ROCK HARD FESTIVAL 2006: Der Bericht

ROCK HARD FESTIVAL 2006: Der Bericht

Das Festival

Freitag, 02. Juni 2006

Engel | Custard | Mercenary | Morgana Lefay

Samstag, 03. Juni 2006

Mystic Prophecy | Legion Of The Damned | Primordial | Caliban |

Brainstorm | Nevermore | Sodom | Bolt Thrower | Celtic Frost

Sonntag, 04. Juni 2006

Crucified Barbara | Volbeat | Gojira | Beyond Fear |

Evergrey | Finntroll | Soilwork | Fates Warning | Edguy | Dio

Das Festival

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Die Festival-Saison beginnt am Pfingstwochenende. Nicht nur für Angehörige der schwarzen Szene, die zu dieser Zeit stets nach Leipzig pilgern, sondern seit einigen Jahren auch für Metalfans jeglicher Couleur. Einst nur ein Jubiläumsfestival, um den zwanzigjährigen Geburtstag des ROCK HARD-Magazins gebührend zu feiern, hat sich das ROCK HARD FESTIVAL schnell etabliert und ist mittlerweile aus der Festival-Landschaft gar nicht mehr wegzudenken als attraktive Alternative zu Massenveranstaltungen wie dem WACKEN OPEN AIR oder dem WITH FULL FORCE.

Auch 2006 war das ROCK HARD FESTIVAL wieder die perfekte Veranstaltung für alle, denen der Sinn stand nach einer ausgewogenen Mischung aus großen Namen, noch eher unbekannten, aber sicherlich bald durchstartenden Talenten sowie herausragenden Bands, die aber nie den großen kommerziellen Durchbruch innerhalb der Metalszene geschafft haben – und natürlich für alle, die darauf Wert legen, möglichst keine Band zu verpassen und sich dennoch zwischendurch eine Ruhepause gönnen zu können. Einmal mehr erwies sich das Gelsenkirchener Amphitheater für diese Zielgruppe als perfekte Festival-Location. Wie schon in den Jahren zuvor nutzte auch dieses Jahr ein Großteil der Besucher die Möglichkeit, sich die Bands von der Tribüne aus im Sitzen zu Gemüte zu führen. Die dadurch entstehende Atmosphäre, die das Publikum den aufspielenden Bands sicherlich als etwas träge erscheinen lässt, ist zwar zunächst einmal gewöhnungsbedürftig, hat aber auch ihren ganz eigenen Reiz und war einmal mehr großartig.

Neben den Bands, die nahezu alle starke Auftritte absolvierten, war es mal wieder das ganze Drumherum, was das ROCK HARD FESTIVAL zum wohl besten, weil entspanntesten Festival machte. Der Campingplatz wurde zwar noch einmal etwas vergrößert, aber selbst vom am weitesten vom Eingang des Festivalgeländes entfernten Ende des Campingplatzes war man immer noch innerhalb weniger Minuten im eigentlichen Amphitheater. Vorbildlich war einmal mehr die Toilettensituation. Zwar musste man diesmal etwas länger anstehen als noch vor zwei oder drei Jahren, doch dafür war die Benutzung der sanitären Anlagen weiterhin kostenlos und deren Zustand die meiste Zeit über gewohnt gut. Schließlich bewegten sich auch noch die Essenspreise auf humanem Festivalniveau. Wenn man ein wenig suchte, konnte man richtig leckeres Essen zu halbwegs sozialen Preisen ergattern. Einzig und allein die Parkplatzsituation gab Anlass zur Kritik: Ein großer Teil des Parkplatzes war schon früh abgesperrt, blieb dann aber bis zum Ende des Festivals unbenutzt, so dass nicht wenige Besucher ihren fahrbaren Untersatz ein gutes Stück entfernt abstellen mussten, zumal auch die direkten Anwohner dazu gelernt hatten und die vor ihren Häusern liegenden Parkplätze mithilfe von Absperrbändern und Mülltonnen verteidigten.

Alles in allem aber war das ROCK HARD FESTIVAL 2006 eine rundum gelungene Veranstaltung, zu der man den Organisatoren nur gratulieren kann.

Freitag, 02. Juni 2006

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ENGEL

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Engel auf dem Rock Hard Festival 2006
Gelungener Festivalauftakt mit modernen Göteborg-Sounds: ENGEL

Sah man einmal von CUSTARD ab, stand der Eröffnungsabend des nunmehr vierten ROCK HARD FESTIVALs ganz im Zeichen Skandinaviens. Angekündigt von Götz Kühnemund, hatten ENGEL die Ehre, als erste Band die kleine Bühne zu betreten – das eigentliche Amphitheater mit dem Blick auf die große Bühne war den Festivalbesuchern erst ab Samstag zugänglich. ENGEL, die sich ganz in schwarz gekleidet im Einheits-Look präsentierten, klangen nicht viel anders, als man es von Ex-Mitgliedern von IN FLAMES und GARDENIAN erwartet hätte. Der moderne Metal mit Schreigesang wie auch cleanen Passagen und ordentlich tiefer gestimmten Gitarren bewegte sich erwartungsgemäß im Fahrwasser neuerer IN FLAMES: nichts Neues also, aber durchaus nett gemacht und aufgrund einiger Mitsing-Parts absolut livetauglich. Beim bereits zahlreich vorhandenen Publikum kam dieser Sound jedenfalls gut an – besonders bei den jüngeren Besuchern, so dass sich in den ersten Reihen auch schnell ein kleiner Moshpit bildete. Aber auch den einen oder anderen vermeintlich engstirnigen Altmetaller konnte man immerhin dabei beobachten, wie er zur Musik mit dem Fuß mitwippte. Die gelegentlichen Stagediving-Versuche einiger allzu begeisterter Fans waren hingegen weniger erfolgreich. Alles in allem legten die Göteborger einen ordentlichen Auftritt hin, die Erfahrung der Musiker merkte man der abgeklärten Show deutlich an. Einziger Schwachpunkt war der cleane Gesang von Frontmann Magnus, der bei den hohen Tönen etwas schwachbrüstig klang. Dennoch ein gelungener Festival-Auftakt. (doomster)

CUSTARD

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Custard auf dem Rock Hard Festival 2006
Heimvorteil, aber musikalisch wenig überzeugend: CUSTARD

CUSTARD standen an diesem Abend zu sechst auf der Bühne, da sie sich von ihrem ehemaligen Gitarristen Karsten Knüppel verabschiedeten, der neue Mann, Carsten Reichart aber natürlich ebenfalls mit von der Partie war, so dass die Fast-Lokalmatadoren dem Publikum mit der geballten Kraft von drei Gitarren einheizten. Der melodische Teutonen-Metal lud die Jungspunde vor der Bühne erneut zu einem Moshpit ein und wurde auch von einem großen Teil der restlichen Anwesenden ordentlich abgefeiert. Ob es am Heimvorteil lag, an den mit Ruhrpott-Charme rübergebrachten Ansagen? Musikalisch jedenfalls war die Darbietung der Band wenig überzeugend. Sänger Guido machte zwar gut Stimmung, war aber nicht gut bei Stimme. Sein Gesang war oft dünn, unsauber und keinesfalls so souverän wie das Auftreten. Auch das wenig originelle Songmaterial, das in den speedigen Passagen etwas zu HELLOWEEN-lastig rüberkam, war nicht wirklich herausragend, so dass der Höhepunkt des Auftritts eindeutig der letzte reguläre Song war, das OVERKILL-Cover „In Union We Stand“, zu dem der gequälte Gesang von Frontmann Gudio interessanterweise wie die Faust aufs Auge passte. Positiv fiel ansonsten nur der gute Sound auf, denn trotz des Einsatzes von drei Gitarren – oft in Form von zweistimmigen Leads, die von einer bratenden Rhythmusgitarre unterlegt wurden – gab es keinen Soundbrei zu verzeichnen. (doomster)

MERCENARY

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Mercenary auf dem Rock Hard Festival 2006
MERCENARY lieferten einen starken, wenn auch nicht überragenden Auftritt.

