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KINKS: Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One – 50th Anniversary [Re-Release]

Ein tolles Album einer großen Band, ein echtes Stück Musikgeschichte

Das mit den KINKS hab ich ja nie so recht verstanden. Während die meisten Hard’n’Heavy-Freunde natürlich mit den STONES, den BEATLES oder den wilderen THE WHO vertraut waren, wurden die KINKS meist nur auf ihren Hit “Lola” reduziert und auf “You Really Got Me”, das man oft auch nur durch VAN HALEN kannte. Dabei hat diese vielschichtige Band um die Brüder Ray und Dave Davies mit ihrer Musik gleich verschiedene Genres geprägt. Verweise auf die Songs der KINKS fand man in den 70ern und auch frühen 80ern überall. Erste typisch 60er Beat-Musik, frühe Vorlagen Richtung Punk, anspruchsvoller Pop/Art-Rock, der bei so mancher späteren Progressive Rock-Band durchscheint, bis hin zu schrägen Rock-Opern durchzieht die Bandgeschichte eine Reise durch allerlei Schubladen, die sie selbst aufgezogen haben.

KINKS-Klassiker “Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One” feiert 50ten Geburtstag

Aber das bekannteste Album bleibt sicher “Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One”, das am 27. November seinen 50. Geburtstag feierte. Da lassen uns BMG mitfeiern und präsentieren uns diesen Meilenstein der Rockgeschichte wie heute üblich in mehr oder weniger ausgedehnten Editionen. Zum Sammeln für echte Fans, oder zum unvermeidbaren Nachrüsten mit schmaleren Editionen wie der hier vorliegenden CD mit fünf Alternative-Versionen. Wie üblich bekam auch dieser Klassiker ein Remaster verpasst, welches den Songs einen zeitgemäßen Sound verpasst, ohne sie zu zerbraten.

Als Konzeptalbum gedacht rechnen die KINKS auf ihrem achten Studioalbum zickig mit dem Musikbiz, dem Leben allgemein und sich selbst ab. Und rocken weitaus lauter als auf dem Vorgänger. Ein kurzer Folk-Schunkler zum Auftakt (auf der LP ist “Introduction” noch als Einzeltrack aufgezählt), dann schiebt “The Contenders” erst etwas nach vorn, um dann als schmissiger Rock’n’Roll zum Tanzen einzuladen. Drei Songs in einem, die KINKS machen halt auch hier, was ihnen gefällt. Einschmeichelnd melancholisch “Strangers”, das über die Isolation und Entfremdung zu Freunden und Familie meckert, das man als aktiver Musiker unweigerlich erlebt. “Denmark Street” deutet zickig zappelig an, wo die Anfänge des Punk liegen, meckert ebenso über das Musikbiz wie später “The Moneygoround”.

Die KINKS sind auf “Lola” wie gewohnt abwechslungsreich und ihrer Zeit voraus

“Top Of The Pops” rockt wütend, danach wird es desillusioniert und orientierungslos, aber auch wieder lauter und rockiger mit “Rats”. Die zweite Hitsingle “Apeman” ist nicht so weit weg vom Überhit “Lola”, auf das man sicher nicht extra eingehen muss. Radio an, und irgendwo läuft es eh. Dass die KINKS damals mit dem Thema Gender und so bereits weit vorn lagen, weil es da diese und jene Geschichten in und um die Band gab, nun ja. Beispiele, dass Kuschelrocker irtümlich als Liebeslied gefeiert wurden, gibt es ja genug. Man denke da an “Wish You Were Here” oder “Hotel California”. “Got To Be Free” verabschiedet die originale Tracklist mit positiven Vibes. Die fünf Bonustracks runden die 1CD-Version gut ab. “Anytime” klingt, als würden die BEATLES Southern Rock spielen. “The Good Life” ist ein passender Song, wenn man gern zu den ROLLING STONES abtanzt. Beide waren bereits auf dem 2014er Re-Release zu finden.

“Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One” feiert sich als 50th Anniversary Edition erfolgreich selbst. Ewig nicht mehr gehört, macht es deutlich, welchen Stellenwert die KINKS für die weitere Musikgeschichte hatten. Hier denkt man an T.REX, dort an ROXY MUSIC, da an frühe Glam Rocker, dann doch wieder an die BEATLES und und und. Und auch die vielen jungen aktuellen Retro Rock-Bands zitieren unweigerlich die KINKS, ob sie diese nun kennen oder nicht. Jeder Song erzählt seine eigene Geschichte, und die meist zickig und meckernd oder auch mal nachdenklich und sentimental. Und das im Wechsel der 60/70er, wo doch alle so gern von Friede, Freude, Eierkuchen gesungen haben.

Ein tolles Album einer großen Band, ein echtes Stück Musikgeschichte

Ein tolles Album einer großen Band, ein echtes Stück Musikgeschichte, das in jede gepflegte Rock-Sammlung gehört. Das kommt mit angenehmen Sound und einem netten Booklet inklusive einem lesenwerten Interview mit Ray und Dave Davis. Zumindest in dieser Version ein Pflichtkauf, was einem die ganzen Editions mehr bringen, das hängt natürlich auch vom eigenen Taschengeld ab.

Veröffentlicht am 11.12.2020

Spielzeit: 58:31 Min.

Lineup:
Ray Davies – Gesang, Gitarre, Keyboards
Dave Davies – Gitarre
John Dalton – Bass
John Gosling – Keyboards
Mick Avory – Schlagzeug

Label: BMG

Homepage: https://thekinks.info

Mehr im Web: https://www.facebook.com/TheKinksOfficial

Die Tracklist von “Lola Versus Powerman And The Moneygoround, Part One”:

1. The Contenders
2. Strangers
3. Denmark Street
4. Get Back In Line
5. Lola Comic-Video bei youtube)
6. Top Of The Pops
7. The Moneygoround
8. This Time Tomorrow
9. A Long Way From Home
10. Rats
11. Apeman
12. Powerman
13. Got To Be Free

Alternate Versions:
14. Anytime
15. The Good Life (2020 Mix)
16. Apeman (Alternate Version, Stereo)
17. This Time Tomorrow (Alternate Take, 2020 Mix)
18. Lola (Mono Single Mix)

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