TORCHE: Harmonicraft

TORCHE: Harmonicraft

Renne, mein Kleiner. Renne los und spring von der Klippe, der Regenbogen wird dir als Raketenbahn durch die bunte Wunderwelt von TORCHE den Weg weisen. Bonbons, bunte Ponys mir Hörnern, Regenbogen, ein Sternenkreuzer und ein Kampf zwischen Gut und Böse – ja was zur Hölle soll sonst auf einem Cover von TORCHE stehen? Eben. Die Riffmaschine aus Florida geht vier Jahre nach Meanderthal gut gelaunt an die Arbeit, um mit dreizehn Songs für gute Laune beim Hörer zu sorgen. TORCHE bezeichnen ihre Musik als Thunder Pop, und mit dieser augenzwinkernden Stilbezeichnung haben sie auch verflucht nochmal recht. Harmonicraft poltert und rifft daher wie MASTODON in ihren allerzugänglichsten Momenten. Kurze, kompakte Songs mit jede Menge Heaviness, Knallerriffs, eingängigen Melodien, wilden Grooves und fast schön fröhlichem Gesang sind nicht das, was man immer hören kann und mag, aber bei guter Laune geht mit Harmonicraft alles besser von der Hand.

Neben MASTODON klingen TORCHE hier und da ein wenig nach simplen MELVINS, permanent sind irgendwie die FOO FIGHTERS mit im Boot. Daraus entsteht etwas leichtfüßiges, das es sich nicht wie die meisten Sludge-Bands dieses Planeten zum Ziel gesetzt hat, alles zu vernichten, sondern im Sommer eher dazu anregen will, die Fensterscheiben runterzukurbeln, laut aufzudrehen und sich auch in einem rostigen Fiesta cool zu fühlen. Das gut eingespielte Quartett gibt jedoch nicht nur Gute-Laune-Momente zum Besten, gerade am Schluss wird es etwas dramatischer und epischer. Die Hitdichte ist dennoch groß: Kicking, Walk It Off, Snakes Are Charmed, Sky Trials und Kiss Me Dudely gehen in Sekundenschnelle ins Ohr und in die Beine. Solitary Traveller und der Titelsong zeigen, dass TORCHE auch Dynamik beherrschen. Der mit über sechs Minuten längste Track Looking On beschließt Harmonicraft sogar schwerfällig-doomig und ein bisschen düster, bevor er am Ende doch nochmal beschwingt losrockt.

Nein, Harmonicraft ist kein innovatives Album, es mangelt sogar ein wenig an Tiefgang, es erfindet Rockmusik nicht neu, es ist keine Sensation wie es Houdini oder Leviathan zu ihrer Zeit waren. Aber es macht Spaß, ist gut dargeboten und wird gegen Ende sogar richtig spannend. TORCHE geht es nicht darum, die Welt zu verändern, sie wollen Spaß haben. Harmonicraft, das vier Jahre nach dem letzten vollen Album wieder PA-Anlagen vernichten und das Publikum zum Schwitzen bringen wird, ist einfach eine saugute, solide produzierte Rockscheibe, das wie eine Einstiegsdroge in diese Szene dienen kann und Neueinsteiger wie alte Hasen gleichermaßen umhauen wird. Da kannst du also noch so viel rennen, mein Kleiner. Diese mit Zuckerguss überzogene Rockmischung wird dich genauso magisch anziehen, wie Honig einen Bären, oder ein bisschen Dope den Coverzeichner.

Veröffentlichungstermin: 27. April 2012

Spielzeit: 38:41 Min.

Line-Up:
Steve Brooks – Guitar, Vocals
Jonathan Nunez – Bass, Vocals, Synthesizer
Andrew Elstner – Guitar, Vocals
Richard Smith – Drums

Produziert von Jonathan Nunez
Label: Volcom Entertainment

Homepage: http://www.torchemusic.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/torcheofficial

Tracklist:
1. Letting Go
2. Kicking
3. Walk It Off
4. Reverse Inverted
5. In Pieces
6. Snakes Are Charmed
7. Sky Trials
8. Roaming
9. Skin Moth
10. Kiss Me Dudely
11. Solitary Traveller
12. Harmonicraft
13. Looking On

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle