INSTITUTE: Distort Yourself

INSTITUTE: Distort Yourself

Das wurde auch Zeit. Nach den langen Querelen um BUSH und der ungewissen Zukunft der Band, war von Gavin Rossdale – abgesehen von Adrenaline für den Blockbuster Triple X – lange nichts zu hören. Auf dem ehemaligen Frontmann einer der wichtigsten (Post-)Grunge Bands lastet allerdings auch einiges an Druck. Schließlich geht es darum, die Überreste des Grunges zu retten und in die Gegenwart zu holen. Wie das funktionieren kann, davon konnte man bei Golden State (2001), der letzten BUSH-Platte, schon einen guten Eindruck gewinnen.

In eine ähnliche Richtung bewegt sich auch Distort Yourself, das Debüt von Gavins neuer Band INSTITUTE. Die neue kreative Umgebung für Rossdale besteht aus Gitarrist Chris Traynor (HELMET), Bassist Cache Tolman (ehemals RIVAL SCHOOLS, CIV) und Schlagzeuger Charlie Walker, einem Musiker aus Brooklyn. Produziert wurde das INSTITUTE-Debüt von HELMET-Frontmann Page Hamilton. Die Einflüsse der beiden HELMET-Musiker sind auch deutlich zu hören. Vor allem natürlich an den Gitarren. Gavin Rossdale leidet, klagt, schreit und schmachtet gegen heftige, repetitive Gitarrenwände – ohne Zweifel eine Paradedisziplin des Frauenschwarms.

Mit dem Opener Bullet-Proof Skin, der zum Soundtrack zu Stealth gehört und als Single ausgekoppelt wurde, nimmt das Album nach einem kurzen Elektronik-Intro gleich richtig Fahrt auf. Schnell hat man die Zeilen Burn Baby Burn des Refrains drin und spürt diese einzigartige Energie zwischen Hoffnung und Verzweiflung, die wohl nur ein Gavin Rossdale entfachen kann. Trotz des wirklich starken Refrains überschreiten INSTITUTE nicht die Grenze zur kommerziellen Anbiederung. Eine Gratwanderung, die heute bei weitem nicht mehr allen etablierten Rockbands gelingt. Allerdings ist die Band auch zu keiner Zeit so zwingend alternativ, wie es BUSH zu Sixteen Stone-Zeiten waren. Das wird auch immer ein Kritikpunkt alter Fans sein, die Golden State oder The Science Of Things zu den schwächeren Alben der Band zählen. Doch wer bei Nummern wie When Animals Attack oder Come On Over das Wort Mainstream in den Mund nimmt, dem sollte die Zunge abgeschnitten werden. Schlüssige Songs schreiben zu können und diese auch gut zu produzieren ist kein Kriterium für Ausverkauf. INSTITUTE zeigen sich bei den beiden genannten Songs ziemlich rau, während man sich mit Wasteland oder dem melancholischen Ambulances auch mal etwas geschliffener präsentiert. Dazwischen gibt es auch viel Unkonventionelles wie Boom Box, das über eine ruhige bassbetonte Strophe zu einem wilden Refrain führt und später sogar noch richtig harmonische Lead-Sounds zeigt, von denen Distort Yourself sicher noch einige mehr vertragen hätte. Stark ist das kraftvolle, groovende Seventh Wave mit seiner coolen Bridge. Ausfälle gibt es nicht zu verzeichnen. Sicherlich ist das schleppende Save The Robots nicht zu den stärksten Songs des Albums zu zählen, aber der Text ist einen Blick wert. Wie immer sind die lyrisch festgehaltenen Gedanken von Gavin Rossdale auf ihre Art manchmal ähnlich unzugänglich wie TOOL-Texte, aber sie verpassen es nie, ein eindeutiges Gefühl zu vermitteln und durch Schlüsselwörter eine einfache Assoziation zuzulassen. Tja, und über das Vermögen Emotionen in seiner Stimme zu transportieren zu referieren ist sowieso verschwendete Mühe. Die hypnotische, fast missionarische Wirkung der Stimme Rossdales, seine Fähigkeit Emotionen und Energien zu aktivieren, ist am besten live zu betrachten, wenn die Massen auf ihn zu drängen und ein Teil der Leute ihre Energie in wildem Pogen rauslässt, während ein anderer Teil sich völlig den Emotionen hingibt und Rossdale zu ihrem klagenden Sprachrohr macht. Der Brite ist immer der Mittelpunkt, egal mit wem er auf der Bühne steht. Es ist schon ein gewaltiger Personenkult, der auf Konzerten zu spüren ist.

Es darf gespannt beobachtet werden, ob dieser Kult aufrecht gehalten werden kann. Distort Yourself ist zumindest ein sehr gutes Album, das nicht völlig frei von Schwächen ist, aber für HELMET- wie BUSH-Hörer gleichermaßen interessant ist.

Veröffentlichungstermin: 19.09.2005

Spielzeit: 55:33 Min.

Line-Up:
Gavin Rossdale – Vocals

Chris Traynor – Guitars

Cache Tolman – Bass

Charlie Walker – Drums

Produziert von Page Hamilton
Label: Interscope Records

Homepage: http://www.institutemusic.com

Tracklist:
1. Bullet-Proof Skin

2. When Animals Attack

3. Come On Over

4. Information Age

5. Wasteland

6. Boom Box

7. Seventh Wave

8. The Heat Of Your Love

9. Ambulances

10. Secrets And Lies

11. Mountains

12. Save The Robots

13. The Buzz Of My System