Motionless In White live in München 2026

MOTIONLESS IN WHITE, DAYSEEKER, MAKE THEM SUFFER: Konzertbericht – Zenith, München – 24.02.2026

Dreimal so viele Tickets abzusetzen wie im Vorjahr ist eine beeindruckende Leistung: MOTIONLESS IN WHITE füllen auch in München mittlerweile die großen Hallen und haben dabei etwas gut zu machen, wie Sänger Chris Motionless verspricht. Rückendeckung bekommt die Modern Metalcore-Band dabei von DAYSEEKER sowie MAKE THEM SUFFER.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Nach dem krankheitsbedingt leicht gekürzten Set im Januar 2025 will Chris Motionless heute Abend nicht nur Wiedergutmachung leisten, sondern sich gleich noch einen kleinen Traum erfüllen. Das Münchner Zenith kennt der MOTIONLESS IN WHITE-Frontmann schon von seinem Gastspiel 2023, damals im Vorprogramm der Landsmänner BEARTOOTH. Die imposante Werkshalle aber selbst auszuverkaufen, so lässt er uns wissen, sei ein Eintrag auf der eigenen „Bucket List“, welcher nun endlich in Erfüllung gehen darf.

Noch bevor der charismatische Sänger aber im Jubel von 6.000 enthusiastischen Fans badet, dürfen sich die Anhänger:innen selbst auf die Schultern klopfen. Schließlich sei es zuvorderst deren Verdienst, der diesen Augenblick möglich macht. Knapp dreimal so viele Tickets habe man im Vergleich zum Vorjahr verkauft – eine absurde Steigerung, die MOTIONLESS IN WHITE zu den Big Playern im modernen Metal befördert und von deren Popularität auch andere profitieren dürfen.

Am heutigen Abend sind das natürlich MAKE THEM SUFFER sowie DAYSEEKER, die im Vorprogramm ein jeweils gegensätzliches Konzept fahren, um auf den gefeierten Headliner einzustimmen.


MAKE THEM SUFFER

Make Them Suffer live in München 2026

Als um Punkt sieben der wummernde Bass den Start in den Konzertabend markiert, ist das Zenith nicht nur im bühnennahen Abschnitt vor dem Wellenbrecher gut gefüllt. Bis zum frequentierten Merchandise-Stand am hinteren Hallenende erstreckt sich die Meute und lässt ab den ersten Takten von „Ghost Of Me“ nur einen Schluss zu: Es mag ein Dienstag sein, doch feiern wollen die Münchner:innen selbst unter der Woche.

Dass MAKE THEM SUFFER mit ihrem modernen Metalcore den idealen Soundtrack mitbringen, trifft sich quasi hervorragend. „Bones“ und „Oscillator“ setzen auf unwiderstehlichen Groove, der zum Mithüpfen einlädt, während es im Pit beim kompromisslosen „Mana God“ drunter und drübergeht.

MAKE THEM SUFFER werden ihrer Rolle als Anheizer mit Leichtigkeit gerecht

Make Them Suffer live in München 2026

Der Soundmix ist dabei im Großen und Ganzen durchaus gelungen, allein Alex Reades Keyboardspuren kommen nicht gegen das massive Dowtunend-Gewitter an. Dafür passt das Zusammenspiel der Sängerin mit ihrem Kollegen Sean am Mikro: Ob Klargesang oder Growls, das Duo zeigt sich eingespielt und variabel. Überhaupt setzen MAKE THEM SUFFER auf ihre energiegeladene, explosive Präsenz, die Gitarrist Nick McLernon hin und wieder auf die Spitze treibt. Die übertriebenen Posen und Saitenanschläge machen doch schnell offensichtlich, dass neben der einzelnen Live-Gitarre noch eine ganze Reihe an Backing-Tracks ihr Wunder tun.

Das Publikum jedenfalls kann sich mit diesem Umstand problemlos arrangieren, weshalb nicht nur im eingängigen Hit „Erase Me“ der Circle Pit seine Kreise zieht, sondern im anschließenden „Doomswitch“ gar die erste Wall of Death des Abends ineinander kracht. Dass hierfür Alex Reade kurzerhand zur Keytar wechselt, können wir nachvollziehen: Mit der gewonnen Freiheit lässt sich das bunte Treiben vor den Brettern ungleich besser begutachten. Auf älteres Liedgut verzichten die Australier heute zwar, ihrer Rolle als Anheizer wird das Quintett aber dennoch mit Leichtigkeit gerecht.

MAKE THEM SUFFER Setlist – ca. 30 Min.

1. Ghost Of Me
2. Bones
3. Epitaph
4. Mana God
5. Oscillator
6. Erase Me
7. Doomswitch

Fotogalerie: MAKE THEM SUFFER


DAYSEEKER

Dayseeker live in München 2026

Diese Steilvorlage müssten DAYSEEKER eigentlich mit Leichtigkeit verwandeln, gerade weil das laute Publikum zu Beginn von einer gestandenen Fanbasis zeugt. Dass es dennoch ganz anders kommt, haben sich die US-Amerikaner selbst zuzuschreiben: In der gerade noch brodelnden Halle glätten sich die Wogen in Windeseile, als das Quartett der Explosivität des Openers seinen gestriegelten und fein herausgeputzten Alternative Rock hinterherschiebt.

