KRAKÓW: Amaran

Bizarrer und hypnotisch-psychedelischer Doom Metal, der erneut beweist, dass Black Metal-Musiker auch über den Tellerrand blicken können.

Sehr geheimnisvoll beginnt das dritte Album der Norweger, die sich einer bizarren und hypnotisch-psychedelischen Form des Doom Metal verschrieben haben. KRAKÓW klingen wie eine europäische Doom-Variante von MINSK und paaren recht elegant raue Härte mit düsterer Spannung. Die ersten Töne von Amaran lassen es bereits vermuten: Diese vier Musiker machen das nicht zum ersten Mal. Und entsprechend routiniert und souverän gehen KRAKÓW auch an die Arbeit. Die krachenden, prägnanten Riffs bilden zusammen mit der Rhythmuseinheit ein oftmals repetitives Gerüst für spannende Leadgitarren, spacige Synthesizer, melodischen Gesang und heftiges Geschrei.

Aber Vorsicht: Wer von KRAKÓW vermutet, dass sie eindimensional klingen, der täuscht sich. Neben atmosphärischen Stücken wie den starken Opener Luminatus, Atom, dem zunächst sanft und später herb rockenden Instrumental Pendulum und dem gefühlvollen Ten Silent Circles gibt es auch eine Menge Lärm zu hören: Die dissonanten Riffs von Genesis zehren an den Nerven und das epische Of Earth türmt sich zu einem wahren Monstrum auf, das den aktuell etwas altersschwachen NEUROSIS zeigt, wie diese Musik zu klingen hat. Dieses Stück ist heavy, chaotisch, verstörend und bewusstseinserweiternd, zwischen bizarren Soundscapes und krassem Nihilismus. Würde das alles in einem gewaltigen Finale gipfeln, wäre das ein perfektes Stück Musik geworden.

Nicht selten sehen sich Musiker, die in der Black Metal-Szene fußen, in Richtung Doom Metal um. Wenige machen das dabei so erfrischend und originell wie die Protagonisten, die hinter KRAKÓW stecken. Frode Kilvik von AETERNUS und Ask von KAMPFAR beweisen, dass sie problemlos über den schwarzen Tellerrand blicken und daneben eigene Akzente im Genre setzen können. Vor allem die Gitarrenarbeit und der Gesang überzeugen, auch der Rest, vom Schlagzeug bis hin zur Produktion, alles ist absolut routiniert. Von der Elite im psychedelischen Doom und Stoner Metal sind KRAKÓW dennoch weit entfernt, aber für eine Dreiviertelstunde Realitätsflucht in bizarre, entlegene Welten voller Riffwunder und verschrobener Songs ist das ziemlich eigenwillige Amaran allemal geeignet.

Veröffentlichungstermin: 20. Februar 2015

Spielzeit: 44:11 Min.

Line-Up:
Frode Kilvik – Bass, Vocals
René Misje – Guitar, Vocals
Kjartan Gronhaug – Guitar
Ask Ty Ulvhedin Arctander – Drums

Label: Karisma Records / Dark Essence Records

Homepage: http://www.krakowofficial.com/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/krakowband

Tracklist:
1. Luminatus
2. Atom
3. Genesis
4. Vitriol
5. Pendulum
6. Of Earth
7. Ten Silent Circles