ERIK COHEN: Live aus der Vergangenheit

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Um die Wartezeit auf das vierte Studioalbum zu überbrücken, bringt ERIK COHEN mit „Live aus der Vergangenheit“ ein Studio-Live-Album raus. Huch, ein Studio-Live-Album, „klingt spannend!“, dachte ich mir und war gespannt – konnten ERIK COHEN und seine Jungs doch sowohl mit ihrem letzten Studio-Album „III“ als auch live durchaus überzeugen.

Doch, um es gleich vorweg zu nehmen, das Ergebnis kickt mich nicht ganz so sehr wie erhofft. Die Idee, das bisherige Schaffen in Form eines Live-Albums zu präsentieren, ist so verkehrt ja nicht und solche Studio-Live-Geschichten können ja sehr gut funktionieren. GOVERNMENT ISSUE kommen mir da zu allererst in den Sinn, wenn auch musikalisch aus einer ganz anderen Ecke kommend, brachten sie mit „Finale“ ein unglaublich energetisches Live-Feeling in einer am Stück mitgeschnittenen Studio-Session auf den Punkt. Oder natürlich die legenderen John Peel Sessions der BBC, mit denen John Peel und Bands von THE CURE bis NAPALM DEATH ganz besondere Augenblicke für die Ewigkeit lieferten.

ERIK COHEN rocken ordentlich – aber ohne richtig zu zünden

Ich weiß nicht, ob speziell die BBC Sessions als Vorlage für „Live aus der Vergangenheit“ gedient haben. Falls ja, ist es für mich nicht wirklich geglückt. Dem Album fehlt einfach der letzte Funke, um wirklich zu zünden. Und das ist eigentlich Schade. Haben ERIK COHEN doch alles, was es dafür braucht: Mit Erik Cohen selbst einen hervorragenden Sänger, mit Jan Späth einen herausragenden Gitarristen, mit Björn Seiz am Bass und Normen Rehse am Schlagzeug ein mehr als ordentliches Fundament.

Fetter Sound & Spielfreude – trotz vergessener Handbremse?

Auch der Sound ist fett und besonders Jan Späth hört man seine Spielfreude an. Der Marshall-Amp brät samt Chorus-Effekt jedenfalls fein und äußerst fett durch die Songs, die für die Live-Session auch etwas modifiziert wurden. Mal ist das mehr geglückt, und zwar, wenn den Songs tatsächlich mehr Live-Feeling spendiert wurde, aber manchmal klingt das Album auch unverständlich behäbig und träge. „Fährwolf“ rockt ordentlich, auch das schön mehrstimmig gesungene „Fehmarn“, aber was ist denn zum Beispiel bei „Chrom“ los? „Laute Motoren sind die Stimme unserer Generation!“ – ja, und ich liebe diesen Song im Original, aber Jungs, habt ihr vergessen die Handbremse zu lösen?

„Live aus der Vergangenheit“ ist also ein fett klingender Querschnitt durch drei Alben Bandgeschichte, dem aber leider der letzte Kick fehlt. Das Album klingt am Ende halt nicht so mitreißend, wie ERIK COHEN es durchaus sein könnten. Schade!

„Live aus der Vergangenheit“ gibt es nur in limitierten Editionen physikaklisch zu erwerben: das Album gibt’s 1000 mal als CD und 500 mal als Doppel-LP. Reinhören kann man in „Dirigent“ bei YouTube und die Joachim Witt-Coverversion „Goldener Reiter„.

VÖ: 22.11.2019
Label: RYL NKR Recordings / Rough Trade

Line-Up:
Erik Cohen: Gesang
Jan Späth: Gitarre
Björn Seiz: Bass
Normen Rehse: Schlagzeug

Erik Cohen bei Facebook

ERIK COHEN „Live aus der Vergangenheit“ Tracklist

Kapitän
Schattenland
Licht
Mexikanische Lieder
Hier Ist Nicht Hollywood
Goldener Reiter (Video bei YouTube)
Chrom
Neues Blut
Dirigent (Audio bei YouTube)
Treue Herzen
Englische Wochen
Omega Mann
Fährwolf
Das Gute Gefühl
Fehmarn
Kosmonaut

Tourdaten: ERIK COHEN – Live aus der Vergangenheit Tour 2019

09.11.2019 Metal Hammer Paradise
22.11.2019 Düsseldorf – Zakk (Album Release Weekender)
23.11.2019 Hannover – Lux (Album Release Weekender)
13.12.2019 Berlin – Cassiopeia
14.12.2019 Kiel – Räucherei
20.02.2020 Dortmund – FZW
21.02.2020 Wiesbaden – Schlachthof
22.02.2020 München – Backstage Club

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.