KEEP IT TRUE V: Der Festivalbericht

KEEP IT TRUE V: Der Festivalbericht

Die Warm-Up-Show

Strikelight | Emerald | Powergod | Anvil

Der Festival-Samstag

Ignitor | Forsaken | Stormwarrior | Skullview | Slough Feg | Intruder | Ruffians | Jag Panzer | Raven | Virgin Steele

…und schon wieder vorbei. Beim KEEP IT TRUE geht es Schlag auf Schlag. Nach dem Festival ist vor dem Festival und die treue Fangemeinschaft hat keinen Hunger mehr zu leiden. Denkt man, die Veranstalter hätten nun das Feld an reunionfähigen und kultverdächtigen Combos abgegrast, steht schon wieder das nächste vielversprechende Billing fest. Man hat sich inzwischen fast schon daran gewöhnt, und gewöhnt hat man sich auch an alle Begleitumstände des Festivals. Der regelmäßige Festivalbesucher weiß, was er beim KEEP IT TRUE zu erwarten hat, worauf er sich freuen kann und was er in Kauf nehmen muss. In Sachen Sound hat man dieses Jahr vermutlich endlich das Optimum rausgeholt, was die Halle hergibt, was den größten Kritikpunkt am Festival aus der Welt schafft. Der Zuschauer kann sich also aufs Wesentliche konzentrieren und genießen. Das Familientreffen kann seinen Lauf nehmen. Neben den üblichen Verdächtigen mischen sich dennoch nach wie vor neue Gesichter unters Volk, doch sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum sind es die alten Bekannten, die die Veranstaltung prägen. Es gibt nicht viel darüber zu sagen, vielmehr sind es die vielen persönlichen Erlebnisse, die das KEEP IT TRUE zu etwas Einmaligem machen und von denen man noch in Jahren sprechen wird.

Die Warm-Up-Show

(nach oben…)

Als kleines Vorgeplänkel zum diesjährigen KEEP IT TRUE Festival fand unter dem Motto NIGHT OF THE BLADE erneut eine Warm-Up Show mit vier Bands statt. Mit den Kanadiern von ANVIL konnte man einen echten Kult-Act als Headliner gewinnen, so dass die 8 Euro Eintritt eine mehr als lohnende Investition sein sollten. Kein Wunder also dass die Show ausverkauft war und sich schon lange vor Beginn viel schwermetallisches Volk aus aller Herren Länder vor den Türen der Sporthalle Dittigheim versammelte. Besonders der schon vor Einlass vollkommen besoffene Finne der extra für ANVIL angereist war, war sehr unterhaltsam und sollte auch noch für ein echtes Highlight sorgen. Aber dazu später mehr. (agony&ecstasy)

Strikelight

(nach oben…)

Denn erst mal galt es STRIKELIGHT zu überstehen. Die fünf NWOBHM-Fans aus Griechenland gibt es zwar erst seit 1999, aber musikalisch sind die Jungs nie über die frühen Achtziger hinaus gekommen. Das an sich ist ja vollkommen in Ordnung und bei diesem Festival eh Voraussetzung, aber leider wirkte sowohl das Stageacting als auch die Musik der Hellenen vollkommen dröge und einschläfernd. In einigen etwas schnelleren Passagen wurde man kurz aus der Lethargie gerissen, aber insgesamt war ich froh, als der Auftritt zu Ende war. Der einzige Aktivposten war Bassist Thodoris Vogiatzis, der mit einigen Steve Harris-Posen versuchte ein wenig metallische Erhabenheit auszustrahlen. Zum Abschluss spielten STRIKELIGHT ein Cover Ihrer Landsmänner von HEAVY LOAD. Dann war endlich Schluss. (agony&ecstasy)

Emerald

(nach oben…)

