SAVATAGE: Edge of Thorns

Dieses Album ist schlicht und ergreifend ein grandioser Anachronismus! Zu hart für Hard Rock, zu elegisch für Heavy Metal, aber zum Glück genau richtig für Freunde von rockenden, emotionalen Melodien.

Großartige Alben bringen das Problem mit sich, dass man nicht weiß, an welchem Punkt man anfangen soll. Immer wieder nimmt man sich vor, ein Review zu schreiben, und stets läuft es darauf hinaus, dass man sich das Album in all seiner Pracht anhört, ohne dass man hinterher auch nur ein Wort zu Papier gebracht hat.

Das Album Edge of Thorns aus dem Hause SAVATAGE bildete da keine Ausnahme. 1993 zur Hochzeit des Grunge veröffentlicht, stellt es mit Sicherheit einen Anachronismus dar. Im Kontext der Bandgeschichte sticht die Platte gleichfalls heraus. Denn erstmals ist hier Wundersänger Zak Stevens mit von der Partie gewesen.

Zugleich war Edge of Thorns leider auch das letzte Album von und mit Saitenhexer Criss Oliva, der am 17. Oktober 1993 bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam.

Kraftvoll und klar thront Zak Stevens Gesang über der Musik von “Edge of Thorns”

SAVATAGE haben im Laufe ihrer Karriere etliche hochklassige Alben veröffentlicht. Warum habe ich also gerade Edge of Thorns zu meinem persönlichen Lieblingswerk auserkoren?

Wie bereits erwähnt, ist die Scheibe ungemein eigenständig ausgefallen, was nicht zuletzt an der markanten Stimme liegt. Vom ersten Ton an zieht Zak Stevens alle Aufmerksamkeit auf sich. Kraftvoll und doch klar thront sein Gesang über der Musik von Edge of Thorns. Anfangs übernimmt das Klavier noch die Führung, doch bei den meisten Stücken hat dann eindeutig die Gitarre das Sagen. So zieht Criss Oliva bei He Carves His Stone alle Register seines Könnens. Das Lied beginnt mit einer zurückhaltenden Strophe, ehe der Refrain-Riff mit voller Wucht einsetzt. Und am Ende spielt Oliva das vielleicht beste Solo seines Lebens, bei dem zuletzt auch noch Stevens einsetzt, welcher sich förmlich die Seele aus dem Leib schreit. Follow Me, mein Lieblingslied auf dem Album, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Einmal mehr steht auch hier der ausdrucksstarke Gesang im Mittelpunkt, ohne dass die Gitarre zu kurz kommt.

Fast jedes Lied auf dem Album hat einen eigenen Charakter

Natürlich befinden sich auch einige heftigere Nummern auf Edge of Thorns, z.B. das verhältnismäßig flotte Lights Out oder das wuchtige Damien. Befreit von jeglichem Rockoper-Ballast tobt sich die Band hier nach Herzenslust aus. Auf der anderen Seite können auch ruhigere Stücke wie das bewegende All That I Bleed oder das nachdenkliche Sleep auf ganzer Linie überzeugen. Eigentlich besitzt fast jedes Lied auf dem Album einen eigenen Charakter. Jedes ist auf seine eigene Art sympathisch, während alle zusammen so ähnlich und zugleich so verschieden sind wie Geschwister.

Der Reiz des Albums liegt eindeutig in dem einzigartigen Stil. So fällt mir wirklich keine andere Band ein, zu der ein Stück wie Miles Away auch nur ansatzweise passen würde. Abgerundet wird Edge of Thorns zudem von einem überragenden Titelbild (Gary Smith), auf dem die romantische Schönheit mit der rauen Wildheit miteinander verschmelzen.

Veröffentlichungstermin: 2. April 1993

Line-Up:

Zak Stevens: Gesang

Criss Oliva: Gitarre

Johnny Lee Middleton: Bass

Steve Wacholz: Schlagzeug

Jon Oliva: Keyboards

Produziert von Paul O`Neill

Label: Atlantic Records

Homepage: http://www.savatage.com

Tracklist:
1. Edge of Thorns
2. He Carves His Stone
3. Lights Out
4. Scraggy`s Tomb
5. Labyrinths
6. Follow Me
7. Exit Music
8. Degrees of Sanity
9. Conversation Piece
10. All That I Bleed
11. Damien
12. Miles Away
13. Sleep