Als erste Band des diesjährigen ROCK HARD FESTIVALs standen für mich die Dänen MERCENARY auf dem Programm. Auf Tour mit NEVERMORE hatte ich ja wegen der bewährten Unsitte, die erste Band schon deutlich vor dem offiziellen Beginn auf die Bretter zu jagen, nicht viel mit bekommen. Aber das was ich damals hörte hat zumindest gereicht um mich anzufixen und mir das aktuelle Album „11 Dreams“ zuzulegen. Bei ordentlichem Sound, welcher bei einer Band wie MERCENARY ja nicht gerade unwichtig ist, legten die Melodic-Deather mit „reDestructDead“ vom aktuellen Album los. Was auffiel war, dass Sänger Mikkel Sandager bei den hohen Parts nicht immer souverän wirkte. Die Shouts und Growls des Bassisten saßen da schon deutlich besser. MERCENARY konzentrierten sich an diesem Abend sehr auf die „11 Dreams„-Scheibe. Und damit meine ich, dass bis auf einen neuen Song ausschließlich Songs eben jenes Albums gespielt wurden, was sicherlich viele Anhänger des Debütalbums „Everblack“ enttäuscht hat. Das war aber nur ein kleiner Kritikpunkt an einem ansonsten starken, wenn auch nicht überragenden Auftritt, den die Dänen mit dem Titeltrack des „11 Dreams„-Albums beendeten. Hierbei trauten sich dann doch so einige Stagediver auf die Bühne. Die machten sich wahrscheinlich schon mal warm für das, was nun folgen sollte. (agony&ecstasy)

MORGANA LEFAY

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Morgana Lefay auf dem Rock Hard Festival 2006
Mal wieder barfuß unterwegs: MORGANA LEFAY-Bassist Fredrik Lundberg

Auftritte von MORGANA LEFAY sind immer wieder etwas Besonderes, versteht es doch kaum eine andere Band ihr Publikum durch eine solch ungebändigte Spielfreude mitzureißen wie die Power Metal-Veteranen aus Bollnäs. So war es nicht verwunderlich, dass die Schweden, die sich mit ihrem neuen Drummer Pelle Åkerlind präsentierten, bereits während des Umbauens und des kurzen Soundchecks bejubelt und mit Sprechchören empfangen wurden. Die Stimmung steigerte sich natürlich nochmal um ein Vielfaches, als die Band dann endlich loslegte. Musikalisch gab es leider keine großen Überraschungen: Man konzentrierte sich auf einige der stärksten Songs des aktuellen Albums, darunter „My Funeral Is Calling“, „I Roam“, „Angels Deceit“ und „Hollow“, und streute zwischendurch immer wieder Klassiker ein, die schon seit einigen Jahren zu den Live-Standards der Schweden gehören. So fehlten weder die thrashigen „Master Of The Masquerade“ und „In The Court Of The Crimson King“, noch Hymnen wie „Source Of Pain“, „When Gargoyles Fly“ oder „End Of Living“. Das war auf der einen Seite schön, denn all diese Songs haben auch nach unzähligen Konzertbesuchen nichts von ihrer Faszination verloren. Andererseits aber ist es schade, dass die Jungs ihre ersten beiden Alben live schon seit viel zu langer Zeit außen vor lassen.

Egal, denn MORGANA LEFAY waren gut drauf wie immer, ebenso die Fans, mit deren Stagediving-Ambitionen die Crew auf der Bühne ein wenig überfordert war: Die Jungs kamen gar nicht nach, die Leute von der Bühne zu jagen sowie Mikroständer und Monitorboxen wieder in Position zu bringen. Während einer kurzen Pause, die durch eine technische Panne hervorgerufen wurde, übten sich dann auch Sänger Charles und Gitarrist Peter im Crowdsurfen. Als Charles dann zurück auf die Bühne kletterte, konnte nur ein Hinweis von ROCK HARD-Fotograf Axel Jusseit, dass es sich um ein Bandmitglied handle, ein übereifriges Crew-Mitglied daran hindern, den sympathischen Schweden von der Bühne zu schmeißen.

Große Momente gab es dann zum Schluss der Show: Mehrere Minuten ertönten nach „Maleficium“ die „Male-Male-Maleficium“-Chöre der Fans, und als die Band dann nochmal auf die Bühne zurückkehrte, gab sie das ergreifende „The Boon He Gives“ zum Besten – Gänsehaut pur! Den enthusiastischen Reaktionen nach zu urteilen müssten MORGANA LEFAY eigentlich wesentlich mehr Platten verkaufen und hätten durchaus einen Platz auf der Hauptbühne verdient gehabt. (doomster)

Samstag, 03. Juni 2006

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MYSTIC PROPHECY

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Mystic Prophecy auf dem Rock Hard Festival 2006
Spielten vor einem nur spärlich gefüllten Amphitheater – MYSTIC PROPHECY

Man konnte denken, dass sich zu dieser frühen Stunde bereits der Headliner die Ehre gibt. Denn welche Opener-Band fährt schon ein riesiges Backdrop-Banner auf, dass einem von der Größe bereits schwindelig wird? Die symphatischen Power Metaller von MYSTIC PROPHECY natürlich und zeigten damit auch gleich allen Nicht-Power-Metallern dieser Welt, dass sie guten Geschmack bei der Coverauswahl haben, denn das Backdrop zeigte das Cover vom aktuellen Album „Savage Souls„. Und mit dem Album-Opener „Shadows Beyond My Soul“ ging die Band auch gleich in die Vollen. Passend zu den ersten Metalriffs verzog sich auch das Wolkenmeer am Himmel zügigst und der ein oder andere Metalhead vergnügte sich zu den Klängen bereits vor der Bühne. Von einem vollen Amphitheater kann natürlich noch keine Rede sein und auch die Ränge waren nur spärlich besetzt, aber alle Anwesenden zollten der Band gebührenden Respekt. Ansagen von Frontmann und Exil-Grieche R.D. „Lia“ Liapakis waren bei dieser Show Mangelware, was wiederum nicht negativ zu bewerten ist, denn bei einer nur knapp 45-minütigen Spielzeit und einigen noch nicht überzeugten Metalheads, stand die Überzeugungsarbeit mehr im Vordergrund. Neuere Tracks wie „Evil Empires“, aber auch geniale Kracher wie „The Sign Of The Cross“ oder „Mystic Prophecy“, zündeten sofort. Zu dieser Zeit ein voller Erfolg und in der Zukunft hoffentlich auch mit verdient besserer Spielposition zu sehen und zu hören. (Uwe)

LEGION OF THE DAMNED

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Legion Of The Damned auf dem Rock Hard Festival 2006
Zwar nicht innovativ und abwechslungsreich, aber dennoch unterhaltsam: Die Dackelköpfe LEGION OF THE DAMNED