„Pale Moonlight” ist wie so ziemlich jeder Track des Sets dem Pop näher als dem Metal, während Frontmann Rorys Stimme, ähnlich wie der Background-Gesang von Tour-Gitarrist Mitch Stark, mehr Postproduktion enthält als die Neuauflage von George Lucas‘ ursprünglicher „Star Wars“-Trilogie. Akzeptiert man also, dass hier wohl ein Großteil der Synthesizer- und Instrumentalspuren vom Band kommt – im Auftakt von „Creature Of The Black Night“ wirkt das besonders skurril -, darf man immerhin professionell intonierter Radio-Musik beiwohnen.

Das zuvor etablierte Energielevel können DAYSEEKER nicht halten

Dayseeker live in München 2026

Nur ist das in diesem Rahmen eben auch nahe der Themaverfehlung, sind doch selbst die durchaus massentauglichen MOTIONLESS IN WHITE eine ganze Ecke kerniger unterwegs. Daran ändern selbst die teils gezwungen wirkenden Screams und Breakdowns nichts, die ein Abflauen der zuvor so schwungvollen Atmosphäre nicht verhindern können. Im Gegenteil wirkt Sänger Rorys Forderung nach einem Moshpit eher amüsant, als die tief gestimmten Gitarren von „Bloodlust“ nach knappen zehn Sekunden schon wieder einer emotional-getragenen Synth-Strophe weichen.

Zugestanden, DAYSEEKER klingen live fast genauso wie auf CD. Nur sind wir uns nach dieser Dreiviertelstunde nicht sicher, ob das tatsächlich als Kompliment gesehen werden sollte.

DAYSEEKER Setlist – ca. 45 Min.

1. Pale Moonlight
2. Shapeshift
3. Burial Plot
4. Crawl Back To My Coffin
5. Bloodlust
6. Without Me
7. Crying While You’re Dancing
8. Creature Of The Black Night
9. Sleep Talk
10. Neon Grave

Fotogalerie: DAYSEEKER


MOTIONLESS IN WHITE

Motionless in White live in München 2026

Glücklicherweise sind MOTIONLESS IN WHITE erfahren genug, um selbst ohne fremdes Zutun den Enthusiasmus ihrer Anhängerschaft zu wecken. Dabei sind die US-Amerikaner nahe am Puls der Zeit, wie die Wahl des Intros durchblicken lässt: Mit einem Dance-Remix der auf sozialen Netzwerken beliebten OIIIA- bzw. Spinning-Cat Ethel verwandelt sich der Innenraum des Zeniths in Windeseile in eine überdimensionierte Tanzfläche, wo bereits der Ernstfall geprobt wird.

Selbiger folgt auf den Fuß, als „Meltdown“ ohne weiteres Brimborium loslegt und die Band gleich zu Beginn vor eine unerwartete Herausforderung stellt: Gegen die Lautstärke der eigenen Fans anzuspielen, ist am heutigen Abend wohl leichter gesagt als getan. Da hilft nur Ablenkung, um den Pit oder gleich die ganze Bühne zu befeuern. Denn neben moshtauglicher Rhythmen setzen MOTIONLESS IN WHITE für ihre erste große Arena-Show in der bayerischen Landeshauptstadt auf eine ganze Reihe von Schauwerten.

Feuer trifft auf Tanzchoreografie: MOTIONLESS IN WHITE vergessen keineswegs das visuelle Spektakel

Motionless in White live in München 2026

Die Flammenwerfer schießen während des Breakdowns mehrere Meter in die Luft, während vier Tänzerinnen mittels präparierter Fackeln lodernde Kreise in die Luft zeichnen. Auf die Choreografien des Quartetts greift der Headliner im Laufe der Show gleich mehrfach zurück: Mit Wolfsmasken und roter Lederjacke im „Thriller“-Look stellt man in „Werewolf“ dessen Musikvideo nach, nachdem in „Thoughts & Prayers“ erst mit brennenden Gebetsbüchern hantiert wurde, nur um die vorderen Reihen dann mittels Wasserpistolen einer spontanen Taufe zu unterziehen.

Diese Einlagen sorgen dafür, dass auf den Brettern nebst der Band immer munteres Treiben herrscht, obschon sich manches Gimmick ob mehrfacher Wiederholung doch abnutzt: Der Funkenregen, den die „Cherry Bombs“ – so der Name der Akteursgruppe – mittels Winkelschleifer und Metallplatte in alle Richtungen feuern, mag im Singalong „Sign of Life“ noch für offene Münder sorgen, ringt uns beim dritten Mal aber bestenfalls noch ein anerkennendes Nicken ab.

