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MAYHEM: Liturgy Of Death

Die gute Nachricht: MAYHEM haben auf ihrem siebten Studioalbum hörbar Spaß. Die Schlechte: „Liturgy Of Death“ ist wegen all seiner Brutalität über längere Strecken recht durchschnittlich geworden.

Kontroverse Meinung: MAYHEMs „De Mysteriis Dom. Sathanas“ ist ein derart stilprägendes, historisch bedeutsames Album, dass die Band sich im Anschluss, vor allem in Anbetracht der Umstände, konsequenterweise hätte auflösen müssen. Dieses Monument der absoluten Radikalisierung einer Subkultur ist so einmalig – nicht mal in Anbetracht der musikalischen Qualität –, dass die Band dadurch eigentlich redundant geworden ist. Dennoch: Zumindest mit „Ordo Ad Chao“ haben MAYHEM 13 Jahre später noch ein beeindruckendes, intensives Album geschaffen, pünktlich zur Rückkehr des damaligen Gastsängers Attila Csihar als nunmehr vollwertigen Frontmannes.

Das scheint ziemlich mager für eine Legende, und ja, da ist auch noch das seinerzeit mutige „Grand Declaration Of War“, alles schön und gut. Aber die Wahrheit ist auch, dass vieles von dem, was MAYHEM in den vergangenen Jahren auszeichnete, auf der Glorifizierung einer eher so semirühmlichen Vergangenheit fußt. Es folgt ein Aber. Denn „Daemon“ und die launige „Atavistic Black Disorder / Kommando“-EP waren nicht schlecht, einfach relativ brutaler, emotionsloser Black Metal, technisch sauber, und dank Attila Csihar auch mit einer gewissen kaputten Atmosphäre gesegnet. Hier konnte freilich keine Atmosphäre wie auf beiden Karrierehighlights entstehen. Knapp sieben Jahre und diverse Nostalgietouren später wagen sich MAYHEM nun an ihr siebtes Studioalbum „Liturgy Of Death“, das den Weg von „Daemon“ konsequent fortführt.

„Liturgy Of Death“ startet vielversprechend. MAYHEM bauen eine Spannung auf, die im Laufe des Albums nur selten reproduziert werden kann.

Mit „Ephemeral Eternity“ starten MAYHEM dabei recht vielversprechend. Sie lassen sich im Intro Zeit, wenn das Stück mit beunruhigenden Leadgitarren, dissonanten Harmonien und subtilen Gesängen beginnt, bis es nach zwei Minuten losbricht und sich in der zweiten Hälfte nochmal steigert. Damit schinden MAYHEM Eindruck, aber es wird auch schnell klar, dass hier der sehr saubere Drumsound die Atmosphäre bis zu einem gewissen Grad auffrisst. Andererseits deutet schon dieser Song an, dass ein Sound wie zu „Ordo Ad Chao“ nicht zu den Songs gepasst hätte. Teloch spielt aggressiver als Blasphemer, und genau das ist „Liturgy Of Death“ auch: ein über weite Strecken direktes Album.

So liegt in der knappen Stunde die Aggression am Siedepunkt. Dissonante, schneidende Riffs wie in „Aeon’s End“, die nicht selten richtig gut zünden und Hellhammers exzellentes Drumming passen zusammen – man merkt, dass MAYHEM in den letzten Jahren viel auf Tour waren. So klingt nicht nur das Album selbst stimmig, die Songs sind routiniert geschrieben und arrangiert und rasen im Eiltempo dem Ende entgegen. Acht Stücke, plus zwei Bonus Tracks lang verfolgen MAYHEM das Rezept, ein brutales Grundgerüst zu bieten, in das ein atmosphärischer, langsamer oder wahlweise leicht melodiöser Mittelteil eingewoben wurde. Auch nach zehnmaligem Hören verschwimmen die Tracks irgendwann zu einem schwarzmetallischen Brei – ein Soundbrei, der immer wieder packende Ideen hat, aber insgesamt doch zu beliebig klingt, um nachhaltig begeistern zu können.

MAYHEM rasen im Eiltempo durch „Liturgy Of Death“. So sehr, dass sie es nicht schaffen, nachhaltig zu begeistern.

Es verwundert wenig, dass Attila Csihars Performance der Funken Extravaganz ist, der „Liturgy Of Death“ dann doch noch ein wenig Besonderheit einhaucht. Zwar ist an seinem Mix aus den verschiedensten Stimmen, von Growls über pathosgetränktem Gesang hin zu den Choralen eines Wahnsinnigen nichts enthalten, das er nicht früher schon zum Besten gegeben hat. So wie er sich auf den Songs auslebt, findet zumindest etwas an Unberechenbarkeit in die Musik. Daher können MAYHEM vom Beginn über „Despair“ und „Weep For Nothing“ noch mitreißen, ab „Funeral Of Existence“ nutzt sich „Liturgy Of Death“ aber recht schnell ab. Immerhin: Der Schlusspunkt des regulären Albums versöhnt und liefert mit „The Sentence Of Absolution“ den stärksten Song der jüngeren Bandgeschichte, das dank eines brillant ausgespielten, intensiven Riffs zwischen Wildheit, komplexen Arrangements und genrefremden Ideen wie den Percussions, pendelt.

„Liturgy Of Death“ ist brutal und trotz des Sounds dreckig, aber in vielen Momenten auch das, was der fantasielose Albumtitel erahnen lässt: durchschnittlich. Hätten MAYHEM mehr intensive Momente wie in „The Sentence Of Absolution“ eingebaut, das Album hätte mehr Biss und damit auch mehr Relevanz gehabt. Das größte Ärgernis an „Liturgy Of Death“ ist also, dass die Norweger die Atmosphäre stiefmütterlich behandeln und zu wenig Varianz bieten. Dennoch ist dem Album anzuhören, dass sich hier eine Band bemüht, aus dem übergroßen Schatten der Vergangenheit zu treten, aber es wird auch recht schnell deutlich, dass sie es nicht schaffen, diese Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch das hat vermutlich auch niemand so richtig erwartet. „Liturgy Of Death“ geht unter diesem Gesichtspunkt in Ordnung, denn es klingt nach einer tighten Band, die Lust auf ihre Musik hat und keine lebende Leiche in einem Tourbus darstellt. (Hallo, EMPEROR) Und das ist mehr, als man von manch anderer Legende mit einem Status ähnlich dem von MAYHEM erwarten darf.

Wertung: 6,5 von 10 Reliquien

VÖ: 6. Februar 2026

Line-Up:
Attila Csihar – Vocals
Ghul – Guitar
Teloch – Guitar
Necrobutcher – Bass
Hellhammer – Drums

Label: Century Media Records

MAYHEM „Liturgy Of Death“ Tracklist:

1. Ephemeral Eternity
2. Despair (Official Visualizer bei Youtube) 
3. Weep For Nothing (Official Visualizer bei Youtube) 
4. Aeon’s End
5. Funeral Of Existence
6. Realm Of Endless Misery (Official Visualizer bei Youtube) 
7. Propitious Death
8. The Sentence Of Absolution
9. Life Is A Corpse You Drag (Bonus Track) (Official Visualizer bei Youtube) 
10. Sancta Mendacia (Bonus Track)

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