CANNIBAL CORPSE: A Skeletal Domain

Da war er wieder, der Horror. "A Skeletal Domain" ist ein Album, das so typisch ist, dass es beinahe schmerzt.

Da war er wieder, der Horror. CANNIBAL CORPSE, die Meister von lyrisch nicht gerade feinfühligen Splattergeschichten und musikalisch in all ihrer Brutalität umso höheren technischen Filigranität wetzen zum dreizehnten Mal die Messer. Das Werkzeug ist immer noch das gleiche, die Ausführung ist dieselbe. A Skeletal Domain ist dabei etwas technischer als Torture, tendiert mehr in Richtung Gore Obsessed, was aber der teils unverschämten Eingängigkeit mancher Songs keinen Abbruch tut. CANNIBAL CORPSE sind zurecht Koryphäen in diesem bluttriefenden Genre, sie schaffen das beinahe Unmögliche: Technischen Anspruch, Brutalitätmund Abwechslung so zu vermengen, dass Hits dabei entstehen.

Dass diese Mischung auch sechsundzwanzig Jahre nach der ersten Bandprobe immer noch funktioniert, ist schon erstaunlich, und CANNIBAL CORPSE wirken tatsächlich weder alt noch müde, sondern stampfen wie üblich als fleischgewordener Albtraum durch zwölf Songs. Die großen Schockmomente sind natürlich weg, es gibt in der Welt der Death Metal-Band nichts wirklich Neues mehr zu entdecken. Immer nur Berge aus Blut und Gedärm, immer nur derbe Riffs, Blast Beats, zwingende Grooves und Mosh-Nummern, teils vertrackte Songarrangements, wilde Soli und wütendes Gebell. A Skeletal Domain ist ein Album, das so typisch ist, dass es beinahe schmerzt.

Und es beginnt flott, aber nicht in Überschallgeschwindigkeit, wie der Titel High Velocity Impact Spatter vermuten lässt, das übernehmen Nummern wie Sadistic Embodiment, The Murderer´s Pact und Hollowed Bodies. Ebenso gibt es Hits (Kill Or Become, Vector Of Cruelty) und in Sachen Geschwindigkeit vielschichtige bis gemäßigte Nummern (A Skeletal Domain, Funeral Cremation). Zeitgemäß klingen CANNIBAL CORPSE im Jahr 2014 durch die Arbeit von Producer Mark Lewis, der für raue, wuchtige aber auch transparente Songs sorgt. Natürlich können auch die Musiker den Erwartungen standhalten, die Gitarrenfraktion ist versiert, am Bass macht niemand Alex Webster was vor und Paul Mazurkiewicz spielt voller Power und Präzision und schafft es aus den üblichen Death Metal-Rhythmen etwas Neues heraus zu holen. Dass mit dem Corpsegrinder stimmlich und in Sachen Lungenvolumen nur wenige mithalten können, zeigt A Skeletal Domain außerdem.

Somit bleibt alles beim Alten: Die Fans werden A Skeletal Domain feiern, wer CANNIBAL CORPSE schon immer hasste, wird auch mit diesem Album kein Freund des Quintetts aus Florida werden. Neues gibt es nicht, ebenso wie die Filme der Freitag, der 13.-Reihe schon mit Teil 3 nichts Neues mehr geboten haben. Immer der gleiche Horror also. Das ist die berühmte Stagnation auf hohem Niveau, aber damit haben CANNIBAL CORPSE ja nicht erst seit diesem Album zu kämpfen. Und im Vergleich zu sich selbst kopierenden Slasherfilmreihen mit ihren endlosen Sequels machen CANNIBAL CORPSE wenigstens noch ordentlich Spaß.

Veröffentlichungstermin: 12. September 2014

Spielzeit: 43:52 Min.

Line-Up:
George Corpsegrinder Fisher – Vocals
Rob Barrett – Guitar
Pat O´Brien – Guitar
Alex Webster – Bass
Paul Mazurkiewicz – Drums

Produziert von Mark Lewis
Label: Metal Blade Records

Homepage: http://www.metalblade.com/cannibalcorpse/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/cannibalcorpse

Tracklist:
1. High Velocity Impact Spatter
2. Sadistic Embodiment
3. Kill Or Become
4. A Skeletal Domain
5. Headlong Into Carnage
6. The Murderer´s Pact
7. Funeral Cremation
8. Icepick Lobotomy
9. Vector Of Cruelty
10. Bloodstained Cement
11. Asphyxiate To Resuscitate
12. Hollowed Bodies