Kataklysm live in München 2026

KATAKLYSM, VADER, BLOOD RED THRONE: Konzertbericht – Backstage Werk, München – 11.03.2026

Alle Jahre wieder führt es KATAKLYSM ins Münchner Backstage. Einen besonderen Anlass hierfür haben die Kanadier zwar nicht ausgerufen, für das Motto „Freedom Or Death“ setzt das um VADER und BLOOD RED THRONE erweiterte Tour-Paket stilistisch jedoch auf letzteres.

Alle Jahre wieder: Den Weg von Kanada nach München finden KATAKLYSM mit beeindruckender Regelmäßigkeit. Im Normalfall darf das Münchner Backstage einmal in zwölf Monaten unter den groovenden Live-Granaten der Death Metal-Band erbeben. Ohnehin scheint die Metropole seit jeher ein gutes Pflaster für das Quartett um Sänger Maurizio Iacono zu sein, welcher den heutigen Spielort kurzerhand zur „Metal-Hauptstadt“ ernennt.

Dabei bekommt seine Formation am heutigen Abend durchaus die derzeit angespannte wirtschaftliche Lage zu spüren: Bei einem Ticketpreis von rund 50,-€ muss sich so mancher Fan zweimal überlegen, ob das jährliche Stelldichein noch im Budget ist: Ein schwarzer Vorhang fungiert in der Folge als Raumteiler, während auch der strategisch platzierte Merchandise-Stand das große Werk in der Fläche begrenzt.

Und doch nehmen beinharte Anhänger:innen für ihre Herzensband auch eine weite Anreise in Kauf: Sogar aus dem südlichen Nachbarland sind manche Gruppen angereist, um neben dem gefeierten Headliner die ebenfalls hoch im Kurs stehenden Veteranen von VADER anzufeuern.


BLOOD RED THRONE

Blood Red Throne live in München 2026

Die Diskette als Symbol für den Speichervorgang in diversen Software-Applikationen dürfte dem Großteil der Anwesenden wohl selbst haptisch noch in bester Erinnerung sein. Ein weiteres Relikt aus jener Zeit findet sich nur ein paar Meter vor unseren Nasen: Was die Gitarristen jüngerer Generationen bequem mit dem Laptop erledigen, machen BLOOD RED THRONE noch selbst per Effektpedal.

Entsprechend klassisch interpretieren die Norweger ihren Death Metal, der mit „Unleashing Hell“ den Groove der alten Schule beschwört und in „Every Silent Plea“ ein paar Grüße nach Stockholm entsendet. Die punktiert melodischen Gitarren ergänzt Bassist Stian Gunderson durch prägnantes Slapping. Ohnehin zieht der Enthusiasmus des Musikers, der sich aus den zahlreichen Grimassen lesen lässt, während des halbstündigen Auftritts die Blicke auf sich.

Zum Abschluss dürfen sich BLOOD RED THRONE sogar über einen kleinen Circle Pit freuen

Blood Red Throne live in München 2026

Bewegung herrscht natürlich überall auf der Bühne, was seinen Teil dazu beiträgt, dass sich das nach und nach eintrudelnde Publikum schnell mitten im Geschehen wiederfindet. Fäuste recken geht im Backstage natürlich immer, doch selbst ein kleiner Circle Pit bildet sich zum abschließenden „Smite“ vor den Brettern: für Stian Gundersson ist das Anlass genug, den Wellenbrecher vor der ersten Reihe zu erklimmen, um so noch ein paar Beine mehr zum Abendlauf zu animieren.

BLOOD RED THRONE Setlist – ca. 30 Min.

1. Unleashing Hell
2. Beneath The Means
3. Every Silent Plea
4. Itika
5. Vermicular Heritage
6. Smite

Fotogalerie: BLOOD RED THRONE


VADER

Vader live in München 2026

Obwohl VADER schon länger gemeinsam Musik machen, als wir überhaupt auf diesem Planeten sind, haben sich unsere Wege bisher nie gekreuzt. Das mag seltsam sein, schließlich gehört München zur festen Tour-Station für die polnische Death Metal-Legende, macht den heutigen Auftritt zumindest für uns jedoch umso spannender. Dass der Umbau trotz des gemeinschaftlich geteilten Drumkits geschlagene 25 Minuten in Anspruch nimmt, soll die Stimmung derweil nicht vermiesen.

