THE CROWN – Mit 220 Beats per Minute zum Deathrace King – oder: Dann wird eben solange gespielt, bis wir kotzen..!

THE CROWN – Mit 220 Beats per Minute zum Deathrace King – oder: Dann wird eben solange gespielt, bis wir kotzen..!

Ehrlich gesagt, vor dem Gespräch mit Gitarrist Marko Tervonen von THE CROWN war ich noch viel nervöser als sonst. Schließlich scheinen die Jungs ja nicht gerade unter Minderwertigkeitskomplexen zu leiden, wie Firece in seinem Interview mit Basser Magnus feststellte. Allerdings entpuppte sich Marko als unglaublich netter und lustiger Mensch, der Fragen nicht mit Allerweltsantworten kommentierte, sondern der auch mal fragte, warum ich denn zu dieser oder jener Erkenntnis gekommen bin und sich viel Zeit nahm. Dazu kommt, dass er sich offensichtlich für andere Meinungen interessiert. So ergab sich ein Gespräch, dass eher einer Diskussion als dem üblichen Frage-Antwort-Spielchen glich, zumal Marko nur selten abwartete, bis ich eine Frage gestellt hatte, meistens fing er schon nach ein paar Wörten von mir an, zu erzählen.
 


 

 

Als ich das neue Album Deathrace King zum erstem Mal gehört habe, erinnerten mich die Songs eher an das Eternal Death-Album als an das vorige Album Hell is here

Ich denke, Deathrace King ist einfach ein weiterer Schritt nach Hell is here. Warum erinnert dich die neue Platte an Eternal Death?

Der Song Angels Die von Eternal Death hätte meiner Meinung nach perfekt auf Deathrace King gepasst, das ist einer der Gründe. Aber ich stelle hier die Fragen! *g*…

Haha, wir sind eben noch immer die selben Leute. Es kann schon sein, dass manche Songs ein bisschen wie die alten Sachen klingen. Magnus und ich teilen uns das Songwriting, jeder macht eine Hälfte. Wir schreiben die Songs nicht zusammen, jeder macht seine Titel. Da kann es sein, dass sich jeder von uns manchmal auch an den alten Songs orientiert. Daneben versuchen wir aber immer, auch etwas Neues und Frisches zu machen.

Hell is here war ein direkter Schlag in die Fresse, die Platte war auf ihre Weise eingängiger als Deathrace King…

Nun, auf der Hell is here haben wir begonnen, Thrash Metal Elemente zu verwenden, was wir vorher nicht oder nur sehr wenig getan haben. Ich denke noch immer, dass es ein sehr gutes Album ist. Das einzige mit dem ich nicht zufrieden bin, ist die Produktion.

Das wäre meine nächste Frage gewesen…

Haha, dachte ich mir. Der Sound von Hell is here war eben sehr rau, das wollten wir so. Wenn du Hell is here mit dem neuen Album vergleichst…nun, es liegen Welten dazwischen!

…und Hell is here wirkt auf mich kompakter als Deathrace King

Ich denke, Deathrace King ist ein vielseitiges Album, es gibt Death Metal Songs und es gibt Thrash Nummern. Wir haben aber bereits mit Hell is here viel abgedeckt. Der große Unterschied zwischen den Alben ist der Sound. Das Material von Deathrace King ist, ehrlich gesagt, auch nicht viel neuer als das von Hell is here. Wir hatten Hell is here aufgenommen und dann sofort mit dem Songwriting für Deathrace King angefangen. Deathrace King ist konzentrierter, früher haben wir einen Death Metal Song und einen Thrash Metal Song gemacht. Heute ist beides, Death und Thrash Metal in einem Track verschmolzen. Ich habe beim neuen Album bewusst versucht, auch Songs ohne Melodie zu schreiben – Ich habe mich mehr auf die Rhythmusgitarre konzentriert. Also, Du hast schon irgendwie recht, haha.
 

Aber über allem steht immer noch die typische The Crown-Atmosphäre, zumal sich die Songs untereinander schon deutlich unterscheiden. Rebel Angel ist mehr eine rockige Nummer, während ich Dead Man´s Song als schleppenden Death Track einordnen würde – war es schwierig, jedem einzelnen Song den The Crown Stempel aufzudrücken?

