EXGENESIS: Inspirationen auf Gotland und in Medellín

Die schwedisch-kolumbianische Melodic Death-Doom-Band EXGENESIS hat im Mai 2020 mit ”Solve et coagula” ein beeindruckendes Debütalbum veröffentlicht. Live-Konzerte standen bisher nicht nur aufgrund der geographischen Distanz kaum zur Diskussion. Dafür können Sänger Alejandro aus Medellin und Gitarrist Jari aus Stockolm unter anderem darüber berichten, wie EXGENESIS trotz der Distanz Gänsehaut-Doom kredenzen können…

Das Debütalbum von EXGENESIS “Solve Et Coagula”

Ihr habt euer Debütalbum ”Solve et coagula” im Mai 2020 veröffentlicht. Wie seid ihr mit den bisherigen Reaktion zufrieden? 

Jari: Eigentlich sind wir ganz zufrieden mit den Reaktionen. Irgendwie schien es eine Weile zu dauern, bis sich die Leute auf unser Album einließen – aber mehr und mehr Fans haben es in der Zwischenzeit für sich entdeckt.

Alejandro: Ich bin sehr glücklich über die Reaktionen. Die Leute verstehen unser Konzept und wir haben es mit “Solve et Coagula” sogar in die ”Top 40 Alben von 2020” des DECIBEL MAGAZINEs geschafft. 

Musik auf Distanz

Das ist toll! EXGENESIS sind ja eine schwedisch-kolumbianische Band, eine eher ungewöhnliche Länderkombination. Wie habt ihr die Aufnahmen trotz der Distanz gemeistert? Und hatten die Covid 19-Reiserestriktionen einen Einfluss auf die Arbeiten an ”Solve et coagula”? 

Alejandro: Die Aufnahmen fanden sozusagen ”zwischen” Schweden und Kolumbien statt. Wir arbeiten schon seit 2014 zusammen – mittlerweile ist es natürlich für uns, über diese Distanz hinweg zusammen zu arbeiten und alles später zu kombinieren. 

Jari: Es ist ziemlich einfach heutzutage, separat voneinander mit Musik zu arbeiten. Jeder macht seinen Teil unabhängig von den anderen. Manchmal nutzen wir Skype, um miteinander Ideen zu diskutieren. Wir schlossen die Arbeiten an ”Solve et coagula” einige Monate vor Covid ab. Ich stellte den Mix und das Mastering zwei bis drei Monate vor Covid fertig. Die Aufnahmen fanden schon 2019 statt – also hatte Covid keinen Einfluss auf EXGENESIS. 

“Mittlerweile ist es natürlich für uns, über diese Distanz hinweg zusammen zu arbeiten und alles später zu kombinieren.”

Feuer zum Erschaffen und Zerstören

Das Cover von ”Solve et coagula” erinnert mich an Feuer. Hat es eine direkte Verbindung zum Song ”Embers”?

Alejandro: Das ganze Album widmet sich dem Konzept ”Feuer” – das Feuer für das Erschaffen, Zerstören und Wiedergebären. ”Solve et coagula” entwickelt dieses Konzept von Anfang bis Ende und jeder Song hat einen speziellen Bezug zum Thema ”Feuer”. Ich hoffe, dass die Fans dieses Konzept für sich entdecken. 

Aphotic Veil” hat einen roheren Sound als ”Solve et coagula”. Was habt ihr beim Debütalbum anders gemacht als bei der EP? 

Alejandro: Ich denke, dass beide ziemlich ähnlich sind. 2014 hatten wir halt andere technische und musikalische Möglichkeiten, aber das ”Aphotic Veil”-Konzept war ”innere Dunkelheit”. Deswegen ist es nur natürlich, dass ”Aphotic Veil” einen roheren, schwarzmetallischeren Klang hat.

Eine Freundschaft zwischen Schweden und Kolumbien

Wie begann EXGENESIS eigentlich?

Alejandro: Wir wurden vor vielen Jahren online Freunde. Jari zeigte mir ein paar gute Songs, die er in seinem Repertoire hatte, aber noch nicht veröffentlicht hatte. Ich fragte ihn, ob ich Vocals dazu beisteuern soll – und so begann EXGENESIS! Wir begannen damit, Demos, Ideen und Konzepte miteinander zu teilen und neue Musik zu erschaffen. 

Jari: Ja, ich hatte ein paar Demosongs aufgenommen, um zu sehen, was ich mit langsameren Tempi und tieferen Stimmlagen kredenzen könnte. Alejandro gab seine Vocals dazu und das wurde die Basis für ”Aphotic Veil”!

Inspirationsquelle Gotland, Inspirationsquelle Medellín

“Ich schreibe meine Lyrics gerne mit ein paar Drinks”

Was ist euer Lieblingsort, um Musik zu schreiben? Und wo hört ihr am liebsten Musik? 

Jari: Ich mag es, neue Orte zu entdecken um neue Eindrücke zu sammeln, wenn ich kann. Manchmal bekomme ich gute Inspirationen auf Gotland, wo meine Familie ein Haus hat. Am liebsten bin ich an einem Ort, wo ich eine schöne Aussicht aus dem Fenster habe – das hat man in Studios und Proberäumen ja meistens nicht. Beim Musikhören kommt es weniger darauf an – ich habe ja meine Kopfhörer, und die kann ich überallhin mitnehmen!

Alejandro: Ich schreibe meine Lyrics gerne mit ein paar Drinks hier auf meinem Balkon in Medellín. Manchmal packt mich die Inspiration allerdings auch anderswo – zum Glück habe ich immer mein Notizbuch dabei und dann kommt mit dem richtigen Fokus dann schon gut.

Welche Band hat euch ursprünglich zum Doom Metal gebracht? 

Alejandro: Ich würde mal sagen KATATONIA, MY DYING BRIDE und SLUMBER (Jaris frühere Band).

Jari: Ich weiß nicht, welche ich zuerst entdeckt habe – aber frühe TIAMAT und PARADISE LOST auf jeden Fall. 

Welche Underground-Band aus deiner Region kannst du empfehlen? 

Jari: Ich verfolge die lokale Szene in letzter Zeit nicht mehr so genau. Die meisten meiner ”Neuentdeckungen” der letzten Zeit kommen aus Russland oder der Ukraine. 

JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN?

JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN? Warum? 

Jari: JUDAS PRIEST. Es kommt aufs Album drauf an, aber ihrer Musik wohnt eine gewisse Art der Aggression inne, die ich mag.

Alejandro: JUDAS PRIEST haben mich als Teenager restlos begeistert, mein Lieblingssong ist ”The sentinel”. 

Was sind die Zukunftspläne von EXGENESIS? 

Jari: Momentan warten wir auf die Inspiration und neue Ideen, um die Songs und das Konzept für ein neues Album nächsten Frühling zu schreiben. Momentan arbeite ich an meinem Soloalbum (unter dem Namen JARI LINDHOLM) und an neuem Material für ENSHINE. Aber danach bin ich hoffentlich wieder zurück für EXGENESIS. Wir haben einige Gedanken dazu, was wir machen wollen und welche Art von Sound wir kreieren möchten – aber es ist noch immer eine lange Reise bis zum nächsten EXGENESIS-Album. 

Alejandro: Wir haben einige Vorstellungen zum Konzept und zur Musik – wir haben keine Eile, aber wir stehen auch nicht still.