BETH HART: War In My Mind

BETH HART: War In My Mind

Es ist wohl ein wenig wie mit dem Clown, der so vielen Spaß bereitet – aber hinter sein buntes Makeup schaut niemand, wer dieser Mensch ist und was er erlebt und gelebt hat. Auch bei BETH HART denkt man schnell an die Power-Frau und cool daherkommenden Blues-Rock. Und auch sie hat eine ganz andere Seite, die sie uns nun auf „War In My Mind“ offenbahrt. BETH HART öffnet sich und singt auf ihrem nunmehr neunten Soloalbum über die dunklen Seiten ihres Lebens. Ungeschminkt und offen präsentiert sie sich: „Mein innerer Heilungsprozess hat sehr lange gedauert, doch inzwischen fühle ich mich mit meiner dunklen Seite, meiner Verrücktheit und den Dingen, für die ich mich so lange schämte, sehr wohl.“ Hoffen wir mal, dass dies ihr Platz schafft, noch weiter nach vorn zu gehen. Lassen wir ihre Songs sprechen…

Auf „War In My Mind“ zeigt BETH HART ihre dunkle Seite

Der „Bad Woman Blues“ leitet das Album knackig und selbstironisch ein. Ein cooler Rhythm&Blues-Rocker, der Spaß macht und die dunkle Stimmung von „War In My Mind“ nicht gleich vermuten lässt. Der Titelsong, passend im Cover visuell umgesetzt, fährt jedoch gleich alles runter. Tief bluesig, depressiv, dominiert vom Piano lässt die Sängerin hier alles raus. Man muss dem tiefgreifenden Text nicht folgen, allein wie BETH HART mit ihrer Stimme arbeitet macht greifbar, worum es hier geht. Wow, was für eine Stimme! Beim souligen „Without Words In The Way“ fühlt man sich wie in einer düsteren, verrauchten Jazz-Bar, „Let It Grow“ baut sich mit seine Gospel-Touch immer weiter auf. Dramatik nicht um der Dramatik Willen, sondern um die Emotionen in den Songs greifbar zu machen. Dies durchzieht das ganze Album.

BETH HART präsentiert weniger knackige Grooves, dafür viel Melancholie

„Try A Little Harder“ mit seinem unverschämt coolen Groove, das feurige „Spanish Lullabies“ und das poppige „Sugar Shack“ bringen etwas Leben in das Album. Dominant bleibt aber die melancholische, sentimentale oder gar depressive Atmosphäre. „Sister Dear“ widmet sie ihrer an Aids verstorbenen Schwester, „Rub Me For Luck“ würde als melodramatischer Titelsong für einen James Bond-Film passen. Das jazzige „Woman Down“ fährt alles runter, nur Stimme und Piano. „Thankful“ kommt doch positiv, wird BETH ihren in „I Need A Hero“ ersehnten Helden finden?

Ein Album für den bald anstehenden Herbst-Blues

Wer bei BETH HART an Popo tretenden Blues-Rock denkt wie bei den Scheiben mit JOE BONAMASSA, der muss mit „War In My Mind“ umdenken. Hier geht es um die dunkle Seite der Sängerin, um ihr Leben mit häuslicher Gewalt, Drogensucht, Familiendramen und den Ups and Downs ihrer Karriere als Musikerin. Sie kehrt ihr Innerstes nach aussen und lässt uns daran teilhaben. Und dies auf beeindruckende Art, allein ihrer Stimme und ihrem Piano zuzuhören zieht einen weg aus dem eigenen Alltag, hinein in die schattige Welt von BETH HART.

Veröffentlichung: 27.09.2019

Spielzeit: 52:09 Min.

Produziert von Rob Cavallo

Label: Provogue / Mascot Label Group

Homepage: https://www.bethhart.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/officialbethhart

Die Tracklist von „War In My Mind“:

1. Bad Woman Blues (Video bei youtube)
2. War In My Mind (Lyric-Video bei youtube)
3. Without Words In The Way
4. Let It Grow
5. Try A Little Harder
6. Sister Dear
7. Spanish Lullabies
8. Rub Me For Luck
9. Sugar Shack
10. Woman Down
11. Thankful
12. I Need A Hero

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.