Das Coole ist, dass nur ich und Magnus die Songs schreiben. Das heißt aber nicht, dass die anderen nichts tun, im Gegenteil, sie tragen eine Menge zu den Titeln bei. Wenn ich mit einer Idee wie der zu Dead Man´s Song ankomme, gibt jeder seinen Senf dazu – so entsteht dieses The Crown-Feeling. Marcus macht die melodischen Soli über die Songs, Janne kommt mit seinem technischen Drumming dazu, das Ergebnis ist dann ein typischer The Crown Song. Ich hatte oft Angst, wenn Magnus eine neue Idee vorgestellt hat – ich dachte mir, was zum Teufel spielt der jetzt schon wieder? Bei Rebel Angel ging es mir zum Beispiel so; Ich dachte, das sei viel zu rockig für uns, als er es vorspielte. Aber als wir alle zusammen den Song spielten, klang es wieder nach The Crown.

Rebel Angel ist ja laut Magnus Erklärungen auf euer Homepage auch von alten Rock Helden wie Kiss oder den Rolling Stones inspiriert…

Jaja, das ist seine Leidenschaft. Er mag das Zeug, sogar die neuen Sachen wie die Hellacopters.

Bei der Vielfalt eurer Songs müssen ja zwangsläufig verschiedene Einflüsse da sein…
 

 

Ja, wir haben als klassische Florida Death Metal-Band begonnen, dann wurde uns diese Musik zu einseitig. Heute versuchen wir, Thrash Metal-Gitarrenriffs, dreckige Punk Attitude, einfach alles, was wir mögen, zu verbinden. Wir wollen einfach alles, was und gefällt, in eine Band packen. Wir haben auf jeden Fall unseren eigen Stil. Wie spielen seit zehn Jahren zusammen und keiner hat nebenbei eine andere Band, da wird es einfacher, jeder kann alle seine persönlichen Vorlieben in die Band einbringen.

Ich stehe oft vor dem Problem, jemandem, der die Band nicht kennt, kurz zu erklären, was ihr eigentlich macht.

Ich finde, am besten passt die Bezeichnung Death Metal zu uns – viele sagen aber es sei Thrash-Deathmetal. Ich nehme meine Musik aber auf jeden Fall sehr ernst. Es kann bei mir schon mal einen oder zwei Monate dauern, bis ein Titel fertig ist. Wir proben dreimal die Woche, das heißt auch dass du viel Zeit für die Songs hast und an ihnen arbeiten kannst. Du hörst die Songs immer wieder, so erkennst du auch die schwachen Teile und kannst diese verbessern.

Eure Songs sind einerseits recht komplex, andererseits ziemlich brutal…

Nun, die Songstrukturen sind recht einfach, die Songs klingen vielleicht so vielschichtig, weil Janne ein sehr technisches Drumming macht. Aber im Prinzip haben die Songs eine durchgehend konstante Zahl an bpm, beats per minute. Wenn ein Song mit 220 bpm startet, dann geht er auch so weiter. Der Grundrhythmus ändert sich nicht groß, es kommen eben viele Schläge dazu, oder sie werden ausgelassen. Wenn du mit Headbangen anfängst, dann kannst du durchbangen. In der Hinsicht sind die Songs simpel. Es gib allerdings schon viele kleine technische Feinheiten, das komplizierteste ist aber Jannes Drumming.

Nun, es gibt einen Satz, der immer fällt, wenn man The Crown hört: Der Drummer ist abartig gut!

Haha, stimmt. In den meisten Reviews bekommt Janne auch das meiste Lob.

Nun, dass ihr großartige Musiker seid, steht außer Zweifel. Könnt ihr euch in Zukunft noch steigern, oder habt ihr das Gefühl, nun das Limit erreicht zu haben?

