Lorna Shore live in München 2026

LORNA SHORE, WHITECHAPEL, SHADOW OF INTENT, HUMANITY’S LAST BREATH: Konzertbericht – Zenith, München – 31.01.2026

LORNA SHORE sind Wiederholungstäter: Zum zweiten Mal in 15 Monaten füllt die Deathcore-Größe das Münchner Zenith bis auf den letzten Platz. Ein Pflichttermin für alle Genre-Fans, auch weil das Vorprogramm mit WHITECHAPEL, SHADOW OF INTENT sowie HUMANITY’S LAST BREATH kaum Wünsche offen lässt.

Die Zahlen lügen nicht: LORNA SHORE sind keine Eintagsfliege, sondern Wiederholungstäter. Nach der ausverkauften Show im November 2023 erwartet die US-Amerikaner im Münchner Zenith abermals volles Haus. Dass die Tickets für das diesjährige Gastspiel bereits Monate im Voraus vergriffen waren, überrascht jedoch nicht. Zwar konnte die Deathcore-Größe mit seinem aktuellen Album „I Feel The Everblack Festering Within Me“ (2025) – immerhin auf gutem Niveau – lediglich mehr vom Selben bieten, dafür ist das Support-Paket ein wahres Fest für Genre-Nerds.

Gemeinsam mit LORNA SHOREs Will Ramos komplettieren Phil Bozeman (WHITECHAPEL) und Ben Duerr (SHADOW OF INTENT) das heilige Triumvirat der Deathcore-Shouter; mehr geballte Qualität in einer Tournee scheint kaum vorstellbar. Weil noch dazu HUMANITY’S LAST BREATH mit ihrer atmosphärischen Interpretation des Genres den Abend eröffnen dürfen, ist der frühe Andrang auf die vorderen Plätze der ehemaligen Ausbesserungshalle vorprogrammiert.


HUMANITY’S LAST BREATH

Humanity's Last Breath live in München 2026

Gespannt waren wir im Vorfeld vor allem, wie der doch eigenwillige Sound des Quartetts auf der großen Bühne wirken würde. Bedenken hatten wir vor allem, da die dichten Soundscapes der Schweden in der Vergangenheit von den beengten räumlichen Verhältnissen kleiner Clubs profitieren konnten: In dichte Nebelschwaden gehüllt vermittelten die Silhouetten der Musiker ein geradezu bedrohliches Bild.

Ihre teils apokalyptisch anmutenden Klänge begleitet heute dafür eine stimmige Lichtuntermalung, die der sonst stoisch anmutende Shouter Filip Danielsson mittels bedeutungsschwangerer Gestik für sich zu nutzen weiß. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sehen wir meist nur die lange Haarpracht herunterhängen, wenn der Frontmann in den tiefsten Regionen seiner Stimme nach dem richtigen Ton sucht.

Tiefer ist nicht immer besser: HUMANITY’S LAST BREATH starten stark, doch verlieren mit zunehmender Dauer an Reiz

Humanity's Last Breath live in München 2026

Variabilität dürfen wir in dieser Hinsicht folglich nicht erwarten; immerhin passt es zum restlichen Sound der Band, der – ganz im Sinne von Gitarrist und Bandkopf Buster Odeholm – auf massive Downtuned-Gitarren und Djent-Anleihen setzt. Gefüttert werden diese im „Thall“-Nischengenre schließlich durch zahlreiche Synth-Spuren, welche im Zenith jedoch größtenteils im massiven Mix verlorengehen.

Dadurch nutzt sich der recht gleichförmige Ansatz trotz der knapp bemessenen Spielzeit schnell ab: Das schleppende „Godhood“ erklingt noch mächtig, der Groove von „Labyrinthian“ oder „Bellua, Pt. 1“ sorgt für Kurzweil, doch insgesamt ist in der zweiten Hälfte die Luft ein wenig raus. Sicherlich würde es helfen, wenn die zahlreichen Backing Tracks besser zur Geltung kämen. Da sich HUMANITY’S LAST BREATH aber voll und ganz dieser Schiene verschrieben haben, steht und fällt das Konzept mit den Gegebenheiten. Im Grunde also ordentlich und dabei – zumindest am heutigen Abend – doch ausbaufähig.

