Gaerea - Loss Cover

GAEREA: Loss

GAEREA ringen auf „Loss“ um eine neue Identität. Das Album hält durchaus Höhepunkte bereit, nicht immer jedoch agiert die Band so zwingend wie in der Vergangenheit.

Wie wenig Bedeutung sie irgendwelchen künstlichen Grenzen schenken, bewiesen GAEREA schon im Jahr 2024 auf „Coma“. Insofern ist „Loss“ die konsequente Fortführung der bereits hier eingeschlagenen Entwicklung. Wobei das Resultat gewissermaßen auch wie eine Momentaufnahme wirkt: Abgeschlossen ist die Transformation offenbar noch nicht; gerade sitzen die fünf Musiker:innen zwischen den Stühlen.

Das sei allerdings bewusst so gewählt, wie Frontmann und Songwriter Alpha jüngst in einer virtuellen Fragestunde erklärte: Dass diese ausgerechnet im „r/metalcore“-Forum der Social Media-Plattform Reddit stattfand, dürfte Salz in den Wunden der alteingesessenen Hörerschaft sein. Black Metal sei eine „sehr einschränkende Szene“, ließ der Bandkopf dort verlauten, während er neben seiner Liebe zu WATAIN eben auch den Metalcore als wichtigen Baustein von „Loss“ herausstellte.

Auf „Loss“ ringen GAEREA um eine neue Identität

Wobei wir doch eher das „Post“-Präfix heranziehen würden als die klassischen Wurzeln der Stilrichtung. Letztlich ist es eher die moderne Definition der Spielart, welche ihre Spuren hinterlässt. Der Auftakt „Luminary“ entpuppt sich gar als Blackened Groove Metal-Brecher, der im Refrain melodischere Vocals einfließen lässt. Die gute Nachricht: Diese Schnittmenge schärft durchaus das Profil der Portugiesen, wenngleich die Intensität vorheriger Werke nicht erreicht wird.

Zugleich ist das die größte Schwäche von „Loss“: Im Ringen um eine neue Identität, inmitten des konstanten Aufbrechens alter Strukturen, verlieren GAEREA hin und wieder den Blick für das Wesentliche. Gerade das Black-Metal-Fundament war es, das in der Vergangenheit die emotional aufgeladenen Kompositionen und Melodiebögen zusammenführte. Durch dessen Reduktion erreicht uns zwar die Emotion, die Alpha und seine Mitstreiter in die Kompositionen legen, nur bis unter die Haut reichen will sie selten.

„Loss“ hält durchaus Höhepunkte bereit, nicht immer agieren GAEREA jedoch zwingend

Dabei gibt es durchaus mutige Augenblicke, wo das funktioniert: „Submerged“ leidet zwar etwas unter seiner platten Lyrik, verbindet Alt und Neu aber nahtlos zu einem packenden Auf und Ab, das noch dazu mit dezenten Ambient-Synths punkten kann. Ebenfalls catchy, allerdings eindeutig auf Hit getrimmt, zeigt sich „Nomad“, das den Schwerpunkt doch arg auf den Refrain legt. Immerhin: Was uns zunächst ein wenig flach vorkam, konnte uns letztendlich doch seinen verborgenen Charme offenbaren, zumal die Gitarren und das Drumming in den Strophen mit Feuereifer nach vorne drängen.

Ähnlichen Drive entwickelt die Single „Hellbound“, die gemeinsam mit „Uncontrolled“ wohl den härtesten Ausflug von „Loss“ markiert. Letzteres schielt allerdings mit seiner tief gestimmten Rhythmusgitarre samt entsprechend modern gehaltener Riffs stärker in Richtung Post Metalcore, obschon die Symbiose mit angeschwärzten Stilmitteln ein Gegengewicht bereithält. Richtig zwingend wirken GAEREA hier und im folgenden „Phoenix“ allerdings nicht, obgleich letzteres zumindest mit seiner melodischen Gitarrenarbeit punkten kann.

Zum Ende hin wandeln GAEREA auf den Spuren SLEEP TOKENs

Die größte Zäsur setzt derweil „Cyclone“, das ruhig und intim beginnt: Zu Alphas Klargesang im Intro gesellt sich ganz dezent Gitarristin Deltas Stimme, bis sich die Nummer Stück für Stück aufbäumt und an Entschlossenheit gewinnt – auch wenn der Refrain mit Vocoder-Modulation nicht ohne Selbstzweifel scheint. Noch einen Schritt weiter geht das abschließende „Stardust“, wo GAEREA mittels Piano-Akkorde, Drumcomputer und modulierten (Sprech-)Gesangs plötzlich SLEEP TOKEN nacheifern.

Was phasenweise gezwungen wirkt, rettet die Band aber letztlich mithilfe der mitreißenden Eruptionen, die uns daran erinnern, wie sattelfest die Formation immer noch im (Post) Black Metal unterwegs sein kann. Auf den letzten Metern geht „Loss“ also doch noch durch Mark und Bein; auszugsweise jedenfalls, denn die großen Emotionen bleiben bei diesem soliden und doch leicht enttäuschenden Album zu oft aus – und das ist ja ehrlich gesagt der eigentliche Verlust.

Veröffentlichungstermin: 20.03.2026

Spielzeit: 46:05

Line-Up

Alpha – Vocals, Gitarre
Beta – Gitarre
Delta – Gitarre, Backing Vocals
RHO – Bass
XI – Drums

Produziert von GAEREA und Miguel Tereso (Mix und Mastering)

Label: Century Media

Homepage: https://www.gaerea.com/
Facebook: https://www.facebook.com/gaerea/
Instagram: https://www.instagram.com/gaerea_
Bandcamp: https://centurymedia.bandcamp.com/album/loss-24-bit-hd-audio

GAEREA “Loss” Tracklist

  1. Luminary
  2. Submerged (Video bei YouTube)
  3. Hellbound (Video bei YouTube)
  4. Uncontrolled
  5. Phoenix (Video bei YouTube)
  6. Cyclone
  7. LBRNTH
  8. Nomad (Video bei YouTube)
  9. Stardust