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POISON RUIN: Hymns From The Hills

Ein neues Album von POISON RUIN ist mittlerweile ja durchaus ein großes Ding. Kein Wunder, hat man doch einen Überhit wie „Harvest“ in petto, einen Plattenvertrag bei Relapse und richtig Bock auf Punk – den man mit dem dementsprechend sehnlichst erwarteten neuen Album zu veredeln angetreten ist. Ob es gelingt?

Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht, denn das Medium der Wahl bei POISON RUIN war für mich stets die EP, insbesondere die fantastische „Confrere„: Kurze und knackige Hits, die schneller vorbei waren als man ihrer überdrüssig werden konnte, das passte zu der Band, die das Erbe von WIPERS und HÜSKER DÜ weitertragen möchte und – soviel sei schonmal festgestellt – dazu durchaus die Mittel besitzt.

Allein, die Mittel reichen nicht aus, wenn sie irgendwann ermüden, und deshalb hat Bandkopf Mac Kennedy sich sehr viel Zeit genommen, „Hymn From The Hills“ zu konzipieren sowie mit seiner Band zu proben und aufzunehmen: Ja, auch dieses Album ist selbst aufgenommen worden, in einem neuen, exklusiven Probenraum allerdings, und das hört man direkt: Nicht nur bauen POISON RUIN zu Beginn („Lily Of The Valley“) mit einem dominanten Synthesizer ein neues Element in ihren Sound ein (keine Angst: Aus den meisten anderen Songs hält der sich weitestgehend raus), auch im Laufe des Albums wird immer wieder Neues ausprobiert und generell kompositorisch was gewagt: sphärisch-nerdige Analog-Synthie-Intros, frickelige Übergänge, melancholisch-euphorische Hymnen, sogar richtiger Krach.

„Hymns From The Hills“ – Flickwerk oder schlüssiges Album?

Das war notwendig, um auf Albumlänge bestehen zu können, und da mit dem Titeltrack, „Serpent’s Curse“ und dem unglaublichen „Pilgrimage“ mindestens drei süchtig machende Hits auf der Platte sind, funktioniert das auch, wenngleich der inkonsistente Sound mich nachhaltig verwirrt (ich mag es nicht, wenn einzelne Songs anders klingen als der Rest) und sich im Mittelteil vielleicht doch die ein oder andere Länge eingeschlichen hat („Turn To Dust“ und „Puzzle Box“).

So mag nämlich zunächst der Eindruck entstehen, dass man zwar viel experimentiert und viel will, aber letztlich kein schlüssiges Gesamtkunstwerk hinbekommen hat. Dieser Eindruck verflüchtigt sich jedoch eben, sobald sich einzelne Fixpunkte heraus kristallisiert haben, an denen man sich als Hörer festhalten kann, und ich bin mir sicher, dass auf dem nächsten Album die Band noch kohärenter, noch schlüssiger mit ihren Einflüssen umgehen wird.

POISON RUIN enden mit unglaublich viel Wumms

Denn wie POISON RUIN im letzten Drittel hier nochmal alle Register ziehen und „Hymn From The Hills“ mit einem überraschenden Doppel beenden, ist beeindruckend: „Crescent Sun“ stampft wuchtig und massiv aus den Boxen und geht dann ziemlich geil in „The Standoff“ über, einem ihrer vielleicht schmissigsten Songs überhaupt. Sowieso hat alles unglaublich viel Wumms (Mix: Jonah Falco, Master: niemand geringerer als der mächtige Arthur Rizk), was der Band auch mal richtig gut tut, zumal sie durch den Ansatz, trotzdem alles selber im Probenraum aufzunehmen, immer noch genug Dreck im Sound hat.

Also doch der große Wurf? Kommt drauf an, ob du die trockene, angepisste Seite der Band besser findest als ihre epische, melancholische. Beides findet sich auf „Hymn From The Hills“, aber für mich hätte der epische Aspekt noch mehr Raum bekommen dürfen – es gibt einfach schon genug Düsterpunk wie die Single „Eidolon“ auf der Welt. Da das Album aber dramaturgisch prima als solches funktioniert und genügend düstere Höhepunkte bietet, bleibt mir nur, ein zufriedenes „Prost!“ nach Philadelphia zu schicken und mich auf das zu freuen, was da noch kommen mag.

Spielzeit: 43:52 Min.

Veröffentlichungsdatum: 03.04.2026

Label: Relapse Records

POISON RUIN „Hymns from the Hills“ Tracklist

1 – Intro
2 – Lily Of the Valley
3 – Hymn from the Hills (Video bei YouTube)
4 – Eidolon (Video bei YouTube)
5 – Howls From the Citadel
6 – Pilgrimage
7 – Guts (Lay Your Self Aside) (Video bei YouTube)
8 – Turn To Dust
9 – Puzzle Box
10 – Serpent’s Curse
11 – Sleeping Giant (Interlude)
12 – Crescent Sun
13 – The Standoff