Mit den folgenden EMERALD aus Holland gab es in sämtlichen Belangen eine gigantische Steigerung. Angefangen beim Alter der Musiker über ein sehr viel lebhafteres Stageacting bis zur deutlich besseren und kraftvolleren Musik. Neben tadelloser musikalischer Leistung bestachen Gitarrist und Sänger besonders durch ihre weit offenen Hemden die einen Blick auf die üppige Brustbehaarung gestatteten. Na Mahlzeit… Trotz diesem brutalen Angriff auf die Sehnerven machte der Auftritt der Holländer viel Spaß. Man merkte der Band an, dass sie schon ein paar Jährchen länger im Geschäft sind, was das (im positiven Sinne) routinierte und engagierte Auftreten anging. Gegen Ende des Auftritts holten sich EMERALD einen zweiten Gitarristen auf die Bühne, der bei den letzten drei Nummern für gesteigerte Axt-Power sorgte. Nach diesem starken Auftritt ist es schade, dass dies der letzte für EMERALD in dieser Besetzung sein sollte. In dieser Form würde man jedenfalls so manchen Nachwuchsbands noch zeigen, wo der Hammer hängt. (agony&ecstasy)

Powergod

(nach oben…)

Setlist Powergod:

Metal Church

Long Live The Loud

Madhouse

Metal Merchants

Stars

Kill With Power

Mind Over Metal

I´m A Viking

Heavy Chains

Esper

Burning The Witches

Im Anschluss an den starken Auftritt von EMERALD war es an POWERGOD die Stimmung zu halten. Und das gelang den Deutschen ganz ordentlich. Zwar waren weniger Leute anwesend als bei EMERALD, diese feierten aber eine zünftige Metal-Party. Los ging es mit dem mächtigen Metal Church gefolgt vom nicht weniger bratenden Long Live The Loud. Das war das Richtige um die Nackenwirbel in Schwung zu bringen. Beim folgenden Madhouse kam dann mein finnischer Freund wieder zum Zuge. Flugs eroberte er die Bühne und machte einen gewaltigen Satz ins Publikum. Halt, das ist so nicht ganz richtig. Den Satz machte er, das Publikum allerdings verfehlte er und legte stattdessen eine astreine Bruchlandung hin, die dazu führte, dass man ihn erst mal aus der Halle trug. Und er ward an diesem Abend nicht mehr gesehen. Soviel zu Ich bin extra wegen ANVIL gekommen. POWERGOD zogen trotz der kurzen Unterbrechung unbeirrt weiter ihren Auftritt durch, welcher mit MANOWARs Kill With Power und RAVENs Mind Over Metal noch zwei weitere große Highlights zu bieten hatte. Bei letzterem enterte sogar RAVEN-Frontmann John Gallagher die Bühne und verdammte POWERGOD Sänger President Evil zum Nichts tun, indem er höchstselbst den Gesang übernahm. Mit Burning The Witches beendeten POWERGOD einen teilweise sehr unterhaltsamen Gig. Ob man solche Cover-Shows aber wirklich braucht, sei einmal dahin gestellt. Trotzdem galt an diesem Abend: Daumen hoch für die Kraftgötter. (agony&ecstasy)

Anvil

(nach oben…)

Den Schlusspunkt hinter die NIGHT OF THE BLADE setzen ANVIL. Und das taten sie mit ordentlich Dampf! Vom Intro March Of The Crabs bis zur letzten Zugabe boten Lips und seine Jungs Metal-Entertainment at its best. Fixpunkt der Show war natürlich Lips, der trotz lichter gewordenem Haar noch ordentlich den Schädel kreisen ließ. Dass da im Publikum niemand zurückstehen wollte, war klar, und so gingen die Matten zu Krachern wie Forged In Fire, Smoking Green oder neuerem Material wie Bottom Feeder auf Heavy Rotation. Letzterer Song wurde dem Label der Kanadier (Massacre Records) gewidmet. So ganz zufrieden scheint man wohl nicht mit der Arbeit der Plattenfirma zu sein… Beendet wurde der offizielle Teil des Sets mit der Nationalhymne des Metal (O-Ton Lips). Welchen Song er da wohl gemeint hat? Natürlich das mächtige Metal On Metal. Dann war kurz mal Schluss, aber natürlich kamen ANVIL noch mal zurück und spielten noch zwei Zugaben. Gegen viertel vor eins war dann endgültig Schicht im Schacht und die NIGHT OF THE BLADE hatte einen mehr als würdigen Abschluss gefunden. (agony&ecstasy)

