DRECKSAU: Kältekämmer

Lasst euch in die Kältekammer sperren…

Mit DRECKSAU haben wohl die wenigsten noch gerechnet, doch die haben sich nicht geschlagen gegeben und rechnen auch weiterhin noch mit denen ab, die Blut an ihren Händen kleben haben. Die Abrechnung ist nicht wie eine schnelle Salve aus einem Maschinengewehr, wie es im Grind- und Hardcore so üblich ist, die Nürnberger bedienen sich dem Walzenprinzip. Langsam, aber brutal wird man überfahren, bis nichts weiter als Matsch übrig bleibt.

DRECKSAU provozieren und wollen aufrütteln, gehen durch ihre Holzhammer-Philosophie also nicht gerade zimperlich vor. Hier wird die volle Grobmotorik ausgeschöpft, aber dennoch sind Musik und Texte clever, es ist wie so oft nur eine Frage der Ausführung. Böse und langsame Riffwände, die von monströsem Schlagzeugspiel unterlegt werden, kriechen ins Zentrum des Empfindens. Das eigenwillige Gebrülle dazu lässt den Hörer entscheiden, ob die CD im Player bleibt, denn gerade dadurch polarisieren DRECKSAU sehr stark. Wenn man sich an diese negative Wucht gewöhnt hat, fällt auf, dass Kältekammer viel mehr zu bieten hat, als puren Doomcore.

Ihre Vergangenheit kann das Trio zu keiner Sekunde verbergen, denn neben den depressiven, langsamen Passagen kommt auch der Urdröhn in Form von MADBALL-Hardcore dazu. Geschickt wechseln sich diese beiden Hauptzutaten ab und ergeben vielleicht nicht das homogenste Gesamtbild, werden aber nie langweilig, da es sehr viele Möglichkeiten gibt, diese zu verbinden. Sicher, DRECKSAU hätten das noch konsequenter durchziehen können, doch wer weiß, was uns auf dem nächsten Album erwartet?

Zumindest stellt das nunmehr dritte mit seinen gemeinen langsamen Tracks Sät nur den Wind, Ernstfall D oder dem Titeltrack und den flotten Stücken wie dem Opener Totgeburt, Paranoia Population und Triebgesellschaft eine starke Scheibe dar, die viele von dieser Band nicht mehr erwartet hatten. Und Songs wie In-Existenz vereinbaren die beiden Stilmittel noch dazu sehr homogen. Selbst wenn es kein zweites Brecher geworden ist, so ist die rohe Energie toll eingefangen von einem Trio, dass vielleicht nicht die besten Musiker beinhaltet, aber mit dem richtigen Riecher für spannende Songs, ausgestattet ist. Wenn euch das noch nicht reicht, so soll euch gesagt sein, dass Kältekammer als Doppel-CD zum Preis von einer kommt. Als normale CD für die Anlage und als DVD mit 5.1-Surround die Scheiben zum klirren bringt. Auch ohne dieser Zugabe müsst ihr euch unbedingt mal in die Kältekammer sperren lassen.

VÖ: 19. Mai 2003

Spielzeit: 50:18 Min.

Line-Up:
Scherer – Stimme, Gitarre
Seitz – Bass, Stimme
Reber – Schlagzeug

Label: TTS Media Music

Homepage: http://www.drecksau.net

Tracklist:
1. Totgeburt
2. In-Existenz
3. Sät nur den Wind
4. C-Chip
5. Ernstfall D
6. Paranoia Population
7. Schweigeminute
8. Triebgesellschaft
9. Vergeltung
10. T-34
11. Hassinfarkt
12. Niemandsland
13. Gottlob sie weichen
14. Kältekammer Seele