RAM: Rod

RAM rod CD cover

Manchmal kommt einem bei der “Arbeit” als Verfasser von Rezensionen das Leben dazwischen. Deswegen kommt diese Rezension für “Rod”, das fünfte Album der schwedischen Heavy Metal-Schwergewichte RAM mit einem halben Jahr Verspätung. Wen das jetzt noch interessiert? Gute Frage. Wenn ich aber schon dabei bin, schreibe ich das jetzt auch zu Ende.

Nachdem RAM mich mit ihrem letzten Album “Svbversvm” ziemlich umgehauen haben, waren meine Erwartungen an das neue Album “Rod” hoch. Vielleicht zu hoch, denn nach den ersten Durchläufen war erstmal Enttäuschung angesagt. Irgendwie fehlten mir überragende Stücke wie “Return of the Iron Tyrant” oder “Savage Machine” von der Split EP “Under Command” mit PORTRAIT. Aber immer langsam mit den jungen Pferden. Nach einigen Durchläufen entpuppte sich “Rod” dann doch noch als ziemlich starkes Album, wenn auch meiner Meinung nach seinem Vorgänger “Svbversvm” knapp unterlegen.

Im Vergleich zu “Svbversum” ist “Rod” ein ziemlich klassisches Heavy Metal-Album

Zieht man die drei Interludien “Anno Infinitus”, “Voices Of Death” und “Ashes” ab, bleiben insgesamt sechs vollwertige Songs. Während die ersten vier Songs jeweils für sich stehen, bilden die letzten sechs Stücke ein geschlossenes, textliches Konzept über die Figur “Ramrod The Destroyer”. Anfang und Ende bilden die sehr atmosphärischen Stücke “Anno Infinitus” und “Ashes”, die als Intro beziehungsweise Outro fungieren und dem Konzeptteil des Albums den letzten Schliff geben.

Nach dem stellenweise doch recht experimentellen Vorgänger “Svbversvm” ist “Rod” doch eine ziemlich klassische, um nicht zu sagen konservative Heavy Metal-Platte, bei der man die Begeisterung der Band für JUDAS PRIEST deutlich heraushört. Drei der sechs vollwertigen Lieder auf “Rod” überschreiten sieben Minuten Spielzeit. Vor allem der treibende Opener “Declaration Of Independence”und das epische “Gulag” schaffen es dabei keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Allerdings muss ich sagen, dass die Schweden mit dem knapp vier Minuten langen “On Wings Of No Return” deutlich besser auf den Punkt kommen. Die kurze und knackige Up Tempo-Nummer ist für mich der beste Song des Albums, dicht gefolgt von “Gulag”. Bei “A Throne At Midnight” packt Oscar ein paar „Painkiller“-mäßige Schreie aus, nur um beim erbarmungslos polternden, letzten richtigen Song “Incinerating Storms” nochmal einen drauf zu setzen und sich fast komplett durch das Lied zu screamen. Dabei erinnert er mich aber eher an Rob Halford auf seinem Solo-Album „Resurrection„. Das Sahnehäubchen auf so ziemlich allen Stücken sind die furiosen Gitarrensoli und Harmonien von Harry Granroth und Martin Jonsson, die wirklich jedes der Lieder noch mal deutlich aufwerten und mich umgehend zur Luftgitarre greifen lassen.

Auch wenn RAM schon mal stärker waren – der Stahl, den sie auf “Rod” schmieden, ist heiß!

“The Cease To Be” sticht deutlich aus den restlichen Stücken auf “Rod” heraus, handelt es sich bei diesem Song doch mehr oder weniger um eine epische Ballade. Musikalisch ist fast schon verträumt wirkende Stück ziemlich spannend und ein gelungenes Experiment. Lediglich der melodische Gesang von Oscar Carlquist in den Strophen ist mit gewöhnungsbedürftig noch wohlwollend umschrieben. Von der Stimmung erinnert “The Cease To Be” mich irgendwie an “Beyond The Realms Of Death” von JUDAS PRIEST ohne natürlich auch nur in die Nähe von dessen Genialität zu kommen.

Im Endeffekt ist “Rod” ein gutes bis sehr gutes Heavy Metal-Album, allerdings meiner Meinung nach weder das beste Album der Band, noch das beste, was 2017 in Sachen traditioneller Metal aus Schweden kam. PORTRAIT und TRIAL hatten da für mich deutlich die Nase vorn. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass RAM immer noch ziemlich heißen Stahl schmieden. Die “Roadkill”-Tour, bei der alle drei genannten Bands dieses Jahr unterwegs waren, bleibt jedenfalls als eines der Highlights des Jahres in Erinnerung.

Veröffentlichungsdatum: 03.11.2017

Spielzeit: 46:55

Line Up:
Oscar Carlquist – vocals
Harry Granroth – guitar
Martin Jonsson – guitar
Tobias Petterson – bass
Morgan Pettersson – drums

Label: Metalblade

Bandhomepage: http://www.ram-metal.com
Facebook: https://www.facebook.com/RAMheavymetal
Bandcamp: https://ramheavymetal.bandcamp.com/

RAM  „Rod“ Tracklist

01. Declaration Of Independence
02. On Wings Of No Return – Video bei YouTube
03. Gulag – Video bei YouTube
04. A Throne At Midnight
05. Anno Infinitus
06. Ignitor
07. The Cease To Be
08. Voices Of Death
09. Incinerating Storms
10. Ashes