INFERNO FESTIVAL 2018 – mit EMPEROR und NECROPHOBIC, 30. März 2018 – Rockefeller / John Dee, Oslo, Norwegen

Karfreitagsinferno

Das exquisite INFERNO FESTIVAL hat wieder EMPEROR zu Gast – und wieder nach einer langen Abwesenheit, was natürlich Erinnerungen an die Festivalausgabe anno 2006 hervorruft. Gleichzeitig haben die Organisatoren das Drumherum des Festivals professionalisiert und auch profitmaximiert: Statt einem Festivalhotel gibt es noch ein zweites (obwohl die echten Parties natürlich nur im Scandic St. Olavs abgehen), der Gründonnerstag wartet bereits mit einem hochkarätigen Programm auf, das unter anderem DARK FUNERAL beinhaltet und in beinahe jeder Nische des Gebäudes hat es eine Bar. Dort gilt beinahe ausschliesslich «Bier gegen Karte» – irgendwie hat sich die Barzahlung am INFERNO FESTIVAL schon lange verabschiedet. Umso witziger ist es zu sehen, wie die Gäste brav anstehen, um sich ihr (teures) Bier zu erstehen…

 

ORIGIN

ULSECT und MEPHORASH verpassen wir aufgrund des verspäteten Fluges, aber die erste Band, die an diesem Abend neugierig macht, sind die Black Metaller von AUDN aus Island. Atmosphärische Klänge, kompetent dargebracht und mit stilvoll-verträumten Artwork ergänzt. Der Merchandise der Isländer ist offensichtlich beliebt und die Flyer, die das «REYKJAVIK DEATH FEST» verkünden, dürften wohl ein weiterer Hinweis darauf sein, dass sich Island nun auch festivaltechnisch dazu anschickt, den Extreme Metal-Bereich für sich einzunehmen.

Der Besuch der Black Metaller WIEGEDOOD aus Belgien, die gegen 19:45 Uhr im John Dee spielen, wird schon als «riskant» eingestuft, denn es ist klar, dass sich nun alle die besten Plätze für EMPEROR sichern wollen. Wartezeit bis 22:15 Uhr und ORIGIN hin oder her, für EMPEROR steht man sich auch zweieinhalb Stunden die Beine in den Bauch. Wobei, mit Stehen haben es ORIGIN nicht so wirklich und so machen sie allzu hüftsteifen Black Metallern, die auf ihre Helden warten, gleich einen grindig-todesmetallischen Strich durch die Rechnung. So zettelt Frontmann Jason Keyser denn gleich einen Moshpit an für Songs des Debüts «Origin» und in der Mitte der Menge bildet sich eine gähnende Lücke für ein paar wilde, physisch ausdrucksstarke Death Metaller, während sich die wartenden EMPEROR-Fans in die Peripherie verziehen.

Nach dem Set von ORIGIN geht die Warterei in die heisse Phase und viele verzichten auf die Progressive Rocker von EARTH ELECTRIC (wo unter andere Rune Erikson von AURA NOIR einem anderen Genre huldigt) im John Dee-Club, da das Gedränge auf der Treppe und das Nahen EMPERORs sie davon abhalten.

 

EMPEROR – Black Metal-Magie

Die schwarzen Bühnenvorhänge lichten sich und gleichzeitig wie das Intro «Alsvartr» erscheint der EMPEROR-Reiter (vom Cover der Split) in grünes Licht getaucht. Die Worte «I am the EMPEROR» werden vom gesamten Saal gerufen und dann bricht das «Anthems To The Welkin At Dusk»-Black Metal-Gewitter über das völlig entrückte und verzückte Publikum hinein. Ein unglaublicher Moment, den EMPEROR übermächtig auskosten. Und ja, es ist einer dieser Momente, in welchem selbst hartgesottenen Black Metallern eine Träne der Rührung über die Wangen kullert. Aber es ist ja dunkel, und alle sind viel zu ergriffen, um der Fotomanitis zu verfallen.

Während die Masse an Publikum – man steht dicht gedrängt – an die erste Rückkehr EMPERORs anno 2006 erinnert, so ist die Band selber noch ein weiteres Stück gereift. EMPEROR nehmen die genialen Songs, die sie vor über 20 Jahren voller Emotion geschrieben haben, und spielen sie als technisch versierte Musiker (und Ihsahn ist Professor Black Metal). «Thus Spake the Nightspirit» geht unter die Haut, während «The Loss and Curse of Reverence» masslose Raserei in Reinkultur zelebriert. EMPEROR spielen das gesamte «Anthems to the Welkin at Dusk» mit so einer Definiertheit, dass man das Gefühl hat, einem Hochseilartisten zuzusehen. So schnell und so präzis – und gleichzeitig so endgültig, dass man das Gefühl hat, nach diesem Gig nichts mehr anderes hören zu wollen.

