STRATOVARIUS: Stratovarius

Die Zeit der Streitereien ist vorbei, jetzt kann im Hause STRATOVARIUS wieder bedingungslos dem Metal gehuldigt werden. Oder?

Kaum waren im Oktober 2003 die letzten Töne von Elements Part II verklungen, zogen dunkle Wolken auf im Hause STRATOVARIUS. Üble Geschichten kamen ans Tageslicht, Timo Tolkkis Foto mit blutverschmiertem Gesicht geisterte durchs WWW, Miss K. sollte Timo Kotipelto ersetzen, machte aber höchstens mit peinlichen Fotos und einer Affinität zu Blut von sich reden. Einzig die KOTIPELTO Solo-Aktivitäten waren ein Trost, doch den Verdruss, in Zukunft auf Werke à la Episode und Visions verzichten zu müssen, konnten diese auch nicht bändigen. Anfang 2005 dann der Lichtblick: STRATOVARIUS vertrugen sich wieder und gelobten auch weiterhin, ihre Fans mit melodischen Metal zu verzücken. Dürfen die Fans also aufatmen und sich mit dem selbstbetitelten Werk wieder in den gloriosen, alten Zeiten wähnen?

Wohl kaum. Der alte Feuer in diesem finnischen Ofen ist aus. Kann man die ersten drei durchschnittlich ausgefallenen Songs noch als Anlaufschwierigkeiten abhaken, ist bei Back to Madness die Toleranzgrenze ausgereizt. Als neues Element gesellt sich hier der grässliche Gesang eines Opernsängers in die Soundlandschaft, die fortan zu einer akustischen Fratze verkommt. Gypsy in Me stimmt danach wieder etwas versöhnlicher, da hier der STRATOVARIUS-Geist schon eher heimisch erscheint. Danach driftet Tolkkis Truppe mit Götterdämmerung (Zenith of Power) wieder in die Durchschnittlichkeit ab – wenn da nicht das im Vorfeld viel diskutierte Sample einer Hitler-Rede im Song integriert worden wäre. Doch das geschmacklose Fragment entpuppt sich als kaum verständliches, unspektakuläres Gelalle im Hintergrund, Kotipelto behält zum guten Glück die gesamte Zeit die Macht über das Mikro. Angesichts dessen hinterlässt die Verwendung dieses Tonmaterials einen zwiespältigen Eindruck – ein Verzicht hätte der Qualität des Songaufbaus keinen Abbruch getan, somit manifestiert sich die These, dass es sich hierbei lediglich um eine völlig deplatzierte, taktlose PR-Eskapade handelt, um das Album vor seinem Erscheinen im Blätterwald tüchtig rascheln zu lassen.

Danach vermögen das stimmungsvolle, langsame The Land of Ice and Snow und das zum Mitsingen animierende United (kein JUDAS PRIEST-Cover) zwar an die früheren Zeiten anzuknüpfen, doch der Einfluss der missratenen Götterdämmerung schmälert den Genuss von Stratovarius doch sehr. Auffallend sind auch die zahmen Darbietungen im instrumentellen Bereich. Man wünscht sich zunehmend, dass sich die Herren Tolkki und Johansson auf dem nächsten Output wieder gegenseitig in die technische Ekstase hochspielen und etwas mehr Pfeffer in die Mischung bringen.

Es bleibt zu hoffen, dass United ein Fingerzeit in eine erfolgreichere Zukunft mit gewohnter STRATOVARIUS-Qualität sein möge. Denn eine Schublade, in der fortan nur noch SONATA ARCTICA, AXENSTAR und Co. den Ton angeben, wäre eine traurige Angelegenheit.

Veröffentlichungstermin: 05.09.2005

Spielzeit: 49:21 Min.

Line-Up:
Lauri Porra (SINERGY,WARMEN, KOTIPELTO): Bass

Timo Tolkki: Gitarre

Timo Kotipelto: Vocals

Jens Johansson: Keyboards

Jörg Michael: Drums
Label: Sanctuary

Homepage: http://www.stratovarius.com

Tracklist:
1. Maniac Dance

2. Fight!!!

3. Just carry on

4. Back to Madness

5. Gypsy in Me

6. Götterdämmerung (Zenith of Power)

7. The Land of Ice and Snow

8. Leave the Tribe

9. United