Für mich ging der Samstag mit den Thrashern LEGION OF THE DAMNED los. Die Ex-OCCULTisten konnten mit ihrem Debüt „Malevolent Rapture“ ja bereits ordentlich Staub aufwirbeln. Auch im ROCK HARD wurde die Scheibe sehr gut aufgenommen, so dass es nur logisch war, die Holländer für das Festival zu verpflichten. Eine Entscheidung, die definitiv richtig war, denn am frühen Mittag prügelten sich LEGION OF THE DAMNED, mit druckvollem Sound gesegnet, durch ihre Dreiviertelstunde und luden mit Thrash-Granaten wie „Malevolent Rapture“, „Demonfist“ oder dem abschließenden „Legion Of The Damned“ zum Bangen ein. Da störte es zumindest mich auch nicht weiter, dass sich das eine oder andere Riff im Laufe des Auftritts immer mal wieder anschlich. Klar, die innovativste und abwechslungsreichste Band des Festivals waren LEGION OF THE DAMNED sicherlich nicht. Aber ein unterhaltsames Konzert boten die Männer aus dem Land, das bei der WM mal wieder die frühe Heimreise angetreten hat, auf jeden Fall. (agony&ecstasy)

PRIMORDIAL

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Nach dem Frikandel-Massaker folgte die musikalische 180-Grad-Drehung hin zum theatralischen Pathos-Metal von PRIMORDIAL. Diese wurden als eine der ersten Bands bereits auf dem letztjährigen Festival bestätigt, und seit dem habe ich dem Auftritt der Iren, die ich auf der Tour mit MOURNING BELOVETH und MOONSORROW leider verpasst habe, entgegen gefiebert. Doch als erstes trat ROCK HARD Chefkugel Götz Kühnemund auf die Bühne und richtete das Wort an die Zuschauer. Er bat insbesondere noch einmal darum jegliches rechte Gesocks sofort zu melden damit dieses entfernt werden kann. Leider hatten wohl ein paar geistige Tiefflieger Flyer mit rechter Propaganda auf dem Campinggelände verteilt. Gut, dass die Jungs vom ROCK HARD hier rigoros gegen vorgehen. Doch zurück zu PRIMORDIAL. Eben jene sagte Meister Kühnemund dann auch noch an und überließ dann den Iren die Bühne. Diese waren scheinbar derart motiviert, dass der Opener „The Golden Spiral“ gleich mal in deutlich erhöhter Geschwindigkeit im Vergleich zur Albumversion aus den Boxen gedröhnt kam. Der Sound war während des gesamten Auftritts leider nicht sooo toll. Besonders die Leadgitarre war meist nur sehr leise zu hören. Doch dieses Manko glichen PRIMORDIAL durch eine erstklassige Show aus. Nun ja, eigentlich war es Nemtheanga alleine, der die Show bot. Kein zweiter Sänger mit Ausnahme vielleicht von Warrel Dane (NEVERMORE) lebt seine Texte dermaßen wie der glatzköpfige Frontgaul. Bei anderen würde es vielleicht aufgesetzt wirken, wenn dem Sänger bei einem Song wie „The Coffin Ships“, in dem es um die Millionen von Iren geht, die bei der Übersiedlung nach Amerika ums Leben kamen, die Tränen in den Augen stehen. Doch nicht bei Alan. Hier wirkte keine noch so theatralische Pose, kein verzerrtes Gesicht aufgesetzt. Die Setlist enthielt Aufgrund der Tatsache, dass PRIMORDIAL-Songs im Normalfall recht lang sind, leider nur sechs Stücke, von denen vier vom aktuellen Album stammten. Das flotte „The Song Of The Tomb“ widmete die Band dem verstorbenen BATHORY-Mastermind Quorthon, welcher sicher ein großer Einfluss für PRIMORDIAL war. Neben den Songs von „The Gathering Wilderness“ spielten die Iren zwei der großartigsten Songs in ihrem Repertoire, die beiden überlangen Hymnen „Sons Of The Morrigan“ und das abschließende „Gods To The Godless“. Natürlich kann kaum ein PRIMORDIAL-Fan mit dieser Setlist zufrieden gewesen sein, doch für einen ordentlichen Querschnitt fehlte schlicht die Zeit. Trotzdem hätte man vielleicht ein oder zwei neue Songs weglassen und dafür Essenzielles wie „The Burning Season“, „Graven Idol“ oder den Bandoldie „To Enter Pagan“ spielen können. Aber was meckere ich hier rum, schließlich boten PRIMORDIAL eine hinreißende Performance, zu der mir nur Alans abschließende Worte einfallen: „Some music still comes from the heart!“ Wie wahr… (agony&ecstasy)

Primordial  auf dem Rock Hard Festival 2006
Lebt seine Texte wie kaum ein anderer Sänger: PRIMORDIAL-Frontmann Alan
Setlist PRIMORDIAL


The Golden Spiral

The Gathering Wilderness

Sons Of The Morrigan

The Coffin Ships

The Song Of The Tomb

Gods To The Godless

CALIBAN

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Caliban auf dem Rock Hard Festival 2006
CALIBAN-Frontmann Andy schmeckt das Mikro offenbar sehr gut.

Was für ein Gejammer, Gefluche, Gedisse über CALIBAN und was es sonst so alles aus dem „Ich hab nur 6,66 Lieblingsbands und alle anderen sind scheiße!“-Lager gibt. Wer im Vorfeld das ROCK HARD FESTIVAL-Forum aufmerksam gelesen hat, konnte sich eigentlich nur noch am Kopf fassen und sich erneut über die größer werdende Metalignoranz dieser Tage aufregen. Aber was soll’s, ist wohl doch die größte Zeitverschwendung der Welt sich mit solchen Individuen auseinanderzusetzen. Gespannt war man also, wie die Ruhrgebiet-Jungens denn schlussendlich ankommen. Kurz gesagt: Es war ein voller Erfolg! Zu den ersten Moshparts strömten Fans aus allen Altersgruppen vor die Bühne und feierten CALIBAN euphorisch ab. Der Sound war perfekt und geboten wurde vieles vom aktuellen „The Undying Darkness„-Album und dem Vorgänger „The Opposite From Within„. Im Amphitheater kamen die Tracks sogar noch eine Spur härter rüber als auf Platte, konnten dadurch aber umso mehr überzeugen. Das zeigte die jubelnde Meute vor der Bühne, die sich auch des öfteren in kleineren oder größeren Moshpits wiederfand, als auch die Band selbst, die sich ihre Freude nicht mehr verkneifen konnte und größtenteils mit strahlenden Gesichtern über die Bretter fegte. Einziger Kritikpunkt (jaja, wird immer wieder angesprochen) bleibt der cleane Gesang von Gitarrist Denis. In der Live-Wahrnehmung hat er sich um einiges verbessert, es klingt aber immer noch nicht annähernd wie auf Platte. Außerdem wirkt er dabei immer noch sehr verkrampft. Abhilfe könnten zukünftig die Fans schaffen. Wie zum Beispiel Ende 2005 im Herforder X gesehen und gehört: Ein CALIBAN-Fan erklimmt bei „My Little Secret“ die Bühne und trällert mehr als professionell die cleanen Parts in das Mikrofon. Das war perfekt und sollte Schule machen… Egal, mit Tracks wie „It’s Our Burden To Bleed“, „The Beloved And The Hatred“, „I Rape Myself“, „My Little Secret“ und einigen mehr waren CALIBAN einer der klaren Gewinner des Tages und beendeten ihren Gig mit dem passenden „Goodbye“. (Uwe)

BRAINSTORM

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Brainstorm auf dem Rock Hard Festival 2006
BRAINSTORM-Sänger Andy B. Franck überzeugte durch sein energiegeladenes Stageacting.

