EXGENESIS: Solve et Coagula

Fünf Jahre nach der EP “Aphotic Veil” veröffentlicht die schwedisch-kolumbianische Truppe EXGENESIS ihr Debüt “Solve et Coagula”. Im direkten Vergleich fällt zuerst die Produktion auf – trotz der interkontinentalen Distanz ist das Soundgewand von “Solve et Coagula” transparenter und druckvoller ausgefallen als dasjenige des EP-Vorgängers. Stilistisch bleiben sich EXGENESIS indessen treu: Atmosphärischen Melodic Death / Doom Metal bietet auch “Solve et Coagula” und in Sachen Songwriting hat das Trio eindeutig zugelegt.

Schleppende Melancholie

In Sachen Tempo orientieren sich EXGENESIS eindeutig an der Doom Sparte – das gibt Schlagzeuger Christian Netzell gleich die Gelegenheit zu zeigen, dass er nicht nur schnell wie bei VOLTURYON sein kann. Gesanglich meistert Alejandro Lotero (Ex-AEONIAN SORROW) die tiefen Growls eindringlich, hebt aber auch mal zu aggressiven Screams ab (etwa in “Hollowness”). Am vielschichtigsten zeigt er sich indes im Anspieltipp “Embers”, wo er die gesamte Bandbreite von Beschwörungen, Black Metal-Kreischen bis tiefe Growls glaubwürdig abdeckt.

“Embers” mit eindrücklichen Spannungsbögen

“Embers” schlägt in Sachen Songwriting wohl die eindrücklichsten Spannungsbögen des Albums, was nicht zuletzt den meisterhaft melancholischen Leads von Jari Lindholm geschuldet ist. Die Gitarren tragen diesen Song gekonnt voran und es überrascht nicht, dass der Schwede seine ENSHINE-Handschrift hier weiterverfolgt (und unter seinem Namen JARI LINDHOLM 2020 auch noch die überzeugende Instrumental-Single “July Sundown” veröffentlicht hat).

EXGENESIS machen Doom für die Seele

EXGENESIS sind trotz ihrer Eigenständigkeit nicht ohne Einflüsse. “Where the Hope ends” erinnert zu Beginn unheimlich an ältere MY DYING BRIDE-Zeiten (in den 90ern wären EXGENESIS wohl bei PEACEVILLE gelandet), während das zu Beginn beinahe liebliche “Solve” etwas von ENSHINE hat. Nicht nur in “Intracosmos” taucht zudem die Art bedrückende Atmosphäre auf, die man von finnischen Bands wie SWALLOW THE SUN oder DAWN OF SOLACE kennen mag (wenngleich EXGENESIS gesanglich einen anderen Weg gehen). Mit “Solve et Coagula” ist EXGENESIS somit ein schmerzhaft-melodiöses, reifes Melodic Death / Doom-Album gelungen, das ganz tief in die melancholische Seele dringt.

Veröffentlichungstermin: 15.05.2020
Spieldauer: 44:54
Label: Rain Without End Records / Naturmacht Productions
Website: https://exgenesis.bandcamp.com/releases

Line Up:
Jari Lindholm (ENSHINE, SEAS OF YEARS, JARI LINDHOLM, Ex-SLUMBER) – Gitarre, Bass
Alejandro Lotero (Ex – AEONIAN SORROW) –  Vocals, zusätzliche Gitarren
Christian Netzell (VOLTURYON) – Drums

EXGENESIS „Solve et Coagula“ Tracklist

1. Hollowness
2. Embers (Audio bei YouTube)
3. Where the Hope Ends (Audio bei YouTube)
4. Truth
5. Solve
6. Coagula
7. Intracosmos
8. Stasis