NOFX: Single Album

Ich bleibe am Ende irgendwie ratlos, welches Fazit ich ziehen soll und ich warte immer wieder auf den Moment, wo mich NOFX mitreißen. NOFX haben ein zweites Album für 2021 angekündigt. Ich bin gespannt, wohin uns der Weg führt.

Da ist es also. Das neue Album von NOFX. Düster soll es sein. Das ist es auch irgendwie. Auf jeden Fall düsterer als alle anderen NOFX-Alben davor. Und auch ansonsten irgendwie anders als erwartet.

Ich liebe es ja, wenn sich Bands entwickeln. Auch wenn das natürlich das Risiko birgt, dass sich Band und man selbst auseinander entwickeln. Aber es kann auch funktionieren und dann wird man mitgenommen auf eine hochspannende, oft über mehrere Jahrzehnte andauernde gemeinsame Entdeckungsfahrt. So ist es mir mit den grandiosen NOTWIST ergangen, welche mich vom Thrash Metal zum Elektro-Jazz geführt haben. Oder auch mit den unglaublich intensiven LA DISPUTE, welche mit Ihrer Platte “Wildlife” einen unerreichten Meilenstein im Post-Hardcore gesetzt haben, um sich anschließend über Alternative Rock weiter in Richtung Klang-Collagen mit darüber gesprochenen Texten zu entwickeln. So scheinen sich nun auch NOFX entwickeln zu wollen, sowohl musikalisch, als auch von den Themen, welche sie in Ihren Texten behandeln.

An “Single Album” lässt sich nicht so leicht andocken

Ich höre mir die Platte zum ersten Mal an und bin überrascht wie wenig ich an die Musik andocken kann. Es ist gut komponiert, die Harmonien sind ausgefeilt und die Produktion ist fett. Ich komme aber nicht in das Album hinein. Das kommt mir bekannt vor. Bei Ihrem letzten Split-Album „West Coast vs. Wessex“ in 2020 gemeinsam mit FRANK TURNER habe ich auch mehrere Anläufe gebraucht bis es gezündet hat. Das überragende Lied auf dieser Platte ist übrigens „Ballad Of Me And My Friends“ in der NOFX-Version, welches ich hier extra nochmals erwähnen möchte.

Ich warte immer wieder auf den Moment, wo mich NOFX mitreißen

Doch zurück zum aktuellen Album. „The Big Drag“ ist ein sehr langsamer Opener, welcher sich unterschwellig ständig weiter entwickelt und keinem festen Songaufbau folgt. Das ist eigentlich etwas, was ich sehr mag. Aber in diesem Fall verfängt es sich nicht bei mir. Zudem setzt der Song gleich zu Anfang des Albums eine etwas depressive Grundnote für das Album. „I love you more than I hate me“ ist eine schnelle Nummer mit melancholischen 2 stimmigen Gesängen, welche als Nächstes im Fahrwasser dieser Stimmungslage verbleibt. Mit etwas mehr Dampf kommt „Fuck Euphemism“ daher, auch eine schnelle Nummer, welche den Aufwärtstrend fortzusetzen scheint. Dann folgt mit „Fish in a Gun Barrel“ ein langsames für NOFX typisches Ska-Stück, mit sehr schönen Saxophon-Passagen. Eigentlich ein wirklich tolles und atmosphärisches Stück mit schwermütigem Einschlag. „Birmingham“ ist ein freundlicher Song, wie üblich mit schnellem Beat und gut arrangiert. Aber irgendwie bleibt er stecken. Ich höre ihn mir mehrfach an und warte auf den Moment, der mich mitreist. Es kommt noch eine schöne Akustik-Gitarrenpassage, bevor das Lied wieder in seine Nettigkeit verfällt.

NOFX covern sich mit “Linewleum” selbst

Mit „Linewleum“ covern sich NOFX quasi selbst und kommen dabei Ihrer Erstversion von 1994 sehr nahe. Der Text ist allerdings neu und behandelt die Tatsache, dass es sich beim Original „Linoleum“ um den am häufigsten gecoverten Song von NOFX handelt. Einer der Höhepunkte auf der Platte. „My Bro Cancervive Cancer“ ist ein Mid-Tempo Stampfer, welcher wiederholt einen Spannungsbogen ansetzt, alles sehr schön arrangiert, aber irgendwie nicht zum finalen Schlag ansetzt. Ein schönes Lied, aber irgendwie fehlen die Ecken und Kanten. „Grieve Soto“ erhöht die Schlagzahl wieder, hat auch ein paar Haken mehr und gehört damit zu meinen Top 3 der Platte. Die letzten beiden Lieder der Platte sind wieder eher düster angelegt. „Doors and Fours“ startet mit Slide-Gitarren, bevor dann ein Heavy-Metal-Riffing einsetzt. In Summe bleibt der Song aber eher verhalten. Den Abschluss der Platte bildet „Your Last Resort“. Nur von Klavier begleitet startet FAT MIKE mit sehr deprimiertem Gesang. Dann wird nochmals losgeknüppelt.

“Single Album” von NOFX hinterlässt mich ratlos

Ich bleibe am Ende irgendwie ratlos, welches Fazit ich ziehen soll. Das Album selbst ist aber nicht meines. NOFX haben ein zweites Album für 2021 angekündigt. Ich bin gespannt, wohin uns der Weg führt.

VÖ: 26. Februar 2021

Label: Fat Wreck Chords

NOFX “Single Album” Tracklist:

1. The Big Drag
2. I Love You More Than I Hate Me
3. Fuck Euphemism
4. Fish In A Gun Barrel
5. Birmingham
6. Linewleum
7. My Bro Cancervive Cancer
8. Grieve Soto
9. Doors and Fours
10. Your Last Resort