DOWNFALL OF GAIA: Silhouettes Of Disgust

Mit Blick nach vorn zurück zu den eigenen Wurzeln: DOWNFALL OF GAIA verschmelzen auf „Silhouettes Of Disgust“ das, was eigentlich schon lange zusammen gehört.

Auch wenn ihre Konzepte stets pessimistisch sind: DOWNFALL OF GAIA ist eine von jenen Bands, deren Hörer*innen dankbar sein dürfen. Ihr Punk-Ethos ist in der Musik spürbar, auch durch das unprätentiöse Auftreten der vier Musiker. Weder geben sie sich mit Mittelmaß zufrieden, noch stagnieren sie. War „Aeon Unveils The Thrones Of Decay“ nicht nur in Bezug auf den Titel sperrig und äußerst komplex, zeigte die Band im Anschluss kompaktere und kürzere Alben, die aber emotional ebenso erschütterten und mitrissen. Und vor allem: Keines von DOWNFALL OF GAIAs Alben zeigt Abnutzungserscheinungen. DOWNFALL OF GAIA sind, so gesehen, absolut verlässlich. Ihr sechstes Album „Silhouettes Of Disgust“ geht sogar noch einen Schritt weiter: Die internationale Band landet bei ihren eigenen Wurzeln und schreitet gleichzeitig voran – ohne in Widersprüche zu geraten.

Vier Jahre zwischen zwei Alben ist für DOWNFALL OF GAIA überdurchschnittlich lange, und es stand zur Befürchtung, dass die Post Black Metal-Band Probleme mit Inspiration und Relevanz haben könnte. Davon ist auf „Silhouettes Of Disgust“ glücklicherweise rein gar nichts zu spüren. Die Wildheit und Dunkelheit klingt frisch wie eh und je und wurde um mehrere Dimensionen erweitert. Und genau jene stehen der Band äußerst gut zu Gesicht. Am auffälligsten sind die Crust-Elemente, die nun auch in Form von D-Beats und Melodieläufen à la TRAGEDY hinzugekommen sind. Hier werden DOWNFALL OF GAIA nicht nur catchy, sondern auch sehr emotional. Die Überleitung in ungezähmte, punkige Blast Beats, die an den nordamerikanischen Black Metal erinnern, funktionieren dabei als Steigerung. Und das funktioniert unglaublich gut.

D-Beats und Post Punk erweitern die stilistische Palette von DOWNFALL OF GAIA und lassen „Silhouettes Of Disgust“ zu einem aufregenden Album werden.

Als Gamechanger erweist sich auch der Wiedereinstieg von Ur-Gitarrist Peter Wolff, der in seiner bandfreien Zeit einige Ambient-Alben veröffentlicht hat. Dieses Intermezzo macht sich bemerkbar: Dass in „Where Bloodspring Become Rivers“ nun unter D-Beats sphärische Sounds gelegt werden und dass das noch dazu so gut passt, ist ein Wagnis, das voll aufgeht. Überhaupt sind in diesen acht Songs die atmosphärischen Momente viel besser in die Musik verwoben als auf den letzten Alben, sodass die Songs immer wieder neue Dimensionen entfalten. Zuletzt ist da noch sparsam, aber offensiv eingesetzter Post Punk, der besonders in „Bodies As Driftwood“ auffällt und dynamisch einiges zum Gesamtbild des Albums beiträgt.

DOWNFALL OF GAIA haben ihr Songwriting nie so punktgenau umgesetzt, wie auf diesem Album, lassen ihren Stücken aber genügend Raum, um nicht völlig erschlagend zu wirken. Aber auch spielerisch ist die Band auf hohem Niveau, allen voran natürlich Drummer Michael Kadnar. Die Gitarren und der Bass mögen im Vergleich dazu etwas simpler rüberkommen, haben aber gerade im Bereich der Harmonien und natürlich mit dem ultradreckigen Sound einiges zu bieten, und dann ist da das verzweifelte Geschrei, das genau dann unter die Haut geht, wenn eine gezielte Übersteuerung eingesetzt wird. So schafft „Silhouettes Of Disgust“ den Boden für ungemein intensive Songs.

„Silhouettes Of Disgust“ kann in seine emotionalen Einzelteile zerlegt werden: DOWNFALL OF GAIA zeigen sich wütend, ängstlich und melancholisch – und stets authentisch.

Und hier zeigt sich die große Kunst des Albums. Im eigenen psychischen Bild ist da oft dieses Gefühlsgemisch, das erstmal auseinandergenommen werden muss und verdeutlicht, wo gerade eigentlich das Problem steckt. Und so funktionieren auch die acht Tracks: Unter der Wut liegt oft Traurigkeit oder auch Angst verborgen, die vordergründige Raserei verbirgt so manchen melancholischen und bitteren Gitarrenlauf. Dazu muss das Album aber einige Male gespielt werden, um einen Überblick zu erhalten. Und siehe da, neben den oben erwähnten Songs begeistert auch das eröffnende und überraschende „Existance Of Awe“, sowie „Unredeemable“ mit seinem explosiven Genre- und Emotionscocktail, als auch „Eyes To Burning Skies“ mit seiner deutlichen „Two Hunters“-Referenz in der ersten Hälfte. Einzig das fragmentarische „Final Vows“, das sich stilistisch wie ein Ausflug in Richtung „Suffocating In The Swarm Of Cranes“ anfühlt, ist etwas unentschlossen.

Wie man den Bogen zum eigenen Ursprung spannen kann, zeigen DOWNFALL OF GAIA auf ihrem sechsten Album meisterlich. „Silhouettes Of Disgust“ ist ein bitteres und düsteres Album, aber die Liebe zur Musik ist stets spürbar – die Liebe zur Musik der Vergangenheit und der Gegenwart. Dass DOWNFALL OF GAIA mittlerweile als Veteranen der Post Black Metal-Szene gelten, gibt ihnen den Freiraum, alles in die Musik zu integrieren, was passend ist. Dennoch ist „Silhouettes Of Disgust“ ungemein stimmig und verbindet Wut mit Melancholie, Klaustrophobie mit Pessimismus, ohne in eine Klischeefalle zu tappen. Somit hat Album Nummer sechs das Potenzial, zum Bandklassiker zu avancieren, und zeigt, dass DOWNFALL OF GAIA auch nach fünfzehn Jahren noch relevant sind. Und dafür dürfen die Anhänger*innen dieser Band aufrichtig dankbar sein.

Wertung: 7 von 8 Straßenfeger

VÖ: 17. März 2023

Spielzeit: 45:14

Line-Up:
Dominik Goncalves dos Reis – Vocals, Guitars
Peter Wolff – Guitars, Vocals
Anton Lisovoj – Bass, Vocals
Michael Kadnar – Drums

Label: Metal Blade

DOWNFALL OF GAIA „Silhouettes Of Disgust“ Tracklist:

1. Existence Of Awe (Official Audio bei Youtube) 
2. The Whir Of Flies
3. While Bloodsprings Become Rivers
4. Bodies As Driftwood (Official Video bei Youtube)
5. Eyes To Burning Skies
6. Final Vows
7. Unredeemable
8. Optograms Of Disgust

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