BOMBARD: Switch Off The Bitch

"Mir waret irgendwo bei Böblinga, am Rande des Schönbuchs, als die Verkehrskontrolla zom Wirka begannet."

Was ist saucool? Saucool ist es, wenn du bei Sonnenschein mit deinem pferdestarken Vehikel über den Highway bretterst, MOTÖRHEAD voll aufdrehst, oder einen ähnlich asphaltkompatiblen Sound, einen, der dir das ABC des Rock´n´Roll um die Ohren haut, dein Blut aufheizt, es mit Benzin und Schnaps verbleit, dich auf Blackjack, Nutten und Anarchie eicht – bis die Highway Cops mit Blaulicht aufschließen und dich herausfischen. Guter Mann, wissen Sie, warum wir sie angehalten haben? Sie waren einfach zu saucool unterwegs. Wir lassen Sie nochmal mit einer Verwarnung davonkommen. Eben weil Sie so saucool sind. Weiterhin gute Fahrt!

Was ist überhaupt nicht cool? Ein epic fail geradezu? Wenn du mit deinem Roschtgöppel auf der Landstraße zwischen Calw und Böblingen gurkst, mit MOTÖRHEAD-ähnlichem Sound und maximal 60 km/h, weil´s bereits Herbst ist, saudunkel und neblig. Da hält dich auf der L1182 zwischen Döffingen und Darmsheim die Polizeistreife auf. Guter Mann, i weiß gar net, wo ih ahfanga soll, vielleicht zerschdamol bei Ihrer grausige Metal-Musik, machetse die mal aus. Den Rescht könnet Sie sich bestimmt dengga: Rücklicht tut net, TÜV isch au abglaufa, und was sie Winterreifa nennet, des heißt bei uns ´Slicks´ und g´hört beschtafalls an ein´ Formel-Eins-Karre noh, aber net an Ihre rollende Verkehrsgefährdung.

Die auf CD gebannte Entsprechung zu diesem umfassenden Scheitern auf niedrigem Niveau heißt Switch off the Bitch, eine Forderung, die die Böblinger BOMBARD stellen. BÖMBARD müssten Sie heißen, röckdöttifiziert, denn es ist überdeutlich, wer für den Sound Pate stand, und wessen mit schweren Stiefeln in die Musikgeschichte gemalmte Fußstapfen zu groß sind. 1989 soll´s gewesen sein, dass BOMBARD sich gründeten und drei Jähre später wieder entbandelten, obwohl man sogar einen Platten-Deal angeboten bekommen hatte. Ja, Platten-Deal wird auf dem Promowisch in Anführungszeichen gesetzt, man wird schon wissen, warum. Oder – und das halte ich für wahrscheinlicher – eben nicht.

Aber eines wussten die Bombarden, nach 20 Jahren: Let´s rock and roll again, and speed metal, too! Also mit dem Roschtgöppel nach Calw zu Fabiani Guitars gezockelt, neue Gitarrensaiten und ´nen Satz neue Röhren gekauft, das Lineup erneuert, elf Songs zusammen-, in einem Studio ein- und dann auf eine CD geschrotet. Inklusive einiger passabler Gitarren-Soli – das einzig Positive an dieser Chose soll ja nicht unterschlagen werden.

Textlich gilt über weite Strecken die ausgelobte Parole: Switch off the Bitch. Nein, nicht rückwärtsgewandte Technikfeinde wollen das Internet abgeschafft sehen, sondern Sänger und Tresenlyriker Ralf Chappy Geschke arbeitet seine Vita auf. Eindeutiges lässt sich aus dem Silbenwust nicht herauslesen, aber Chappy – es folgt Spekulation – ist wohl die erste Ehefrau abgehauen (oder abgehauen worden), vielleicht auch mehrere, die Mädels im Sindelfinger See Studio wie auch in der Traube haben ihn schäbig abgefuckt, alles bitches außer Mutti. Dort war er wohl mal Too drunk for Rock´n´Roll (Track 4), da hat´s ihn auf der Gass´ hingelegt, – kein Wunder, bei denne rutschige Pflaschterstoiner in der Sindelfinger Altstadt -, den Meggel voran. Schädelweh und ´ne Sauwut hat er von dem Sturz gekriegt und zahlreiche Vokabeln aus dem Gedächtnis geschüttelt bekommen. Deswegen kommt der Refrain der puristischen Frustrationshymne Hate mit dem Wort hate aus (insgesamt achtmal), und noch fünf anderen Wörtern (je zweimal). Da geht dem Chappy nicht das Messer in der Tasch´ auf, sondern gleich ´ne ganze Kettensäge (Feel my chainsaw / You´ve made me angry).

Wer nun entgegenhält, dass auch Lemmy K. relativ schmucklose Halbzeiler anneinanderreihe, die eine ähnlich schlichte Ordnung-der-Dinge umrissen, dem sei gesagt: Seit Urzeiten Ehrengast in des Teufels Whorehouse zu sein, ist etwas anderes als im Münzgeld schluckenden Drehkreuz vom Eroscenter C33 stecken zu bleiben.

Noch etwas zur Form: Das Booklet als stiefmütterlich behandelt zu bezeichnen, wäre gelogen – es wurde lieblos und nachlässig hingerotzt. Weiße Serifenlosigkeit auf schwarzem Grund, den Überschriften wurde die Signalfarbe Rot spendiert. Die Lyrics hat man wohl direkt aus Chappys Word-Dokumenten in die Layout-Software kopiert, inklusive des flexiblen Umgangs mit der Zeichensetzung.

Jetzt sag´ noch einer, ICH sei es, der dieses Album herz- und respektlos behandelt hätte.

Postskript: Nicht nur das Album ist nun draußen, sondern auch der Sänger. Wer sich berufen fühlt und ´nen Karren mit Winterreifen und TÜV-Plakette besitzt…

Veröffentlichungstermin: 11.11.2011

Line-Up:
Thomas Kretzschmer – Gitarre
Micha Geyer – Schlagzeug
Gary Rubik – Bass
(Ralf Chappy Geschke) – Gesang

Produziert von Mick Scheuerle

Label: 7Hard

Homepage: http://www.bombard-rocks.de
Mehr im Netz: http://www.myspace.com/bombardrocks

Tracklist:
01. Take A Breath
02. My Life
03. Hate
04. Too Drunk For Rock´n´Roll
05. Hell´s On Fire
06. Life After Death
07. Take Me
08. Raise Your Fist
09. What The Hell
10. Riding Down The Highway
11. Bastard