Fotogalerie: HUMANITY’S LAST BREATH


SHADOW OF INTENT

Shadow Of Intent live in München 2026

Blicken wir auf das vergangene Musikjahr zurück, haben SHADOW OF INTENT im Vergleich zum Headliner sicherlich das interessantere Album im Gepäck. Ein Umstand, den die US-Amerikaner unerwartet selbstbewusst zur Schau stellen: Bis auf eine Ausnahme konzentriert sich das Set heute auf „Imperium Delirium“ (2025). Qualitativ gut bestückt ist die Songauswahl damit sicherlich, obgleich wir die hochwertige Bandbreite der Band-Diskographie dennoch vermissen.

Immerhin lassen uns SHADOW OF INTENT kaum Zeit zum Grübeln, gestaltet sich der Einstieg „They Murdered Sleep“ doch so massiv wie unbarmherzig. Die symphonischen Backing Tracks streuen hier und vor allem in „Vehement Draconian Vengeance“ etwas Theatralik ein, dringen allerdings nicht immer durch das dichte Soundgewitter. Der Klang im Zenith ist für Deathcore-Verhältnisse eigentlich ordentlich, nur den Verlust einiger Details müssen wir beklagen.

Erst zum Finale lassen SHADOW OF INTENT ihr aktuelles Werk „Imperium Delirium“ hinter sich

Shadow Of Intent live in München 2026

Nichtsdestotrotz reißen die verspielten Riffs von „Flying The Black Flag“ ebenso mit wie Gitarrist Chris Wisemans (CURRENTS) songdienlich gespielten Soli. Diese Mischung trifft in der bayerischen Landeshauptstadt auf die offenen Ohren einer engagierten Zuschauerschaft: Die ersten Crowdsurfer segeln schon früh nach vorne, während Shouter Ben Duerrs mächtiges Organ sogar den Hallenboden zum Vibrieren bringt. Die donnernden Growls ergänzen stechende Screams, wenn nicht gerade im walzenden „Feeding The Meatgrinder“ die Death-Metal-Einflüsse der Band zum Tragen kommen.

Dass SHADOW OF INTENT hier nicht zweimal zur Wall of Death bitten müssen, ist für die Münchner:innen Ehrensache, die daraufhin mit einem echten Evergreen entlohnt werden: Der Bandhit „The Heretic Prevails“ genießt nicht nur den besten Soundmix des kurzen Auftritts, sondern bleibt zwischen den markanten Pianoschlägen im Refrain und seinem abwechslunsgreichen Breakdown auch nach unzähligen Aufführungen noch ein schwer zu überbietender Höhepunkt.

Shadow Of Intent live in München 2026

SHADOW OF INTENT Setlist – ca. 35 Min.

1. They Murdered Sleep
2. Flying The Black Flag
3. Mechanical Chaos
4. Vehement Draconian Vengeance
5. Infinity Of Horrors
6. Feeding The Meat Grinder
7. The Heretic Prevails

Fotogalerie: SHADOW OF INTENT


WHITECHAPEL

Whitechapel live in München 2026

Es hat einen Grund, weshalb WHITECHAPEL erst kürzlich wieder zu alter Härte zurückgefunden haben: So verriet Frontmann Phil Bozeman jüngst in den sozialen Medien, dass er selbst tatsächlich die harte Seite seiner Band bevorzuge. Dementsprechend bleiben die beiden progressiven Werke „The Valley“ (2019) sowie „Kin“ (2021) heute außen vor, obwohl ein kleiner Tapetenwechsel zwischendurch angesichts des kompromisslosen Line-ups durchaus gutgetan hätte.

Dafür spielen die Deathcore-Veteranen um ihren ikonischen Sänger völlig ungezügelt auf, während das Zenith schon beim Opener „Prisoner 666“ lautstark die Stimme erhebt. Spätestens beim massiven Breakdown von „Hymns In Dissonance“ gibt es dann auch im Zentrum kein Halten mehr – das Material des gleichnamigen Albums zündet live sichtlich prächtig. Offenbar lagen WHITECHAPEL mit der Songauswahl also genau richtig: Das unerbittliche „A Visceral Retch“, der Groove von „Bedlam“ lassen uns keine Zeit, zur Ruhe zu kommen.

