SAVATAGE: Streets – A Rock Opera

Wenn man mich zwingen würde mich für EINE einzige CD zu entscheiden die ich mit auf eine einsame Insel nehmen dürfte auf der es zufällig auch Strom und eine Stereo-Anlage gibt dann würde ich nicht einen Moment zögern!

Wenn man mich zwingen würde mich für EINE einzige CD zu entscheiden die ich mit auf eine einsame Insel nehmen dürfte auf der es zufällig auch Strom und eine Stereo-Anlage gibt dann würde ich nicht einen Moment zögern. „Streets“ ist der absolute Höhepunkt in der Karriere von SAVATAGE. Sicher veröffentlichten die Amis vorher mit „Sirens“, „Power Of The Night“, „Hall Of The Mountain King“ oder „Gutter Ballet“ bereits fantastische Alben und auch die späteren Werke wie ”Edge Of Thorns” , „Dead Winter Dead“ oder „The Wake Of Magellan“ waren mehr als beachtlich. Aber für mich steht „Streets“ einsam und uneinholbar an der Spitze. Hier stimmt einfach alles – angefangen bei der grandiosen Konzeptstory bis hin zu der Zusammenstellung der Songs. Los geht es auf die emotionale Achterbahnfahrt. Ein Kinderchor leitet den Opener und Titeltrack ein. Ein langsamer und düsterer Song über fast 7 Minuten der einen langsam in die Welt von „Streets“ zieht. Kaum sind die letzten Klänge von „Streets“ vorüber erklingt Verkehrslärm, dann eine raue Männerstimme „Hey man, you got a quarter? …“ Dieses Intro zu „Jesus Saves“ ist gleichzeitig der Beginn der eigentlichen Konzepthandlung – der Aufstieg und Fall des Rockstars D.T. Jesus. In „Jesus Saves“ lassen SAVATAGE D.T. Jesus vom Niemand zum Star werden nur um ihn in den folgenden Songs – „Tonight He Grins Again“, „Strange Reality“ und „A Little To Far“ wieder zurück in die Gosse zu schicken. Mit dem Unmengen an positiver Energie verströmenden „You´re Alive“ keimt kurzfristig wieder Hoffnung auf doch schon im darauf folgenden, brachialen „Sammy & Tex“ bahnt sich die nächste Katastrophe an – D.T. wird von seiner Vergangenheit eingeholt und ein Freund muss mit dem Leben dafür zahlen. Seine Trauer führt in zum Glauben – er wendet sich an Gott und letztendlich ist es dieser Glaube der Ihn rettet und ihm hilft seine Sucht zu überwinden. Das ist nur eine sehr grobe und unvollständige Umschreibung der Story. Am besten hört ihr euch die CD einfach selber an und studiert die Texte im Booklet.

Die von Paul O´Neil erdachte Rahmenhandlung und die wunderbaren Texte sind mindestens genauso wichtig für Streets wie die musikalische Meisterleistung der Herren Oliva, Middleton und Wacholz. Das unglaublich variable Songwriting lässt diese Scheibe nicht eine Sekunde langweilig werden. Harte Rocknummern wie „Jesus Saves“, „Sammy & Tex“ oder „Agony & Ecstasy“ stehen Hand in Hand mit sanften Piano Balladen bei denen JON OLIVA sein ganzes musikalisches Genie zeigt. Auf dieser CD liefert der Mountain King seine größte Gesangsleistung aller Zeiten ab und zeigt dass er zu jener Zeit vielleicht der beste Sänger war den es im Metal-Bereich je gab. Egal ob seine Stimme den Hörer sanft umschmeichelt oder geradezu anbrüllt – was JON OLIVA auf dieser Scheibe geleistet hat grenzt an Wahnsinn. Auch wenn er inzwischen viel von seinem einstigen Stimmvolumen verloren hat gehört sein Organ auch heute noch zu den eigenständigsten der Szene. Der einzige der im Schatten des Mountain King nicht verblasst ist das zweite große Genie der Sava-Familie – Jons Bruder Criss Oliva. Dieser zaubert bei jedem Song Töne aus seiner Gitarre die nicht von diesem Planeten sein können. Doch das besondere an Criss Olivas Spiel ist das, was er auch auf dem Griffbrett veranstaltet, sich doch immer perfekt in den Song einfügt und ihn nicht zum bloßen Aufhänger für einen übertalentierten Gitarristen werden lässt. Wer „Streets“ hört kann vielleicht erahnen zu welchen Meisterleistungen diese beiden Koryphäen noch in der Lage gewesen wären, wenn nicht das Schicksal im Weg gestanden hätte. Denn nach nur einem weiteren Album wurde das Duo Infernale auf tragischste Weise auseinander gerissen. Criss Oliva starb 1993 bei einem Autounfall. Ein besoffener Fahrer prallte frontal in den Wagen in dem auch Criss Frau Dawn Oliva saß die den Unfall schwer verletzt überlebte.