Nach dem kurzen Ausflug in modernere Gefilde gab es direkt Anschluss wieder Kost für Traditionsmetaller. BRAINSTORM zockten ihren gutklassigen, melodischen Power Metal routiniert herunter, und während die Instrumentenfraktion sich nicht besonders beweglich zeigte, war es an Sänger Andy B. Franck, die Leute mit seinem sehr aktiven Stageacting in Stimmung zu bringen. Die Energie, die er versprühte, übertrug sich dann auch schnell auf das Publikum, wozu Aktionen wie das Hinunterklettern von der Bühne in den Fotograben während des „Metus Mortis„-Klassikers „Blind Suffering“ sicher auch ihren Teil beitrugen. Einzig die wiederholte Frage „Habt ihr Spaß?“, bis die Antwort der Fans endlich laut genug war, war dann doch eher nervig. Der der Frontmann aber außerordentlich gut bei Stimme war und die Band zudem eine ganze Reihe hochwertiger Songs in petto hatte, konnten BRAINSTORM insgesamt dennoch überzeugen. So sangen die Fans den Refrain des abschließenden „All Those Words“ noch eine ganze Zeit lang, nachdem die letzten Klänge von der Bühne verstummt waren, und forderten anschließend eine Zugabe. Dass es zu einer solchen nicht kam, sollte angesichts der Position der Band im Billing klar sein. Unterbrochen wurde der BRAINSTORM-Gig übrigens von einem Heiratsantrag, den ein Fan seiner Angebeteten auf der Bühne, also vor tausenden von Zeugen machte. Eine wirkliche Chance, „Nein“ zu sagen, hatte die Dame so natürlich nicht… (doomster)

NEVERMORE

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NEVERMORE mussten, wie bereits angekündigt, auf ihren zweiten Gitarristen Steve Smyth verzichten, da dieser unter einem Nierenfehler leidet. Die Ausnahmeband aus Seattle machte aber das Beste aus der Situation, und so richtig vermisste man die zweite Gitarre während des Auftritts gar nicht. Es fehlten zwar eine Reihe von Harmonien, doch der Sound war enorm druckvoll, auch in den Solopassagen des technisch gewohnt perfekt aufspielenden Jeff Loomis. Während Loomis und Bassist Jim Shepphard haareschüttelnd, aber ansonsten verhältnismäßig wenig beweglich das hoch anspruchsvolle Material darboten, sprang der mal wie mit einer Kappe bekleidete Warrel Dane hyperaktiv auf der Bühne herum, dass es eine wahre Freude war. Vor der Bühne nahm man unterdessen Granaten wie „The Final Product“, „Engines Of Hate“ oder „The Seven Tongues Of God“ dankbar entgegen. Das von Warrel Dane in der Ansage zu „Enemies Of Reality“ geforderte Chaos blieb aber dann doch aus. Wo sich bei manch einem früheren NEVERMORE-Festivalauftritt ein riesiger Moshpit bildete und die Leute regelrecht ausrasteten, ging es diesmal recht gesittet zu – das Publikum beschränkte sich darauf, das Haupthaar zu schütteln oder einfach nur zu staunen und die Band nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Nach dem brutalen, und doch melodischen „Born“ war recht plötzlich Schluss, und das Publikum machte auch gar nicht erst Anstalten, laut eine Zugabe zu fordern. Ein gewohnt guter Auftritt der Band auf sehr hohem Niveau. Schade nur, dass man auf Songs des Debütalbums mal wieder verzichtete, von alten SANCTUARY-Klassikern ganz zu schweigen. (doomster)

Nevermore  auf dem Rock Hard Festival 2006
Einmal mehr eine Klasse für sich: Warrel Dane und NEVERMORE

SODOM

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Sodom auf dem Rock Hard Festival 2006
SODOM-Gitarrist Bernemann stand direkt im Anschluss noch mit RANDALICA auf der Bühne.

Während der NEVERMORE-Auftritt aufgrund benebelten Kopfes noch etwas unklar an mir vorüber zog, war die Rübe zu SODOM wieder klar und einsatzbereit. Und das Ruhrpott-Trio legte beflügelt durch das Heimspiel los wie die Feuerwehr. Mit „Blood On Your Lips“ vom aktuellen Album ging es los. Die angekündigte „spektakuläre Pyro-Show“ würde ich mal als grundsolide bezeichnen, aber das tut nichts zur Sache. Thrash-Metal braucht keinen Hype und kein Brimborium. Und so ballerten sich SODOM durch weitere neue Songs wie „Axis Of Evil“ und Buried In The Justice Ground“, bedachten das „M-16“ Album mit dem Mitgröler „Napalm In The Morning“ und dem beinharten „Among The Weirdcong“ und beglückten uns mit Klassikern wie „The Saw Is The Law“, „Sodomized“, „Ausgebombt“, dem geilen „Remember The Fallen“ und dem abschließenden „Bombenhagel“. Tom Angelripper war bestens aufgelegt. Keine Spur von einer gewissen Verbitterung, die sich in einem Interview einige Wochen vor dem Festival noch angedeutet hatte, welches wohl mit ein Grund dafür war, dass SODOM spontan noch auf dem ROCK HARD FESTIVAL spielten. Definitiv eine gute Entscheidung, denn der Auftritt der drei Thrasher war makellos. Des Weiteren sollte es ja noch eine Überraschung beim SODOM-Gig geben. Ich hatte mit ein paar Ex-Mitgliedern oder ähnlichem gerechnet, aber es sollte ganz anders kommen. Denn schließlich erlangten Bobby und Bernemann ihren Weltstarruhm nicht nur durch die Arbeit mit SODOM, sondern vor allem durch das Mitwirken an einer ganz anderen Perle des Ruhrpottmetals. Genau, die Rede ist von RANDALICA, der Mitte der Neunziger zum Spaß vom ROCK HARD gebildeten Hau-Ruck-Combo, die es mit „Knast, Tod oder Rock´n Roll“ immerhin auf einen Longplayer brachte. Und so betrat ROCK HARD Chefredakteur Götz Kühnemund im Anzug mit den restlichen RANDALICA-Schergen (unter anderem noch Frank Albrecht) die Bühne und unterhielt das Publikum mit einem aus drei Songs bestehenden Kurzgig. Um die Ohren gehauen bekamen wir den Evergreen „Tote Auffe Tanzfläche“, „Nach Uns Die Sintflut“ und „Potent, Willig und Solo“. Das musikalische Niveau lag hier sicherlich eher am unteren Rand, aber unterhaltsam war das Ganze auf jeden Fall. Und bei keiner anderen Band flog dermaßen viel Unterwäsche aus dem Auditorium in Richtung Bühne. Sehr witzig, Überraschung definitiv gelungen! (agony&ecstasy)

BOLT THROWER

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Bolt Thrower auf dem Rock Hard Festival 2006
Durften wegen der ausfallenden CELTIC FROST-Show deutlich länger spielen als geplant: BOLT THROWER

Frontbericht von Gefreitem agony&ecstasy: Der Spähtrupp SODOM, verstärkt durch das RANDALICA Geschwader, hatte das Schlachtfeld bei einsetzendem Niederschlag bereits ausgekundschaftet und bereitete die Ankunft der Hauptstreitmacht vor. Durch den Regen hatte sich zwischenzeitlich einiges an Zivilisten vom Schlachtfeld verzogen. Doch als das Intro, welches die Ankunft der schweren Kriegsmaschinerie vorbereitete, kurz nach der Ansage durch Feldwebel Frank Albrecht erklang, kam man wieder aus den Schützengräben zurück gekrochen. Und dann, mit leichter Verspätung, setze der vierte Kreuzzug ein. Dunkelheit brach über das Schlachtfeld herein. „Mercenary“! Die Söldner stürmen heran und schicken dem Feind erste Salven entgegen. Nachdem mit „Entrenched“, dem mächtigen „Those Once Loyal“ und „Anti Tank“ die neuesten Errungenschaften der britischen Streitmacht erfolgreich eingesetzt werden, kommen die beiden Veteranen „World Eater“ und Cenotaph“ wie immer im Verband zum Einsatz. Es folgten mit „Inside The Wire“ und dem großartigen „The Killchain“ wieder neuere Kriegswerkzeuge, welche ihren Zweck jedoch genau so gut erfüllten wie die altgedienten. Die letzte Angriffswelle der Hauptoffensive wurde mit zwei weiteren Songs vom „Mercenary“-Album bestritten. Jeglicher Widerstand war gebrochen.