WHITECHAPEL-Frontmann Phil Bozeman ruft stimmlich eine der besten Leistungen des Abends ab

Whitechapel live in München 2026

Kurios erscheint daher, dass die Band für das Interlude „Ex Inferis“ und nach dem anschließenden „Hate Cult Ritual“ die Bühne verlässt und so dem unnachgiebigen Set selbst den Elan raubt. Ist es die kleine Einlage mit der okkulten Tiermaske wert, die Phil Bozeman währenddessen dem Publikum präsentiert? Wir bezweifeln es, obgleich der Shouter ansonsten eine vereinnahmende Präsenz auf den Brettern darstellt und stimmlich wohl eine der besten Leistungen des Abends abruft.

Hätten wir uns nicht mittlerweile an der – seit dem Opener unveränderten – Lichttechnik bestehend aus bunten LED-Streifen im Hintergrund sattgesehen, müssten wir Kritikpunkte ansonsten mit der Lupe suchen. Diesem Manko setzen WHITECHAPEL für die zweite Hälfte ihres Sets immerhin eine Reise zurück zu den Anfangstagen entgegen: Drei Stücke vom gefeierten Debütalbum sowie der Evergreen „This Is Exile“ beenden das Gastspiel der US-Amerikaner mit der gleichen Intensität, wie es begonnen hat. Gegen Routine, Erfahrung und die geballte Kraft klassischen Deathcores sind selbst die hartgesottenen Münchner:innen machtlos.

Whitechapel live in München 2026

WHITECHAPEL Setlist – ca. 45 Min.

1. Prisoner 666
2. Hymns In Dissonance
3. A Visceral Retch
4. Bedlam
5. Hate Cult Ritual
6. The Somatic Defilement
7. Devirgination Studies
8. Prostatic Fluid Asphyxiation
9. This Is Exile

Fotogalerie: WHITECHAPEL


LORNA SHORE

Lorna Shore live in München 2026

Für die meisten Deathcore-Fans hätte der Abend nun zu Ende sein können und sie wären zufrieden nach Hause spaziert. Dabei steht der Headliner eigentlich noch aus. Mit ihren markanten Anleihen aus dem Melodic Death Metal sowie epischen Symphonic-Arrangements haben LORNA SHORE das Genre auch über seine Grenzen hinaus salonfähig gemacht. Das Resultat beobachten wir heute Abend: Knapp 5.900 Besucher:innen sind für eine Extrem-Metal-Band eine absolute Hausnummer.

Dementsprechend groß fahren die US-Amerikaner auch mit ihrer Produktion, um eben dem Arena-Status gerecht zu werden. Wie LORNA SHORE ihre Kompositionen letztendlich auf die Bühne bringen, bleibt anfangs jedoch ein Geheimnis: Den großen weißen Vorhang ziert bedeutungsschwanger das Band-Symbol, versperrt zugleich allerdings den Blick auf die Bühnenaufbaut.

LORNA SHORE setzen auf visuellen Pomp ohne Effekthascherei

Lorna Shore live in München 2026

Klotzen statt kleckern heißt es sodann, als das Leintuch zu den ersten Klängen von „Oblivion“ fällt und die Sicht auf ein zweistöckiges Set offenbart, das Drummer Austin Archey auf der oberen Etage in Szene zu setzen weiß. Wobei es zunächst doch die zahlreiches LED-Screens sind, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zwischen Pyro-Fontänen und geschickt platzierten Explosionen während der plakativen Breakdowns wandeln LORNA SHORE visuell nahe an der Reizüberflutung.

Dennoch übertreibt es das Quintett nicht mit plumper Effekthascherei: Feuer gibt es im Laufe der Show eher in dosierter Menge, wobei die Flammenwerfer zwischendurch sogar von der Decke nach unten zünden. Dass sich der Fokus ansonsten auf die schicke Lightshow samt Videoprojektionen konzentriert, ist Segen wie Fluch zugleich. Band und Songmaterial werden auf diese Weise nie zum Beiwerk einer aufgeblasenen Kirmes-Metal-Produktion und doch versäumt es gerade die visuelle Seite, Akzente zu setzen.

Will Ramos punktet mit beispielloser Bühnenpräsenz

Lorna Shore live in München 2026

Dass sich die Visuals auf willkürliche geometrische Formen und größtenteils KI-generierte Naturaufnahmen beschränken, entspricht zwar dem Genre-Standard, raubt der Produktion aber etwas Charakter. Mit den kunstvoll gestalteten und penibel auf die Musik zugeschnittenen Videoaufnahmen, wie sie Josh Graham seinerzeit für NEUROSIS oder A STORM OF LIGHT anfertigte, hat das nichts mehr zu tun.