Danke! Wir können uns aber mit Sicherheit noch weiter verbessern. Wir proben sehr viel – mit jeder Platte werden wir besser. Ich selbst habe mich in den letzten drei Jahren enorm verbessert, ich weiß ich habe dasselbe auch schon vor vier Jahren gesagt, haha. Aber es stimmt, besonders meine rechte Hand ist besser geworden. Marcus ist ein sehr guter Sologitarrist, ich interessiere mich nicht mehr so sehr dafür – er ist auch viel besser als ich. Mit ist die rechte Hand wichtig, um eine tightes Riffing hinzubekommen.

Das schöne ist, dass ihr nicht mit irgendwelchen technischen Spielfertigkeiten langweilt – die Songs kommen trotz allen Anspruchs immer auf den Punkt…

Wir hocken ja ständig im Proberaum, darum werden die Songs so kompliziert. Wenn ich eine Idee vorstelle, ist die meist ganz einfach. Mit jeder Probe kommen dann neue Elemente hinzu. Auf diesem Album sind Songs, die wir acht Monate geprobt haben. Wir wiederholen sie immer wieder, und jedes Mal kommt etwas neues dazu. Jeder hat Ideen, jeder trägt zum Ergebnis bei. Dabei machen auch die Gitarristen Vorschläge fürs Drumming oder Janne schlägt ein Solo vor. Es gibt keinen Egotrip von einzelnen, wir sind eine Demokratie.

Johann hatte Halsschmerzen, als ihr das Album aufgenommen habt. Ich kann das nicht glauben, denn die Vocals sind so gut wie nie zuvor. Oder muss er nun immer erkältet sein, wenn ihr spielt?

Haha. Nein, die Vocals hat er eingesungen, als er wieder fit war. Aber es stimmt, wir hatten ein paar Probleme. Wir hatten das Studio für drei Wochen gebucht – daraus sind zweieinhalb Monate geworden. Wir mussten viel pausieren, wir wurden alle zur selben Zeit krank. Und natürlich ist es beschissen, wenn dein Sänger Halsweh hat, haha. Es gab leider viel Leerlauf – doch alles was zählt, ist das Ergebnis.

Ich hab aber auch was an Deathrace King aus zu setzten: es fehlt ein Song wie Give you Hell – ein Killer, der dir *sofort* ins Ohr geht.

Was gefällt dir denn an dem Song?

Nun, wenn mich jemand so richtig geärgert hat, dann höre ich mir diesen Song an – die Aggressivität, die dabei rüberkommt, hilft mir immer ganz gut, ich denke dann nur noch: Was solls? Warum soll ich mich über irgendeinen Idioten ärgern? Ich finde, Give you hell ist einer eurer eindringlichsten Songs… es steckt viel gute, echte Ehrlichkeit und Stolz darin…

Ah, gut. Ich mag den Song auch sehr gerne, aus ähnlichen Gründen. Aber eigentlich ist es ein ganz einfacher Track , er hat nur zwei Riffs – aber er ist verdammt aggressiv. Ich habe gehört, dass viele Magazine den Song Back from the Grave mögen, das ist auch so ein Straight in your face-song – deine Meinung?

Ooch.. Ich finde bei Deathrace King ist es schwer, Songs herauszupicken, und zu sagen, der ist gut und der ist besser. Wenn ich schon einzelne Songs bewerten soll, dann steht bei mir Vengance und Blitzkrieg Witchcraft ganz oben, beide sind ziemliche Killer.

Gute Wahl!

Nun, aber ich habe mich gefragt, ob es Absicht war, dass ihr ein wenig von diesen Smashern abgerückt seid und vielschichtigere Songs macht, die sich entwickeln.

Wir planen niemals, wenn wir schreiben. Die Songs entstehen einfach. Magnus und ich, wir machen die Basis und dann setzten wir uns zusammen. Ich habe versucht, weniger Melodien zu machen. Wenn ein Album mit Melodien vollgepackt ist, dann verlieren sie ihren Reiz. Wenn du ein paar aggressive Songs hast und dann eine Melodie bringst wie den Chorus von Vengance, dann hören die Leute genauer hin, die Melodie kommt dann viel mehr zur Geltung.

In Executioner habt ihr uralte Riffs verbraten..

