ENTRAILS: Raging Death

Mehr als nur ein Zeitvertreib mit dem Charme der frühen Neunziger: Ein grundsolider Genrebetrag, der Death Metal-Freunden die eine oder andere Freudenträne entlocken kann.

Nein, wenn es um altmodischen schwedischen Death Metal geht, so wie ihn NIHILIST, ENTOMBED und DISMEMBER bis 1992 spielten, gibt es keine Überraschungen mehr. Und wenn eine Band wie ENTRAILS, die bereits in der Vergangenheit bewies, wie gut es sein kann, keine eigenen Ideen oder Innovationsfähigkeit parat zu haben, aber strikt der alten Schule zu folgen, dann ist die Welt eben doch wieder in Ordnung. Diese Zeitreise, dorthin wo es noch nicht wichtig war, welche Special Editions dazu beitragen sollen, aus einem hoffnungslos übersättigten Musikmarkt ein Album herausstechen zu lassen, sie ist Balsam für die Seele. Und weil ich mit diesem Gedanken nicht alleine bin, eine klassische Death Metal-Band einfach immer gut tut und diese Musik sowieso zeitlos ist, haben ENTRAILS mittlerweile eine verdient große Gefolgschaft.

Anders ist es auch nicht zu erklären, dass die vier Schweden so motiviert und gleichzeitig locker klingen. Raging Death zeigt deutlich, dass ENTRAILS ihr Handwerk bereits erlernten, als die Szene florierte – Songwriting ist für Bandchef Jimmy Lundqvist wohl wie Fahrradfahren. Dass erst 2010 das Debütalbum Tales From The Morgue folgte, weil die Band bis dahin brach lag, hat mit der Qualität der zehn Songs zumindest indirekt zu tun. Raging Death klingt frisch, ungestüm und jugendlich, ist trotz aller Spontaneität mit peinlicher Genauigkeit geschrieben. Das heißt, dass Bloodhammer, Cadaverous Stench, Death League, Chained And Dragged und The Cemetery Horrors keine Probleme haben, sofort ins Ohr zu gehen. Statt aber nur nette Riffs herunter zu beten und aufeinander zu häufen, weiten ENTRAILS ihre Songs häufig ein wenig aus, sorgen mit atmosphärischen bis boshaften Intros und Mittelteilen dafür, dass ein schöner Gesamteindruck gegeben ist und es mehr als nur kleine schrullige Retrosongs zu hören gibt.

ENTRAILS haben ein überwiegend grooviges Album parat, eines das mal im Midtempo anschiebt, eines das auch mit wuchtigen BOLT THROWER-Grooves besticht und eines, das auch im Uptempo-Bereich eine gute Figur abliefert und zum Mosh einlädt. Nur Blast Beats und Technik finden wir nicht auf Raging Death, warum auch? ENTRAILS funktionieren prima, tauschen die frühe Schrulligkeit gegen eine gewisse Ernsthaftigkeit ein, die auf Tales From The Morgue noch nicht gegeben war. Dank des – wie sollte es auch anders sein – authentischen Sounds von Dan Swanö, der routinierten Instrumentalfraktion und dem wilden Gebrüll ist Raging Death sehr ursprünglich, dank des überraschend reifen Songwritings ist dieses Album mehr als nur ein Zeitvertreib mit dem Charme der frühen Neunziger. Raging Death ist vielleicht kein neuer Stockholm-Death-Metal-Klassiker, erst recht keine Nostalgieveranstaltung, aber ein grundsolider Genrebeitrag, der Death-Metal-Freunden die eine oder andere Freudenträne entlocken kann.

Veröffentlichungstermin: 10. Mai 2013

Spielzeit: 45:50 Min.

Line-Up:
Joakim Svensson – Vocals, Bass
Jimmy Lundqvist – Guitar
Mathias Nilsson – Guitar
Adde Mitroulis – Drums

Produziert von ENTRAILS
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.facebook.com/entrails666
Mehr im Netz: http://www.myspace.com/entrailsreborn

Tracklist:
1. In Pieces
2. Carved To The Bone
3. Bloodhammer
4. Headless Dawn
5. Cadaverous Stench
6. Descend to the Beyond
7. Death League
8. Chained And Dragged
9. Defleshed
10. The Cemetery Horrors