Doch zurück zu „Streets“. Den Abschluss dieses Meisterwerks bildet die Jahrhundertballade „Believe“. Über diesen Song könnte ich wohl seitenweise Lobpreisungen schreiben und würde ihm immer noch nicht gerecht werden. Eine derart magische Wirkung hat nicht ein anderer Song auf mich. Wenn JON OLIVA leise und zart die ersten Worte dieses Songs intoniert, läuft es mir jedes mal wieder kalt den Rücken runter. „And after all this one night stands we ended up with heart in hand”. Anfangs nur von einem Piano begleitet, gesellt sich schon bald die Gitarre dazu und spätestens im göttlichen, nicht zu übertreffenden Chorus explodiert ein emotionales Feuerwerk. Wie oft schon hat mir dieser Song geholfen wenn es mir dreckig ging… Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut wann immer ich dieses Lied höre. Es ist sinnlos dieses unglaubliche Gefühl einem Außenstehenden zu beschreiben. Und so setzt „Believe“ einen perfekten Schlusspunkt unter ein perfektes Album.

Mit „Streets“ haben SAVATAGE tatsächlich eine Rock-Oper monumentalen Ausmaßes erschaffen die in keiner ordentlichen Plattensammlung fehlen darf! Dies ist das Vermächtnis der besten Metal-Band aller Zeiten und doch würde man den Tampa-Boys unrecht tun, sie nur auf diese Scheibe zu reduzieren. Denn was immer SAVATAGE, oder Ihre Musiker in diversen Nebenprojekten auch anfassten – es wurde fast immer zu Gold. Wenn es auch nur ein wenig Gerechtigkeit im Musikbiz geben würde, dann stünde diese Band ganz oben und jedes einzelne Bandmitglied wäre steinreich. Das dies nicht so ist zeigt auf beeindruckende wenn nicht erschütternde Weise, dass musikalische Genialität selten im richtigen Verhältnis zu kommerziellen Erfolg steht. Das einzige, winzige Manko dieses Meisterwerks ist die Tatsache dass SAVATAGE auf drängen der Plattenfirma einige Songs auf einem „Track zusammenquetschen“ mussten, Ergebnis siehe Tracklist. Da man diese Götterscheibe (entschuldigt die vielen Superlative – ich kann nicht anders) aber sowieso am besten am Stück hört, fällt dies kaum ins Gewicht.

Veröffentlichungstermin: 04.10.1991

Spielzeit: 68:36 Min.

Line-Up:
Jon Oliva: Vocals and piano

Criss Oliva: Guitars

Steve “Doc Killdrums” Wacholz: Drums

Johnny Lee Middleton: Bass

Produziert von 321 Studios, NYC, Mastering: Greg Calbi/Sterling Sound, NYC
Label: Atlantic Records

Homepage: http://www.savatage.com

Tracklist:
01. Streets

02. Jesus Saves

03. Tonight He Grins Again / Strange Reality

04. A Little Too Far

05. You’re Alive / Sammy And Tex

06. St. Patrick’s

07. Can You Hear Me Now

08. New York City Don’t Mean Nothing

09. Ghost In The Ruins

10. If I Go Away

11. Agony And Ecstasy / Heal My Soul

12. Somewhere In Time / Believe

Total
0
Shares
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner