CONVERGE: The Dusk In Us

CONVERGE: The Dusk In Us

CONVERGE gehören neben BLACK FLAG, AGNOSTIC FRONT und MINOR THREAT zu den Eckpfeilern dessen, was man heutzutage als Hardcore Punk bezeichnet. Vor sechzehn Jahren haben die fünf Kids aus Boston, MA mit ihrem inzwischen legendären Album „Jane Doe“ (2001) den Hardcore dazu gebracht, dessen Scheuklappen endgültig abzulegen. Anschließend haben sie eine neue Ära eingeläutet, die noch bis heute andauert und deren Ende noch nicht absehbar ist. Deswegen ist es kaum überraschend, dass jedes Mal, wenn die Band ein neues Album ankündigt, die ganze Punk Community auf einmal unter Strom steht. Das ganze fünf Jahre nach „All We Love We Leave Behind“ (2012) nun endlich erscheinende „The Dusk In Us“ bildet hier keine Ausnahme.

CONVERGE machen auf „The Dusk In Us“ dort weiter, wo sie auf dem Vorgänger aufgehört haben

„AWLWLB“ markierte damals den Wendepunkt in der Geschichte der Band. CONVEGE gingen plötzlich ganz neue Wege und entfernte sich immer weiter von dem, was sie in den 2000ern mal waren. Plötzlich wurden die Songs subtiler, die Wutausbrüche kontrollierter und die Texturen feiner. Die Band öffnete sich den neuen Einflüssen, wurde facettenreicher und büßte dadurch einen nicht unwesentlichen Teil ihrer ursprünglichen abrasiven Härte ein, was damals nicht alle gut fanden. Doch völlig unbeirrt machen CONVERGE auf „The Dusk In Us“ dort weiter, wo sie auf dem Vorgänger aufgehört haben. Selbst die rabiateren Songs werden hier nicht mehr durchgehend von an die Hysterie grenzender Aggressivität und von ENTOMBED inspirierten Gitarrenriffs dominiert, sondern zeichnen sich oft durch luftige Melodiebögen aus (s. „Broken By Light“ oder „A Single Tear“). Was den Gesang angeht, hier setzt Jacob Bannon klar auf die Abwechslung und schont dadurch seine über die Jahrzehnte hinweg malträtierten Stimmbänder. Kann man ihm zwar nicht verübeln, aber an seinem Clean-Gesang scheiden sich seit eh und je die Geister.

CONVERGE lassen ihre Fans nicht im Stich

Perfomancetechnisch ist die neue Scheibe einfach nur erste Sahne – alles andere wäre eine Riesenüberraschung. Die Jungs haben immer noch Bock und klingen um das Vielfache tighter als manch ein frisch gebackener Hoffnungsträger. Die eigentlichen Highlights der Platte sind vor allem die längeren Stücke wie der Titelsong, „Thousands Of Miles Between Us“ sowie bereits im Vorfeld veröffentlichte „Reptilian“ und „Under Duress“. Diese vier Songs weisen einen sorgfältig aufgebauten Spannungsbogen auf und sind dadurch in der Lage, den Hörer emotional mitzureißen. Alles in allem zementieren CONVERGE ihre Vormachtstellung im modernen Hardcore Punk und lassen mit dem neuen Album ihre Fans nicht im Stich.

Die emotionale Distanz zum Hörer wird immer größer

Doch trotz allen Stärken, zu denen auch die gewohnt astreine Produktion gehört, ist „The Dusk In Us“ nicht beste Scheibe in der Banddiskografie. Zum einen gibt es wirklich schwache Tracks wie „I Can Tell You About Pain“ und vor allem „Trigger“, der nichts anderes als ein plumpes UNSANE-Imitat ist. So etwas haben Bannon und Co. echt nicht nötig. Der zweite Punkt betrifft die Vocals – Jakes Clean-Gesang beziehungsweise dessen Stimmlage bleibt nach wie vor extrem gewöhnungsbedürftig, egal was ihm seine Freunde und Kollegen erzählen. Drittens und letztens gehen CONVERGE emotional leider immer mehr auf Distanz. Objektiv gesehen, wird dadurch die Qualität des Materials nicht gemindert, aber in Bezug auf diese Band ist das natürlich schade. Bei den älteren Werken bis einschließlich „Axe To Fall“ (2009) hatte man stets das Gefühl, als würden CONVERGE einem aus der Seele sprechen. Auf „The Dusk In Us“ ist das leider nicht mehr der Fall. Schuld daran ist freilich niemand – mit der Zeit erlischt die Flamme und wir werden alle alt.

Veröffentlichung: 03.11.2017

Spielzeit: 43:53 Min.

Label: Epitaph Records/Deathwish Inc.

Produziert von: Kurt Ballou und Alan Douches

Bandwebsite: convergecult.bandcamp.com/

Facebook: facebook.com/converge

LIne-Up:

Jacob Bannon – vocals

Kurt Ballou – guitar, vocals

Nate Newton – bass, vocals

Ben Koller – drums

Trackliste:

1. A Single Tear (Offizielles Musikvideo)
2. Eye of the Quarrel
3. Under Duress
4. Arkhipov Calm
5. I Can Tell You About Pain (Offizielles Musikvideo)
6. The Dusk in Us
7. Wildlife
8. Murk & Marrow
9. Trigger
10. Broken by Light
11. Cannibals
12. Thousands of Miles Between Us
13. Reptilian

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BKa