UFO, Hugenottenhalle Neu-Isenburg, 17.03.2004

UFO, Hugenottenhalle Neu-Isenburg, 17.03.2004

Woran erkennt man schon vor Betreten des Innenraumes, dass der Hauptact des Abends eher die älteren Semester anzieht? Auf die schon tausendmal verneinte Frage am Merchandise-Stand „Habt ihr das Shirt auch in XXL?“ schaut der UFO-Pretiosen-Verwalter nur verständnislos und antwortet mit einem lakonischen „Natürlich!“.
Auf die Zeitreise in die Siebziger begleiteten die fliegende Untertasse also hauptsächlich die Zeitgenossen der UFO-Hochzeit in den Siebzigern, gesetzte Mitvierziger sorgten dafür, dass die Hugenottenhalle gut zur Hälfte gefüllt war. Als Opener fungierte ULI JON ROTH, der nur von seinem Keyboarder begleitet, allerlei Kunststückchen auf seiner Sky-Gitarre präsentierte. Der ehemalige SCORPIONS-Gitarrero sieht immer noch so aus wie ein Kind der Hippie-Zeit (breitkrempiger, Feder geschmückter Hut, das schwarze Hemd bis zum Bauchnabel offen), ist immer noch einer der begnadetsten Saitenkünstler, ist live ohne Sänger und Band allerdings nur bedingt sehenswert. Der Showwert des hinter einem Turm von Kurzweil-Keyboards verschwundenen Tastenmannes und des eher introvertierten Roth lässt dann doch etwas zu wünschen übrig. Sei es drum, auch der Opener wurde freundlich empfangen und verabschiedet, richtig in Stimmung kam die Halle aber erst beim Mainact des Abends.

Sicher aktivieren UFO mit Michael Schenker wesentlich mehr Zuschauer, vom musikalischen her zog die Besetzung um die Langzeit-UFOs Phil Mogg, Pete Way (nach wie vor der Klischee-Rock’n’Roller: rote Lederhose, labbriges Streifenshirt, der Bass schleift aus „iss-einfach-cooler“-Gründen“ fast auf dem Boden), Paul Raymond und den Neuzugängen Jason Bonham (der Sohn des LED ZEPPELIN-Tiers sieht inzwischen zwar wie ein Studienrat aus, besorgt hinter seinem Set aber einen fetten Groove und klopft die Songs schön nach vorne) und Vinnie Moore aber alle Register. Natürlich spielt außer Michael Schenker selbst nun mal keiner die Gitarrenparts so wie Michael Schenker, Moore konnte durch seine sympathische Art und sein filigranes Spiel aber (fast) alle Zweifel überzeugen. Ab und an gehen dem Hochgeschwindigkeitsfanatiker zwar immer noch die Gäule durch und klassische Soli des deutschen Gitarrengottes werden durch ein paar Hundert zusätzliche Noten „veredelt“, andererseits geben auch seine Improvisationen und die von einer ganz anderen Gitarrenschule geprägte Interpretation der alten Tracks dem Abend einen interessanten Aspekt. Und alte Tracks gab es reichlich, auch wenn das Hauptaugenmerk auf der Vorstellung der aktuellen UFO-CD You are here lag. Die Setlist dürfte den meisten gefallen haben, obwohl natürlich selbst bei Granaten wie „Mother Mary“, „Let It Roll“, „These Kids“, „Lights Out“, „Too Hot To Handle“ und den obligatorischen Zugaben „Rock Bottom“ und „Doctor Doctor“ bei einem gewaltigen Backkatalog wie dem UFOs immer noch der eine oder andere Track schmerzlich vermisst wird. Insgesamt ein sehr gelungener Abend, bei dem eine perfekt eingespielte Band tough, professionell und mit viel neu gewonnener Spielfreude selbst Die-Hard-Schenker-Fans (wie mich) überzeugen konnte. In Vinnie Moore haben UFO einen sehr guten Ersatz gefunden.

Wings
Seit November 1999 liefert Nils ("Wings") jährlich Reviews, um die Fahne des wahren METALs hochzuhalten!