MISERY INDEX: Live In Munich

Die geballte Live-Power aus der Konserve.

Für mich persönlich sind Live-Platten immer etwas Zweischneidiges gewesen. Auf der einen Seite ist es natürlich cool, den trotz der Abmischung rohen, nicht mit Pro Tools sterilisierten Live-Sound zu genießen, auf der anderen Seite sind Live-Alben (egal welcher Band) weder Fisch noch Fleisch, bzw. so ein Zwischending zwischen einem Studioalbum und einer Live-DVD. Fakt ist aber auch, dass es auf dem Markt nur sehr wenige Scheiben von der Sorte gibt, die sich in erster Linie für den Käufer lohnen, denn es ist mittlerweile kein Geheimnis, dass sich Live-CDs für die Bands und vor allem für die Labels zu einer sicheren und einfachen Methode, ans Geld zu kommen, entwickelt haben. Diesbezüglich will ich der Band allerdings keinen Vorwurf machen, denn die Platte gibt es in einer recht schlanken Auflage von 500 Stück auf Vinyl, was für eine Band wie MISERY INDEX nicht gerade viel ist. Doch langer Rede kurzer Sinn, ich will nun so schnell wie möglich mit der eigentlichen Rezension anfangen.

Laut dem beiliegenden Promo-Zettel wurde der MISERY INDEX-Set im Februar des letzten Jahres in München auf der ausverkauften Show im Rahmen der Full Of Hate Tour, an der damals unter anderem auch BEHEMOTH und CANNIBAL CORPSE teilgenommen haben, mit professioneller Technik aufgenommen. Aufgrund der Tatsache, dass MISERY INDEX auf dieser Show bzw. Tour nicht die erste Geige gespielt haben, fiel ihr Set, der überwiegend aus den Songs von ihrer aktuellen Heirs To Thievery-Scheibe bestand, dementsprechend kompakt aus. Nach einem kurzen Intro legen die Jungs recht flott mit Sleeping Giants los, auf welches dann The Carrion Call, You Lose, das schleppende 7th Cavalry und das Hardcore-lastige The Spectator folgen. Die ersten fünf Lieder bilden quasi einen Heirs-Block, der sechste Song ist The Great Depression, der absolute Band-Klassiker vom Debüt-Album Retaliate, danach kommt der famose The Illuminaught, und mit Traitors von der gleichnamigen Platte schließen die Vier aus Maryland ihren Set nach einer halben Stunde ab. So viel zum Thema Songauswahl, nun komme ich langsam aber sicher zu der Soundbewertung.

Ich weiß nicht, ob die Aufnahme in einem Studio nachträglich bearbeitet wurde (wovon ich eigentlich ausgehe),  aber der Sound hier ist echt bombig. Das Ding knallt, was das Zeug hält, der Klang ist transparent und differenziert, also kein Soundbrei, aber trotzdem bleibt dabei dieses Live-Feeling erhalten. Wirklich gut gemacht, Hut ab! Wie es bei allen Konzerten üblich ist, ist der Mix beim ersten Song in der Regel schlechter als auf dem Rest, so ist es auch hier der Fall, wo bei Sleeping Giants die Gitarren einen Tick zu sehr nach hinten und die Drums dadurch zu sehr nach vorne gemixt sind. Auf den darauffolgenden Songs ist alles wieder super. Außerdem finde ich toll, dass die Bandansagen nicht herausgeschnitten wurden. Die wirken zwar recht routiniert, sorgen aber trotzdem dafür, dass man zumindest rein akustisch das Gefühl hat, live dabei zu sein.

So weit alles prima, wären da nicht ein paar Wermutstropfen. Zum einen erschließt es sich mir nicht, warum sich auf einem Live-Album, auch wenn neu gemischt, ein nicht-Live-Song befindet. Ist klar, dass es sich hier um einen Bonustrack handelt, aber das Problem dabei ist, dass der Song Siberian erstens kein neuer ist – sondern war bereits auf der Split mit LOCK UP zu finden – und zweitens das Niveau der live gespielten Songs leider, leider nicht halten kann. Dann drängt sich die Frage auf, warum die vier Freunde kein Headliner-Set aufgenommen haben, denn der kurzen Spielzeit sind etliche großartige Songs zum Opfer gefallen, so blieb Discordia beispielsweise komplett auf der Strecke und auch nach Heirs To Thievery und Pulling Out the Nails sucht man hier vergeblich, was ich persönlich sehr schade finde.

Ansonsten ist alles wie gehabt, denn bei MISERY INDEX weiß man immer, was man bekommt. Die die-hard Fans und die Münchner Nostalgiker können hier bedenkenlos zugreifen, alle anderen sollten sich ein wenig gedulden und auf das neue Langeisen warten, das angeblich schon in diesem Jahr auf Season of Mist erscheinen wird.

Veröffentlichungstermin: 15.02.2013

Spielzeit: 34:15 Min.

Line-Up:

Jason Netherton: bass, vocals
Mark Kloeppel: guitar, vocals
Darin Morris: guitar
Adam Jarvis: drums

Label: Season Of Mist

Homepage: http://themiseryindex.tumblr.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/MiseryIndex

Tracklist:

1. Sleeping Giants
2. The Carrion Call
3. You Lose
4. The 7th Cavalry
5. The Spectator
6. The Great Depression
7. The Illuminaught
8. Traitors
9. Siberian (2012 remix)