Der Festival-Samstag

(nach oben…)

Ignitor

(nach oben…)

Keep
Reinheitsgebot, Metal is the Law – IGNITOR

Dieses Jahr also wieder kein Thrash zu Beginn des Festivals, sondern lupenreiner US-Metal von einer wahrhaft außergewöhnlichen Band. Als diese die Bühne betrat, konnte sie sich jedenfalls der Aufmerksamkeit der Zuschauer sicher sein. Mit den Gitarristinnen Beverly und Erika hatte man gleich zwei weibliche Bandmitglieder am Start, die zudem auch noch optisch alles andere als unauffällig zu bezeichnen sind. Neben den zwei wirklich ansehnlichen Damen verkamen die restlichen Musiker fast zu Statisten, das Metal-Outfit mit kniehohen nietenbehangenen Highheels und Nietenweste trugen den entsprechenden Teil dazu bei. Dennoch hatte man das Gefühl einer echten Bandeinheit, bei der jedes Mitglied aus Überzeugung agiert. Zudem hatte man keinen Grund sich hinter den optischen Reizen zu verstecken. Stattdessen lieferten IGNITOR eine routinierte 80er-Metal-Show ab, die den Traditionsmetaller in allen Belangen zufrieden stellte. Songwriterisch ist noch einiges drin, denn viel hängen geblieben ist beim ersten Hören nicht. Einmal mehr: schmackhafte Hausmannskost, die man sich gerne zu Gemüte führt und bei der Erika mit ihrer kräftigen, aggressiven Stimme ihren Teil zum Gelingen beitrug. Komisch wird’s nur, wenn unser Wings ausgerechnet bei der einzigen Sängerin des Festivals den zu tiefen Gesang bemängelt, aber so isser halt. Mit ihrem letzten Song konnten sich IGNITOR schlussendlich auf ewig ins Gedächtnis der Anwesenden brennen. Hatte man zuvor doch schon die besonderen Beziehungen nach Deutschland betont, huldigte man in der Ansage einmal mehr dem deutschen Bier, als dann aber tatsächlich die Textzeilen Reinheitsgebot – Metal is the Law durch die Boxen schallten, glaubte man zunächst seinen Ohren nicht. Das zeigte Wirkung, den ganzen Tag über war dieser Song Gesprächsthema und Garant für echte Schenkelklopfer. IGNITOR sind definitiv noch steigerungsfähig, waren an diesem Tag aber auf jeden Fall der perfekte Opener. (fierce)

Forsaken

(nach oben…)

Keep
Wirkten trotz guter Musik etwas verloren – FORSAKEN

Die Malteser FORSAKEN konnten ihre Qualitäten als Live-Band bereits beim ersten Doom Shall Rise-Festival unter Beweis stellen und galten damals als eine der großen Überraschungen. Inzwischen haben die Doomer eine weitere CD veröffentlicht und mit dieser im Gepäck einmal mehr die Möglichkeit sich dem deutschen Publkum zu stellen. Allerdings mochte der Funke an diesem Tag nicht derart überspringen, wie das vor zwei Jahren der Fall war. Meine Erklärung: FORSAKEN sind für die kleinen Bühnen der Welt gemacht. Auf dem KEEP IT TRUE wirkten die Bandmitglieder etwas verloren und ausstrahlungsarm. Dabei zeigte sich der kleine Fronter einmal mehr als echter Entertainer im Stile eines Ronnie James Dio, der seinen Texten auch mit entsprechender Gestik Ausdruck verleiht. Allerdings mit dem Unterschied, dass er auf dem KEEP IT TRUE immer wieder die innere Spannung verlor und etwas orientierungslos über die Bühne marschierte. Seine Mitstreiter taten es ihm dummerweise gleich und so verlor der Auftritt stark an Kraft, obwohl die Songs ansich doch so viel davon zu bieten haben. Der epische BLACK SABBATH-lastige Stil wurde dennoch vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen und die Coverversion zu Symptom of the Universe war gut platziert, so dass man das Publikum nicht gänzlich verlor. Fesseln konnten FORSAKEN an diesem Tag dennoch nicht, so dass es uns bereits etwas verfrüht in Richtung Essen fassen zog. (fierce)

