener Rohheit und Härte klar und äußerst professionell, was allerdings angesichts des Studios für die Aufnahme (DUB Studio) und desjenigen für das Mastering (Finnvox) nicht verwunderlich ist.

Insgesamt handelt es sich bei Free Fall Into Fear um ein sehr homogenes Album, das seinen Abwechslungsreichtum mehr aus den einzelnen Songs schöpft, als über den gesamten Longplayer hinweg. Auffallend ist zudem die Tatsache, dass sehr viele Songs mit ziemlich schnellen Blastbeats eröffnet werden, um sich in weiterer Folge im Midtempo-Bereich abzukühlen, wie etwa Frail Expectations, das darüber hinaus mit einem dezent eingesetzten, klassischen Chor angereichert wird. Jedoch sind auch weitere klassische Passagen mit von der Partie: Beispielsweise der bereichernde Streicher-Einsatz im wohl besten Lied des Albums Carrier Of The Scars Of Life, das mit gelungenen Stil- und Tempowechsel für Begeisterung sorgt. Dass sich TRAIL OF TEARS aber schließlich nicht ganz von ihrer Vergangenheit abnabeln konnten bzw. auch die alte Käuferschicht bei der Stange zu halten versuchen, geht ansatzweise aus Cold Hand Of Retribution hervor, wo überraschenderweise wieder weibliche Vocals zum Einsatz kommen, die auch den gelifteten Norwegern gut zu Gesicht stehen würden: Und dass es auch mit drei Sängern in ähnlicher Konstellation gut funktionieren könnte, bewiesen ja neulich TRISTANIA mit Ashes.

Veröffentlichungstermin: 28.02.2005

Spielzeit: 45:00 Min.

Line-Up:
Ronny Thorsen – Vocals

Kjetil Nordhus – Vocals

Runar Hansen – Lead Guitars

Terje Heiseldal – Guitars

Kjell Rune Hagen – Bass

Frank Roald Hagen – Synths

Jonathan Perez – Dums

Produziert von Endre Kirkesola
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.redheaven.com

Email: ronny@redheaven.com

Tracklist:
1. Joyless Trance Of Winter

2. Carrier Of The Scars Of Life

3. Frail Expectations

4. Cold Hand Of Retribution

5. Watch You Fall

6. The Architect Of My Downfall

7. Drink Away The Demons

8. Point Zero

9. Dry Well Of Life

10. The Face Of Jealousy