Ja, ehrlich gesagt, es sind nur alte Riffs in diesem Song, haha. Es ist halt eine Art Old School Death Metal Track – entstanden sind die Ideen zu dem Song irgendwann zwischen 93 und 95. Wir haben aber immer aussortiert, es überleben nur die besten Teile, und diese haben überlebt.

Nun, man kann das Alter aber nicht hören.

Haha, es sind alte Riffs in modernem Arrangement, damit es keiner merkt.

Insgesamt wart ihr aber nur 21 Tage im Studio..?

Ja, das ist nicht allzu lange. Bei den Aufnahmen zu Hell is here hatten wir vier Wochen, aber wir haben auch damals bis zum letzten Tag gearbeitet. Insgesamt waren wir zweieinhalb Monate im Studio, aufgenommen haben wir aber nur 21 Tage. Wenn wir arbeiten, arbeiten wir schnell. Natürlich hast du im Studio auch viel Freizeit. Aber wir sind konzentriert, wenn wir anfangen die Gitarren aufzunehmen, dann wird solange gespielt, bis wir kotzen, haha.

In dem Song Total Satan habt ihr einen Stimmeffekt verwendet, ich finde Johann klingt an dieser Stelle wie ein Dämon aus einem alten Horrorfilm. Ich nenne es Unterwasser-Stimme. Was denkst du, wie viel Technik kann man in einen Song packen, ohne Aggressivität zu verlieren?

Wenn du einen Song schreibst, und du denkst nicht schon im voraus an all die Sachen, die du mit Technik machen kannst, dann bleibt der Song aggressiv, auch wenn du hinterher Effekte darüber legst. Es ist kein gutes Zeichen, wenn du schon von vornherein Effekte einplanen musst. Ein Song sollte auch ohne sie gut sein. Wenn du´s dann noch zusätzlich verbessern kannst, toll. Die Effekte auf Deathrace King sind im Studio entstanden, nachdem wir die ersten Aufnahmen gehört hatten. Es gibt eine Kirchenglocke in Back from the grave und den Vocal Effekt, den du bemerkt hast.

Ihr hattet Unterstützung von Mika Luttinen (Impaled Nazarene) für den Song Total Satan und Thomas Lindberg (ex-At the Gates) bei Devil Gate Ride. Wie kam es dazu?

Wir haben 1998 eine Tour mit Sacrilege gemacht, damals sang Thomas für diese Band. Wir haben uns schnelle angefreundet, und er wollte schon immer etwas für uns machen, denn er ist ein großer Fan. Also dachten wir, warum nicht? Zumal er ein sehr guter Sänger mit einem komplett anderen Stil als Johann ist. Auf der No Mercy Tour haben wird den Bus mit Impaled Nazarene geteilt, das war ganz cool. Sie sind finnisch, ich und Janne sind finnisch – wir sprechen die selbe Sprache, das verbindet, haha.

Warum ist das Cover von Deathrace King eigentlich schwarz? Die Cover eurer bisherigen Alben waren schließlich immer in Orange-Rot gehalten.

Das war Absicht, die roten Cover wurden schon fast zu einem Markenzeichen von THE CROWN, wir wollten mal etwas neues machen.

Ich mochte das Orange aber ganz gerne, schließlich erleichterte es die Suche im Regal nach euren CDs erheblich…

Nun, inzwischen ist Rot zu gewöhnlich – diese Farbe suchen heute eine Menge Bands aus. Das Cover der Deathrace King wird auch anders aussehen als die Promo. Die CD kommt in einer Black Box und was bei Dir grau aussieht, ist in Wirklichkeit silbern. Cannibal Corpse machten etwas ähnliches, so ungefähr wird auch das endgültige Cover aussehen.

Warum habt ihr Give you Hell eigentlich nicht bei eurem Wacken-Gig gespielt – darauf hatte ich mich nämlich gefreut?!
 

