DEEP PURPLE: Perfect Strangers

deep purple perfect strangers cd-cover

DEEP PURPLE haben ganz sicher nicht erst 1984 ihren ersten Klassiker aufgenommen. Im Gegenteil! Liest man die Tracklist von den unzähligen Best of-Alben, findet man unsterbliche Hardrock-Evergreens wie Smoke On The Water, Black Night, Child In Time, April, Fireball und Strange Kind of Woman. Doch all diese Stücke stammen ursprünglich von verschiedenen Veröffentlichungen, die alle zu besprechen den Rahmen sprengen würde. Deshalb will ich lieber das erste Reunions-Album der Mark II-Besetzung in höchsten Tönen loben!

Schon der Opener Knocking On Your Back Door ist einfach großartig! Die Musik klingt natürlich reichlich altbacken und ungeschliffen. Doch es gelingt den fünf Streithähnen, das Feuer ihres Zusammenspiels auf Platte festzuhalten. Ian Gillan singt gewohnt erstklassig, Jon Lord füllt mit seinem unnachahmlichen Hammond-Orgel-Spiel jedes Soundloch und Ritchie Blackmore schüttelt Licks und Riffs aus dem Ärmel, als hätte es die letzten eher durchwachsenen RAINBOW-Scheiben nie gegeben.

Der eigentliche Wahnsinn befindet sich auf der B-Seite

Der eigentliche Wahnsinn von Perfect Strangers befindet sich aber auf der B-Seite. Wer kennt nicht das geniale Intro des Titeltracks, dessen hypnotischer Rhythmus einen noch lange nach dem Ende des Albums verfolgt!? Allein für diesen Song haben DEEP PURPLE eine Platz im Rock-Olymp verdient! Unglaublicherweise präsentieren die fünf Briten mit A Gypsy´s Kiss im Anschluss ein mindestens genauso gutes Stück. Es besticht durch ein flottes Tempo, dramatische Gesangslinien und einen irrsinnigen Mittelteil, bei dem die Herren Blackmore und Lord um die Wette spielen, dass es eine Wonne ist ihnen zuzuhören.

DEEP PURPLE zaubern auf „Perfect Strangers“

Nach diesem Ausflug in härtere Gefilde folgt die Gänsehautballade Wasted Sunsets. Einmal mehr demonstriert Ritchie Blackmore, dass er nicht nur laut sondern auch gefühlvoll spielen kann. Der Rest der Band macht ebenfalls eine ausgezeichnete Figur, so dass auch dieser Song eigentlich auf jede Best of-Platte gehört. Zuletzt zaubern DEEP PURPLE dann noch die Rocknummer Hungry Daze aus dem Hut, die die Platte würdig beschließt. Ian Gillan gibt alles, singt, schreit, wimmert. In der zweiten Strophe zitiert er fast schon beiläufig den größten Hit der Band (We all came out to Montreux…), nur um dann lakonisch fortzufahren: …but that´s another song. Ritchie Blackmore gibt dem Stück einen leicht düsteren Melodielauf, der typisch für sein Spiel ist und das Stück wohltuend von früheren Geradeaus-Rockern wie Woman From Tokyo unterscheidet.

„Perfect Strangers“ je nach Ausführung mit oder ohne Bonustracks

Das Album gibt es natürlich auch auf Kassette und CD. Je nach Auflage gibt es darauf noch bis zu zwei Bonustracks: Not Responsible besitzt ein cooles Riff und hätte auch gut auf die erste Seite des Albums gepasst, während das überlange Jam-Session-Instrumental Son of Alerik (B-Seite der Perfect Strangers-Single) zurecht auf dem ursprünglichen Album fehlte. Die Grundstimmung ist dabei eher melancholisch; Lord und vor allem Blackmore schwelgen in Soli, die immer nachvollziehbar und stilsicher bleiben.

Veröffentlichungstermin: 16. September 1984

Spielzeit: 39:58 Min.

Line-Up:
Ian Gillan: Gesang
Ritchie Blackmore: Gitarre
Jon Lord: Keyboard, Orgel
Roger Glover: Bass
Ian Paice: Schlagzeug

Produziert von Roger Glover und DEEP PURPLE
Label: Polydor / Universal

„Perfect Strangers“ Tracklist:

1. Knocking At Your Back Door
2. Under The Gun
3. Nobody´s Home
4. Mean Streak
5. Perfect Strangers
6. A Gypsy´s Kiss
7. Wasted Sunsets
8. Hungry Daze

Jutze
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