Der erste Teil der Schlacht war geschlagen und eigentlich stand der Sieger bereits fest. Doch galt es nun noch die letzten Widerstandsnester auszuheben. Wer könnte hierfür besser geeignet sein als der „Warmaster“? Unterstützt wurde der große Krieger durch die bisher noch nie im Feldeinsatz erprobte neue Waffe namens „Salvo“. Mit einem mächtigen „THERE IS NO SHELTER FROM THE STEEL RAIN“ wurde auch der letzte Gegner niedergestreckt, so dass es, als die Kanonen verklangen, nur heißen konnte: „For Victory“! (agony&ecstasy)

Setlist BOLT THROWER


4th Crusade
Mercenary
Entrenched
Those Once Loyal
Anti Tank
World Eater/Cenotaph
Inside The Wire
The Killchain
Powder Burns
No Guts, No Glory

At First Light
Warmaster
Salvo
When Cannons Fade

For Victory

CELTIC FROST

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BOLT THROWER hatten mit ihrem Auftritt den Boden für den Headliner bereitet. Doch es sollte leider anders kommen. Direkt nachdem die Briten die Bühne verlassen hatten, betrat Götz Kühnemund mit CELTIC FROST-Bassist Martin Eric Ain die Bühne und verkündete die traurige Nachricht: Tom Warrior hatte kurz vorher eine Nierenkolik erlitten und musste umgehend ins Krankenhaus eingeliefert werden. Somit würde der CELTIC FROST-Gig ins Wasser fallen. Als kleinen Trost konnte man in Form von NEVERMORE, SOILWORK, BRAINSTORM und SODOM vier Bands gewinnen, die sich spontan dazu bereit erklärten noch ein paar Songs zu spielen. Sicher kein Ersatz für die Schweizer Legende, aber immerhin besser als nichts.

Als erster Notstopfen durften NEVERMORE die Bühne betreten. Hier kam es zu einem Gastauftritt von SOILWORK-Frontmann Strid, der bei „Inside Four Walls“ ein paar Vocals zum Besten gab, die allerdings nicht so richtig bis ins Publikum durchdrangen. War aber auch nicht weiter schlimm. Es folgten „Never Purify“ und der Titeltrack des „Dead Heart In A Dead World“-Albums. An sich ein klasse Auftritt der Seattle-Metaller, aber wenn man schon SANCTUARY-T-Shirts zum Verkauf anbietet, könnte man doch auch mal wieder einen Song des NEVERMORE-Vorgängers zocken, oder?

Es folgten SOILWORK. Hier revangierte sich Warrel Dane umgehend für den Gastauftritt von Strid zuvor. Ansonsten konnten SOILWORK aber nicht annähernd mit der Qualität der NEVERMORE-Darbietung mithalten. Ob es nur daran lag, dass der Keyboarder fehlte? Oder lag es daran, dass Teile der Band wohl nicht mehr so vollkommen nüchtern waren? Mir jedenfalls liefen die neueren Songs so gar nicht rein. Lediglich „Rejection Role“ wusste zu gefallen. Insgesamt kamen SOILWORK mit ihrem Kurzauftritt aber gut beim Publikum an.

Als dritter CELTIC FROST-Ersatz durften die deutschen Power-Metaller BRAINSTORM die Bühne entern. Das traf sich sehr gut, da ich den nachmittäglichen Auftritt der Mannen um Andy B. Frank habe ausfallen lassen. So kam ich wenigstens in den Genuss eines hervorragenden Drei-Song-Sets, welches die Band mit „Inside The Monster“ eröffnete, gefolgt von „Fornever“. Andy wirkte trotz fortgeschrittener Stunde noch wie das blühende Leben. Da merkte man, wer sich nach der Show wohl eher nicht den Kopf zu geknallt hat.

Die letzten im Bunde waren heute Abend SODOM. So kam Tom Angelripper nach seinem kleinen Verbalaffront also tatsächlich zu einem Headliner-Auftritt beim ROCK HARD FESTIVAL. Dieser war zwar mit ebenfalls drei Songs nur sehr kurz, aber dafür bekam man eine äußerst abwechslungsreiche Zusammenstellung präsentiert. Nach der SODOM-Nummer „Der Wachturm“ folgte die ONKEL TOM-Saufnummer „Es gibt kein Bier auf Hawaii“, auf welche ich auch hätte verzichten können. Das Ende wiederum bildete mit „Ace Of Spades“ ein MOTÖRHEAD Cover, welches die Stimmung noch mal mächtig anhob. Also: Alles richtig gemacht Tom! (agony&ecstasy)

Sonntag, 04. Juni 2006

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CRUCIFIED BARBARA

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Crucified Barbara auf dem Rock Hard Festival 2006
Bewiesen, dass ihr Aussehen nicht ihr einziger Selling Point ist: CRUCIFIED BARBARA

Am nächsten morgen rief einen der Blick auf die Uhr zur Eile. Schließlich durften CRUCIFIED BARBARA zur mitternächtlichen Zeit von 11:15 Uhr auf die Bühne. Dementsprechend waren auch erst mal nicht all zu viele Leute da, als die vier äußerst hübschen Schwedinnen zum Intro vom Band die Bühne betraten und alle Blicke auf sich zogen. Ganz klar, hier könnte man schnell auf die Idee kommen, dass diese Band nur einen einzigen Selling Point hat: Hübsche Musikerinnen. Doch damit würde man CRUCIFIED BARBARA definitiv Unrecht tun. Das bewiesen die vier Mädels in den folgenden 45 Minuten mit Nachdruck. Schon nach wenigen Sekunden war man hin und her gerissen zwischen Glotzen und Bangen. Und es wurde voller im Rund. Im Verlauf des Auftritts fanden sich immer mehr Leute im Amphitheater ein, um den starken Heavy Rock-Nummern des Debütalbums „In Distortion We Trust“ zu lauschen. Und dass die Mädels waschechte Rocker-Bräute sind, bewiesen sie durch ausdauerndes Bangen und immer wieder gezeigte „horns“. Oh ja, diese Band macht verdammt viel Spaß! Und als CRUCIFIED BARBARA mit der sehr gut umgesetzten MOTÖRHEAD-Nummer „Killed By Death“ ihren Auftritt beendeten, hatten sie auf ganzer Linie gewonnen. GIRL SCHOOL können sich beruhigt zurücklehnen. Der Nachwuchs ist da. Und er rockt! (agony&ecstasy)

VOLBEAT

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Volbeat auf dem Rock Hard Festival 2006
Voluminöse Stimme und hinterhältige Psycho-Tricks: Michael Poulsen und VOLBEAT

