Den brachialsten Death Rock, respektive Post Punk spielen dieser Tage vielleicht FINAL GASP. Das morbide „Mourning Moon“ war in der ersten Hälfte nach zwei Gift und Galle speienden EPs noch ein wenig zurückhaltend, „New Day Symptoms“ soll nun die Kür für die Bostoner werden. Und ja, eine halbe Stunde dauert dieses Album, in dem es kaum eine Verschnaufpause gibt. „New Day Symptoms“ zeigt eine Band, bei der Wut und Heaviness gleichberechtigt neben Schwermut steht. Das ist nicht wirklich neu, aber die Energie, mit der FINAL GASP in medias res gehen, ist schon beeindruckend.
Verflucht gutes Songwriting neben einem Sound, der dynamischer sein dürfte: FINAL GASP fahren auf „New Day Symptoms“ schwere Geschütze auf.
Dank ihres Hardcore-Gitarrensounds rückt die Düsternis ein wenig in den Hintergrund und Wut und Rock and Roll-Flair beherrschen das Album. „New Day Symptons“ wird so zu einem mitreißenden Album, das dem Genre eine Energie einhaucht, die ihm ansonsten abhandenkommt. Dennoch hätten ein paar leisere Momente dem Album gutgetan – die Gitarrengewalt in dem Arthur Rizk-Sound ist schon sehr intensiv und nimmt auf Dauer etwas die Dynamik. In Sachen Songwriting sind FINAL GASP aber ziemlich oft verflucht gut, und daher schälen sich einige besondere Songs heraus; meistens dann, wenn es catchy wird. Das ist bisweilen unwiderstehlich rabiat, mit donnernden Grooves, packenden Riffs und großartigen Leads versehen – zu hören in „Burials Of Birth“ und im Titelsong.
Sogar vor ganz alten Helden verneigen sich FINAL GASP: „No Hand To Lead“ erinnert ein wenig an BLUE ÖYSTER CULTs Evergreen „Don’t Fear The Reaper“ und überführt diesen Einfluss authentisch in den Bandsound, inklusive Uptempo-Steigerung in der zweiten Hälfte, Usus bei klassischen Hardrock-Songs der 1970er. Dieser Song zeigt auch, dass FINAL GASP, wenn sie die kreative Handbremse lösen, richtig viel zu bieten haben. Entsprechend dürften sie sich öfter trauen, Heavy Metal-Leads wie im DOOMRIDERSesken „Look Away“ oder Goth-Schwermut wie in „Pale Sun“ auszupielen. Auch Sänger Jake Murphy hat sich stimmlich deutlich weiter entwickelt. Wütend ist er noch oft genug, aber gerade, wenn er sich an Melodien traut, schärft sich dadurch das Profil für die gesamte Band.
FINAL GASP schärfen ihr Profil: Auf „New Day Symptoms“ stehen einige Songs mit Hitpotenzial.
„New Day Symptoms“ zeigt eine definiertere Version von FINAL GASP, die nun – provokativ vereinfacht – mehr sind, als eine Hardcore-Punk-Version von KILLING JOKE. Indes, am Ende ihrer Entwicklung sind FINAL GASP mit ihrem zweiten Album noch nicht. „The Apparition“ zeigt aber auch, dass FINAL GASP ihre Hits noch etwas offensiver schreiben dürften, ohne von ihrer Schärfe zu verlieren und auch das sollte aber niemanden davon abhalten, dieses Album zu hören. Denn die Bostoner haben die seltene Gabe, Genres zu bedienen, die zu oft für sich allein stehen: Post Punk, Hardcore und klassischer Heavy Metal gleichermaßen. Das verbunden erzeugt eine zwingende Mischung. Verzweiflung und Wut homogen verbunden – sehr passend für die unruhigen Zeiten, in denen wir leben.
Wertung: 8 von 10 Schizophreniesymptome
VÖ: 27. Februar 2026
Spielzeit: 31:53
Line-Up:
Jake Murphy – Vocals
Alex Consentino – Guitar/Synth
Sean Rose – Bass
Peter Micanovic – Guitar
Kevin Ordway – Drums
Label: Relapse Records
FINAL GASP „New Day Symptoms“ Tracklist:
01. Eternal Silence
02. Look Away
03. The Apparition (Video bei YouTube)
04. Gifted Shame
05. No Hand To Lead (Video bei YouTube)
06. Prediction
07. Burials Of Birth (Video bei Youtube)
08. Fractures
09. New Day Symptoms
10. Pale Sun
Mehr im Netz:
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