MEGA COLOSSUS, SPEED QUEEN und CRASH PILOTS: Konzertbericht – Don’t Panic, Essen – 03.03.2026

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MEGA COLOSSUS sind auf Tour! Pünktlich zur Veröffentlichung des neuen Albums kommt die Band auf ihre bisher größte Tour nach Europa. Neben Festivalauftritten auf dem STEEL HELD HIGH und HELL OVER HAMMABURG spielt die Band diverse Gigs in kleinen Clubs, bei vielen davon wieder einmal begleitet von ihren belgischen Kumpels von SPEED QUEEN. Da muss ich als Die Hard-Fan der Band natürlich dabei sein und so mache ich mich an diesem Dienstagabend nach der Arbeit auf den Weg nach Essen. Immerhin ist es auch die letzte Tour für Langzeit-Schlagzeuger Doza, der die Band nach der Tour aus beruflichen Gründen verlässt.

Es ist nicht leicht für eine Band dieser Größenordnung. Die Band hat eine Kickstarter-Kampagne ins Leben gerufen, um zumindest einen Teil der Tourkosten zu decken, welche leider bisher nicht gut läuft. Und Stand heute, wurden schon mindestens zwei Termine abgesagt, weil der Vorverkauf nicht lief wie erwartet. Auch in Essen sind an diesem Abend im Endeffekt vielleicht 50-60 Leute da, was – selbst unter der Woche – in einem Ballungsraum wie dem Ruhrpott nicht viel ist. Anscheinend hat es sich noch nicht weit genug herumgesprochen, wie toll MEGA COLOSSUS nicht nur auf Platte sondern auch live sind. Aber hinter der Band steht halt eben auch kein großes Label mit großem Marketingbudget. Aber genug des Lamentierens, es ist wie es ist.

 

Direkt nach der Ankunft statte ich erstmal dem Merchandise Stand einen Besuch ab und nehme gleich mal zwei Tourshirts, einen Patch sowie das von der Band erstellte Zine zum neuen Album „Watch Out!“ mit. In letzterem gehen die Jungs auf die Details zu jedem Song ein. Sehr coole Sache! Außerdem lasse ich die Kuten meiner Kids von der gesamten Band signieren, schließlich ist MEGA COLOSSUS-Fandom bei uns eine Familienangelegenheit. Die Band freut sich über meine Begeisterung über das neue Album und verspricht, heute eine Menge Songs von „Watch Out!“ zu spielen, was mich wiederum sehr freut. Als Opener stehen heute noch CRASH PILOTS auf dem Programm, eine sehr junge Modern Metal-Band aus Moers. Nach einem halben Song ziehe ich mich allerdings an die Theke zurück, das ist nichts für mich. Prinzipiell finde ich es allerdings lobenswert, lokalen, jungen Bands solche Auftrittsmöglichkeiten zu geben. Ob man das unter der Woche bei einem eher traditionellem Paket machen muss, ist eine andere Frage.

 

Kommen wir zu SPEED QUEEN, bei denen der kleine Konzertraum des Don´t Panic ziemlich voll ist, voller sogar, als später bei MEGA COLOSSUS. Und die Belgier geben von Anfang an richtig Gas und haben das Publikum sofort in der Tasche, was vor allem an Frontmann Thomas Kenis liegt, der einfach weiß, wie man das Publikum mitreißt und auf der Bühne ordentlich Alarm macht. Nur den Sprung ins Publikum spart er sich, im Gegensatz zu den letzten beiden Konzerten, bei denen ich die Band gesehen habe, dieses Mal.

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Am besten gefallen mir SPEED QUEEN tatsächlich, wenn Sie nicht das Gaspedal bis zum Bodenblech durchtreten, dann haben die Songs auch mal was von IRON MAIDEN zu Paul Di Anno Zeiten auf Koks. So sehr sogar, dass sowohl zwei Freunde von mir als auch ich unabhängig voneinander erstmal rätseln, ob die Band sich da gerade durch ein Cover rumpelt. War aber wohl doch ein eigener Song. Wie auch immer, SPEED QUEEN kommen so gut an, dass man Ihnen noch zwei Songs mehr auf der Bühne zugesteht. Das ist den Publikumsreaktionen definitiv angemessen, macht mich in Hinblick auf die geplante Stage Time von MEGA COLOSSUS allerdings ein wenig nervös.