VOLBEAT waren – zumindest was das männliche Publikum angeht – im Vergleich zu CRUCIFIED BARBARA natürlich rein optisch im Nachteil, mussten also alleine durch ihre Musik und ihr Stageacting überzeugen. Das gelang den Dänen mit ihrer Mischung aus Heavy Rock/Metal und einer gehörigen Portion Rock’n’Roll allerdings sehr gut. Zwar präsentierte sich Bassist Anders Kjølholm als etwas bewegungsmüder und stellenweise gelangweilt wirkender Zeitgenosse, während Michael Poulsen, Sänger und einer der Gitarristen der Band, natürlich am Mikroständer klebte, so dass die Performance insgesamt etwas lahm war. Ganz im Kontrast dazu stand jedoch die kraftvolle und nach vorne gehende Musik der schwer tätowierten Jungs, die einfach gute Laune verbreitete und den Nerv des Publikums traf. Die Folge: Immer wieder VOLBEAT-Sprechchöre zwischen den Songs. Die Dänen wussten aber auch, wie man die Sympathien von Metalfans gewinnen kann – man baue einfach in einen Song das altbekannte Riff von SLAYERs „Raining Blood“ ein. Das offenbar konditionierte Publikum sprang jedenfalls umgehend darauf an wie der Pawlowsche Hund auf den Glockenton. VOLBEAT konnten aber auch ohne derartig hinterhältige Psycho-Tricks überzeugen: Sänger Michael Poulsen mit seiner voluminösen, mittelhohen und klaren Stimme und die gesamte Band mit einem abwechslungsreichen Programm: mal melodisch, mal riffbetont, mal höllisch groovend, mal im Midtempo-Schunkelrhythmus oder speedig, deckten die Dänen mit dem lustigen Bandnamen die volle Bandbreite ab. Als kleines Schmankerl gab es zum Schluss noch einen ganz alten Gassenhauer zu hören: „I Only Wanna Be With You“ von den BAY CITY ROLLERS. (doomster)

GOJIRA

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Für mich persönlich steht das ROCK HARD-Festival unter anderem dadurch in der Top-Ten Open-Air-Liste ganz oben, dass es die Veranstalter immer wieder schaffen neue Bands am Start zu haben, die in anderen Ländern bereits Kultstatus besitzen, mehr als 1000 Personen pro Konzert ziehen und in Deutschland bisher noch nie präsent waren. GOJIRA aus Frankreich zählen hundertprozentig zu diesen Bands und teilten das auch gleich – nach einem ‚Wal‘-Intro und dem ersten Track – der anwesenden Metalwelt in Gelsenkirchen mit: „We are GOJIRA, this is our first time in Germany!“. Auf den Rängen sah man anfangs einige baffe Gesichter, was die Franzosen denn dort unten auf der Bühne so treiben, aber mit zunehmender Spielzeit zeigten sich auch diese mehr und mehr interessiert an der Band. Technischer Death Metal ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, GOJIRA verstehen es aber diesen anders zu verpacken und vor allen Dingen gekonnter und symphatischer zu präsentieren. Da wird auf der Bühne mit vollem Körpereinsatz gewütet, propellermäßig und synchron das Haar geschwengt und eine hundertstel Sekeunde später still gestanden und entspannt Ruhe ausgestrahlt – getoppt von Percussion-Klängen zwischen den Tracks. Perfekt! Und da mehren sich auch die verdienten GOJIRA-Rufe, die gar nicht mehr enden wollen. Früher (für mich Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger Jahre) waren Schlagzeugsoli ein fester Bestandteil eines Konzertes. Das bekommt man heutzutage kaum mehr geboten. GOJIRA führten das auf ihre Art wieder ein, denn Schlagzeuger Mario hat’s drauf, ist bereits während der regulären Tracks ein Hingucker und ballert auch im Alleingang alles in Grund und Boden. Schwerpunkt waren natürlich Stücke vom aktuellen Album „From Mars to Sirius“ und eines der besten Stücke des Tages, „Love“, wurde mit „A song about universal power“ angekündigt. Mein Tip für die Sommer 2006 Festivalgänger! Mehr gibt es nicht zu sagen. (Uwe)

Gojira  auf dem Rock Hard Festival 2006
Sorgten mit ihrem technischen Death Metal auf den Rängen für einige baffe Gesichter: GOJIRA

BEYOND FEAR

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Beyond Fear auf dem Rock Hard Festival 2006
Stimmlich bestens aufgelegt: BEYOND FEAR-Frontmann Tim „Ripper“ Owens

Die Spannung war groß vor dem Auftritt der neuen Band von Tim „Ripper“ Owens. Der erste Höreindruck des BEYOND FEARErstlings konnte mich noch nicht aus den Socken hauen, so dass ich dem Auftritt mit gemischten Gefühlen entgegen ging. Dies sollte sich jedoch recht schnell als unbegründet herausstellen. Zwar ist auf dem Debüt der Band sicherlich nicht alles Gold was glänzt, aber ein paar ordentliche Metal-Brocken haben BEYOND FEAR durchaus auf Lager. Des Weiteren wären ja da noch Vergangenheit und weitere Gegenwart des Rippers. Und so dauerte es nicht all zu lange bis mit „Burn In Hell“ und vor allem dem überragenden „Bloodstained“ Songs aus dem JUDAS PRIEST-Intermezzo von Tim Owens zum Besten gegeben wurden. Auch einen Song aus der Halford-Ära spendierte der Ripper dem Gelsenkirchener Publikum. Dass die Wahl aber ausgerechnet auf „The Green Manalishi“ fiel überraschte und enttäuschte mich dann wiederum ein wenig. Nicht dass der Song schlecht wäre, aber da haben PRIEST doch wirklich noch ganz andere Gassenhauer auf Lager – auch im zweiten Glied. Seiner Tätigkeit als Sänger bei ICED EARTH wurde Tim Owens durch das spielen von „Red Baron – Blue Max“, einem der besseren Songs des letzten ICED EARTHAlbums gerecht. Doch wo die Zukunft für BEYOND FEAR liegt, zeigten der Ripper und seine Mitstreiter mit dem abschließenden „Scream Machine“, dem besten Song des BEYOND FEARDebüts. Wenn auf dem nächsten Album noch mehr Songs dieses Kalibers stehen, können wir uns warm anziehen. Das Gebiet Stageacting betrieb der stimmlich bestens aufgelegte Ripper größtenteils alleine und irritierte hierbei mit Schattenboxen. Unterstützung bekam er zumindest von seinem Bassisten, während der langhaarige Gitarrist erst bei „Coming At You“ die andere Hälfte der Bühne erkundschaftete. Ansonsten sorgte zumindest eine Monitorbox für Bewegung, die soviel metallischer Präsenz wohl nicht gewachsen war und in einem gewagten Suizid-Versuch zwei Meter in die Tiefe Richtung Bühnenboden stürzte. Insgesamt ein guter Auftritt einer Band, die definitiv ihre Daseinsberechtigung hat. Viel besser als ich erwartet hatte! (agony&ecstasy)

EVERGREY

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Evergrey auf dem Rock Hard Festival 2006
Der EVERGREY-Auftritt war mal wieder geprägt durch technische Probleme.

