ICED EARTH: Dystopia

ICED EARTH: Dystopia

Zehn Jahre her ist es, dass ICED EARTH mit Horror Show das letzte Album veröffentlicht haben, dass mir noch wirklich gefallen hat. Zwar war auch dieses Album im Vergleich zu den Vorgängern eher ein qualitativer Abstieg, die Alben danach waren meiner Meinung nach aber allesamt noch schwächer. Nun sind ICED EARTH für ihr zehntes Album in den Schoß der langjährigen Partner Century Media zurückgekommen. Was aber viel wichtiger ist: Kann der neue Sänger Stu Block in Matt Barlows Fußstapfen treten und finden ICED EARTH endlich wieder den Weg zurück zu alter Stärke? Die Antwort auf beide Fragen fällt überraschend positiv aus.

 Stu Block, der einzige Neuzugang im Line Up seit dem letzten Album macht seine Sache auf Dystopia ziemlich gut, präsentiert sich variabel und in allen Stimmlagen souverän, seien es hohe Schreie, shouting, das stilistisch durchaus an Mat Barlow erinnert oder melodischer Gesang. Matt Barlow kann auch er nicht vollwertig ersetzen, was ich aber eher als Huldigung von Matt und weniger als Kritik am neuen verstanden wissen will, denn der macht seinen Job wie gesagt ziemlich gut. Ebenfalls hervorheben muss man Leadgitarrist Troy Seele, der mit seinem Gitarrenspiel einen nicht geringen Teil zur Qualität von Dystopia beiträgt. Und nach ein paar Durchläufen muss ich sagen, dass auch Jon Schaffer anscheinend seine Eier wieder gefunden hat. Thematisch hat sich Jon neben zwei Songs, welche die Something Wicked-Storyline wieder aufgreifen diverse Dystopien als Inspiration für seine Songs genommen, von V für Vendetta über Dark City oder Soylent Green. Vielleicht war es nötig sich vom Ballast der beiden letzten Konzeptalben zu befreien um wieder etwas freier und ungezwungener komponieren zu können ohne die Songs in das Korsett eines Konzeptes stecken zu müssen. Was auch immer es war, es scheint geholfen zu haben.

Marschierende Drums und dezent MAIDEN-mäßige Gitarren eröffnen Dystopia und gehen nach einem Schrei von Stu Block in Doublebass-Gehämmer und klassisches Schaffer-Riffing über. Bei Anthem erinnert der Gesang deutlich an Matt Barlow. Das Riff im Chorus von Anguish Of Youth erinnert mich ein wenig an den Band-Hit Melancholy und auch sonst ist der Song durchaus an eben jenen Evergreen angelehnt. Mit Boiling Point und Days Of Rage treten ICED EARTH endlich auch mal wieder richtig aufs Gaspedal und kehren zu lange nicht mehr gehörter Härte zurück, entdecken den Thrash wieder für sich. Beide Songs sind echte Nackenbrecher, auch wenn der Chorus von Days Of Rage mit eine Nummer zu simpel gestrickt ist. Dark City ist eine starke Up Tempo-Nummer, die sich stilistisch wieder in Richtung Something Wicked This Way Comes orientiert und bei Equilibrium gibt es zwischendurch noch mal einen IRON MAIDEN-inspirierten Gitarrenpart. Der Rausschmeißer Tragedy And Triumph ist dann noch mal ein weiteres Highlight, eine schnelle aber halbwegs melodische  Nummer mit einem, für ICED EARTH-Verhältnisse überraschend positivem feeling, die live mit Sicherheit einschlagen wird. Einzig die Power-Ballade End of Innocence ist etwas unspektakulär ausgefallen. Hier haben ICED EARTH in der Vergangenheit die Latte aber auch sehr hoch gehängt.

Nach den ersten zwei Durchläufen war ich noch unentschlossen aber Dystopia wächst immer noch mit jedem Durchlauf, so dass ich inzwischen beruhigt sagen kann, dass ICED EARTH, wenn sie auch (noch?) nicht zurück zur absoluten Bestform gefunden haben, zumindest alle Alben nach Horror Show mit Dystopia spielend übertreffen und mich wieder mit einer meiner Lieblingsbands versöhnen. Jon Schaffer scheint das Feuer, dessen erlöschen ich ihm im Review zum letzten Album noch unterstellt hatte wieder entfacht zu haben. Ganz ehrlich, ich hatte nicht mehr damit gerechnet.

Veröffentlichungstermin: 14.10.2011

Spielzeit: 45:12 Min.

Line-Up:
Stu Block – vocals
Jon Schaffer – guitars, vocals
Troy Seele – guitars
Freddie Vidales – bass
Brent Smedley – drums

Produziert von Jon Schaffer & Jim Morris

Label: Century Media

Homepage: http://www.icedearth.com

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/icedearth

Tracklist:
01. Dystopia
02. Anthem
03. Boiling Point
04. Anguish of Youth
05. V
06. Dark City
07. Equilibrium
08. Days of Rage
09. End of Innocence
10.Tragedy and Triumph

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.