Den Kontakt zum Publikum will Sänger Chris Motionless selbst auf der großen Bühne nicht aufgeben

Motionless in White live in München 2026

Selbstverständlich ist das Klagen auf hohem Niveau: Die Stimmung im Zenith trüben solche Detailfragen freilich nicht, wo im Flitterregen der Refrain von „America“ eifrig mitgesungen wird, so die Münchner:innen nicht gerade mit anderen Dingen wie etwa Klatschen, Springen, Moshen oder Crowdsurfen beschäftigt sind. Letzteres gibt es teils sogar im Doppelpack bzw. in der Stand-up-Paddle-Version, was sogar Sänger Chris Motionless nicht unkommentiert lassen will: „Ich bin immer noch größer als du!“, lässt er grinsend wissen, bevor er dem Paar anerkennend die Hand reicht.

Wertschätzende Gesten wie diese finden wir auf beiden Seiten, sei es in der Darstellung der Pride-Flagge, die zum Ende von „Voices“ über das Display flimmert, oder der ohrenbetäubende Jubel der Fans, welcher nahezu jedes Stück begleitet. Dies gilt für das brandneue „Afraid Of The Dark“ mit seinem Melodeath-Riffing in gleicher Weise wie für kompromisslose Moshgranaten der Marke „Slaughterhouse“. Für Letzteres kehrt zudem MAKE THEM SUFFER-Frontmann Sean Harmanis zurück auf die Bühne, um zum zweiten Mal an diesem Tag eine Wall of Death anzuleiten.

Phasenweise übernimmt MOTIONLESS IN WHITE-Bassist Justin Morrow Teile des Gesangs

Motionless in White live in München 2026

Das Tempo reduzieren MOTIONLESS IN WHITE nur selten, wenn sie etwa die ILLENIUM-Kollaboration „Nothing Ever After“ in gekürzter Fassung wiedergeben oder mit dem fragil beginnenden „City Lights“ einen Blick auf die Anfangsjahre der Band zurückwerfen. Dass hier im Lichtermeer auch Gitarrist Ricky Olson und Bassist Justin Morrow gesangliche Rückendeckung liefern, dürfte wohl manchem Fan der ersten Stunde einen wohligen Schauer über den Rücken jagen.

Die unangenehmere Variante kanalisiert anschließend das makabre „Not My Type: Dead As Fuck 2“, wo Cheerleaderinnen im Zombie-Look Wasserbälle und Süßigkeiten ans Publikum verteilen, aber auch ihre Brötchengeber nicht vergessen: Das letzte Bonbon bekommt Justin Morrow, der die Stärkung gut gebrauchen kann. Immerhin muss der Bassist im Nu-Metal-Brecher „Soft“ den kompletten Refrain im Alleingang übernehmen.

Rote Rosen als Dankeschön: Manche Rituale sind MOTIONLESS IN WHITE auch im Jahr 2026 noch heilig

Motionless in White live in München 2026

Leichter hätte es theoretisch Chris Motionless während der Ballade „Another Life“: Während die Cherry Bombs mit weißen Tüchern durch den herabrieselnden Schnee tanzen, könnte sich der Frontmann eigentlich entspannt zurücklehnen. Die Worte des Evergreens können die Münchner:innen nicht nur auswendig, sie demonstrieren ihre Textsicherheit noch dazu mit beeindruckender Selbstsicherheit.

Ein eindrucksvolles Finale, dem MOTIONLESS IN WHITE nur noch ein obligatorisches Ritual hinzufügen müssen: Den Schlusstrack „Eternally Yours“ nutzt die Band abermals, um Danke zu sagen. Mit einem Strauß roter Rosen in der Hand marschiert Chris Motionless zum Ende des Laufstegs, um zu den letzten Takten der Show die Blüten in willige Hände zu geben.

Spätestens jetzt dürften MOTIONLESS IN WHITE zu den „Big Playern“ im modernen Metal zählen

Motionless in White live in München 2026

Es ist ein spezielles Andenken an eine Show, die den Charakter der Band selbst im Jahr 2026 und trotz des massiven Erfolgs in der jüngeren Vergangenheit noch passend wiedergibt: Affektiertes oder gar divenhaftes Verhalten können wir dem Quintett zu keinem Zeitpunkt unterstellen. Vielmehr bewahren sich MOTIONLESS IN WHITE ihre Glaubwürdigkeit: ein sogenannter Big Player, den wir unverhohlen sympathisch finden dürfen und der sich heute Nacht reinen Gewissens schlafen legen kann. Die versprochene Wiedergutmachung leisteten die fünf Musiker im ausverkauften Zenith schließlich mit Bombast und Eifer gleichermaßen.

Motionless in White live in München 2026

MOTIONLESS IN WHITE Setlist – ca. 95 Min.

1. Meltdown
2. Sign Of Life
3. America
4. Thoughts & Prayers
5. Voices
6. Afraid Of The Dark
7. Werewolf
8. Hollow Points
9. Necessary Evil
10. Slaughterhouse
11. Rats
12. Disguise
13. Nothing Ever After
14. Scoring The End Of The World
15. City Lights
16. Not My Type: Dead As Fuck 2
17. Soft
18. Cyberhex
19. Another Life
20. Eternally Yours

Fotogalerie: MOTIONLESS IN WHITE

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)

Veranstalter (Tour): Area One

Veranstalter (lokal): Propeller Music