HEAVEN & HELL: The Devil You Know

HEAVEN & HELL: The Devil You Know

Da ist sie also wieder: wochenlang verschollen hinter dem CD-Regal, musste ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um mich bis hinter das natürlich letzte Regal durchzubuddeln. Nun belegt The Devil You know also wieder dauerhaft den Player, als wäre sie ein alter, lange verschollener Freund. Na ja stimmt ja auch, zumindest im Bezug auf BLACK SABBATH. In dieser Besetzung mit DIO am Mikro und VINNY APPICE hinter den Drums ist es das erste Album seit nunmehr 17 Jahren. Eine Zeit, in der komplett neue Generationen an Metalheads geboren wurden. Nach den Aufnahmen neuer Songs zur The Dio Years-Best Of war schnell klar, dass hier etwas anderes passiert als bei den zwei unspannenden Pflichtnummern Psycho Man und Selling My Soul zum Reunion-Album `98 mit OZZY. The Devil Cried, Shadow Of The Wind und Ear In The Wall deuteten bereits in die Richtung, die HEAVEN & HELL später auf Tour belegten: hier spielt eine Band zusammen, die gemeinsam Musik und nicht nur Kohle machen will. Da waren sich die Herren schnell einig, dass es mit der Tour nicht vorbei sein kann. Dass man nicht unter dem Banner BLACK SABBATH unterwegs ist hat natürlich hauptsächlich rechtliche Gründe. Der neue Name, geklaut vom eigenen Klassiker-Album Heaven And Hell, fegt den Schatten alternder Rockdinos beiseite und lässt die natürlich älteren Herren frisch fast von vorn anfangen. Heute sind sie bereits an dem Punkt, wo man nicht mehr von den neuen BLACK SABBATH redet, sondern schlichtweg nur noch von HEAVEN & HELL, und so soll es sein.

Das liegt natürlich auch am ersten Album The Devil You Know. Dieses Album knüpft recht nahtlos am letzten gemeinsamen Album Dehumanizer an, welches zwar die permanente Niedermache nicht verdient hat, aber auch eher den Schwachpunkt in der Geschichte von BLACK SABBATH bildet. Die besten Momente dieses Albums scheint man für HEAVEN & HELL neu durchgemischt zu haben, packt aber dazu noch eine gute Portion Spielfreude mit rein. Man hört deutlich, dass die Herren IOMMI, DIO, BUTLER und APPICE Spaß hatten an den Aufnahmen. Man hat die CD Rockdino untypisch mal eben in drei Wochen aufgenommen, was dem Album keinen Raum lässt für Studiomuff und eine unerwartete Frische verleiht. Das führt sogar dazu, dass man bei dem ein oder anderen Solo von Mr. IOMMI denkt, es wäre nicht ganz fertig. Nein, trotz des einwandfreien Sound klingt hier nichts überproduziert. DIO singt wie gewohnt einem Barden gleich seine Fantasiegeschichten, wirkt natürlich nicht mehr ganz knackig und verzichtet auf Ausflüge in höchste Tonlagen. An der starken Ausstrahlung seines Gesangs ändert das nichts. GEEZER BUTLER spielt wie gewohnt seinen knackigen Solo-Bass, der auch einfachen Riffs füllend beiseite steht. APPICE spielt gerade heraus ohne große Abenteuer auf den Punkt, ein passendes Fundament.

Viele Songs fallen unerwartet heavy aus wie der schleppende Opener, The Turn Of The Screw oder das fett groovende Follow The Tears. Dem gegenüber stehen treibende Uptempo-Rocker wie das mit einem Augenzwinkern vorgetragene Eating The Cannibals und Neverwhere. Bei den stampfigen Midtempo-Nummern wie der ersten Single Bible Black oder dem verspielten Rock `n´ Roll Angel mit schönen Akustikparts hört man gut heraus, wie viel Einfluss DIO auf die Songs hatte, sie könnten auch als härtere Nummern auf einem seiner Alben stehen. Wirkliche Lückenfüller wie auf Dehumanizer findet man auf The Devil You Know keine, auch wenn nicht jeder Songs in die Hitliste der Bandgeschichte einziehen wird. Als Fan findet man alles, was man sich von den neuen BLACK SABBATH, äh, sorry, HEAVEN & HELL wünschen konnte. Ein Heaven & Hell oder Mob Rules muss man gar nicht mehr neu bringen, die gibt es ja schon. Und The Devil You Know passt wunderbar dazu. Für die Fans bleibt die Hoffung, dass man als HEAVEN & HELL noch lange weitermacht, auch mit weiteren Alben dieser Klasse. Nach einer Reunion mit OZZY fragt nun hoffentlich keiner mehr.

Für echte Fans ist die Auflage mit der DVD zu empfehlen mit Interviews der Helden. Hier zeigen sich die Herren als Musiker mit Spaß an dem, was sie machen, die ihre musikalische Vergangenheit schätzen, mit typisch englischer Zurückhaltung aber auch voller Freude nach vorne schauen. Hier sieht man ganz klar eine Band, die Ziele hat und das Abenteuer HEAVEN & HELL ernst nimmt, ohne dabei den Spaß am Rocken zu vergessen. Und wo sieht man schon seine Götter im Jogginganzug oder Rollkragenpulli im Proberaum stehen.

Veröffentlichungstermin: 24.04.2009

Spielzeit: 54:03 Min.

Line-Up:
Ronnie James Dio – Vocals
Tony Iommi – Guitars
Geezer Butler – Bass
Vinny Appice – Drums

Produziert von Ronnie James Dio, Tony Iommi und Geezer Butler
Label: Roadrunner Records

Homepage: http://www.heavenandhelllive.com

MySpace: http://www.myspace.com/heavenandhellmusic

Tracklist:
1. Atom And Evil
2. Fear
3. Bible Black
4. Double The Pain
5. Rock And Roll Angel
6. The Turn Of The Screw
7. Eating The Cannibals
8. Follow The Tears
9. Neverwhere
10. Breaking Into Heaven

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.