DARK FORTRESS: Venereal Dawn

DARK FORTRESS gehen den nächsten Schritt auf der Evolutionsleiter ohne dabei zu glänzen 
DARK FORTRESS machen es einem auf dem neuen Konzept-Album „Venereal Dawn“ alles andere als einfach. Auf der eine Seite steht das nunmehr siebte Album der Landshuter für den selben dunkel-progressiven Gedanken, der spätestens seit der Großtat „Seance“ allen Veröffentlichungen der Band inne wohnte. Auf der anderen geht man beim neuen Output noch einen Schritt weiter, lockert die Strukturen, vervielfacht die Experimente und schraubt den Anspruch für den Hörer weit nach oben. Klingt auf dem Papier als würden DARK FORTRESS den viel gerühmten nächsten logischen Schritt auf der Entwicklungsleiter gehen und ihre Stärken bewusst ausbauen. Allerdings erfüllen sich die großen Erwartungen nicht gänzlich.
Doch von vorne. DARK FORTRESS haben sich längst in der heimischen Black-Metal-Szene einen Namen gemacht. Verehrte man noch auf den ersten beiden Alben recht klassisch die Vorreiter von EMPEROR und DISSECTION, stand man mit dem herausragenden „Stab Wounds“ zum ersten Mal auf eigenen nihilistischen Beinen. Nach dem vorläufigen Höhepunkt „Seance“ trennten sich die Wege von Sänger Azathoth und der Band. Mit Nachfolger Morean ging die Reise, zumindest karrieretechnisch, auf „Eidolon“ und „Ylem“ ungebremst weiter ohne jedoch ganz die Klasse der beiden Vorgänger zu erreichen. 
Wo einst EMPEROR und DISSECTION als Referenz standen, lassen sich heute vielleicht am ehesten noch OPETH oder ENSLAVED nennen um die Bands mit gleichen Spirit heranzuziehen. Der Sound von DARK FORTRESS präsentiert sich auf „Venereal Dawn“ bis auf wenige Ausnahmen als absolut eigenständig und bereits der elfminütige, titelgebende Opener scheint vor Ideen überzuquellen. Nach recht textlastiger Eröffnung, dreht man an der Dynamik-Schraube und wechselt in den nächsten Minuten gleich mehrfach die Richtung. Dabei treffen recht unauffällige Black-Metal-Shredds auf doomige TRIPTYKON-Riffs, die zwischenzeitlich von gespenstig-experimentellen Gesangs-Harmonien aufgelockert werden. Es ist schon eine bemerkenswerte Leistung, wenn man derart unterschiedliche Parts zu einem sinnvollen Ganzen vereinen kann. Dennoch: Einzeln betrachtet, sind die Bausteine in meinen Ohren wenig herausragend und etwas zahnlos geraten. 
Besser macht es da schon „Lloigor“, dass mit einem dramatischen Lead eröffnet und sich vor OPETH-Kulisse weiter aufbaut um in einen hymnischen Chorus zu münden. Ein rundum geklungener Track, wenn sich nicht kurz vor Ende ein wirklich unpassender Thrash-Metal-Part eingeschlichen hätten, der die Atmosphäre kurzzeitig sprengt. 
Immer wieder beschleicht mich der Gedanke, dass die circa siebenminütigen Songs auf „Venereal Dawn“ etwas gestraffter und auf die wesentlichen Ideen reduziert mehr Durchschlagskraft hätten entwickeln können. 
So überzeugt mich auch „Betrayal And Vengeance“ nicht vollständig, sondern erst mit ausgefeilten Vocal-Arrangements in der Schlussminute. An sich zünden die Songs „Chrysalis“ und „I Am The Jigsaw Of A Mad God“ in Albummitte wenig, erst nach dem aus dem Rahmen fallenden Zwischenstück „The Deep“ können DARK FORTRESS wieder qualitativ nachlegen. „Odem“ hätte mit seiner orientalischen Eröffnung auch sehr gut auf dem Vorgänger „Ylem“ Platz gefunden, ebenso wie der vielleicht stärkste Track der Platte „Luciform“. Dieser kann mit einem echten Kickstart überzeugen und offenbart feinstes apokalyptisches Riffing im kraftvollen Refrain. 
DARK FORTRESS gehören auch mit „Venereal Dawn“ weiterhin zur Speerspitze des deutschen Black-Metals. Allerdings schafft es das Album neben all der Perfektion in Produktion, Komplexität und Umsetzung des lyrischen Konzeptes nicht, mich wirklich zu fesseln und emotional zu packen. Die Gründe sind im nicht zwingenden Songwriting zu finden, welches manchmal etwas überladen daherkommt und sich aufgrund von zu vielen Ideen hinten anstellen muss. Weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Intensität in den wenigen härteren Abschnitte des Albums. Wenige Riffs zünden und graben sich dauerhaft ins Gedächtnis ein. Im Großen und Ganzen war die „Hitdichte“ auf den Vorgängern einfach höher, sodass mich „Venereal Dawn“ trotz seiner lebendigen Progressivität etwas enttäuscht.

Veröffentlichungstermin: 29.08.2014

Spielzeit: 68:37 Min.

Line-Up:

V. Santura – Gitarre 
Morean – Vocals 
Asvargr – Gitarre 
Draug – Bass 
Seraph – Drums 
Paymon – Keyboards 

Produziert von Woodshed Studios
Label: Century Media Records

Homepage: http://www.darkfortress.org

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/officialdarkfortress?fref=ts

Tracklist:

01. Venereal Dawn
02. Lloigor 
03. Betrayal And Vengeance
04. Chrysalis 
05. I Am The Jigsaw Of A Mad God 
06. The Deep 
07. Odem 
08. Luciform 
09. On Fevers Wings