HEATHEN: Empire Of The Blind

heathen-empire-of-the-blind-album-cover

Schon wieder ne neue HEATHEN-Platte? “The Evolution Of Chaos” ist doch gerade mal zehn Jahre her! Im Vergleich zu den neunzehn Jahren, die sich die Herren  beim letzten Mal Zeit gelassen haben, also quasi nichts. Dafür ist “Empire Of The Blind” aber auch gleich zwanzig Minuten kürzer ausgefallen als sein, zugeben ziemlich langer, Vorgänger. Man hatte auch zu tun in den letzten Jahren: Also… Lee Altus und Kragen Lum waren beschäftigt, nämlich mit EXODUS. Irgendjemand muss in dem Laden ja die Ansagen machen, während Gary Holt mit SLAYER Multimilliardär wird. Aber mal ehrlich, EXODUS bringen sicher mehr Kohle ein als HEATHEN und somit ist es schon verständlich, dass die beiden Ihre Prioritäten in den letzten Jahren auf erstere gelegt haben. Aber immerhin hatte Kragen Lum schon einen Großteil des neuen Albums in der Zeit zwischen 2012 und 2014, also vor seiner Urlaubsvertretung bei EXODUS, fertig und in den letzten zwei Jahren den Rest erledigt. Nebenbei musste man sich noch eine neue Rhythmusgruppe zulegen, was mit Bassist Jason Mirza und Drummer Jim DeMaria erfolgte, der seit diesem, beziehungsweise letztem Jahr in der Band ist.

HEATHEN sind wieder da: ein Riff-Feuerwerk von der ersten Sekkunde an!

Wie schon beim Vorgänger hat man Travis Smith mit dem Cover Artwork betraut. Das Ergebnis ist das bisher düsterste Artwork aller HEATHEN-Alben. Die fette und zeitgemäße Produktion von Christopher „Zeuss“ Harris klingt deutlich anders als die eher trockene Produktion des Vorgängers, steht dem Songmaterial aber gut zu Gesicht.

Mit “The Blight” gibt es gleich zu Beginn einen rabiaten Thrasher vor den Latz. Das Hauptriff könnte auch von neueren EXODUS stammen, im Kontrast dazu stehen die melodischen Leads sowie der ebenfalls sehr melodische Refrain. Der Titelsong schaltet tempomäßig erstmal einen Gang zurück, kommt dafür aber ziemlich heavy aus den Boxen und wird von einem eindringlichen Refrain gekrönt. Mit “Dead And Gone” oder “Blood To Be Led” haben HEATHEN weitere melodische Thrasher in der Hinterhand, die allesamt als Volltreffer durchgehen. Dass HEATHEN auch mal ohne viel Schnickschnack und melodische Einschübe drauf loshämmern können, beweisen das knochentrockene “In Black”, einer meiner Favoriten auf “Empire Of The Blind”, sowie “Devour”.

Neben knallhartem Thrash haben HEATHEN auch ein Herz für Melodien

Mehr Melodie wagen HEATHEN bei “Sun In My Hand”, bei dem David White mal einen richtig großen, epischen Refrain auspackt und die Leadgitarren ein wahres Melodienfeuerwerk zünden. Kuschelig wird es mit der sehr gelungenen Ballade “Shrine Of Apathy”, welche deutlich weniger kitschig rüber kommt als “A Heroes Welcome” von “The Evolution Of Chaos”. Und dann ist da noch das Instrumental “A Fine Red Mist” bei dem vor allem Kragen Lum und Lee Altus noch mal so richtig Gas geben. Ich hätte mir da auch etwas mehr Platz für die beiden neuen an Bass und Schlagzeug gewünscht, die hier aber eher songdienlich im Hintergrund agieren. Dafür feuern die beiden Gitarristen aus allen Rohren.

HEATHEN haben nichts verlernt: “Empire Of The Blind” ist ein herausragendes Album

Ich denke, dass niemand ein schwaches oder auch nur mittelmäßiges Album von HEATHEN erwartet haben wird. In der Tat ist “Empire Of The Blind” alles andere als das. HEATHEN haben hier erneut eine herausragende Thrash Metal-Scheibe veröffentlicht, spielerisch eh über alle Zweifel erhaben, mit ihrer ureigenen Mischung aus brachialer Härte, Melodie und technischem Anspruch. David White ist immer noch einer der besten Thrash-Sänger überhaupt, höchstens noch übertroffen vom alles überragenden Erik AK Knutson (FLOTSAM & JETSAM). Das Gitarrenduo Kragen Lum und Lee Altus liefert hier erneut überragendes ab. Trotzdem sehe ich “Empire Of The Blind” momentan knapp hinter seinem Vorgänger “The Evolution Of Chaos”, was aber niemanden davon abhalten sollte, sich dieses geniale Album zuzulegen, denn qualitativ spielen HEATHEN nun mal in ihrer ganz eigenen Liga und “etwas schlechter als das letzte eigene Album” heißt immer noch “besser als 90% aller anderen”.

Veröffentlichungsdatum: 18.09.2020

Spielzeit: 47:22

Line Up:
David White – vocals
Lee Altus – guitar
Kragen Lum – guitar
Jason Mirza – bass
Jim DeMaria – drums

Produziert von: Christopher „Zeuss“ Harris @ Planet Z Studios

Label: Nuclear Blast

Facebook: https://www.facebook.com/heathen.official
Big Cartel: https://heathenthrash.bigcartel.com/

HEATHEN „Empire Of the Blind“ Tracklist

01. This Rotting Sphere
02. The Blight (Video bei YouTube)
03. Empire Of The Blind (Lyric-Video bei YouTube)
04. Dead And Gone
05. Sun In My Hand
06. Blood To Be Let
07. In Black
08. Shrine Of Apathy
09. Devour
010. A Fine Red Mist
11. The Gods Divide
12. Monument To Ruin

 

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.