Legbiter - Norna - Split EP Cover

LEGBITER / NORNA: LEGBITER / NORNA [Split-EP]

Diese Split stimmt ein wenig nostalgisch; im positiven Sinne: LEGBITER lassen die schwedische Post Hardcore-Szene der Neunziger aufleben, während NORNA endlich die Handbremse lösen und sich auf den Weg in Richtung der goldenen Ära von Tomas Liljedal machen.

Gefühlt sind Split-EPs ein Medium für die Ü40-Generation – wie passend, dass sowohl LEGBITER als auch NORNA mit ergrauenden Bärten und knittrigen Gesichtern in die Linsen der Kameras schauen. Ein Anachronismus ist diese Split also, die uns weit in den Norden Schwedens führt. LEGBITER sind in Umeå zu Hause, Tomas Liljedal von NORNA in Luleå. Gerade NORNA waren auf diesen Seiten bereits zweimal Thema, und beide Male schmerzte es, dass Liljedal dem Erbe von BREACH nicht mal im Ansatz gerecht werden konnte. In neuem Setting, mit einem Splitpartner, der ebenfalls viel Erfahrung aus dem Hardcore-Underground Nordschwedens mitbringt, wagen sie einen neuen Versuch.

LEGBITERs Ausflug in die Neunziger ist frisch und kraftvoll …

LEGBITER machen den Anfang; drei Songs mit dem brachialen Riffing des Sludge und dem hypnotischen Groove des Noiserock, zusammen mit dissonanten Post Hardcore-Leadgitarren und Indie-Vocals sind nicht unbeding originell, aber der lärmende 90ies Sound der Band kommt frisch und kraftvoll rüber. LEGBITER klingen insgesamt ziemlich schwedisch und passen zu REFUSED und THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY, aber auch zu den New Yorkern QUICKSAND. Das Songwriting ist einerseits unspektakulär, andererseits bleiben die lakonischen Songs gut ihm Ohr, auch wenn sie nicht dauerhaft Eindruck begeistern. Als Splithälfte gehen „Worms“, „Speedball“ und „Major Motion“ aber absolut in Ordnung.

Im Anschluss haben es NORNA nicht gerade leicht, aber hey: Auf dieser Split finden sich die zwei der besten Songs ihrer bisherigen Karriere. Nach dem eher spröden „Lithany“ zeigt speziell das sechseinhalbminütige, drückende „Eyes Of God“ mit Riffs, die tatsächlich auf einem BREACH-Album hätten stehen können zeigen, dass NORNA ihr Potenzial ausspielen können. „Serpents Of Gold“ mit seinem nervös-dissonanten Leadgitarren bringt zusätzlich etwas Atmosphäre ins Spiel und würgt die Split abrupt und wirkungsvoll ab. Die Instrumente, bestehend aus Gitarren, Bass und Drums sind so zentnerschwer, dass Tomas Liljedals Geschrei in keiner Weise dagegen ankommt. Dieses Anschreien gegen eine übermächtige Wand ist wirklich enorm energiegeladen. Bleibt zu hoffen, dass NORNA den Schwung von „Eyes Of God“ und „Serpents Of Gold“ nutzen, um künftig dieses Niveau beizubehalten.

… während NORNA mit ihrer kompromisslosen Heaviness endlich Akzente setzen können.

Zwei Bands, die stilistisch zwar zusammenpassen, sich aber dennoch gegenseitig erweitern – so macht eine Split Sinn. LEGBITERs Beitrag wirkt sehr lebendig, und so, als müssten sie niemandem etwas beweisen. Die Schweden zeigen selbstbewusst, was sie können, ein gewisses Understatement bleibt. NORNA hingegen sind endlich auf dem Weg, das zu werden, was sie auf den ersten beiden Alben nicht geschafft haben: Die Lektion an Heaviness. Was sie präsentieren, ist zumindest in zwei von drei Songs beeindruckend und zumindest auf dem Niveau von THE OLD WIND. Insgesamt ist die sechs Songs umfassende, knapp halbstündige Split von LEGBITER und NORNA also gerade für diejenigen empfehlenswert, die den Spirit der Neunziger vermissen. Kurz: Eine gelungene Veröffentlichung.

VÖ: 20. März 2026

Spielzeit: 27:56

LEGBITER Line-Up:
Jonas Slove Eriksson
Viktor Ahnfelt
Rickard Lindblom
Rikard Nordström

NORNA Line-Up:
Marc Theurillat – Drums, Samples
Christophe Macquat – Guitars, Bass
Tomas Lijedahl – Vocals, Guitar

Label: Pelagic Records

LEGBITER / NORNA Tracklist:

1. Worms (Official Audio bei Youtube) 
2. Speedball
3. Major Motion
4. Lithany
5. Eyes Of God
6. Serpents Of Gold

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