 

THE
(THE CROWN meets die vampsters auf dem Wacken 99. Hier prägte Fierce die legendären Worte ´You did a great Shit!´)
 

 

Es wird mit dem neuen Album noch schlimmer werden, dass sich Fans auf bestimmte Songs freuen, die wir dann nicht spielen können. Haha, ich bin mal ehrlich: auf dem Wacken haben es wir uns einfach gemacht, es war derselbe Set wie auf der Tour zuvor. Wir wollten keine zusätzlichen Songs einüben. Aber die Show war gut, und ich war ziemlich erstaunt dass so viele Leute da waren.

Auf der Hell is here und auch auf Deathrace King ist der letzte Song von einer melodischen Gitarrenline eingeleitet…

Als wir die Songs zu Deathrace King geschrieben haben, stellten wir fest, dass jeweils der letzte Song unserer Alben immer ein wenig anders als der Rest waren. Wir wollen das beibehalten. Und als Magnus mit der Melodie für Killing star ankam, dachten wir, dieser Song wäre ein perfekter Rausschmeisser. Es ist gut, einen etwas anderen Track zu machen, dann so wissen die Leute nicht, wohin sich die Band entwickeln wird. Wenn der letzte Song eine Vielzahl an Elementen hat, dann kann man in viele Richtungen weitermachen… wir können in Richtung Black Sabbath oder in Richtung Blastbeat-Killer-Song gehen, das ist offen.

Ok, die folgenden Fragen stelle ich Dir nur, wenn du mir versprichst nicht aufzulegen und mich nicht zu verhauen…

Haha, Du bist eh ein Bastard, du warst nicht bei den No Mercy Shows von uns (da war ich im Krankenhaus mit frisch operiertem Knie, sonst wäre ich dort gewesen!-Verfass.). Ok, schieß los, ich bin gespannt …

Die Gitarrenriffs in Vengance erinnern mich an Rock you like a hurricane von den Scorpions…

(brüllendes Gelächter) Ich war tatsächlich ein großer Scorpions Fan als ich 14 war, aber es ist das erste Mal, dass das jemand in meinen Songs hört. Daran hab ich noch nie gedacht, es war auch nie beabsichtigt – vielleicht ist es aus dem Unterbewussten nach oben gestiegen, haha

Blitzkrieg Witchcraft – die Bridge erinnert an Iron Maidens Where eagles dare

Haha, Maiden ist immer gut. Ernsthaft, ich weiß es nicht, der Song kommt von Magnus. Keine Ahnung, ob er es geklaut hat.

Ich habe nicht gesagt, dass es geklaut ist. Ich finde es nur immer recht spannend, alte Ideen in völlig anderen Songs von völlig anderen Bands zu finden – und die meisten Riffs sind doch eh schon irgendwo verbraten

Natürlich sind wir von anderen Bands inspiriert, aber in den meisten Fällen, – oder meistens – haha, versuchen wir nicht zu klauen.

Ok, hier kommt die dritte…

Nochmal so was?! Oje oje

Das Intro zu Killing Star…

(unterbricht) du sagst bestimmt gleich Black Sabbath!

Nö, falsch. Das Intro erinnert mich an Metallicas The Unforgiven

Ah, ja.. Aber du meinst Unforgiven pt II”, haha. Ich erinnere mich, als wir das Lied gespielt haben, kam Magnus mit dem Intro-Teil an. Wir haben es uns angehört und jeder meinte, das klänge wie Unforgiven pt II. Das witzige ist, dass Magnus die neunen Songs von Metallica hasst! Keine Ahnung, ob er den Song überhaupt kennt.

Andere sagten, dieser Song klänge an manchen Stellen nach Black Sabbath. Ich denke, wenn wir die Stimmung solcher Songs verwenden und in unseren Death Metal Kontext einbauen können, warum sollten wir es nicht tun?

Das meinte ich vorher…

Aber ich glaube nicht, dass sich Magnus die neuen Metallica Songs intensiv angehört hat, er mag mehr die alten Scheiben – aber wir hatten genau dasselbe wie du gesagt, also muss etwas wahres dran sein, haha

Nun, ich mag das neue Zeug vom Metallica auch nicht sooo besonders.

Ich verehre James Hetfield… von mir hörst du nichts negatives über ihn!