Technische Probleme gab es bei Festivalauftritten von EVERGREY auch in der Vergangenheit schon. Auch diesmal sollte nicht alles glatt über die Bühne gehen und die Jungs um Mastermind Tom Englund hatten mit Problemen mit den Drums zu kämpfen, welche sie durch einen spontan ins Set eingefügten Song überbrückten, bei dem Englund nur vom Piano begleitet wurde. Darüber hinaus zeigte sich der Schwede in den Ansagen ungewohnt redselig, wenn das, was da aus seinem Mund hervorsprudelte auch manchmal etwas wirr oder kaum verständlich war. Selbstbeweihräucherungen wie „I think we were pretty good – especially me“, auch sie vielleicht nicht ernst gemeint waren, kamen allerdings nicht so gut an – wo die leichte Arroganz bei NEVERMORE-Sänger Warrel Dane einfach dazu gehört, hinterließ Tom Englund mit derlei Gebaren eher einen unsympathischen Eindruck. Das war vielleicht auch ein Grund, warum während des Auftritts der Schweden der berühmte Funke nicht so recht überspringen wollte – neben der Songauswahl: Zwar machte man nicht den Fehler, sich auf das schwache neue Album zu konzentrieren und präsentierte stattdessen Perlen wie „Mark Of The Triangle“, „A Touch Of Blessing“ oder „Recreation Day“. Vielleicht hatte der Auftritt aber einfach zu viele ruhige Momente, denn neben den spontan eingebauten Piano-Song gab es mit „I’m Sorry“ noch eine weitere Ballade zu hören. Das mag zuhause oder bei einem Club-Gig Wirkung zeigen, war aber nicht die beste Entscheidung für ein Open Air-Festival. (doomster)

FINNTROLL

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Finntroll auf dem Rock Hard Festival 2006
Präsentierten sich nicht bester Verfassung: FINNTROLL

Die Band, die nun folgen sollte, wurde zur allgemeinen Belustigung von Bruder Clé angesagt, der sich aufgrund einer verlorenen Wette in einem albernen Hasenkostüm auf die Bühne begeben musste. Angesichts der herrschenden Temperaturen war dies sicherlich keine angenehme Gelegenheit, von der Schmach ganz abgesehen. Vor einem guten halben Jahr trennten sich FINNTROLL von ihrem schwergewichtigen Frontmann Wilska – für seinen Nachfolger Vreth, der sich nicht nur als sehr jugendlich aussehender, sondern im Kontrast zu seinem Vorgänger als richtig schmächtiger Zeitgenosse entpuppte, sollte dies der erste Auftritt werden. Man durfte also gespannt sein, wie sich der Neue schlagen würde. Durch die wenig beeindruckende Statur war es für Vreth natürlich nicht leicht, eine an seinen Vorgänger heranreichende Bühnenpräsenz zu zeigen. Die Kriegsbemalung, in der sich die komplette Band präsentierte, machte zwar optisch einiges her, konnte dieses Defizit aber nicht gänzlich ausgleichen. Hinzu kam, dass man Vreth seine Nervosität durch sein Auftreten deutlich anmerkte und es ihm durch seine in schlechtem, kaum verständlichem Englisch vorgetragenen Ansagen nicht besonders gut gelang, mit dem Publikum zu kommunizieren. Rein musikalisch machte er seine Sache hingegen ganz passabel, wenn auch nicht so überzeugend wie sein Vorgänger. Wo letzterer in sein Gebrüll auch immer eine melodische Komponente integrierte, beschränkte sich Vreth auf ziemlich monotones Gekreische, die Melodien kamen somit allein von den Keyboards. Da FINNTROLL aber mit ziemlichen Soundproblemen zu kämpfen hatten, fiel es teilweise gar nicht leicht, manche Songs zu identifizieren. Dem Publikum war das alles offenbar egal: Zu Hits wie „Trollhammaren“, Nattfödd“ oder „Jaktens Tid“ würde fröhlich gemosht und getanzt, und auch die Crowdsurfer hatten ihre helle Freude am Auftritt der Finnen. Dennoch: Man hat die Band schon in deutlich stärkerer Verfassung erlebt. (doomster)

SOILWORK

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Nach dem äußerst mäßigen Kurzauftritt der vergangenen Nacht war meine Lust auf SOILWORK nicht mehr all zu groß. Aber es ist doch immer wieder schön, wenn eine Band einen mit einer starken Performance recht zügig sämtliche Vorbehalte über Bord werfen lässt. Auf dem ersten ROCK HARD FESTIVAL standen SOILWORK ebenfalls auf dem Billing. Der damalige Auftritt war allerdings stimmungsmäßig ziemlich mäßig. Seitdem ist natürlich viel passiert. So hat die Band einen ungeheuren Popularitätsschub erhalten und ist auch selbstsicherer geworden. Aktivposten bei den SOILWORKern sind natürlich Frontmann Strid und Basser Ola Flink. Letzterer hampelte auf der Bühne herum, als wären die Drogen und der Alk letzte Nacht entweder verdammt gut oder verdammt schlecht gewesen. Normal is der jedenfalls nicht… Das Publikum fraß den Schweden, die sich zu einer verdammt starken Live-Band entwickelt haben, jedenfalls aus der Hand und SOILWORK hatten kein Problem damit, die gute Stimmung des vorangegangenen FINNTROLL-Auftrittes zu halten. Mit dem großartigen „As We Speak“ beendeten SOILWORK einen klasse Auftritt. (agony&ecstasy)

Soilwork  auf dem Rock Hard Festival 2006
Verzichtete auf das obligatorische Ferrari-Hemd: SOILWORK-Sänger Björn Strid

FATES WARNING

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Fates Warning auf dem Rock Hard Festival 2006
Freute sich tierisch darauf, zum ersten Mal in seinem Leben DIO live zu sehen: FATES WARNING-Frontmann Ray Alder

Pünktlich um 20 Uhr kam dann der große Moment für alle Prog-Fans: FATES WARNING betraten die Bühne und begannen mit dem flotten und höllisch groovenden „One“ vom „Disconnected„-Album eine Show, die ohne Zweifel zu den musikalischen Höhepunkten des Festivals gehörte. Es gibt wohl nicht viele Schlagzeuger, die in der Lage sind, den ausgestiegenen Mark Zonder würdig zu vertreten – SPOCK´S BEARD-Drummer Nick D`Virgilio, der zusammen mit Ex-Gitarrist Frank Aresti die zum Trio geschrumpfte Truppe unterstützte, ist einer von ihnen. Von der ersten Sekunde an war Magie in der Luft, als die Ausnahmemusiker loslegten und die Wahnsinnsstimme von Ray Alder erklang. Leider hatten sich nur erschreckend wenige Leute vor die Bühne begeben, um dem Auftritt der Amis beizuwohnen. Das ist einerseits kein Wunder, denn was man nun zu hören bekam, war mit Abstand das Anspruchsvollste, was das Festival dieses Jahr zu bieten hatte und zu vorgerückter Stunde manch einem sicherlich zu anstrengend. Andererseits wurde jedoch sehr deutlich, wie gut die Band die Kunst beherrscht, bei allen rhythmischen Vertracktheiten, die in den Details stecken, dies einem zwingenden Groove unterzuordnen, so dass die Musik trotz allem hervorragend zum Mitgehen geeignet war. Die vorhandenen Fans feierten die Prog-Institution deshalb umso mehr ab und konnten sich über Perlen wie „A Pleasant Shade Of Grey (Part III), das eingängige und moderne „Simple Human“ vom aktuellen Album oder den ausladenden „Parallels„-Klassiker „The Eleventh Hour“ freuen. Obgleich die Band, die – wie ansonsten auf diesem Festival allenfalls noch NEVERMORE – Maßstäbe in Sachen technischer Perfektion setzte, wirkte die Musik niemals seelenlos: der Verdient von Ray Alder, der nicht nur während der Songs starke Emotionen rüberbrachte, sondern durch seine bescheidene und natürliche Art verdammt sympathisch rüberkam. So erzählte er, wie sehr er sich auf den noch folgenden Auftritt von DIO freute, da er diesen noch nie live gesehen habe – und was bei manch anderem vielleicht wie ein locker dahergesagter Spruch rüberkäme, um die Sympathien des Publikums zu gewinnen, nahm man Ray Alder einfach ab. Dass dieser gesanglich auch ganz anders kann als von ihm gewohnt, bewiesen FATES WARNING dann noch mit einem überraschenden Cover des alten SCORPIONS-Songs „He’s A Woman, She’s A Man“, mit dem sie einen fantastischen Auftritt beendeten, um unter verdienten Zugaberufen die Bühne zu räumen. (doomster)

