SOLSTAFIR: Svartir Sandar [2 CD]

Eine über 70minütige Reise ins raue Island…

SÓLSTAFIR gehen schon seit einiger Zeit ihren ganz eigenen Weg zwischen dem Black Metal der späten 90er und ihrem milleniummodernen Rock-Sound. Man kommt nicht umhin, SÓLSTAFIR bisweilen als eine düsterere und mehr dem Heavy Metal-zugewandte Variante von SIGUR ROS zu sehen. Nichtsdestotrotz sind SÓLSTAFIR völlig eigenständig und residieren in der gleichen Sphäre wie Avantgardebands à la AGALLOCH oder ALCEST. Und mit dem neuesten Doppelalbum Svarti Sandar bewegen sich SÓLSTAFIR noch weiter weg von ihren Black Metal-Wurzeln, als das bei ihrem 2009er Album Köld der Fall war – die Atmosphäre jedoch bleibt.

Bezüglich Gitarrensound wählen SÓLSTAFIR dieses Mal weniger Verzerrung und Reverb als noch bei den letzten Alben, und so hat man eher das Gefühl, den Gitarrensound eines Doom Metal-Albums zu hören, als den einer Black Metal-Scheibe. Die Vocals sind weniger Screamo-mässig als auf dem 2002er-Album Í Blóði og Anda. Einiges an Schreien (die Art von Schreien, für die man seine ganze Lungenkapazität braucht) ist dennoch zu hören, so wie man es von Masterpiece of Bitterness und Köld kennt – dieses Mal wirken die Vocals aber kontrollierter und haben einen Sinn von müder Verzweiflung. Svarti Sandar trägt also noch immer den SÓLSTAFIR-Musikcharakter in sich, ist aber gleichzeitig fokussierter und weniger nervös als die Vergangenheit der melancholischen Isländer.

Die erste Disc beginnt ruhig, aber nach einigen Minuten Spannungsaufbau lassen SÓLSTAFIR ihrer härter rockenden Ader freien Lauf – und das über elfeinhalb Minuten lang. Überhaupt scheint die Formel – ruhige Melancholie trifft auf düstere, rockigere Parts – sich wie ein roter Faden durch die beiden CDs zu ziehen. Dieses dynamische Wechselspiel geht größtenteils atmosphärisch stimmig über die Bühne…

 …bis zum Übergang in den dritten Song der zweiten CD. Dann beginnt nämlich ein Monolog einer Frauenstimme, der einfach nur nervt. Erst denke ich, dass es sich dabei um eine neue Variante des Hallo – du hörst dir die neue CD von Band X an-Voiceovers handelt, aber die flache Frauenstimme redet höhepunktfrei auf Isländisch bis zur Hälfte des vierten Songs. Als hätte ein böswilliger Produzent das langweiligste Hörbuch einfach noch rasch obendrauf auf die beiden Songs gemischt! Dann verschwindet sie zum Glück sang- und klanglos, aber warum sie zwei Songs ruinieren durfte, bleibt ein Mysterium. Keine Ahnung, was SÓLSTAFIR zu diesem Faux-Pas bewogen hat, ich hoffe, sie werden ihn nie wiederholen. Nach diesem Ausfall kehren SÓLSTAFIR zur vorher gehörten Qualität zurück und man vergisst den vorherigen Schwafelhorror beinahe. Den Abschluss der zweiten Disc bietet ein weiterer ausgedehnter Track, der an den Opener der ersten Disc erinnert – aber eben, den Störung durch den Monolog vergisst man nicht so rasch.

 Insgesamt ist Svarti Sandar trotz des Doppel-CD-Formats und einiger Songs jenseits der zehn Minuten-Grenze mainstreamiger als vergangene SÓLSTAFIR-Outputs. Einige Tracks könnte man glatt zu Filmmusik umfunktionieren. Allzu glatt sind SÓLSTAFIR jedoch nicht, denn um sich Svarti Sandar komplett am Stück anzuhören, muss man in der Stimmung dazu sein, sich auf epische Songlängen und bewusst psychedelisch anmutende Songarrangements (oder das scheinbare Fehlen davon) einzulassen. Doch wer SÓLSTAFIR in der Vergangenheit schätzte, hat sicher auch die richtige Einstellung, um Svarti Sandar ins Herz zu schliessen. Wie ULVER oder MANES haben sich SÓLSTAFIR von der Underground-Black Metal-Band zur Avantgarde-Band gewandelt und dabei ihre alten Qualitäten nicht verloren. Gutes Doppelalbum!

 

Veröffentlichungstermin: 14.10.2011

Spielzeit: 77:24 Min.

Line-Up:

 Svavar Austman – Bass
Guðmundur Óli Pálmason – Drums
Sæþór Maríus Sæþórsson – Gitarre
Aðalbjörn Tryggvason – Gitarre, Vocals

 
Label: Season Of Mist

Homepage: http://www.solstafir.net/

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/solstafir

Tracklist:

 Disc 1
1. Ljós í Stormi
2. Fjara
3. Þín Orð
4. Sjúki Skugginn
5. Æra
6. Kukl

Disc 2
1. Melrakkablús
2. Draumfari  
3. Stinningskaldi  
4. Stormfari
5. Svartir Sandar
6. Djákninn