CARNIFEX: World War X

CARNIFEX: World War X

Hat es die Menschheit im zehnten Anlauf endlich geschafft? Das große ‚X‘, aus dem zu allen Seiten Knochen hervorragen und in dessen Zentrum ein menschlicher Schädel hämisch lacht, sprechen eine deutliche Sprache. War es der zehnte Weltkrieg, der die Zivilisation endgültig ausradiert und den Weg geebnet hat für die Hölle auf Erden? War dieser Krieg unausweichlich?

Der Ouroboros – die Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, – als Symbol eines sich ewig wiederholenden Prozesses spricht eine deutliche Sprache. Vielleicht haben sich CARNIFEX auf „World War X“ gar von Friedrich Nietzsches Gedanken der Ewigen Wiederkunft inspirieren lassen. Der hält – kurzgesagt – fest, dass sich alle Ereignisse auf der Welt unendlich oft wiederholen müssen.

Nach nicht einmal fünf Minuten haben CARNIFEX die Karten auf den Tisch gelegt

Zugegeben, allzu philosophisch klingt der eröffnende Titeltrack nicht, als die einleitenden Klänge von Kugelhagel von Scott Ian Lewis‘ frostiger Stimme durchschnitten wird: „Death to all humanity!“, heißt es zum Auftakt und erfüllt einen Zweck geradezu bravourös. Innerhalb von Sekunden befinden wir uns mitten in der Apokalypse, wo uns Blastbeats wie Maschinegewehrfeuer auf dem Boden festnageln, während theatralische Keyboards die Aussichtslosigkeit unserer Situation untermalen und ein stumpfer Breakdown uns zum Schluss den Rest gibt.

Es sind noch nicht einmal fünf Minuten vergangen und schon haben CARNIFEX alle Karten auf den Tisch gelegt: „World War X“ ist im Herzen immer noch ein brutales Deathcore-Gemetzel, bringt dank der beißenden Screams und den beizeiten schneidenden Gitarren aber eine nicht zu überhörende Black Metal-Schlagseite mit sich. Gerade die flächigen Keyboard-Fanfaren im Stil von ANAAL NATHRAKH bringen Material wie „No Light Shall Save Us„ mit Gastsängerin Alissa White-Gluz (ARCH ENEMY) stellenweise in angeschwärzte Gewässer.

„World War X“ ist das Deathcore-Korsett zu eng geworden

„The Infernal Darkness“ und „Brushed By The Wings Of Demons“ mit seinem pfeilschnellen Solo erinnern in puncto Gitarren und Vocals wiederum wohlig an THE BLACK DAHLIA MURDER, auch wenn CARNIFEX regelmäßig mittels Breakdowns das sonst hohe Tempo herausnehmen. Im groovenden und eigentlich gitarrenbetonten „All Roads Lead To Hell“ setzt Bassist Fred Calderon interessante Akzente, während „Eyes of The Executioner“ der Death Metal aus jeder Pore tritt.

„World War X“ ist fraglos ein modernes Album, dem das Deathcore-Korsett zu eng geworden ist. Die frischen Einflüsse anderer Genres stehen CARNIFEX erstaunlich gut zu Gesicht und federn so auch die manchmal etwas stumpfen Breakdowns ab. Gerade einmal 35 Minuten brauchen CARNIFEX für diese allumfassende Vernichtung, die mit dem starken „By Shadows Thine Held“ ein würdiges Ende findet.

Als wir endlich wieder mutig genug sind, den Kopf zu heben, stellen wir fest, dass Nietzsche für das Albumkonzept letztlich doch nicht Pate gestanden haben kann: Vom Ouroboros auf dem Artwork bleibt nur noch das Skelett. Vielleicht gibt es ab einem gewissen Punkt doch keine Wiederkehr mehr. Zumindest dann nicht, wenn CARNIFEX der Menschheit unter die Arme greifen.

Veröffentlichungstermin: 2.8.2019

Spielzeit: 35:04

Line-Up:

Scott Ian Lewis – Vocals
Jordan Lockrey – Gitarre
Cory Arford – Gitarre
Fred Calderon – Bass
Shawn Cameron – Schlagzeug

Produziert von Jason Suecof und Ted Jensen (Mastering)

Label: Nuclear Blast

Facebook: https://www.facebook.com/carnifexmetal

CARNIFEX “World War X “Tracklist

1. World War X (Video bei YouTube)
2. Visions Of The End
3. This Infernal Darkness
4. Eyes Of The Executioner
5. No Light Shall Save Us (featuring Alissa White-Gluz) (Video bei YouTube)
6. All Roads Lead To Hell (featuring Angel Vivaldi)
7. Brushed By The Wings Of Demons
8. Hail Hellfire
9. By Shadows Thine Held

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.