HARLOTT: Detritus Of The Final Age

HARLOTT: Detritus Of The Final Age

Nachdem die bisherigen drei Alben von HARLOTT allesamt im Abstand von je zwei Jahren erschienen sind, hat es bei Album Nummer vier ein Jährchen länger gedauert. Neben zwei Umbesetzungen im Line Up – neu dabei sind Gitarrist Leigh Bartley sowie Schlagzeuger Glen Trayhern – dauerte die Arbeit an den Songs dieses Mal auch länger. Ein ganzes Jahr hat Hudson an “Detritus Of The Final Age” gearbeitet. Nach drei Alben mit mehr oder weniger innovationsfreiem, wenn auch hochklassigem Thrash Metal, geprägt vom Bay Area-Sound, wollte er dieses Mal etwas freier an das Songwriting herangehen. Aber keine Sorge, nach mehreren Durchläufen von “Detritus Of The Final Age” kann ich sagen, dass sich die Änderungen im Rahmen halten und sicherlich niemanden total vor den Kopf stoßen werden, der die Band bisher mochte.

SLAYER und EXODUS treffen auf Spurenelemente von Death Metal

Als Haupteinfluss von HARLOTT muss man ganz klar immer noch SLAYER ausmachen, dicht gefolgt von EXODUS. Ein Song wie “Slaughter” hätte sich auch auf “Repentless”, dem letzten SLAYER-Album gut gemacht. Dem Sound wurden Spurenelemente von Death Metal hinzugefügt, ein Blast-Part hier, ein paar düstere Harmonien da. “Bring On The War” und “Grief” entpuppen sich als zähe, schleppende Stücke. Vor allem Letzteres ist ein ziemlich finsterer Brocken und behandelt textlich die Trauer und den Umgang mit dem Krebstod eines Menschen aus Andrew Hudsons Umfeld. Vielleicht liegt es auch an den diesmal teilweise persönlichen Themen, dass Hudsons Gebrüll noch mal eine Ecke angepisster klingt.

Die Songs auf „Detritus Of The Final Age“ bieten ordentlich Abwechslung

Auf der anderen Seite stehen kurze Thrash-Eruptionen wie “Idol Minded” oder das High Speed-Massaker “The Time To Kill Is Now”. Der Titeltrack wiederum wechselt gekonnt zwischen verschiedenen Tempi, von Mid Tempo Mosh bis zu Vollgas. Dieses Rezept funktioniert auch beim knapp acht Minuten langen “Nemesis”, auch wenn der Song meiner Meinung nach ein paar unnötige Längen hat. Die eine oder andere Passage hätte man auch einkürzen können, ohne dass der Song etwas verloren hätte. Beim zweiten Longtrack “Miserere Of The Dead” kommt mir das etwas besser gelungen vor, auch wenn HARLOTT hier nicht wirklich viel anders machen. Insgesamt stimmt die Mischung der Songs auf “Detritus Of The Final Age” und auch die Songs an sich sind größtenteils abwechslungsreich gehalten.

„Detritus Of The Final Age“ zeigt HARLOTT in erstklassiger Form

Alles in allem haben HARLOTT mit ihrem vierten Album meiner Meinung nach die richtige Richtung eingeschlagen. Man ist dem grundsätzlichen Sound treu geblieben, hat sich aber ein Stück weit von den offensichtlichen Vorbildern emanzipiert, auch wenn diese immer noch deutlich raus zu hören sind. “Detritus Of The Final Age” ist ein erstklassiges Thrash Metal-Album ohne wirkliche Schwächen. Lediglich zum Sprung nach ganz vorne fehlt das letzte Bisschen, das gewisse Etwas, das zum Beispiel eine Band wie WARBRINGER auszeichnet. Für Old School Thrasher mit Vorliebe für den Bay Area-Sound sind HARLOTT aber nach wie vor eine sehr gute Anlaufstelle.

Veröffentlichungsdatum: 13.11.2020

Spielzeit: 48:08

Line Up:
Andrew Hudson – guitars, vocals
Leigh Bartley – guitars
Tom Richards bass
Glen Trayhern – drums

Produziert von: HARLOTT & Julian Renzo @ Legion Studio Productions, Williamstown

Label: Metal Blade Records

Facebook: https://www.facebook.com/HarlottOfficial
Bandcamp: https://harlottmetal.bandcamp.com/

HARLOTT „Detritus of the Final Age“ Tracklist

1. As We Breach (Audio bei YouTube)
2. Idol Minded (Video bei YouTube)
3. Bring on the War
4. Detritus of the Final Age (Audio bei YouTube)
5. Prime Evil
6. Nemesis
7. Slaughter
8. Grief
9. Miserere of the Dead
10. The Time to Kill Is Now

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.