HEATHEN: The Evolution Of Chaos

Das Thrash Metal-Album des Jahres? Vermutlich! Das Comeback des Jahres? Wahrscheinlich! Kaufplicht für alle Metalheads? Definitiv!

05. April 2008 – HEATHEN spielen auf dem KEEP IT TRUE X und legen einen denkwürdigen Auftritt hin. Nicht nur die alten Hits wie Hypnotize, Mercy Is No Virtue oder Death By Hanging, nein, auch die zwei noch unveröffentlichten Songs sorgen für Begeisterung. Das kann ja was werden! Jetzt, beinahe zwei Jahre später, haben HEATHEN ihr drittes Album The Evolution Of Chaos endlich fertig. Gerüchte über ein neues Album geisterten schon so lange durch die Szene, man sprach hier und da schon vom Chinese Democracy des Bay Area Thrash. Ende Dezember letzten Jahres war es dann endlich soweit, The Evolution Of Chaos wurde – wenn auch nur in Japan – veröffentlicht. Seit Ende Januar kommen auch wir Europäer in den Genuss des ersten HEATHEN-Albums seit neunzehn Jahren. Und weil HEATHEN ja so viel Zeit hatten sind auch fast siebzig Minuten Songmaterial dabei raus gekommen.

Die drei Songs des 2005er Demos sind allesamt vertreten, lediglich Empty Nothingness wurden in Silent Nothingness umgetauft. Nach dem orientalisch klingenden Intro legen HEATHEN los wie entfesselt, hauen eine Riff-Attacke nach der anderen aus, egal wohin man schaut. Dazu dann noch der elfminütige Hammer No Stone Unturned welches viele traditionelle Metal-Elemente enthält und nur teilweise thrashige Parts aufweist. Ansonsten will ich gar nicht mehr groß auf einzelne Songs eingehen, denn auf diesem Album herrscht, vielleicht mit einer Ausnahme, durchgehend höchstes Niveau.

Die Gitarrenarbeit auf The Evolution Of Chaos ist beeindruckend, die beiden Gitarristen Lee Altus und Kragen Lum geizen nicht mit einprägsamen Riffs und durchdachten, melodischen Soli. Stumpfes Riff-Geschrubbe sucht man hier genauso vergebens wie wirre, dahin geklatschte Soli. Trotz der Länge des Albums kommt keine Langeweile auf, Abwechslung ist Trumpf auf The Evolution Of Chaos. Der Großteil des Songmaterials stammt aus der Feder von Lee Altus, aber auch Kragen Lum und Bassist Jon Torres haben ihren Teil zum Songmaterial beigetragen. Auch Sänger David White muss man erwähnen, der Kerl kann nicht nur shouten, sondern auch richtig gut singen, was ja für einen Thrash-Fronter nicht gerade eine Selbstverständlichkeit ist. Dieses Album enthält einfach alles, was sich anspruchsvolle Thrasher wünschen können.

Kritikpunkte? Gibt es, ja, wenn auch eigentlich nur einen wirklich erwähnenswerten. Zum Beispiel die furchtbar kitschige Pathos-Ballade A Heros Welcome, typischer Ami-Soldaten-Verherrlichungs-Kitsch. Aber gut, bei fast siebzig Minuten Songmaterial fällt ein mittelprächtiger Song nicht so schwer ins Gewicht. Die Produktion mag manchen Leuten ein kleines wenig zu steril klingen, dröhnt aber zeitgemäß, fett und differenziert aus den Boxen, so dass man auch darüber leicht hinweg sehen kann. Ansonsten gibt es an diesem Album nichts, aber auch wirklich gar nichts auszusetzen. HEATHEN ist mit The Evolution Of Chaos ein absoluter Volltreffer gelungen der das komplette Thrash-Revival und auch die meisten neuen Alben alter Helden wie EXODUS oder DEATH ANGEL problemlos in die Tasche steckt. Wenn HEATHEN jetzt nicht wieder ewig brauchen uns in angemessener Zeit ein qualitativ gleichwertiges Album nachschieben wird es vielleicht ja doch noch was mit dem späten Ruhm. Das Teil, so viel steht jetzt schon fest, wird am Jahresende in meiner Top Ten ganz weit vorne stehen.

Veröffentlichungstermin: 29.01.2010

Spielzeit: 68:34 Min.

Line-Up:
David White – vocals
Lee Altus – guitar
Kragen Lum – guitar
Jon Torres – bass
Darren Minter – drums

Produziert von Juan Urteaga & HEATHEN @ Trident Studios, Mixed & mastered by Jacob Hansen @ Hansen Studios
Label: Mascot Records
MySpace: http://www.myspace.com/heathenmetal

Tracklist:
01. Intro
02. Dying Season
03. Control by Chaos
04. No Stone Unturned
05. Arrows of Agony
06. Fade Away
07. A Hero´s Welcome
08. Undone
09. Bloodkult
10. Red Tears of Disgrace
11. Silent Nothingness