SAVATAGE: Dead Winter Dead [Re-Release]

Das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA im Training? Ein bisschen, ja. Aber "Dead Winter Dead" ist trotz ähnlichem Aufbau noch ein ganzes Stück vom TSO-Schaffen entfernt, vor allem, weil hier noch eindeutig eine Metalband am Werk ist.

Im Interview nannte Jon Oliva den Stil, den SAVATAGE auf Dead Winter Dead und dem folgenden The Wake Of Magellan spielten, ja TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA im Training. Na ja, das kann man teilweise unterschreiben, denn vom Aufbau ist Dead Winter Dead dem späteren TSO-Schaffen nicht unähnlich, nur, dass hier eben noch eine vollwertige Metalband mit symphonischen Elementen als Bereicherung agiert und das Songmaterial noch eine ganze Ecke härter und insgesamt noch ein gutes Stück songorientierter angelegt ist. Thematisch handelt es sich bei Dead Winter Dead um ein Konzeptalbum über den Jugoslawien-Krieg und eine tragische Liebesgeschichte zwischen einem Serben und einer Bosnierin.

Nach dem Intro Overture und dem kurzen Sarajevo folgt mit This Is Time der erste richtige Song und ein großes Highlight. Jon Olivas Piano, Al Pitrellis Gitarre, dazu bombastische Arrangements und darüber Zak Stevens wunderbarer, harmonischer Gesang. Beim folgenden, ruppigeren I Am krallt sich Jon Oliva das Mikro. Der Song ist von der Stimmung her das totale Gegenteil von This Is The Time, ein düsterer, harter Songs, wenn auch ebenfalls mit Orchester-Arrangements angereichert.

Nein, Dead Winter Dead ist noch ein ganzes Stück vom TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA entfernt, was alleine schon Songs wie I Am oder das noch eine Ecke härtere Doesn´t Matter Anyway, bei dem ebenfalls Jon den Gesang übernimmt, beweisen. Alleine die Möglichkeit diese zwei Weltklasse-Sänger auf einem Album zu haben ist ein Luxus, der viel zur Qualität von Dead Winter Dead beiträgt. Die Ballade This Isn´t What We Meant wechselt zwischen Bombast und sanften Momenten wie im Refrain oder dazwischen, wenn nur Zak Stevens und das Piano zu hören sind. Der von BEETHOVENs 9. eingeleitete Titeltrack ist ein Mid Tempo-Stampfer bei dem SAVATAGE die Orchester-Parts außen vor lassen und dafür Chris Caffery und Al Pitrelli von der Leine lassen. Es folgt mit One Child ein weiteres, wenn nicht das Highlight des Albums. Nach Chance vom Vorgänger-Album Handful Of Rain bringen SAVATAGE hier sowie beim ebenfalls großartigen Not What You See erneut Counterpoint-Gesang zum Einsatz.

Qualitativ würde ich Dead Winter Dead irgendwo in der Nähe von The Wake Of Magellan ansiedeln, also nicht auf dem Niveau der ganz großen Band-Meilensteine aber immer noch verdammt gut. Man muss sich einfach immer wieder klar machen, dass SAVATAGE, selbst wenn sie nicht in absoluter Topform sind, immer noch die meisten Genre-Kollegen mit links an die Wand klatschen.

Auch Dead Winter Dead enthält in dieser Neuauflage zwei akustische Bonustracks, zum einen ein Medley aus Miles Away und Follow Me sowie die Jahrhundertballade When The Crowds Are Gone. Während das Medley, insbesondere der Follow Me-Teil sehr schön umgesetzt ist, wirkt die Akustik-Version von When The Crowds Are Gone zwar nett, kann aber mit dem eindringlichen Original nicht mithalten.

Veröffentlichungstermin: 22.07.2011

Spielzeit: 64:44 Min.

Line-Up:
Zachary Stevens – vocals
Chris Caffery – guitars
Al Pitrelli – guitars
Jon Oliva – keyboards, vocals
Johnny Lee Middleton – bass
Jeff Plate – drums

Produziert von Paul O´Neill

Label: earMUSIC (Edel)

Homepage: http://www.savatage.com

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/savatage

Tracklist:
01. Overture
02. Sarajevo
03. This is the Time (1990)
04. I Am
05. Starlight
06. Doesn´t Matter Anyway
07. This Isn´t What We Meant
08. Mozart and Madness
09. Memory (Dead Winter Dead Intro)
10. Dead Winter Dead
11. One Child
12. Christmas Eve (Sarajevo 12/24)
13. Not What You See
14. Miles Away/Follow Me (Acoustic)
15. When The Crowds Are Gone (Acoustic)