Nun, für mich und ein paar vampster-Kollegen klingt das S&M Album wie ein James Bond Soundtrack…

Haha, als ich es das erste Mal gehört habe, war ich ziemlich verwirrt. Ich dachte zunächst, dass es wirklich Schrott ist. Ich sah dann eine Aufzeichnung eines der Konzerte im schwedischen Fernsehen – da habe ich meine Meinung geändert, es ist eben doch ziemlich cool. The Call of Ktulu klang niemals besser als in der klassischen Version.

Ich will mich hier aber gar nicht über Metallica unterhalten, ihr seid viel interessanter. The Crown sind für mich eine ziemlich aggressive Band, das merkt man auch eurer Live-Show an. Auf der anderen Seite scheint ihr einen ziemlich schrägen Humor zu haben, den ihr auch nicht versteckt…

Nun, es gibt viele Bands im Extrem Metal Bereich, die ein ähnliches Image haben. Brutal und aggressiv. Wenn wir auf der Bühne stehen, sind wir voll konzentriert. Nach der Show oder auch sonst wollen wir aber schon unseren Spaß haben, haha

Seht ihr euch eigentlich in einer gewissen Tradition von alten Rock n´ Roll Bands – schließlich kommt bei eurer Musik auch eine gute Portion Rebellion durch?

Wir nehmen die Musik sehr ernst, aber wir sehen nicht alles so verbissen. Wir wollen auch mal lachen. Wir haben einen sehr seltsamen, dunklen und sarkastischen Humor, hehe. Es ist großartig, mit Bands wie Impaled Nazarene, die auf unserer Wellenlänge liegen, auf Tour zu gehen. Als wir begonnen haben, Musik zu machen, haben wir immer davon geträumt, wie es sein wird, wenn man auf Tour ist. Inzwischen haben wir festgestellt, dass Touren wirklich großartig sein kann, wenn wir Leute treffen, die so drauf sind wie wir – das ist schon ziemlich cool.

Habt ihr wirklich Spaß am touren?

Touren ist fast nur Spaß. Wir trinken zwar keinen Alkohol vor der Show, da sind wir ziemlich konsequent. Nach der Show, haha, das ist ein anderes Thema. Da kannst du dann mit einem dummen Grinsen im Gesicht rumlatschen, dich hierhin und dorthin setzten und auch was trinken, haha. Die Shows sind aber wirklich konzentriert und auf den Punkt gebracht – das ist der beste Weg eine Band zu promoten.

Ja, dann promotet eure Band doch bitte bald in Deutschland!

Ja, das haben wir vor. Es ist noch nichts bestätigt, keine Festivals, keine Tour, gar nichts. Nur die Daten für die Skandinavien Tour sind im Moment fest. Unser Label Metal Blade sagte uns, dass wir vielleicht im September zu euch kommen, ich weiß das ist sehr, sehr spät. Aber vielleicht touren wir dieses mal durch die USA und das wäre schon ziemlich cool. Skandinavien Tour, USA, und dann die große Europatour im Herbst, das wäre gut.

Wie schätzt du einen The Crown Fan ein?

Die meisten genießen wohl die ganze Vielfalt des Heavy Metals. Ich denke, wir sind weniger eine Band für Leute, die nur und ausschließlich Death Metal hören. Unsere Fans sind wahrscheinlich nicht open-minded, haha, aber sie sind wohl älter als 15, sie haben wohl die Thrash Welle erlebt. Genauso wie die Melodic Death Welle, so können sie wirklich schätzen und verstehen, was wir machen.

Wenn man eure Texte betrachtet, dann fällt mir eine Veränderung auf. Früher habt ihr mehr gegen die christliche Ideologie gewettert …

Wir sind noch immer gegen diesen Glauben. Aber, je mehr Texte du schreibst, um so mehr versuchst du, etwas neues zu machen. Es ist nicht gut, sich selbst ständig zu wiederholen. Wir wollen über vieles schreiben, meist kommt halt etwas ziemlich Dunkles dabei raus. Es gibt viele verschiedene Texte, ich denke dass man die Lyrics von Deathrace King am ehesten mit denen des Hell is here Albums vergleichen kann.
 