Stormwarrior

(nach oben…)

Setlist Stormwarrior:

Intro

Sign Of The Warlord

Heavy Metal Fire

Axewielder

Thunderer

Foreign Shores

Lindisfarne

Odins Warriors

Iron Prayers

Als dritte im Bunde betraten die Nordlichter von STORMWARRIOR die Bühne. Nach dem Intro legten die Jungs um Frontmann Lars Ramcke mit Sign Of The Warlord los. Die Mucke der Hamburger klingt dermaßen nach HELLOWEEN als diese noch Eier in der Hose hatten, dass es echt kein Wunder ist dass Kai Hansen ausgerechnet mit dieser Band auf dem EARTHSHAKER FEST einen Special Gig mit alten Songs der Kürbisköppe spielte. Hier auf dem KEEP IT TRUE wäre das ganze wohl besser aufgehoben gewesen. Nötig haben STORMWARRIOR solche Dinger aber sicher nicht, denn auch mit den eigenen Nummern können die Jungs vor jedem Publikum bestehen. Lars bangte bei jedem Song und sang nebenbei noch tadellos. Die beiden Gitarristen posten gefällig, nur Basser Jussi hielt sich in Sachen Stageacting eher zurück. Für mich waren STORMWARRIOR jedenfalls das erste Highlight des Festivals. Schade nur, dass der Auftritt Aufgrund des frühen Platzes im Billing recht kurz war, denn von den Nordmännern hätte ich gerne noch mehr gehört. (agony&ecstasy)

Skullview

(nach oben…)

Keep
Nicht ganz auf der Höhe – SKULLVIEW

SKULLLVIEW sind ein Kapitel für sich. Dass sich die Band in regelmäßigen Abständen immer mal auflöst und postwendend reformiert ist ja schon beinahe Alltag geworden. Auch das die Jungs in schöner Reihenfolge weit überdurchschnittliche Alben veröffentlicht, die keiner kauft, ist leider traurig aber wahr. Was natürlich auch an den extremen (und extrem metallischen) Gesangsdarbietungen im Lager der US-Metaller liegt – jedermanns Sache sind die hohen Tonlagen nun mal nicht. Was aber auf CD wirklich sehr ansprechend rüberkommt, war vielen im KIT-Publikum wohl doch etwas zu anstrengend, konnte man doch im Verlauf des Gigs viele Zuschauer aus der Halle abwandern sehen. Schade, denn verpasst haben sie einen professionellen Auftritt einer sehr sympathischen Band, die allerdings ihr Set etwas kompakter und auch nachvollziehbarer gestalten sollte. Bei aller Spielfreude und bei allem Metalspirit war die Performance dann doch noch etwas zerfahren und damit steigerungsfähig. (wings)

Slough Feg

(nach oben…)