Immerhin: Allzu sehr ins Gewicht fällt dieser Umstand nicht, denn LORNA SHORE punkten heute mit beispielloser Bühnenpräsenz, die sich natürlich zumeist auf Will Ramos konzentriert. Der Frontmann verliert zwischen den Stücken nicht allzu viele Worte, weiß jedoch genau, wie er die Fans zu Höchstleistungen animieren kann. Seine Geheimwaffe ist hierbei natürlich die eigene Stimme, die Dank des überraschend guten Audiomixes in allen Feinheiten zu vernehmen ist.

Die Wall of Death bei „Sun//Eeater“ fällt erwartungsgemäß massiv aus

Lorna Shore live in München 2026

Gibt der Shouter das Szepter aus der Hand, dann meist zu seiner Linken, wo Gitarrist Adam De Micco eines seiner zahlreichen Soli zum Besten gibt. Die Deathcore-Maschine läuft also wie geschmiert und holt auch uns bereits mit dem ersten Song zurück in den Band-Kosmos: Der Achtminüter „Oblivion“ mag für verhältnismäßig konservativ sein und findet live doch problemlos zu neuer Größe. Dass es nach der eingängigen Hymne „Unbreakable“ sogar die Death-Walze „War Machine“ ins Set geschafft hat, freut uns derweil besonders, schließlich brechen LORNA SHORE hier bewusst mit ihrer Komfortzone.

Ansonsten beweist das Gespann weniger Mut bei der Songauswahl: Im Mittelpunkt stehen die beiden neuesten Studioalben, während die Prä-Ramos-Ära bedauerlicherweise gänzlich unbeachtet bleibt. Einfluss auf die knisternde Atmosphäre hat das indes nicht: Die Wall of Death bei „Sun//Eater“ fällt erwartungsgemäß massiv aus, während sich ein nicht enden wollender Strom an Crowdsurfern ab „Cursed To Die“ den Weg nach vorne bahnt.

LORNA SHORE sparen sich ihren größte Hit für die Zugabe auf

Lorna Shore live in München 2026

Kurzum, was LORNA SHORE in München demonstrieren, ist mehr als nur eine Empfehlung für die künftigen Headline-Slots großer Metal-Open-Airs. Denn was zwischen den großen Hits und opulenten Showeffekten oftmals untergeht, ist die emotionale Komponente, die spätestens in der „Pain Remains“-Trilogie für so manche Gänsehaut sorgt. Die präzise gespielten Melodien, der Schmerz in Ramos‘ Vocals, all das ergießt sich im Verlauf dieser knapp 20 Minuten über die bayerische Landeshauptstadt. Im Schein hunderter Smartphone-Lichter verabschieden sich die fünf Musiker schließlich unter tosendem Applaus – für einige Augenblicke jedenfalls.

Denn was natürlich nicht fehlen darf, ist der virale Bandhit, für den LORNA SHORE nochmals die Temperatur im Zenith um ein paar Grad ansteigen lassen. Das Flammeninferno „To The Hellfire“ bringt auf den Punkt, was eigentlich den ganzen Abend über schon Geltung fand: Wer Deathcore liebt, findet heute keinen besseren Ort, um seine Leidenschaft auszuleben. Das gilt vor wie auf der Bühne, wo nach dem hochkarätigen Vorprogramm schnell klar wurde, warum der Headliner den Blick demnächst auf die ganz großen Arenen richten dürfte. Den Fuß vom Gas nehmen wird man im Hause LORNA SHORE nämlich sicherlich nicht, wie wir soeben erfahren durften.

Lorna Shore live in München 2026

LORNA SHORE Setlist – ca. 80 Min.

1. Oblivion
2. Unbreakable
3. War Machine
4. Sun//Eater
5. Cursed To Die
6. In Darkness
7. Glenwood
8. Prison Of Flesh
9. Pain Remains I: Dancing Like Flames
10. Pain Remains II: After All I’ve Done, I’ll Disappear
11. Pain Remains III: In A Sea Of Fire
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12. To The Hellfire

Fotogalerie: LORNA SHORE

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)