Im zweiten Block kommen noch «Curse you all men!», «The Majesty oft he Nightsky» und natürlich das Klassikerdoppel «I Am The Black Wizards» und «Inno A Satana» zum Zug. Und selbst wenn Ihsahn aus Rücksicht auf die internationalen Gäste Englisch spricht, so spürt man, dass EMPEROR beim Heimspiel eben immer noch ein Quentchen eindringlicher, inspirierter, faszinierender sind als wenn sie im Ausland spielen.

 

Blasphemie dank Running Order – NECROPHOBIC

Will man an diesem Abend NECROPHOBIC sehen, muss man zwangsläufig seinen EMPEROR-Besuch etwas kürzen. Das fühlt sich blasphemisch an, und zwar nicht in dem Sinne, wie man es sich in seiner schwarzen Seele zurecht gelegt hat. Warum die INFERNO-Organisatoren EMPEROR nicht als letztes haben spielen lassen auf der grossen Bühne, werde ich wohl nie verstehen. Auch warum NECROPHOBIC nicht auf die Rockefellerbühne durften, erscheint vielen Anwesenden unverständlich.

Doch sei es drum, es ist seit dem Release von «Mark of the Necrogram» höchste Zeit, NECROPHOBIC live zu sehen. Zum einen muss ein reissender Song wie «Tsar Bomba» einfach auf die Bühne, und zwar dringend. Zum anderen macht natürlich der neue alte Fronter Anders Strokirk neugierig und im Vorfeld geht das Gerücht herum, dass seine Performance neue Energie ins Haus bringe.

Dieses Gerücht erweist sich bereits beim Opener – dem Titelfrack des aktuellen Albums «Mark of the Necrogram» als wahr. Anders ist sich seiner Rolle als Frontmann bewusst und führt mit viel Publikumsnähe und Energie durchs Programm. Zwar herrscht wegen der kleinen Bühne Bewegungseinschränkung, doch das hält das fantastisch-fulminante Gitarristenduo Johan Bergebäck und Sebastian Ramstedt nicht davon ab, hier und da den Platz zu tauschen und mit dem Publikum zu interagieren. Der seit 1989 motivierte Joakim Sterner treibt seine Mannen wie immer unermüdlich mit seinem Drumming an (unterstützt vom zweiten Teil der Rhythm-Section, Tieftöner Alexander Friberg) und NECROPHOBIC reissen die Meute mit ihrer Mucke von der ersten Sekunde an mit.

Wie zu erwarten ist “Tsar Bomba” der Song, der am meisten Bewegung ins Publikum bringt. Mit dem Song ist NECROPHOBIC – nach „For those who stayed Satanic“ – wiederum ein eingängiger Death Metal-Gassenhauer gelungen, der seine Hörerschaft zum lauten Mitbrüllen anstachelt. Gleich doppelt angestachelt – via Vocals von Anders und Sebastian – wird das John Dee-Publikum beim Karfreitagslied „Nailing the Holy One“. Passender kann ein Song für einen Gig an diesem Feiertag nun wirklich nicht ausfallen und den anwesenden Fans ist das auch mehr als genügend bewusst.

„Revelation 666“ und „Blinded by Light, Enlightened by Darkness“ sind dann auch die einzigen beiden Songs, bei denen das Gehirn erst begreifen muss, dass Tobias Sidegård nicht mehr derjenige ist, der die beiden Songs vocalstechnisch interpretiert. Das könnte allerdings auch ein Problem von Fans sein, die die Band oft mit ihm als Sänger gesehen haben, denn gerade bei diesen beiden Songs war seine Performance immer sehr einprägsam. Anders macht indes das einzig Schlaue: Er drückt den beiden Songs seinen Stempel auf, interpretiert sie roh, direkt und schnörkellos – das wirkt ehrlich und so wird erneut klar, dass das eingangs erwähnte Gerücht eben der Wahrheit entspricht. So viel Power, so viel Leidenschaft – das können eben doch nur NECROPHOBIC!

NECROPHOBIC – Setliste vom 30. März 2018, INFERNO FESTIVAL

Mark of the Necrogram
The Crossing
Before the Dawn
Pesta
Tsar Bomba
Dreams Shall Flesh
Darkside
Nailing the Holy One
Revelation 666

Zugaben
Blinded by Light, Enlightened by Darkness
The Nocturnal Silence

Bilder: Arlette

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