Keep
Kauzig von erster bis zur letzten Sekunde – SLOUGH FEG

Nachdem sich SLOUGH FEG nun inzwischen von ihrem WEIRD LORD offiziell getrennt haben, bot das KEEP IT TRUE endlich wieder einmal die Gelegenheit, die Ami-Kulttruppe auf deutschen Bühnenbrettern erleben zu können. Ehrlich gesagt war ich etwas skeptisch, ob die Band a) auf einer größeren Bühne nicht vielleicht etwas verloren wirken könnte (siehe FORSAKEN) und ob sie b) wirklich auch durch ihre Setlist überzeugen kann, lief das Material der letzten beiden Alben doch etwas an mir vorbei. Beide Bedenken waren unangebracht, wenngleich die Truppe in meinen Augen auf ihren ersten beiden Werken ihr stärkstes Songmaterial vorzuweisen hat. Das Quartett zeigte sich jedenfalls in bester Laune und vom ersten Moment an war richtig Leben auf der Bühne. Ausladende, beinahe selbstverliebte Gitarrenteile unterstrichen die Kauzigkeit von SLOUGH FEG und Frontcharismatiker Mike Scalzi zog seine eigene One-Man-Show ab. Dieser Kerl ist einfach ein Unikum, wie man es selten findet. Sicher ist man bei ihm nie, ob er nun gut gelaunt oder eher verärgert ist, doch gelegentliches Grinsen oder Grimassen (bei dem Gesicht kein Problem) wiesen dann doch die Richtung. Ein Individuum ist in dieser Band jeder einzelne Musiker und das macht SLOUGH FEG so einmalig. Das kultbewusste Publikum hatte man eh auf seiner Seite und so konnte nix anbrennen. Und anbrennen ließen SLOUGH FEG auch nichts, wenngleich die ganz große Stimmung in erster Linie mit den Keltensongs der ersten Alben erreicht wurde – The Wickerman, Traders and Gunboats, Sky Chariots, Warriors Dawn. Keine Frage, ohne SLOUGH FEG würde der Metal-Szene etwas fehlen. (fierce)

Intruder

(nach oben…)

Keep
Könnten Lehr-Video zum Thema Stageacting machen – INTRUDER

Die größte Überraschung der fünften Keep-It-True Auflage waren die Techno-Thrasher von INTRUDER. Ihre von einem brutalen Rhythmusfundament getragenen Speedgranaten wurden mit viel Körpereinsatz, unablässiger Bewegung und einer unfassbaren Spielfreude vorgetragen. Durch die vielen melodiösen Parts, die mitsingkompatiblen Chören (oder sind es eher Shouts?) und die guten instrumentalen Fähigkeiten der Sympathiebolzen aus Tennessee blieb die Musik aber trotz aller Härte und Geschwindigkeit immer schön nachvollziehbar. Aber eigentlich egal, was die Jungs spielten (auch wenn es schon ein paar mehr Songs von Live To Die hätten sein dürfen): Wer ein Lehr-Video zu Thema Stageacting braucht, sollte mal bei INTRUDER vorstellig werden! Egal wo man während des Sets hinschaut: überall nur Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Und so war auch jeder (vorher) nicht INTRUDER-kompatible Festivalbesucher nach ausgiebigem Mitgrölen, Moshen oder einfach nur Staunen wohl restlos zufrieden mit der wilden Meute aus Amiland. (wings)

Ruffians

(nach oben…)

Keep
Ein echtes Stimmungshighlight – RUFFIANS

Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde es nach wie vor seltsam, die RUFFIANS live auf einer Bühne stehen zu sehen. Der Name wird für mich auf ewig mit Carl Albert verbunden bleiben, auch wenn man der Truppe damit Unrecht tut. Dennoch wurden mir an diesem Abend gleich mehrere Dinge bewusst: Auf ihren Kultstatus sind die Amis nicht angewiesen und gute Songs haben die Jungs zu Genüge in der Hinterhand. Kein Wunder also, dass man als Abschluss der ersten Europa-Tour nach wie vor in bester Laune war und vor Spielfreude geradezu strotzte. Den eigenen Spaß konnte man zudem hervorragend auf das Publikum übertragen und so wurde man allen Ansprüchen gerecht. Rich Wilde ist ein Frontmann mit Leib und Seele, der auch gerne optisch Akzente setzt – die sind allerdings definitiv Geschmackssache, aber zuschauen tut man dem quirligen Sunny-Boy liebend gern. Mit dem ein oder anderen neuen Song konnte man auch die Die-Hard-Fans befriedigen, während es natürlich in erster Linie die alten Kult-Klassiker waren, die allgemeine Euphorie auslösten. Selbst wenn man die CD schon lange Zeit unberührt im CD-Schrank stehen hat – Songs wie Fight For Your Life, Wasteland, Run For Cover oder Eyes of Fire zünden ab dem ersten Gitarrenton und unterstreichen auch live ihren Klassikerstatus. Das KEEP IT TRUE-Publikum wusste diese Geschenke absolut zu würdigen und feierte die RUFFIANS ordentlich ab, wodurch der Auftritt zu einem echten Stimmungshighlight wurde. Der Gig machte einfach gute Laune und das bei allen beteiligten. (fierce)