 

 

Mir kommt es so vor, als ob ihr euch nun ziemlich unabhängig von allem fühlt und dass ihr euch keine Vorschriften machen lassen wollt, während ihr früher ganz klar gegen etwas gewehrt habt, dass euch nicht gefallen hat.

Magnus sagt, er fühle sich richtig frei. Er spricht von totaler Freiheit. Früher schrieb er eher typische Death Metal Texte. Heute sagt er: Tu, was du willst. Natürlich muss der Text auch zur Musik passen. Wenn wir eine Balllade machen würden (da muss er selbst lachen), dann müssten auch der Text weniger hart sein. Aber so lange wir diese harten Songs machen, müssen auch die Texte wie ein Schlag ins Gesicht sein.

Ich weiß, dass Magnus sehr von seiner Einstellung überzeugt ist – das kam zumindest in dem Interview, das unser Fierce letzten November mit ihm machten, so rüber.

Ja, du hast schon recht. Er nimmt sich aber sehr viel Zeit für die Texte, für Deathrace King hat er sechs Monate gebraucht. Wir fühlen uns manchmal ziemlich angepisst, wenn jemand sagt unsere Texte seien lustig. Sie sind wirklich ernst, Magnus benutzt nur manchmal andere Wörter, die nicht von Death Metal gebraucht werden oder er verwendet sie in einer anderen Bedeutung.

Nun, in unserem damaligen Interview gab er uns noch ein paar Sätze Schwedisch mit auf den Weg – wir hatten uns gefragt, wie wir denn das zu verstehen hätten…

Haha, ach ihr wart das…. ich erinnere mich.

Nun, war das ein Scherz, oder waren die Fragen so blöd?

Wir haben halt einen komischen Humor, haha. Als Magnus das geschrieben hatte, hat der Typ, der das Intie gemacht hatte, ein Lexikon genommen und es übersetzt. Das hat uns Andreas von Metal Blade erzählt, die waren nicht so begeistert, haha. Das ganze war nie ernst gemeint. Wir hatten schon Probleme mit Leuten, denen wir gemailt haben. Das Problem ist, dass du geschriebenen Sarkasmus nicht immer verstehen kannst – und dann auch noch in einer Fremdsprache. Es fehlt die Stimme. Wenn ich dir schreibe, dass du ein tolles Shirt anhast, dann kannst du oft nicht wissen, wie es gemeint ist.

Ich HABE ein tolles Shirt an, natürlich ein The Crown Shirt!

Sehr gut!

Zurück zu den Texten: Ihr benutz im Text zu Blitzkrieg Witchcraft auch Ausdrücke wie Sieg Satan oder Exploding Bodies über alles – was hat es denn damit auf sich?

Jaja, ich weiß, ein heikles Thema. Aber der Song handelt von einem Irren, der die ganze Welt in einen Atomkrieg verwickelt, um sie zu beherrschen. Eine ziemlich abgefahrene Geschichte, Magnus war wohl high als er sie geschrieben hat, haha. Als ich die Zeilen über alles das erste mal gehört habe, dachte ich mir auch, was soll das denn? Aber Magnus hat diese Worte verwendet, um ein bestimmtes Bild zu kreieren, er wollte das Thema Größenwahn damit beschreiben. Wer den Text liest, versteht das auch richtig. Es wäre ziemlich dumm gewesen, den Song Blitzkrieg über alles zu nennen, da hätten wir wohl wirklich Probleme bekommen – und große Schlagzeilen, haha.

Was bedeute eigentlich der Tod für dich? Nur das Ende des Lebens oder auch eine gewisse Art von Macht – ich bin mir nicht sicher, eure Texte legen manchmal eher den zweiten Schluss nahe.

Nun, für mich bedeutet der Tod einfach nur Ende. Ende der Strasse, mehr nicht. Ich habe da eine sehr einfache Einstellung.