Im Gegenteil sind die Anhänger:innen des Quartetts heute zahlreich und noch dazu lautstark vertreten, wie die ständig einsetzenden Sprechchöre unterstreichen. Den Bandnamen skandieren die Fans immer und immer wieder zwischen den Stücken, was selbst Gründungsmitglied Piotr Wiwczarek, genannt „Peter“, ein dankbares Lächeln ins Gesicht zaubert.

VADER werden in München mit offenen Armen empfangen

Vader live in München 2026

Dabei ist die Musik ansonsten bewusst frei von Lichtblicken gehalten: VADER bewegen sich zwischen malmendem Groove, schneidenden Riffs und unheilschwangerer Atmosphäre, wie sie die Rarität „The Book“ mit seinen symphonischen Einsprengseln zu Beginn heraufbeschwört. Es ist ein Mix, der im Werk zwar keinen ungezügelten Moshpit losbricht, dafür die Anwesenden zwischenzeitlich in Ehrfurcht erstarren lässt.

Glücklich macht die Gruppe ihre Fans darüber hinaus mit dem selten gespielten „Reign Forever World“ sowie dem nach vorne abzielenden „This Is The War!!!“, das wie das unverschämt groovende „Triumph Of Death“ den Schwung auch in der zweiten Set-Hälfte aufrechterhält. Nicht ganz ins Schwarze treffen in Letzterem Peters Versuche, das Backstage mit „Bayern“-Rufen zusätzlich anzustacheln: Im Eifer des Gefechts gehen die freudigen Anfeuerungsversuche des Sängers und Gitarristen schlicht unter.

Die Fans feiern VADER wie den Headliner

Vader live in München 2026

Macht aber nichts, denn als sich die Band nach knapp 50 Minuten zum „Imperial March“-Outro geschlossen verneigt, darf sie dennoch im unbändigen Applaus der bayerischen Landeshauptstadt baden. Zum Dank gibt’s ein Nietenarmband und Peters durchgeschwitztes Shirt für die Meute, die VADER gerade wie die Hauptattraktion verabschiedet hat.

VADER Setlist – ca. 48 Min.

1. Sothis
2. Fractal Light
3. Wings
4. The One Made Of Dreams
5. Reign Forever World
6. The Book
7. Cold Demons
8. This Is The War!!
9. Lead Us
10. Triumph Of Death
11. Dark Age
12. Carnal
13. Helleluyah (God Is Dead)

Fotogalerie: VADER


KATAKLYSM

Kataklysm live in München 2026

Bei so viel Liebe für den Special Guest stehen KATAKLYSM plötzlich in der Bringschuld. Die Lösung sehen die vier Mannen im Bewährten: „Push The Venom“ ist als kompromissloser Einstieg nur Auftakt eines breitgefächerten Programms, das sich vorwiegend auf erprobte Hits konzentriert. Schade ist das insbesondere wegen des diesjährigen Jubiläums: 20 Jahre hat „In The Arms Of Devastation“ (2006) mittlerweile auf dem Buckel und markierte seinerzeit unser erstes Aufeinandertreffen mit den mächtigen Kompositionen der Kanadier an Ort und Stelle.

Doch nicht nur aus nostalgischen Gründen hätten wir uns über ein paar zusätzliche Stücke des Klassiker-Werks gefreut. Gleichzeitig wäre es die beste Gelegenheit gewesen, die eigene Setlist durchzuschütteln. Dass jene heute Abend mit Überraschungen geizt, ist wohl der größte Kritikpunkt am Auftritt KATAKLYSMs, die ansonsten keinerlei Ermüdungserscheinungen preisgeben. Das Bühnenbild selbst mag spartanisch sein, dafür machen Gitarrist Jean-François Dagenais und Kollege Stéphane Barbe am Bass vor, wie es in der kompletten Halle auszusehen hat: breitbeiniger Stand und leicht nach vorn geneigter Oberkörper, so dass die rhythmisch rotierenden Häupter den Radius voll ausschöpfen können.