Jag Panzer

(nach oben…)

Keep
Setlist Jag Panzer:

Fates Triumph, Iron Eagle, King At A Price, Black, Chain Of Command, Take To The Sky, Legion Immortal, Feast Or Famine, Battlezones, Generally Hostile, License To Kill, Warfare, Symphony Of Terror, The Crucifix

Gegen Ende des starken Auftritts der RUFFIANS war es so langsam Zeit sich nach vorne zu schleichen, um bei dem, was folgte, einen Platz in der vordersten Reihe zu ergattern. Schließlich spielte da jetzt nicht irgendeine Band auf sondern mit JAG PANZER einer der besten U.S. Power Metal Acts überhaupt. Während der Rest der Band recht dezent gekleidet die Bühne betrat, galt beim Tyrant outfittechnisch wie immer Metal to the max. Los ging es mit Fates Triumph vom Thane To The Throne Meisterwerk dicht, gefolgt vom grandiosen Iron Eagle. Harry Conklin war wie immer bestens bei Stimme und bot somit eine herausragende Leistung in deren Schatten jeder andere Frontmann an diesem Tage schlicht und einfach verblasste. Jedes Album des Panzerkommandos wurde mit mindestens einem Song bedacht. Einzige Ausnahme natürlich Dissident Alliance. Vom aktuellen Langeisen Casting The Stones kamen Legion Immortal und Feast Or Famine zum Zuge, während man mit Battle Zones ganz tief ins Songarchiv griff. Und dann kam es ganz dick. Zwar spielten JAG PANZER nicht, wie teilweise im Vorfeld verbreitet die komplette Ample Destruction, doch zockte man immerhin fünf Songs des legendären Debüts. Ob nun Generally Hostile, Warfare oder das abschließende Epos The Crucifix (AAARGH!!!), mehr Metal geht nicht! Chris Broderick zeigte an diesem Abend mal wieder, dass er zu den besten und unterbewertetsten Gitarristen im Metal-Zirkus zählt. Seine Soli sind einfach nur anbetungswürdig! Nach ungefähr einer Stunde war dieser Auftritt leider viel zu schnell vorüber und der Gewinner des Abends stand fest. Nach dieser Demonstration in Sachen Heavy Metal war klar dass die folgenden Bands mit der Leistung des Colorado Fünfers nicht würden mithalten können. And the Oscar goes to… JAG PANZER!!! (agony&ecstasy)

Raven

(nach oben…)

