GOTTHARD: Made in Switzerland

GOTTHARD: Made in Switzerland

Gotthard, Made in Switzerland, Kühe – ja, es gibt Ausdrücke, da denkt man sofort an die Schweiz. Sei es der alljährliche Gotthard-Stau, dessen TV-Übertragung von sadistischen Schweizern jeweils zu Ostern gierig und mit dem Ausspruch Xehsch, zum Glück simmer nöd wäggfahre genossen wird. Sei es das Zertifikat Made in Switzerland, das Sicherheit versprüht auf Uhren, Käse oder Schokolade. Seien es die Kühe, die für unseren Käse sorgen oder bei Nicht-Schweizern zu Schimpfwörtern für die Eidgenossen zweckentfremdet werden. Diese und mehr Assoziationen ruft schon nur der Anblick der aktuellen Live-Scheibe der garantiert stau(b)freien Formation GOTTHARD hervor. Wobei man sich beim Blick aufs Cover ein Grinsen nicht verkneifen kann, da sich die zwei Kühe garantiert nicht als touristisches Fotomotiv eignen und die Schweizer Band hier bewusst mit den althergebrachten Klischees spielt. Oder ist es etwa ein Seitenhieb auf die kuschelrockigen Qualitäten von GOTTHARD, die solche Reaktionen sogar bei liebestollen Rindviechern auslösen?

Coverartwork hin oder her, GOTTHARD haben sich für ihre erste Live-Scheibe mächtig ins Zeug gelegt. Aufgezeichnet wurde ein Konzert im Hallenstadion in Zürich. Soundmäßig wurde im Studio natürlich noch ein bisschen nachgeholfen, sauber ist der Klang von Made in Switzerland, ohne jedoch den letzten Funken Live-Stimmung zu erlegen. Die Atmosphäre lebt nicht nur von den Fans, welche bei Heaven akuten Mitsing-Alarm mit hohem Kuschelrockfaktor auslösen und die Band fleißig mit Applaus eindecken, sondern auch von den Steve Lees Ansagen. Diese sind teilweise in weltmännischem Englisch gehalten, doch dann wirds auch wieder herrlich schweizerisch, etwa bei der Anfeuerung Ich weiss, ihr chönnd das no vill besser, beim kultigen yeah, Züri, yeah oder bei der Romantik-Ankündigung zu One Life, One Soul. Logisch stehen die alten, harten Werke wie das selbstbetitelte Debüt von 1992 oder das 1994er-Album Dial Hard setlistenmäßig nicht mehr im Mittelpunkt, doch GOTTHARD liefern auch kein reines Schmuserock-Live Album ab, was positiv zu Buche schlägt. In Sachen Coverversionen sind die Schweizer mit zwei Exemplaren unterwegs, zum einen mit einer gelungenen Version von DEEP PURPLEs Hush, das schon seit langem zum festen GOTTHARD-Inventar gehört. Der abschließende Immigrant Song überzeugt insgesamt am wenigsten, denn an die stimmlichen Qualitäten eines ROBERT PLANT kommt nun einmal niemand heran und in den anderen musikalischen Bereichen kann LED ZEPPELIN niemand das Wasser reichen, selbst wenn man als Vergleichsbasis den 1995er Auftritt von PAGE / PLANT hinzuzieht.

Abgesehen vom abschließenden Coversong ist GOTTHARD mit Made in Switzerland das Unternehmen Live-Album jedoch rundum gelungen, und der Titel ist somit auch in keiner Art und Weise deplaziert. Ein rockendes Werk, das sich nicht nur Fans von Kühen zutun sollten!

Veröffentlichungstermin: 28.04.2006

Spielzeit: 78:02 Min.

Line-Up:
Steve Lee: Vocals
Leo Leoni: Gitarre
Freddy Scherer: Gitarre
Marc Lynn: Bass
Hena Habegger: Drums

Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.gotthard.com

Tracklist:
1. All We Are
2. Dream On
3. Hush (DEEP PURPLE-Cover)
4. Mountain Mama
5. Let It Be
6. Top Of The World
7. I Wonder
8. Said And Done
9. One Life, One Soul
10. Nothing Left At All
11. Sister Moon
12. Mighty Quinn (BOB DYLAN)
13. In The Name
14. Heaven
15. Lift `U` Up
16. Anytime, Anywhere
17. Immigrant Song (LED ZEPPELIN-Cover)

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.