Bewährtes Programm: KATAKLYSM halten das Energielevel hoch

Kataklysm live in München 2026

Mit ihrem unnachahmlichen Groove dauert es folglich keine fünf Minuten, bis wir im Publikum zahlreiche Nachahmer erblicken, so sie denn nicht gleich den Pit bevorzugen, der ab „Thy Serpent’s Tongue“ ohne Pause zum gepflegten Kontaktsport einlädt. Dieses Energielevel wollen KATAKLYSM freilich hochhalten, wie auch Frontmann Maurizio Iacono bestätigt: Viel Reden wolle er nicht, da man eine Menge Songs auf dem Programm stehen habe. Etwas Pathos lässt der Shouter dennoch im Laufe des Abends einfließen, wenn er die Einheit der Metal-Szene beschwört, die auf Kulturveranstaltungen wie dieser die Freiheit zelebriere.

Obschon KATAKLYSM in der Vergangenheit selbst in München vor größerem Publikum standen, ist die Stimmung im Werk ausgelassen, die Chemie zwischen Formation und Fangemeinde harmonisch. Das spiegelt sich in den zufriedenen Gesichtern der Musiker – allen voran JF Dagenais -, aber auch im abseitigen Geschehen, wo der unermüdliche Band-Roadie auf Bitten eines Konzertgängers dessen Smartphone entgegennimmt, um ein kleines Video vom Bühnenrand zu schießen. Ein klein wenig virtuelle VIP-Erfahrung für lau – heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit mehr.

KATAKLYSM geizen mit Überraschungen sind in ihrer Essenz aber weiterhin unverwüstlich

Kataklysm live in München 2026

Was hingegen fest zum Programm gehört, ist ein ganz bestimmtes Ritual: Zwar holen KATAKLYSM anders als 2023 die Münchner:innen heute nicht direkt auf die Bühne, Crowdsurfen darf man zu „As I Slither“ aber weiterhin massenweise, so dass die beiden hart arbeitenden Sicherheitskräfte im Fotograben zwischenzeitlich arg ins Schwitzen kommen. Obschon man „nie genug Security“ habe, wie Maurizio Iacono feststellt, kann der Ansturm letztlich dennoch mit Bravour und ohne Zwischenfälle bewältigt werden.

Sicherlich ist zwischendurch auch auf Seiten KATAKLYSMs die Routine zu spüren, mitreißen kann unverwüstliches Material à la „In Shadows & Dust“, das melodische „At The Edge of The World“ oder „Crippled & Broken“ dennoch. Mit letztgenanntem Evergreen gibt es zumindest einen kleinen Gruß in Richtung des erwähnten Jubiläumswerks, bevor es mit dem schleppenden „Narcissist“ und der eingängigen Hymne „The Black Sheep“ auf die Zielgeraden zugeht. Dort wartet ein für Bandverhältnisse fast schon getragenes Finale: „Elevate“ entlässt uns somit sanft zurück in die Realität, wo es hier und da doch noch ein unerwartetes Präsent gibt. Wieder ist es der sympathische Roadie, der mit frisch gepflückten Setlisten und Gitarrenplektren in den Graben zurückkehrt, um zum Ausklang des Abends noch das eine oder andere zusätzliche Lächeln in die Gesichter der Anhängerschaft zu zaubern.

Ein Wiedersehen mit KATAKLYSM scheint in München beschlossene Sache

Kataklysm live in München 2026

Dass man sich also auch im kommenden Jahr wieder in der „Metal-Hauptstadt“ begegnen werde, gilt wohl als ausgemachte Sache: Nicht nur, weil die Fans ihren Helden weiterhin aus der Hand fressen. Auch einen guten Grund konnte uns Sänger Maurizio Iacono wenige Minuten zuvor bereits verraten: Noch dieses Jahr wolle man ins Studio gehen und ein neues Album einspielen. Mehr muss der langjährige Frontmann überhaupt nicht sagen, um die Vorfreude zu schüren. Denn wo funktioniert der rhythmusbetonte Death Metal KATAKLYSMs besser als live auf dieser Bühne?

KATAKLYSM Setlist – ca. 70 Min.

1. Push The Venom
2. Thy Serpent’s Tongue
3. Goliath
4. Die As A King
5. Prevail
6. Soul Destroyer
7. The Rabbit Hole
8. Drum Solo
9. The Resurrected
10. In Shadows & Dust
11. As I Slither
12. Bringer Of Vengeance
13. Crippled & Broken
14. At The Edge Of The World
15. Narcissist
16. The Black Sheep
17. Elevate

Fotogalerie: KATAKLYSM

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)