EDGUY

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Edguy auf dem Rock Hard Festival 2006
Hatte offensichtlich eine Menge Spaß: EDGUY-Bassist Tobias Exxel

EDGUY hatten als erste Band des Festivals einen richtigen Bühnenaufbau dabei. Abgesehen vom Backdrop gab es die von der Tour bekannten Stufen links und rechts neben dem Drumriser und den ebenfalls bekannten Gargoyle dahinter. Mit dem üblichen „Ladies and gentlemen, welcome to the freakshow“ stürmten die EDGUYs die Bühne und legten mit dem spaßigen „Lavatory Love Machine“ los. Tobias Sammet hat ja seine heiß geliebte Kuhhose inzwischen eingemottet, aber so ganz ohne geht’s anscheinend doch nicht bei EDGUY, und so trug der inzwischen kurzhaarige Felix Bohnke immerhin ein Kuh-T-Shirt. Gewisse Traditionen müssen halt gewahrt werden… ähm…
Es folgte mit „Babylon“ der erste und leider auch einzige Song von „Theater Of Salvation“ und natürlich der erste Mitsingpart. Das folgende „Fucking With Fire“ kündigte Tobi dann mal als Song für alle geilen Leute an. Wie auch immer, der Song rockte live, mit deutlich fetteren Gitarren, noch mal eine ganze Ecke besser als auf dem letzten Studiooutput. Das anschließend angestimmte „Es gibt nur einen Rudi Völler“ kann so kurz vor der WM wohl nur als leise Kritik am aktuellen Trainer gewertet werden, oder? Gut dass Jürgen Klinsmann seine Kritiker gerade Lügen straft und mit der deutschen Elf bisher sehr souverän agiert. Aber was weiß ein Bayern-Fan wie Sammet schon von Fußball? Mit „Sacrifice“ folgte ein weiterer Song des aktuellen Albums gefolgt von „Fairytale“. Bei „Tears Of A Mandrake“ gab es außer einem weiteren Mitsingpart einen Sprung von Jens Ludwig samt Gitarre von der obersten Stufe des Podestes zu sehen. Der Hyperaktivste an diesem Abend war aber mal wieder Hampelmann Tobias Sammet. Neben seinen berühmten Spagatsprüngen lieferte er mit unzähligen High-Kicks und Hampelmännern das komplette Fitness-Workout an diesem Abend gleich mit. Man, muss der Hummeln im Hintern haben. Beim folgenden „Save Me“ (der Song für Frauen und Schwule) ging es dann etwas ruhiger zu. Schön, dass es EDGUY endlich mal wieder geschafft haben, eine richtig gute Ballade an den Start zu bringen. Hier bedankte sich Tobis Sammet auch noch bei den Machern des Festivals, die ihn im Festivalplaner freundlicherweise mit der Bezeichnung „Fronteunuch“ versehen haben. Ich lasse das jetzt mal so stehen. Mit dem folgenden „Out Of Control“ lösten EDGUY nicht nur bei mir endlose Begeisterung aus. Dieses absolute Highlight der Bandgeschichte hab ich schon auf der Tour in Köln sehr vermisst. Gut, dass EDGUY einen ihrer besten Songs nicht vergessen haben. An Bühnenshow hatte man bisher schon einiges aufgefahren, aber auf die äußerst kitschigen Banner mit allerlei putzigem Getier, die zu „Superheroes“ links und rechts herabgelassen wurden, hätte man auch verzichten können. Beim folgenden „Mysteria“ wiederum kam dann endlich der Gargoyle zum Einsatz, der schon den ganzen Gig hinter Felix Bohnkes Schlagzeug gewartet hatte. Mit „Vain Glory Opera“ beendeten EDGUY standesgemäß ihren Auftritt und schafften es sogar die Stimmung derart hoch zu treiben, dass sich eine lange Polonaise im Publikum bildete. Ja, EDGUY haben sich über die Jahre zu einer verdammt unterhaltsamen und immer besseren Liveband entwickelt. Hier wird dem Fan echt noch was geboten, nämlich pures Metal-Entertainment. Besser konnte man den Boden für DIO nicht bereiten. (agony&ecstasy)

Setlist EDGUY


Intro
Lavatory Love Machine
Babylon
Fucking With Fire
Sacrifice
Fairytale
Tears Of A Mandrake
Save Me
Out Of Control
Superheroes
Mysteria
Vain Glory Opera

DIO

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Dio auf dem Rock Hard Festival 2006
Sang wie ein junger Gott: Ronnie James Dio

Einen besseren Headliner hätten die Veranstalter des ROCK HARD FESTIVALs sich wohl kaum aussuchen können: Die Songs, die man von Ronnie James Dio, dem kleinen Mann mit der großen Stimme, erwarten durfte, kannte fast jeder, und FATES WARNING-Sänger Ray Alder war offensichtlich nicht der Einzige, der sich tierisch auf den Auftritt des Großmeisters und seiner Hintermannschaft freute. Ganz gleich ob DIO-Songs wie „I Speed At Night“, „Holy Diver“, „Rainbow In The Dark“ oder das ergreifende „Don’t Talk To Strangers“, BLACK SABBATH-Kompositionen wie „Children Of The Sea“ oder alte RAINBOW-Schinken wie „Man On The Silver Mountain“ und „Long Live Rock´n´Roll“: Es reihte sich ein unsterblicher Klassiker an den nächsten, das Mitsingen fiel wirklich niemandem schwer. Wirklich beeindruckend, wie agil Ronnie James Dio im Alter von 62 Jahren noch immer agierte, vor allem aber, wie gut er bei Stimme war – nämlich deutlich besser als auf dem Live-Album „Evil Or Divine“. Dio sang wie ein junger Gott, ein Unterschied zu Live-Aufnahmen, die nun schon knapp 30 Jahre zurückliegen, war nicht wirklich zu hören. Dass es zwischendurch ein Drumsolo und ein Gitarrensolo von Craig Goldy gab, diente aber sicherlich nicht nur der Unterhaltung des Publikums, sondern auch, um Dio eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. Die mochte man ihm aber auch gerne zugestehen, denn welcher andere Sänger dieses Kalibers schafft es überhaupt, in diesem Alter noch eine derartige Leistung zu bringen? Bonuspunkte gab es für Dio zudem dafür, auch einen Song von „Dehumanizer“ in die Setlist einzubauen, welches er als „one of the most underrated albums of the world“ bezeichnete. Recht hat er! Auch wenn DIO eigentlich noch einige weitere Songs als Zugaben auf ihrer Setlist stehen hatten („We Rock, „The Last In Line“, „Mob Rules“ und „Neon Knights“), fand die Show mit „Heaven And Hell“ schließlich ein Ende, wie es schöner nicht hätte sein können: Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen, als sie der Aufführung dieses Klassikers im Gelsenkirchener Amphitheater beiwohnen durften. Da sieht man es mal wieder: Musik verbindet. (doomster)


Bericht: agony&ecstasy, doomster, Uwe
Fotos und Layout: doomster