PRIMORDIAL: Exile Amongst The Ruins

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PRIMORDIAL sind eine absolut einzigartige Band. Keine Band klingt wie die Iren. Das macht PRIMORDIAL auch so schwer kategorisierbar. Sie haben doomige Songs, Black Metal-Stücke, folkige Passagen und sind in der Lage sowohl große Epen als auch Lieder von herzzerreissender Traurigkeit zu schreiben. Und im Normalfall tun sie all dies auf einmal. Dabei schaffen PRIMORDIAL es bislang, auf jedem Album wieder ein bisschen anders zu klingen als auf dem Album zuvor, ohne dabei jemals ihren Sound aus den Augen zu verlieren. PRIMORDIAL erkennt man sofort, sei es wegen Alans markanter Stimme, dem Drumming von Simon O’Laoghaire oder diesen ganz speziellen Riffs, die eben nur Ciarán MacUilliam und Michael O’Floinn zu Stande bringen. Eines ist sicher – langweilig wird es mit PRIMORDIAL nie. “Exile Amongst The Ruins” ist nun das neunte Album der Band und hält die eine oder andere Überraschung bereit – soviel war bereits bei den vorab veröffentlichten Stücken zu erkennen.

Mit “To Hell Or The Hangman” liefern PRIMORDIAL den potentiellen Song des Jahres ab

“Nail Their Tongues” ist ein selbst für PRIMORDIAL-Verhältnisse finsterer Opener. Mahnend, klagend, immer wieder von schwarzmetallischen Wutausbrüchen durchzogen. Das Klangbild klingt im direkten Vergleich zu “Where Greater Men Have Fallen” deutlich roher und dreckiger. Nach diesem Einstieg machen PRIMORDIAL erst mal eine 180°-Wendung. “To Hell Or The Hangman” dürfte der Hit des Albums sein – und wohl die größte Überraschung! Zum einen ist das Stück wohl der schnellste Song, den PRIMORDIAL seit langem geschrieben haben und dazu auch noch erschreckend tanzflächenkompatibel. Diese dezente Post Punk-Note steht dem Song ganz hervorragend. Was ist da los in Dublin? So eine eingängige, straighte Nummer ist man von PRIMORDIAL irgendwie nicht gewohnt. Aber es funktioniert so unglaublich gut, als würde alles, was diese Band anfasst zu Gold. Der Song des Jahre? Durchaus nicht unwahrscheinlich!

“Where Lie The Gods” beginnt mit unverzerrten, folkig klingenden Gitarren und dazu passendem Drumming und entwickelt sich zu einem schleppenden Epos. Besonders im Schlussteil mit seinen “Ohoho”-Chören erinnert das Stück an die epische Phase von BATHORY. Der Titelsong ist das dritte, vorab veröffentlichte Stück. Der Videoclip zeigt die Geschichte eines einfachen Soldaten, angesiedelt in Irland vor hundert Jahren während es textlich um den Niedergang der europäischen Zivilisation geht. Und so klingt “Exile Amongst The Ruins” auch musikalisch klagend und fatalistisch. Nach etwa fünf Minuten plätschert der Song eine ganze Weile vor sich hin, bevor er sich gegen Ende noch einmal aufbäumt. Hier wäre etwas weniger wohl mehr gewesen. “Upon Our Spiritual Deathbed” wirkt auf mich trotz längerer Spielzeit deutlich kurzweiliger. In achteinhalb Minuten steigert sich der Song vom schleppenden Moloch zur kämpferischen Hymne.

“Stolen Years” war der erste Song, den PRIMORDIAL vorab veröffentlichten. Das Stück ist das totale Gegenteil zu “To Hell Or The Hangman” – ruhig und zurückhaltend, sparsam instrumentiert und in sich gekehrt. Passend zu einem Song über die letzte Nacht auf Erden… Ein emotionales Stück, welches aber ohne Epik oder Pathos auskommt. Und während dieser Song einen geradezu dazu einlädt, bei einem Glas Whisky über das Leben nachzudenken und die Gedanken schweifen zu lassen, reißt “Sunken Lungs” den hörer wieder aus jeglichen Träumereien heraus. Über knapp acht Minuten wird das treibende Stück von einem typischen PRIMORDIAL-Riff getragen und kommt ohne große Variationen ins Ziel ohne dabei monoton zu wirken. Den Abschluss bildet das über zehn Minuten lange “Last Call”, ein fragil startendes, sich immer weiter steigerndes Stück, bei dem ich meine, Post Rock-Einflüsse zu hören. Trotz einiger Längen ein gelungener Abschluss, der es mit den epischen Rausschmeissern der letzten Alben allerdings nicht ganz aufnehmen kann.

PRIMORDIAL überzeugen trotz einiger Längen auch auf “Exile Among The Ruins”

Alan Averill liefert auf diesem Album erneut eine großartige Performance ab. Dieser Mann lebt jedes einzelne Wort seiner Texte und packt so viele Emotionen in seinen Gesang wie kaum ein anderer Frontmann. Wie viele Alben der Band hat auch “Exile Amongst The Ruins” seine Längen. Manchmal kommt die Band einfach nicht auf den Punkt und verliert sich in den überlangen Kompositionen. Dem stehen jedoch in großer Übermacht erhabene und emotional packende Stücke gegenüber, wie sie eben nur diese Band auf die Kette kriegt. Letztendlich gehen PRIMORDIAL auch mit ihrem neunten Album ihren Weg unbeirrt und kompromisslos weiter. An das 2007er Meisterwerk “To The Nameless Dead” kommen die Iren auch im dritten Anlauf nicht ran, zu übermächtig thront dieses makellose Werk in der Diskographie der Band. Aber nun schon zum dritten Mal in Folge ein dermaßen packendes, erhabenes und eigenwilliges Album veröffentlicht zu haben ist etwas, was man den Iren nicht hoch genug anrechnen kann. PRIMORDIAL sind eine der wichtigsten Bands der Szene und haben noch nie enttäuscht – sie tun es natürlich auch dieses Mal nicht!

Veröffentlichungsdatum: 30.03.2018

Spielzeit: 65:38

Line Up:
A.A. Nemtheanga – vocals
Ciarán MacUilliam – guitars
Michael O’Floinn – guitars
Pól MacAmlaigh – bass
Simon O’Laoghaire – drums

Produziert von: Ola Ersfjord @ Camelot Studios

Label: Metal Blade Records

Bandhomepage: primordialofficial.com
Facebook: facebook.com/primordialofficial
Bandcamp: primordialofficial.bandcamp.com

PRIMORDIAL „Exile Amongst The Ruins“ Tracklist

01. Nail Their Tongues
02. To Hell or the Hangman (Video bei YouTube)
03. Where Lie the Gods
04. Exile Amongst the Ruins (Video bei YouTube)
05. Upon Our Spiritual Deathbed
06. Stolen Years
07. Sunken Lungs
08. Last Call

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