 

Und tatsächlich streicht MEGA COLOSSUS-Sänger Sean Buchanan im Anschluss direkt mal zwei Songs von der Setlist. Das ärgert mich, wäre es doch eigentlich völlig unnötig gewesen. Aber es soll am Ende doch noch alles gut werden. Nach dem Soundcheck steigen MEGA COLOSSUS mit „Battlefront“ und „The Bad Thing“ direkt mal mit dem Eröffnungsduo des neuen Albums ein, nur in umgekehrter Reihenfolge. „Watch Out!“ erscheint zwar erst diesen Freitag, ist aber seit Ende letzter Woche schon auf dem NWOBHM-Kanal auf Youtube in voller Länge zu hören. Dementsprechend ist ein guter Teil des Publikums schon mit den Songs vertraut. Ich habe in letzter Zeit sowieso nichts anderes gehört, bin also von Anfang an voll dabei.

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Die beiden Banger sind  – wie erwartet –  wie gemacht für die Live-Situation, Headbangen, Fäuste hoch, Refrain mitgrölen! Die Band ist bestens aufgelegt, speziell Anthony und Bill posen wie die Weltmeister und alle fünf haben sichtlich eine Menge Spaß. Danach folgt mit „Sea Of Stars“ einer meiner Lieblingssongs der Band, dicht gefolgt von der Überhymne „Warden Of The Wicked Road“, bei der vom Publikum fleißig mitgesungen wird. Dieser Song packt mich emotional jedes Mal so sehr, wenn ich ihn höre, wie nur wenige andere. Und damit bin ich ganz offensichtlich nicht alleine. Nebenbei ist „Warden Of The Wicked Road“ auch der Lieblings-MEGA-COLOSSUS-Song meiner Tochter, aber das nur am Rande.

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Danach soll es eigentlich mit “Halls Of Mystikos” weitergehen, doch nach wenigen Sekunden muss die Band wegen Problemen mit Chris Millards Gitarre abbrechen. Anscheinend ist das Gitarrenkabel abgeraucht. Auftritt Andreas Stieglitz, Gitarrist von SPEED QUEEN, der sofort backstage rennt und mit einem Kabel zurückkommt. MEGA COLOSSUS nehmen es mit Humor und überbrücken die Zeit entsprechend – auch ein wichtiger Skill als Live Band. Mit wenigen Minuten Verzögerung geht es also weiter und auch “Halls Of Mystikos” zündet live perfekt, was aber ehrlich gesagt zu erwarten war. Und so wird vor der Bühne getanzt, gesungen und gegrölt, während sich Anthony und Sean auf der Bühne am Gesang abwechseln. Die beiden langen Epen “Here Lies You” und “Bloodless” folgen als letzte Stücke der Setlist und kommen ebenfalls bestens an, auch wenn die Songs doch eine ganze Ecke weniger griffig sind, als die vorherigen Banger. Die Publikumsreaktionen geben MEGA COLOSSUS aber recht, live den Fokus so sehr auf das neue Album zu legen.

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Soll das also das Ende eines, trotz der Kürze sensationellen Gigs sein? NEIN! MEGA COLOSSUS dürfen noch einen draufsetzen und ich bin sicher, die Wahl wäre auch ohne mein lautes Grölen auf “Razor City” gefallen, schließlich ist der Opener des 2021er Albums “Riptime” prädestiniert dafür, zum Schluss nochmal die Stimmung zum kochen zu bringen. Das bringt die Nackenmuskulatur nochmal an die Belastungsgrenze. Und es wird noch besser, ein kurzer Blick zum Soundmann macht es möglich: MEGA COLOSSUS dürfen noch einen Song spielen. Die Wahl fällt auf “Fortune And Glory” von “Show/Down”, meinem Album des Jahres 2024. Da heißt es nochmal alles geben, die letzten Reserven mobilisieren. Dann, nach einer guten Stunde ist endgültig Schluss. MEGA COLOSSUS haben erneut einen großartigen Auftritt abgeliefert, der alle Anwesenden begeistert zurücklässt. Laut Setlist war eigentlich noch das BLUE ÖYSTER CULT-Cover „Burning For You“ geplant, dafür stand „Razor City“ ursprünglich nicht drauf. Guter Tausch, würde ich sagen.

Danach ist noch Zeit für ein paar Gespräche mit Teilen der Band am Merch-Stand bevor wir uns auf den Weg nach Hause machen. Am nächsten Tag klingelt der Wecker arbeitsbedingt um sechs, ich bin müde, die Stimme angeschlagen und die Ohren klingeln – egal, das war es wert, das ist es immer wert! Wenn ihr könnt, geht zu einem der Konzerte auf dieser Tour, ihr werdet es nicht bereuen und eine der besten und sympathischsten Bands der Szene supporten!

 

Setlist MEGA COLOSSUS:

01. Battlefront
02. The Bad Thing
03. Sea Of Stars
04. Warden Of The Wicked Road
05. Halls Of Mystikos
06. Here Lies You
07. Bloodless

08. Razor City
09. Fortune And Glory