Was sagst du denn zur satanischen Musikszene, ihr benutzt die selben Wörter und Bilder, doch auf andere, eine mehr symbolische Art…

Es gibt gute Black Metal Bands. Das Problem ist halt, dass sich viele dieser Bands mehr auf ihr Image konzentrieren und darüber die Musik vergessen. Wir versuchen, die Musik sprechen zu lassen und verzichten auf die manchmal schon lächerliche Satanistenmasche, wir konzentrieren uns mehr auf das was eine Band ausmacht, und das ist die Musik.

Der ganze Satans-Krempel bei The Crown ist eher symbolisch zu verstehen…

Genau, Satan steht für Freiheit und Rebellion. Es ist eine ziemlich egoistische Ideologie, nur das zu tun, was du selbst für richtig hältst, und davon steckt ziemlich viel in unseren Texten. Aber Magnus denkt so, so drastisch das klingt.

Anderes Thema: Eure Homepage finde ich recht gelungen… die machst du, nicht wahr?

Ja, danke! Wir hatten ein paar inoffizielle, aber es war an der Zeit, selbst was zu tun, ich weiß schließlich am besten Bescheid über die Band. Ich gebe mir Mühe, sie auf dem laufenden zu halten.

Ihr habt den richtigen Dreh zwischen Info und Unterhaltung, …

Natürlich… wir haben auch Porno-Pics (und Hochzeitsfotos-verfass.), haha. Das Internet ist für Bands verdammt wichtig. Ich wünschte, ich hätte schon vor Jahren gewusst, wie man eine Homepage macht. Ich habe nie programmieren gelernt, ich hab mir einfach das Programm Dreamweaver geschnappt und es damit gemacht. Da sind keine html-codes von mir drauf, die Homepage ist einfach gemacht. Ich versuche aber, sie ein bisschen persönlich zu halten. Ich arbeite sehr viel daran und habe viele Pläne. Bisher gibt es keine Audio- oder Video-Files, das wird sich ändern. Wir haben zwei Videos gemacht, zu den ersten beiden Alben. Seit Headbangers Ball jedoch abgesetzt wurde, gibt es keinen Grund mehr, ein Video zu machen. Viele Bands, die früher Clips gemacht haben, tun dies nun nicht mehr. Ein cooles Video ist eine gute Möglichkeit, eine Band vorzustellen. Du kannst damit das Image und die Art einer Band gut transportieren. Verdammt schade, dass es fast keine Möglichkeit gibt, Videos zu zeigen. Das Internet kann hier weiterhelfen, ich kann alles überall anschauen. Es ist wie eine große Bücherei.
 

Zum guter Letzt: Der Vampster Fragebogen

Was waren die drei letzten Alben, die dir gut gefallen haben?

Vader, Litany – ein Killer.

Hate Eternal, das ist cooler Florida Death Metal

Und, haha, ich mag die aktuelle Paradise Lost. Ich mag Gregor Mackintoshs Art, Gitarre zu spielen. Seine Soli klingen immer, als ob die Gitarre ein wenig verstimmt wäre, ziemlich seltsam, aber gut!

Wen willst du mal treffen?

James Hetfield. Er ist der König, er ist Gott, er ist meine Religion, haha. Alles was er macht ist gut. Er ist der beste Gitarrist auf der ganzen Welt, er ist der Mann!

Ist Dir mal etwas Lustiges auf der Bühne passiert?

Wir haben schon öfters Pyros benutzt, manchmal waren wir kurz davon uns mit den Dingern die Haare abzufackeln. Es gibt aber nichts außergewöhnliches, von den ich dir erzählen könnte. Natürlich verheddern sich unsere Haare manchmal in den Gitarren, aber das ist nichts besonderes.

Johann, euer Sänger, hat bei einer Show Bierbecher von der Bühne gekickt, und dabei eure Labelchefs voll erwischt, stimmt das?

Hahaha, ja… so kamen wir an unseren Vertrag. Vielleicht sollten wir das weiterempfehlen, haha.

Last Words?

Wie gesagt, wir haben noch keine Tourdaten, also schau regelmäßig auf die Homepage – ich werde die Daten sofort hochladen, wenn ich was weiß!

Werde ich ganz sicher tun, denn der Bastard lässt sich garantiert keine Show mehr entgehen!

März 2000

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...