Keep
Die wohl britischten aller NWoBHM-Bands – RAVEN

RAVEN. Erwartet jetzt hier kein objektives Review. Ich liebe diese Jungs. Mal ganz abgesehen von dem hervorragenden Gesang sind RAVEN für mich immer die britischste aller NWoBHM-Bands gewesen. Und so wie die Herren Gallagher stelle ich mir immer noch den typisch englischen Metaller vor. Wenn eine Band nach so vielen Gigs nach wie vor den Eindruck vermitteln kann, nur für diesen Abend auf der Bühne zu stehen, immer noch so dynamisch, wild, brachial aber trotzdem witzig und mit einem Augenzwinkern zu Werke geht und so verdammt viele Klassiker im Gepäck hat (die natürlich nicht alle gespielt werden konnten), kann man gar nichts falsch machen. Und wenn man schon am Beginn des Sets nach dem Opener Seven Shades mit Live At The Inferno, All For One, Gimme A Break, Hell Patrol, Rock Until You Drop, Speed Of The Reflex, Mind Over Metal und dem Monsterkracher Faster Than The Speed Of Light gleich mal acht absolute Hits hintereinander in das ekstatische Publikum schießt (und nur während eines doch ziemlich überflüssigen Gitarrensolo die Gelegenheit zum Verschnaufen lässt), hat die Band ja eigentlich schon gewonnen. Leider war damit natürlich auch schon mehr als die Hälfte des Auftritts der Raben wie im Flug vergangen, der wirklich alles bot, was man sich als Metal-Fan wünschen kann: gute Songs, die eigentlich jeder kennt und mitsingen kann, ein bewegungsfreudiges, völlig abgedrehter Trio, das im Umgang mit den Fans extrem professionell aber trotzdem natürlich und sympathisch rüberkommt, einen guten Sound, massig Spielfreude und Energie aus dem Publikum. Und wenn man bedenkt, dass viele der Songs schon 25 Jahre alt sind, dann kann man nur zustimmen, wenn RAVEN (die sich irgendwann für das Etikett Athletic Rock für ihre Musik entschieden haben-wer sie live sieht weiß auch warum) als Erfinder des Speed Metal durchgehen. Muss man gesehen haben! (wings)

Virgin Steele

(nach oben…)

Nach zwei Auftritten wie den vorangegangenen wird es für jede Band schwer das Stimmungslevel oben zu halten. Doch VIRGIN STEELE sind ja nun nicht erst seit gestern dabei und haben sicher genug Metal-Hymnen auf ihrer Seite um vor jedem true-metallischen Publikum zu bestehen. Gegen Mitternacht ging mit halbstündiger Verspätung ein letztes mal das Licht in der Tauberfrankenhalle aus. David DeFeis betrat die Bühne mit einer schwarz/weißen Maske, die jedoch zum Einstieg mit Kingdom Of The Fearless den Abgang macht. Es folgte eine Reise durch die Diskographie von VIRGIN STEELE mit Konzentration auf die neueren Werke. Inzwischen leerte sich die Halle, so dass der Headliner vor einem halbleeren Saal spielte. Es war wohl einfach zu spät für den epischen, theatralischen Metal der Band um David DeFeis. Auch mich konnten VIRGIN STEELE nicht mehr wirklich mitreißen. Die Songauswahl wahr zwar durchaus gelungen, aber nach dreizehn Stunden waren die zusätzlichen 120 Minuten einfach zu viel des Guten. Auch fehlt mir bei VIRGIN STEELE inzwischen ein wenig die Wildheit der vergangenen Tage. Selbst einen Meilenstein wie Noble Savage singt der Meister inzwischen theatralischer und mit viel weniger Biss als auf CD. Ebenfalls als Stimmungskiller erweist sich, dass VIRGIN STEELE immer noch keinen Keyboarder mit auf Tour nehmen. David DeFeis, an sich ein großartiger Frontmann, engt sich durch diese Doppelbelastung zu sehr ein und hat so nur wenig Möglichkeiten Kontakt zum Publikum herzustellen. Auch der besonders am Anfang sehr mäßige Sound hob die Stimmung nicht gerade an. So war Edward Pursinos Gitarre bei den ersten Songs kaum zu hören. Dafür bekam er später Zeit für ein ziemlich überflüssiges Solo und auch Drummer Frank Gillchriest durfte etwas Zeit ganz für sich beanspruchen. Zwischendurch klimperte auch DeFeis ein wenig auf seinem Keyboard herum, was das Spannungslevel auch nicht gerade aufrecht hielt. Hätte man stattdessen noch ein paar härtere Nummern in die Setlist gepackt, hätte es vielleicht noch was werden können mit dem Triumphzug. Aber so war es ein solider aber letztlich enttäuschender Auftritt, der gegen 2 Uhr morgens das fünfte KEEP IT TRUE-Festival beendete. (agony&ecstasy)

Fierce
.