EPICA: We Will Take You With Us

EPICA: We Will Take You With Us

Symphonic Metal mit Frauengesang ist mittlerweile zweifelsohne ein Stempel, der bei vielen Anhängern härterer Klänge mittlerweile mit zahllosen Vorurteilen behaftet ist. So mancher Metaller schreit bei Bands wie WITHIN TEMPTATION sofort nach Kommerz oder Popmusik, andere halten NIGHTWISH oder EDENBRIGE unweigerlich für zu kitschig – doch ein Vorwurf scheint mittlerweile fast alle Bands dieser Sparte zu einen: der Mangel an Eigenständigkeit.

Auch die holländischen Senkrechtstarter EPICA sind eindeutig dieser klischeebehafteten Sparte zuzuordnen, dennoch weigere ich mich, die Combo um die bildhübsche Frontfrau Simone Simons unmittelbar mit den oben genannten Hitschmieden gleichzusetzen: EPICA verzichten definitiv auf radiotaugliche Ohrwurmsongs – man denke nur an WITHIN TEMPTATIONs Stand My Ground – und haben meines Wissens nach bislang auch noch keine verkaufsfördernde Over The Hills…-Coverversion auf den Markt gebracht, die Band versteht es vielmehr, ihre Songs wesentlich vertrackter und gehaltvoller zu gestalten. Dies fängt bereits bei den Vocals an, denn neben den gefühlvollen Sangeskünsten von Frau Simons stützen die bitterbösen Growls des Gitarristen Mark Jansen (ehemals AFTER FOREVER) das Soundgefüge. Auch der weitschweifige Songaufbau erinnert mich eher an eine klassische Sinfonie als an einen potenziellen Chartstürmer, so erscheint die Struktur beim ersten Hördurchlauf noch kaum nachvollziehbar und kann lediglich durch das Festklammern an einige wenige Leitmotive begriffen werden, was einen Stammplatz in einer MTViva-Playlist weiter erschweren dürfte. Nein, EPICA sind meiner Meinung nach einfach viel eigenständiger als XANDRIA und Co. und haben sich daher den bahnbrechenden Erfolg des im letzten Jahr veröffentlichten Debütalbums The Phantom Agony auch redlich verdient.

Eine vorläufige Krönung der großartigen Erfolge der Band war sicherlich der Auftritt beim niederländischen TV-Master Jan Douwe Kroeske, der das Sextett in seiner erfolgreichen Sendung 2 Meter Sessies begrüßte – hier waren übrigens schon Hochkaräter wie R.E.M. oder auch RADIOHEAD zu Gast. Dieser Event ermöglichte der Band nicht nur einen vielversprechenden Live-Auftritt, man konnte im Rahmen dieser Sendung zusätzlich einige Stücke im renommierten Wisseloord Studio für die nun vorliegende CD We Will Take You With Us neu aufnehmen. Anscheinend hat die Band den Titel des Silberlings wörtlich genommen, denn tatsächlich haben die Musiker fast alle Songs des ersten Albums erneut eingespielt, wobei sechs Stücke mit einem umfangreichen Orchester eingezimmert wurden, was zwar dem Material ein erhöhtes Maß an Bombast verleiht, die Stücke aber ansonsten nicht großartig verändert. Außerdem wurden die beiden Balladen Feint und Run For A Hill in einer Unplugged-Version aufgenommen, die einzige echte Neuheit ist daher nur die Cover-Version des Cats-Hits Memory, die jedoch nicht mehr als ein würdiger Abschluss des Neun-Trackers geworden ist und somit auch zu keiner 0 auf 1-Single mutieren wird.

Nun, ansonsten kann man eigentlich recht wenig zu dieser Veröffentlichung sagen, die oben genannten Stilmittel haben sich logischerweise auch auf diesem Silberling wieder eingefunden, schließlich sind die Songs auf dem knapp 50 Minuten währenden Tonträger ja essenziell die gleichen wie beim Vorgänger geblieben. Ob die wenigen Neuerungen allerdings ausreichen, sich We Will Take You With Us zuzulegen, ist somit eher fraglich. Für Besitzer des Erstlingswerks sei gesagt, dass das neue Gewand der Stücke einfach zu überraschungsfrei ist und der Cover-Song allein den Kauf absolut nicht rechtfertigen kann. Auch der eisernste Fan der Band sollte auf diese Investition daher dankend verzichten und das schwer verdiente Geld lieber in die kommende, gleichnamige (mir leider nicht vorliegende) DVD investieren, denn hier wird der komplette Fernsehauftritt der Holländer bildlich dokumentiert und die vorliegende CD zusätzlich beigelegt. Wer jedoch bis jetzt noch nichts von den Holländern gehört hat und The Phantom Agony noch nicht sein Eigen nennt, der kann beim Kauf dieser CD eigentlich nichts falsch machen, schließlich handelt es sich bei EPICA nach wie vor um eine hervorragende Band, die von nun an allerdings aufpassen sollte, nicht dem gewinnmaximierenden Rufe der anfangs erwähnten Bands zu folgen.

Veröffentlichungstermin: Oktober 2004

Spielzeit: 54:02 Min.

Line-Up:
Simone Simons: Gesang

Mark Jansen: Gitarre, Grunts & Screams

Ad Sluijter: Gitarre

Coen Janssen: Synthesizer, Klavier

Yves Huts: Bass

Jeroen Simons: Schagzeug
Label: Transmission Records

Homepage: http://www.epica.nl

Tracklist:
The Works:
1. Façade of Reality

2. Sensorium

3. Illusive Consensus

4. Cry for the Moon

5. The Phantom Agony

6. Seif al Din

Acoustic:
7. Feint

8. Run for a Fall

9. Memory (from the musical Cats)