BETH HART: A Tribute To Led Zeppelin

BETH HART, die Grammy-nominierte Blues-Rock-Sängerin sorgt bei mir immer wieder für Gänsehaut. Wie auf dem letzten Studio-Album „War In My Head“, aber auch bei den zahlreichen Konzertmitschnitten. Dass die sympathische Powerfrau Coversongs kann, das hatte sie ja schon mit „Notbush City Limits“ gezeigt zusammen mit JOE BONAMASSA. Dadurch habe ich sie für mich entdeckt. Das wussten wohl auch Produzent Rob Cavallo (GREEN DAY, LINKIN PARK, MY CHEMICAL ROMANCE) und Doug McKean (GOO GOO DOLLS, ADAM LAMBERT), die Beth für ihr LED ZEPPELIN Tribute-Projekt gewählt hatten. Schon viel früher sogar, als Cavallo 2019 „War In My Mind“ produzierte und Beth eine improvisierte Version von „Whole Lotta Love“ im Kontrollraum sang, dass sie auch live gern mal ausgepackt hat. Cavallo wollte mehr, Hart nicht: „Ich werde nicht das ganze Album machen. Um Zeppelin zu machen, muss man wütend sein, um die Noten richtig zu treffen. Ich kann das nicht. Ich habe jahrelang daran gearbeitet, meine Wut unter Kontrolle zu bringen.“ Es kam die Pandemie, genug Wut, irgendwann hat es dann doch gepasst.

BETH HART und ihre Kollegen feiern „A Tribute To Led Zeppelin“

Klar geht es nicht ohne die üblichen Megahits, begonnen hat ja wie das Album alles mit „Whole Lotta Love“. Das rockt sofort, und die Stimme von Beth klärt sofort alles. Diese Kraft, dieser Ausdruck, ein starker Einstieg. Der Psychedelic-Part wird abenteuerlich umgesetzt, klingt spuky, schräg, anders als im Original. Wie viel Spaß auch die Herren hatten, das hört man sofort raus. Auch bei „Kashmir“, und über allem diese Stimme, cool, heiß, was auch immer. Es wird nicht bequem ROBERT PLANT nachgesungen, Beth packt viel eigenes mit rein, erzählt diesen Song fast entspannt. Und röhrt in den passenden Momenten, dass es ein Fest ist, wenn man denn ihre Stimme mag. Oh ja, dieser eine Song, der Jahrhundertsong, den man nicht nachspielen sollte und es doch so viele tun – und daran scheitern. „Stairway To Heaven“ lässt musikalisch keine Fragen offen, er wird souverän und schön ohne große Überraschungen dargeboten von den Herren Musikern. Was Beth daraus macht, das ist wow! Wieder ganz eigen, wer ihre ruhigen, zerbrechlichen Lieder kennt, der findet diese hier wieder. Traurig schnurrt sich die Frau durch den Song, man sitzt mit glasigen Augen da, wartet verträumt die üblichen vier Minuten, bis der Song dezent Fahrt aufnimmt. Auch da bleibt alles entspannt, Frau Hart spielt mit ihrer Stimme, sehr stark. Wieder anders, aber gleichfalls intensiv wie die Version der HEART Wilson-Sisters. Dass Beth zum Ende hin ordentlich loslegt ist klar, laut kann sie schließlich auch.

BETH HART drückt den LED ZEPPELIN-Songs mit ihrer großartigen Stimme ihren Stempel auf

„The Crunge“, herrlich zappelig, funky, sexy. Groovig „Dancing-Levee“, meisterlich rockend „Black Dog“, durchs Haus tänzelnd „Good Times Bad Times“. Wie gehabt alles souverän gespielt, da sind Meister am Werk, die richtigen Musiker wurden ausgewählt. Die Produzenten holten hochkarätige Musiker ins Luftschiff, zum Beispiel Gitarrist Tim Pierce (u.a. BON JOVI, BRUCE SPRINGSTEEN, TINA TURNER), Chis Chaney (ROB ZOMBIE, SLASH, JANE´S ADDICTION) am Bass, Keyboarder Jamie Muhoberac (BOB DYLAN, ROLLING STONES) sowie die Schlagzeuger Dorian Crozier (JOE COCKER, CELINE DION) und Matt Laug (ALICE COOPER, ALANIS MORISETTE). Aber letztendlich bieten sie nur das Fundament für diese großartige Stimme. Die kommt nochmals ruhig noch mehr zu Geltung, das psychedelisch wabbernde „No Quarter Babe“ und den zarten „Rain Song“ veredelt BETH HART mit ihrer unverkennbaren Stimme, Vibrato hier, schnurren da, eigene Tonleitern dort, welche die Vorgaben des Originals verlassen. Nicht vergessen darf man die orchestralen Parts, von David Campbell (u.a. AEROSMITH, ADELE, BON JOVI, EVANESCENCE, KISS) perfekt umgesetzt. Eingefangen wurde alles in einem kraftvollen Sound, knapp an der Grenze zum zu viel, hier und da hätte etwas mehr Dreck die Vocals noch mehr nach vorn geschoben. Aber das ist in diesem starken Gesamtwerk zu verkraften, laut gehört knallt das Album ordentlich.

BETH HART fasziniert mit ihrem typischen Gesang auch bei den LED ZEPPELIN-Klassikern

Auf „A Tribute To Led Zeppelin“ wurde alles perfekt umgesetzt, hier und da so sehr, dass es fast zu glatt klingt. Aber diese Momente fegt BETH HART beiseite mit ihrem typischen Gesang, mal kraftvoll, kratzig, rau und mal zart, erzählerisch und zerbrechlich. Sie für das Projekt zu wählen, eine bessere Wahl hätten die Produzenten nicht treffen können. Zumal das Tribute auch zeigt, wie verschieden die Musik von LED ZEPPELIN und der Gesang von ROBERT PLANT war, hier perfekt veredelt mit Beth`s Stimme. Sie drückt allem ihren eigenen Stempel auf, PLANT vermisse ich auf dieser Cover-Scheibe nicht einen Moment. Das mag sich ändern, wenn man das Original mal wieder auf dem Plattenteller hat. Aber das dauert, hier hat vorerst BETH HART das Sagen, bald auch live, aber erstmal hier auf „A Tribute To Led Zeppelin“. Wer die Sängerin ebenfalls liebt, der greift eh zu, gern auch zum Vinyl. Aber auch jeder LED ZEPPELIN-Fan bekommt hier eine Vollbedienung und dürfte danach begeistert in den früheren Alben von BETH HART stöbern. Es lohnt sich!

Veröffentlicht am 25.02.2022

Spielzeit: 55:24 Min.

Lineup:
Beth Hart – Vocals
Rob Cavallo – Guitars, Produktion
Tim Pierce – Guitars
Chris Chaney – Bass
Dorian Crozier – Drums
Matt Laug – Drums
Jamie Muhoberac – Keyboards
David Campbell – orchestralen Arrangements

Label: Provogue/Mascot Label Group

Homepage: https://www.bethhart.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/officialbethhart

Die Tracklist von “A Tribute To Led Zeppelin”:

1. Whole Lotta Love
2. Kashmir
3. Stairway To Heaven
4. The Crunge
5. Dancing-Levee
6. Black Dog (Audio bei YouTube)
7. No Quarter Babe
8. Good Times Bad Times (Audio bei YouTube)
9. The Rain Song